{"id":15467,"date":"2013-03-27T20:11:19","date_gmt":"2013-03-27T18:11:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=15467"},"modified":"2013-03-28T10:54:29","modified_gmt":"2013-03-28T08:54:29","slug":"einkommensteuerveranlagungen-2002-bis-2004","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/einkommensteuerveranlagungen-2002-bis-2004\/","title":{"rendered":"Einkommensteuerveranlagungen 2002 bis 2004"},"content":{"rendered":"<p>\u00a7 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG a.F. ist auch auf Veranlagungszeitr\u00e4ume vor 2006 anzuwenden. Die r\u00fcckwirkende Geltungsanordnung der Vorschrift verst\u00f6\u00dft nicht gegen das rechtsstaatliche R\u00fcckwirkungsverbot (BFH, Urteil v. 17.1.2013 &#8211; VI R 32\/12; ver\u00f6ffentlicht am 27.3.2013).<\/p>\n<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.1.2013, VI R 32\/12<\/p>\n<p>R\u00fcckwirkende Anwendung des \u00a7 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG i.d.F. des JStG 2007<\/p>\n<p>Leits\u00e4tze<\/p>\n<div>\n<p>1. \u00a7 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG i.d.F. des JStG 2007 ist auch auf Veranlagungszeitr\u00e4ume vor 2006 anzuwenden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2. Die in \u00a7 52 Abs. 55j Satz 1 EStG i.d.F. des StVereinfG 2011 geregelte r\u00fcckwirkende Geltungsanordnung der Vorschrift verst\u00f6\u00dft nicht gegen das rechtsstaatliche R\u00fcckwirkungsverbot.<\/p>\n<\/div>\n<p>Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Streitig ist, ob f\u00fcr die Veranlagungszeitr\u00e4ume 2002 bis 2004 noch Einkommensteuerveranlagungen durchzuf\u00fchren sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger) erzielte in den Streitjahren Eink\u00fcnfte aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit. Daneben erwirtschaftete er nach den Angaben in seinen Einkommensteuererkl\u00e4rungen, die am 28.\u00a0Dezember 2009 beim Beklagten und Revisionskl\u00e4ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eingingen, \u00dcbersch\u00fcsse der Werbungskosten \u00fcber die Mieteinnahmen aus der langfristigen Vermietung einer Doppelhaush\u00e4lfte in H\u00f6he von 2.833\u00a0EUR (2002), in H\u00f6he von 2.348\u00a0EUR (2003) und in H\u00f6he von 2.030\u00a0EUR (2004). Mit Bescheiden vom 18.\u00a0Februar 2010 lehnte das FA die Durchf\u00fchrung von Einkommensteuerveranlagungen ab, weil f\u00fcr die Streitjahre bereits Festsetzungsverj\u00e4hrung eingetreten sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der nach erfolglosem Einspruchsverfahren erhobenen Klage hat das Finanzgericht (FG) stattgegeben. Der Bundesfinanzhof (BFH) habe im Jahr 2006 entschieden, dass eine Veranlagung von Amts wegen auch dann durchzuf\u00fchren sei, wenn die negative Summe der Nebeneink\u00fcnfte den Betrag von 410\u00a0EUR \u00fcbersteige. Danach habe der Kl\u00e4ger vorliegend einen Anspruch auf Abgabe der Einkommensteuererkl\u00e4rungen innerhalb der Festsetzungsfrist und Durchf\u00fchrung der Amtsveranlagungen erworben. Dieser Anspruch sei bereits mit Ablauf der jeweiligen Kalenderjahre und nicht erst mit Abgabe der Einkommensteuererkl\u00e4rungen entstanden und nicht durch Festsetzungsverj\u00e4hrung erloschen. Auch sei die Rechtslage f\u00fcr die Streitjahre nicht durch das Jahressteuergesetz (JStG) 2007 vom 13.