{"id":15246,"date":"2013-03-26T07:55:09","date_gmt":"2013-03-26T05:55:09","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=15246"},"modified":"2013-03-26T07:56:26","modified_gmt":"2013-03-26T05:56:26","slug":"medizinische-masnahmen-als-ausergewohnliche-belastungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/medizinische-masnahmen-als-ausergewohnliche-belastungen\/","title":{"rendered":"Medizinische Ma\u00dfnahmen als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen"},"content":{"rendered":"<div>\n<h2>Einkommensteuer:\u00a0Medizinische Ma\u00dfnahmen als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen (FinMin)<\/h2>\n<p>Behandlungen, die lediglich aus kosmetischen Erw\u00e4gungen heraus &#8211; ohne medizinische Notwendigkeit und ohne therapeutisches Ziel &#8211; vorgenommen werden, sind keine Krankheitskosten, sondern Kosten der privaten Lebensf\u00fchrung (Finanzministerium Schleswig-Holstein v. 12.03.2013 &#8211; Kurzinfo ESt 6\/2013VI 313 &#8211; S 2284 &#8211; 187).<\/p>\n<p><em>Ministerium der Finanzen Schleswig-Holstein v. 12.03.2013 &#8211; Kurzinfo ESt 6\/2013VI 313 \u2013 S 2284 \u2013 187<\/em><\/p>\n<\/div>\n<h3>Aufwendungen f\u00fcr eine medizinische Ma\u00dfnahme, die nicht zweifelsfrei der Linderung oder Heilung einer Krankheit dient, als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen i.\u00a0S. des\u00a7\u00a033\u00a0EStG; Voraussetzungen f\u00fcr den Nachweis der Zwangsl\u00e4ufigkeit<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mir ist die Frage gestellt worden, welche Nachweise Steuerpflichtige f\u00fcr Aufwendungen aufgrund von plastischen Operationen und anderen Operationen im Bereich der Sch\u00f6nheitspflege (z.\u00a0B. Fettabsaugung) zu erbringen haben, um diese Aufwendungen als Krankheitskosten nach\u00a0<a id=\"modul44\">\u00a7\u00a033\u00a0EStG<\/a>\u00a0ber\u00fccksichtigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aufwendungen f\u00fcr Heilbehandlungen werden typisierend als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen nach\u00a0<a id=\"modul49\">\u00a7\u00a033\u00a0EStG<\/a>\u00a0ber\u00fccksichtigt, ohne dass die Aufwendungen dem Grunde und der H\u00f6he nach gepr\u00fcft werden. Heilbehandlungen sind Ma\u00dfnahmen, die entweder der Heilung einer Krankheit dienen oder den Zweck verfolgen, die Krankheit ertr\u00e4glich zu machen und ihre Folgen zu lindern (<a id=\"modul52\">BFH-Urteil vom 17.\u00a0Juli 1981, VI R 77\/78<\/a>, BStBl 1981 II S. 711). Der Begriff der Heilbehandlung umfasst dabei alle Eingriffe und andere Behandlungen, die nach den Erkenntnissen und Erfahrungen der Heilkunde und nach den Grunds\u00e4tzen eines gewissenhaften Arztes zu dem Zweck angezeigt sind und vorgenommen werden, Krankheiten, Leiden, K\u00f6rpersch\u00e4den, k\u00f6rperliche Beschwerden oder seelische St\u00f6rungen zu verh\u00fcten, zu erkennen, zu heilen oder zu lindern.<\/p>\n<p>Hiervon abzugrenzen sind Behandlungen, die lediglich aus kosmetischen Erw\u00e4gungen heraus \u2013\u00a0ohne medizinische Notwendigkeit und ohne therapeutisches Ziel\u00a0\u2013 vorgenommen werden. Die Aufwendungen f\u00fcr derartige Behandlungen fallen nicht unter den Begriff der Heilbehandlung und sind somit keine Krankheitskosten, sondern Kosten der privaten Lebensf\u00fchrung, die nach\u00a0<a id=\"modul60\">\u00a7\u00a012 Nummer\u00a01\u00a0EStG<\/a>steuerlich unbeachtlich sind.