{"id":106,"date":"2012-03-31T19:54:50","date_gmt":"2012-03-31T21:54:50","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=106"},"modified":"2012-09-18T14:22:58","modified_gmt":"2012-09-18T12:22:58","slug":"bemessungsgrundlage-des-solidaritatszuschlags-zur-korperschaftsteuer-verfassungswidrig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bemessungsgrundlage-des-solidaritatszuschlags-zur-korperschaftsteuer-verfassungswidrig\/","title":{"rendered":"Bemessungsgrundlage des Solidarit\u00e4tszuschlags zur K\u00f6rperschaftsteuer verfassungswidrig?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bemessungsgrundlage des Solidarit\u00e4tszuschlags zur K\u00f6rperschaftsteuer verfassungswidrig?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kernaussage<\/strong><\/p>\n<p>Das Solidarit\u00e4tszuschlagsgesetz regelt unter anderem die Bemessungsgrundlage und die zeitliche<br \/>\nAnwendung f\u00fcr den Solidarit\u00e4tszuschlag. Der Bundesfinanzhof (BFH) h\u00e4lt die betreffende<br \/>\nVorschrift f\u00fcr verfassungswidrig, weil die R\u00fcckzahlung des K\u00f6rperschaftsteuerguthabens weder<br \/>\ndie j\u00e4hrliche Bemessungsgrundlage f\u00fcr den Solidarit\u00e4tszuschlag mindert noch eine andere<br \/>\nVorschrift einen Anspruch auf Auszahlung eines Solidarit\u00e4tszuschlagguthabens vorsieht. Entsprechend<br \/>\nwurde aktuell das Bundesverfassungsgericht angerufen, um die Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit<br \/>\nzu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt<\/strong><\/p>\n<p>Bis zum Jahr 2000 wurde das Einkommen der K\u00f6rperschaften nach dem K\u00f6rperschaftsteuer-<br \/>\nAnrechnungsverfahren versteuert. Die thesaurierten Gewinne wurden zuletzt mit 40 % besteuert.<br \/>\nWurde der Gewinn sp\u00e4ter ausgesch\u00fcttet, reduzierte sich die K\u00f6rperschaftsteuer auf zuletzt<br \/>\n30 %. Dieser Reduzierungsbetrag wurde an die Gesellschaft durch entsprechende Minderung<br \/>\nder von der Gesellschaft laufend zu entrichtenden K\u00f6rperschaftsteuer erstattet. Im Jahr 2001<br \/>\nl\u00f6ste das Halbeink\u00fcnfteverfahren das Anrechnungsverfahren ab. Zur Sicherstellung der Definitivbesteuerung<br \/>\nder thesaurierten Gewinne mit 30 % wurde das enthaltene K\u00f6rperschaftsteuer-<br \/>\nMinderungspotenzial in K\u00f6rperschaftsteuer-Guthaben umgerechnet. Dieses sollte urspr\u00fcnglich<br \/>\nf\u00fcr 15 Jahre unter grunds\u00e4tzlicher Beibehaltung des Anrechnungsverfahrens abgebaut werden.<br \/>\nMit Wirkung ab 2007 wurde die R\u00fcckzahlung des K\u00f6rperschaftsteuer-Guthabens aus dem Veranlagungsverfahren<br \/>\nabgel\u00f6st von der ratierlichen Auszahlung in 10 gleichen Jahresbetr\u00e4gen.<br \/>\nDie Kl\u00e4gerin, eine GmbH, ist der Ansicht, dass zugleich ein Solidarit\u00e4tszuschlagsguthaben<br \/>\nh\u00e4tte festgestellt werden m\u00fcssen.<br \/>\n<strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Entscheidung<\/strong><\/p>\n<p>Der BFH ist der \u00dcberzeugung, dass die entsprechende Vorschrift insoweit verfassungswidrig<br \/>\nist, als in dieser Regelung keine Ber\u00fccksichtigung des K\u00f6rperschaftsteuer-Guthabens mit Minderung<br \/>\ndes Solidarit\u00e4tszuschlags geregelt sei. Insofern verstie\u00dfe die Norm gegen den verfassungsrechtlichen<br \/>\nVertrauensschutz sowie den allgemeinen Gleichheitssatz, da diejenigen<br \/>\nSteuerpflichtigen benachteiligt w\u00fcrden, die im Vertrauen auf die urspr\u00fcngliche Regelung davon<br \/>\nabgesehen h\u00e4tten, durch Gewinnaussch\u00fcttungen ihr K\u00f6rperschaftsteuer-Guthaben anzufordern.<br \/>\nZudem habe der Gesetzgeber das Vertrauen in den Fortbestand der befristeten \u00dcbergangsregelungen<br \/>\nentt\u00e4uscht, indem er diese zu Lasten der Steuerpflichtigen vor Ablauf der<br \/>\nurspr\u00fcnglich vorgesehenen Frist ge\u00e4ndert habe.<br \/>\n<strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Konsequenz<\/strong><\/p>\n<p>Bei Kapitalgesellschaften mit nennenswertem K\u00f6rperschaftsteuer-Guthaben sollte beim zust\u00e4ndigen<br \/>\nFinanzamt unter Bezugnahme auf das vorliegende Verfahren bis zum 31.12.2011<br \/>\nein Antrag auf gesonderte Festsetzung eines Solidarit\u00e4tszuschlags-Auszahlungsanspruchs auf<br \/>\ndas K\u00f6rperschaftsteuer-Guthaben gestellt werden. Auch kann es sinnvoll sein, die K\u00f6rperschaftsteuer-<br \/>\nVeranlagungen ab dem Veranlagungszeitraum 2008 (erstmalige Auszahlung des<br \/>\nK\u00f6rperschaftsteuer-Guthabens) verfahrensrechtlich offen zu halten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bemessungsgrundlage des Solidarit\u00e4tszuschlags zur K\u00f6rperschaftsteuer verfassungswidrig? Kernaussage Das Solidarit\u00e4tszuschlagsgesetz regelt unter anderem die Bemessungsgrundlage und die zeitliche Anwendung f\u00fcr den Solidarit\u00e4tszuschlag. Der Bundesfinanzhof (BFH) h\u00e4lt die betreffende Vorschrift f\u00fcr verfassungswidrig, weil die R\u00fcckzahlung des K\u00f6rperschaftsteuerguthabens weder die j\u00e4hrliche Bemessungsgrundlage f\u00fcr den Solidarit\u00e4tszuschlag mindert noch eine andere Vorschrift einen Anspruch auf Auszahlung eines Solidarit\u00e4tszuschlagguthabens vorsieht. 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