\u00a0Dezember 2006 (BGBl I 2006, 2878, BStBl I 2007, 28) wirksam ge\u00e4ndert worden. Zwar habe der Gesetzgeber die Vorschrift des \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 des Einkommensteuergesetzes (EStG) inzwischen dahingehend ge\u00e4ndert, dass nur weitere positive Eink\u00fcnfte von mehr als 410\u00a0EUR zu einer Amtsveranlagung f\u00fchren, diese \u00c4nderung des Einkommensteuergesetzes wirke jedoch nicht auf die Streitjahre zur\u00fcck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r\u00fcgt das FA die Verletzung von \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 i.V.m. \u00a7\u00a052 Abs.\u00a055j Satz\u00a01 EStG i.d.F. des JStG 2007.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Es beantragt,das angefochtene Urteil des Nieders\u00e4chsischen FG vom 31.\u00a0Januar 2012\u00a0\u00a08\u00a0K\u00a0196\/10 aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger beantragt,die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>7<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils und zur Abweisung der Klage (\u00a7\u00a0126 Abs.\u00a03 Satz 1 Nr.\u00a01 der Finanzgerichtsordnung).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>8<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Nach \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 EStG i.d.F. des JStG 2007 ist die Amtsveranlagung nur durchzuf\u00fchren, wenn, was hier nicht der Fall ist, die positive Summe der einkommensteuerpflichtigen Eink\u00fcnfte, die nicht dem Steuerabzug vom Arbeitslohn zu unterwerfen waren, vermindert um die darauf entfallenden Betr\u00e4ge nach \u00a7\u00a013 Abs.\u00a03 und \u00a7\u00a024a EStG, mehr als 410\u00a0EUR betr\u00e4gt (zur fr\u00fcheren Rechtslage s. BFH-Urteile vom 21.\u00a0September 2006 VI\u00a0R\u00a047\/05, BFHE 215, 149, BStBl II 2007, 47; VI\u00a0R\u00a052\/04, BFHE 215, 144, BStBl II 2007, 45). \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 EStG i.d.F. des JStG 2007 ist gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a052 Abs.\u00a055j Satz\u00a01 EStG i.d.F. des Steuervereinfachungsgesetzes (StVereinfG) 2011 (fr\u00fcher \u00a7\u00a052 Abs.\u00a055j EStG i.d.F. des JStG 2007) auch auf Veranlagungszeitr\u00e4ume vor 2006 und damit die Streitjahre anzuwenden. Wortlaut und Gesetzeszweck der Vorschriften sind insoweit eindeutig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>9<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Der Gesetzgeber wollte mit den Neuregelungen die bisherige Verwaltungspraxis, nach der eine Pflichtveranlagung zur Einkommensteuer bei Bezug von Eink\u00fcnften aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit nach \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 EStG voraussetzt, dass der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin in dem jeweiligen Veranlagungszeitraum Eink\u00fcnfte aus anderen Einkunftsarten bezieht, deren positive Summe 410\u00a0EUR bzw. 800\u00a0DM \u00fcbersteigt, fortgesetzt wissen (Schmidt\/Kulosa, EStG, 31.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a046 Rz\u00a012). Dies folgt zum einen aus dem Umstand, dass der Gesetzgeber den Neuregelungen lediglich eine klarstellende Bedeutung beigemessen hat (BRDrucks 622\/1\/06, S.\u00a021\u00a0f.; BTDrucks 16\/3036, S.