<\/p>\n<p>Ist nicht eindeutig erkennbar, ob die medizinische Ma\u00dfnahme der Heilung oder Linderung einer Krankheit dient, befindet sich der Steuerpflichtige nach allgemeinen Verfahrensgrunds\u00e4tzen im Zweifel in der Beleg- und Nachweispflicht dar\u00fcber, dass es sich bei seinen Aufwendungen um Krankheitskosten handelt.<\/p>\n<p>Bis zur \u00c4nderung seiner langj\u00e4hrigen Rechtsprechung mit den\u00a0<a id=\"modul67\">Urteilen 11.\u00a0November 2010, VI R 16\/09<\/a>, BStBl 2011 II S. 966 und\u00a0<a id=\"modul73\">VI R 17\/09<\/a>, BStBl 2011 II S. 969 forderte der BFH in diesen F\u00e4llen zum Nachweis der Aufwendungen stets ein vor der Behandlung ausgestelltes amts- oder vertrauens\u00e4rztliches Attest (u.\u00a0a.\u00a0<a id=\"modul79\">BFH-Urteil vom 24.\u00a0November 2006, III B 57\/06<\/a>, BFH\/NV 2007 S.\u00a0438, betreffend Aufwendungen f\u00fcr eine Fettabsaugung). Mit der \u00c4nderung seiner Rechtsprechung h\u00e4lt der BFH nicht mehr an diesem formalisierten Nachweisverlangen fest.<\/p>\n<p>Im Steuervereinfachungsgesetz 2011 wurden in Reaktion auf diese Rechtsprechungs\u00e4nderung in\u00a0<a id=\"modul87\">\u00a7\u00a064 Absatz\u00a01\u00a0EStDV<\/a>\u00a0die derzeit geltenden Verwaltungsanweisungen (<a id=\"modul90\">R\u00a033.4\u00a0EStR 2008<\/a>) zum Nachweis von Krankheitskosten im Wesentlichen gesetzlich festgeschrieben.<\/p>\n<p>Der Anwendungskatalog des\u00a0<a id=\"modul95\">\u00a7\u00a064 Absatz\u00a01\u00a0EStDV<\/a>\u00a0enth\u00e4lt jedoch keine Regelung f\u00fcr Operationen aller Art, d.\u00a0h. es gibt keine Regelung nach der ein vor Beginn der Ma\u00dfnahme ausgestelltes amts- oder vertrauens\u00e4rztliches Attest gefordert werden kann.<\/p>\n<p>Es ist daher wie folgt zu verfahren:<\/p>\n<p>Der Steuerpflichtige hat die Zweckbestimmung seiner Behandlung anhand geeigneter Unterlagen nachzuweisen.<\/p>\n<p>Ein Attest des behandelnden Arztes gen\u00fcgt grunds\u00e4tzlich nicht. Sofern die Behandlung medizinisch indiziert ist, ist davon auszugehen, dass dem Steuerpflichtigen entsprechende Befundberichte vorliegen und er diese zum Nachweis der medizinischen Notwendigkeit vorlegen kann.<\/p>\n<p>Die Umst\u00e4nde des Einzelfalles sind zu ber\u00fccksichtigen (Art der Ma\u00dfnahme, Krankheitsbild, Gr\u00fcnde f\u00fcr die fehlende Erstattung).<\/p>\n<p>Der Nachweis einer medizinischen Indikation gilt auf jeden Fall dann als erbracht, wenn sich die Krankenversicherung oder der Beihilfetr\u00e4ger an den Behandlungskosten beteiligt hat.<\/p>\n<p>Sollte die medizinische Notwendigkeit der Behandlung streitig werden, dann erleichtert ein bereits vor Beginn der Behandlung ausgestelltes amts\u00e4rztliches Gutachten oder eine \u00e4rztliche Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung zur medizinischen Notwendigkeit der Behandlung die Nachweisf\u00fchrung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einkommensteuer:\u00a0Medizinische Ma\u00dfnahmen als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen (FinMin) Behandlungen, die lediglich aus kosmetischen Erw\u00e4gungen heraus &#8211; ohne medizinische Notwendigkeit und ohne therapeutisches Ziel &#8211; vorgenommen werden, sind keine Krankheitskosten, sondern Kosten der privaten Lebensf\u00fchrung (Finanzministerium Schleswig-Holstein v. 12.03.2013 &#8211; Kurzinfo ESt 6\/2013VI 313 &#8211; S 2284 &#8211; 187). 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