\u00a022 &#8222;Zu Nummer 17&#8220;). Zum anderen macht die r\u00fcck(be)wirkende Geltungsanordnung deutlich, dass der Gesetzgeber an seiner Lesart der bisherigen Fassung des \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 EStG nicht nur zuk\u00fcnftig, sondern auch f\u00fcr die Vergangenheit festhalten wollte (vgl. Paetsch in Frotscher, EStG, Freiburg 2011, \u00a7\u00a046 Rz\u00a026b). Nach der durch die allgemeinen Regeln der Mathematik unterst\u00fctzten w\u00f6rtlichen Auslegung der Vorschrift sei eine negative Summe der Eink\u00fcnfte niedriger als 0 und k\u00f6nne damit nicht mehr als 410\u00a0EUR bzw. 800\u00a0DM betragen (BRDrucks 622\/1\/06, S.\u00a021\u00a0f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>10<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Entgegen der Auffassung der Vorinstanz und des Kl\u00e4gers verst\u00f6\u00dft diese Auslegung des \u00a7\u00a052 Abs.\u00a055j Satz 1 EStG i.d.F. des StVereinfG 2011 nicht gegen das grunds\u00e4tzliche Verbot r\u00fcckwirkender belastender Gesetze. Dabei kann der Senat offenlassen, ob der Gesetzgeber mit der r\u00fcckwirkenden Geltungsanordnung des \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 EStG i.d.F. des JStG 2007 tats\u00e4chlich in einen abgeschlossenen steuerlichen Sachverhalt \u00e4ndernd eingegriffen hat. Denn selbst wenn ein solches Verhalten des Gesetzgebers vorl\u00e4ge, sind in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) jedoch &#8211;ohne dass dies abschlie\u00dfend w\u00e4re&#8211; Fallgruppen anerkannt, in denen das rechtsstaatliche R\u00fcckwirkungsverbot (Art.\u00a02 Abs.\u00a01 i.V.m. Art.\u00a020 Abs.\u00a03 des Grundgesetzes) durchbrochen ist (vgl. BVerfG-Beschl\u00fcsse vom 14.\u00a0Mai 1986\u00a0\u00a02\u00a0Bvl\u00a02\/83, BVerfGE 72, 200 &lt;258\u00a0ff.&gt;; vom 3.\u00a0Dezember 1997\u00a0\u00a02\u00a0BvR\u00a0882\/97, BVerfGE 97, 67 &lt;79\u00a0f.&gt;; BVerfG-Urteil vom 23.\u00a0November 1999\u00a0\u00a01\u00a0BvF\u00a01\/94, BVerfGE 101, 239 &lt;263&gt;). So tritt das R\u00fcckwirkungsverbot, das seinen Grund im Vertrauensschutz hat, namentlich dann zur\u00fcck, wenn sich kein sch\u00fctzenswertes Vertrauen auf den Bestand des geltenden Rechts bilden konnte (vgl. BVerfG-Urteil in BVerfGE 101, 239 &lt;263&gt;), etwa weil die Rechtslage unklar und verworren war (vgl. BVerfG-Urteil vom 19.\u00a0Dezember 1961\u00a0\u00a02\u00a0BvL\u00a06\/59, BVerfGE 13, 261 &lt;272&gt;) oder eine gefestigte Rechtsanwendungspraxis zu einer bestimmten Steuerrechtsfrage nach \u00c4nderung der h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung r\u00fcckwirkend gesetzlich festgeschrieben wird (BVerfG-Beschl\u00fcsse vom 23.\u00a0Januar 1990\u00a0\u00a01\u00a0BvL\u00a04\/87, 1\u00a0BvL\u00a05\/87, 1\u00a0BvL\u00a06\/87, 1\u00a0BvL\u00a07\/87, BVerfGE 81, 228; vom 15.\u00a0Oktober 2008\u00a0\u00a01\u00a0BvR\u00a01138\/06, Kammerentscheidungen des Bundesverfassungsgerichts 14, 338, und vom 21.\u00a0Juli 2010\u00a0\u00a01\u00a0BvL\u00a011\/06, 1\u00a0BvL\u00a012\/06, 1\u00a0BvL\u00a013\/06, 1\u00a0BvR\u00a02530\/05, BVerfGE 126, 369, 393\u00a0f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>11<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Gemessen hieran durfte der Gesetzgeber f\u00fcr eine Pflichtveranlagung nach \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 EStG (weiterhin) positive Nebeneink\u00fcnfte voraussetzen. Denn mit der Neuregelung hat er lediglich die Rechtslage wiederhergestellt, die bis zu den Entscheidungen des BFH vom 21.\u00a0September 2006 (in BFHE 215, 149, BStBl II 2007, 47, und in BFHE 215, 144, BStBl II 2007, 45) der jahrzehntelangen Besteuerungspraxis (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 22.\u00a0Mai 2006 VI\u00a0R\u00a050\/04, BFHE 214, 141, BStBl II 2006, 801; FG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 5.\u00a0April 2006\u00a0\u00a01\u00a0K\u00a01076\/04, Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2006, 1523; FG K\u00f6ln, Urteil vom 10.\u00a0Februar 2006\u00a0\u00a012\u00a0K\u00a04601\/05, EFG 2007, 593; FG Hamburg, Urteil vom 2.\u00a0Juni 2005 VI\u00a0260\/03, juris; Hessisches FG, Urteil vom 13.\u00a0November 2003\u00a0\u00a05\u00a0K\u00a02804\/03, juris) und der nahezu einhelligen Meinung im Fachschrifttum (z.B. Schmidt\/Glanegger, EStG, 24.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a046 Rz\u00a050\u00a0f.; Haase, Steuern und Bilanzen 2005, 157) entsprochen hat. Ein berechtigtes Vertrauen auf den Fortbestand der hiervon abweichenden Rechtslage und damit der Rechtsprechung des BFH vom 21.\u00a0September 2006 konnte in der Zeit bis zum Erlass der Neuregelungen nicht entstehen (vgl. Nieders\u00e4chsisches FG, Urteil vom 28.\u00a0September 2010\u00a0\u00a012\u00a0K\u00a0478\/08, 12\u00a0K\u00a0479\/08, EFG 2011, 533). Denn der Gesetzgeber hat bereits am 29.\u00a0September 2006 angek\u00fcndigt, dass er zur bisherigen Rechtslage zur\u00fcckkehren werde, nach der eine Pflichtveranlagung zur Einkommensteuer bei Bezug von Eink\u00fcnften aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit nach \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a01 EStG voraussetzt, dass der Arbeitnehmer bzw. die Arbeitnehmerin in dem jeweiligen Veranlagungszeitraum Eink\u00fcnfte aus anderen Einkunftsarten bezieht, deren positive Summe 410\u00a0EUR bzw. 800\u00a0DM \u00fcbersteigt (BRDrucks 622\/1\/06, S.\u00a021\u00a0f.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>12<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>c) Ob und inwieweit anderes f\u00fcr die Zeit nach dem Ergehen der Urteile des BFH in BFHE 215, 149, BStBl II 2007, 47 und in BFHE 215, 144, BStBl II 2007, 45 bis zum endg\u00fcltigen Gesetzesbeschluss am 13.\u00a0Dezember 2006 bzw. der Verk\u00fcndung des JStG 2007 am 18.\u00a0Dezember 2006 (BGBl I 2006, 2878) oder jedenfalls bis zur entsprechenden Gesetzesinitiative (BVerfG-Beschluss vom 10.\u00a0Oktober 2012\u00a0\u00a01\u00a0BvL\u00a06\/07, Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2012, 2322, m.w.N.) &#8211;hier der Ver\u00f6ffentlichung der BRDrucks 622\/1\/06&#8211; gilt, kann vorliegend ebenfalls dahinstehen. Denn der Kl\u00e4ger hat seine Einkommensteuererkl\u00e4rungen f\u00fcr die Streitjahre erst am 28.\u00a0Dezember 2009 abgegeben; etwaige im Vertrauen auf die erfolgte Rechtsprechungs\u00e4nderung get\u00e4tigte Dispositionen in der Zeit bis zum Erlass der Neuregelung stehen damit nicht zur Entscheidung. Im \u00dcbrigen genie\u00dft die blo\u00df allgemeine Erwartung, das geltende Recht werde zuk\u00fcnftig unver\u00e4ndert fortbestehen, wenn &#8211;wie hier&#8211; keine besonderen Momente der Schutzw\u00fcrdigkeit hinzutreten, keinen besonderen verfassungsrechtlichen Schutz (vgl. BVerfG-Beschluss in DStR 2012, 2322, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>13<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Damit kommt vorliegend allein eine Veranlagung des Kl\u00e4gers nach \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a08 EStG i.d.F. des JStG 2008 (EStG n.F.) vom 20.\u00a0Dezember 2007 (BGBl I 2007, 3150, BStBl I 2008, 218) in Betracht. Danach wird eine Einkommensteuerveranlagung durchgef\u00fchrt, wenn sie beantragt wird. Die &#8211;fr\u00fchere zus\u00e4tzliche&#8211; Voraussetzung, dass der Antrag bis zum Ablauf des auf den Veranlagungszeitraum folgenden zweiten Kalenderjahres zu stellen war, ist entfallen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>14<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a08 EStG n.F. ist gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a052 Abs.\u00a055j Satz\u00a04 EStG i.d.F. des StVereinfG 2011 (fr\u00fcher \u00a7\u00a052 Abs.\u00a055j Satz\u00a02 EStG n.F.) erstmals f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 2005 anzuwenden und in F\u00e4llen, in denen am 28.\u00a0Dezember 2007 \u00fcber einen Antrag auf Veranlagung zur Einkommensteuer noch nicht bestandskr\u00e4ftig entschieden ist. Letzteres trifft zu. Eine bestandskr\u00e4ftige Ablehnung des Antrags des Kl\u00e4gers auf Durchf\u00fchrung der Einkommensteuerveranlagungen f\u00fcr die Streitjahre liegt nicht vor. Nach der Rechtsprechung des Senats ist es nicht erforderlich, dass der Antrag auf Veranlagung f\u00fcr Veranlagungszeitr\u00e4ume vor 2005 bereits vor dem 28.\u00a0Dezember 2007 bei den Finanzbeh\u00f6rden eingegangen ist (Senatsentscheidung vom 12.\u00a0November 2009 VI\u00a0R\u00a01\/09, BFHE 227, 97, BStBl II 2010, 406).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>15<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall steht der Veranlagung gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a08 EStG n.F. i.V.m. \u00a7\u00a052 Abs.\u00a055j Satz\u00a04 EStG i.d.F. des StVereinfG 2011 jedoch der Eintritt der Festsetzungsverj\u00e4hrung entgegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>16<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Festsetzungsfrist f\u00fcr die Einkommensteuer betr\u00e4gt nach \u00a7\u00a0169 Abs.\u00a02 Nr.\u00a02 der Abgabenordnung (AO) vier Jahre. Sie beginnt mit Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist (\u00a7\u00a0170 Abs.\u00a01 AO). Die Einkommensteuer f\u00fcr 2002, 2003 und 2004 verj\u00e4hrte demnach mit Ablauf der Jahre 2006, 2007 und 2008. Nach den Feststellungen des FG hat der Kl\u00e4ger den erforderlichen Antrag durch Abgabe der Einkommensteuererkl\u00e4rungen f\u00fcr die Streitjahre (erst) im Jahre 2009 beim FA gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>17<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Ablauf der Festsetzungsfrist war nach der neuen Rechtsprechung des BFH nicht nach \u00a7\u00a0170 Abs.\u00a02 Satz\u00a01 Nr.\u00a01 AO gehemmt. Zur Vermeidung von Wiederholungen wird zur Begr\u00fcndung auf die Senatsentscheidung vom 14.\u00a0April 2011 VI\u00a0R\u00a053\/10 (BFHE 233, 311, BStBl II 2011, 746) verwiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>18<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Nach alldem war die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a7 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG a.F. ist auch auf Veranlagungszeitr\u00e4ume vor 2006 anzuwenden. Die r\u00fcckwirkende Geltungsanordnung der Vorschrift verst\u00f6\u00dft nicht gegen das rechtsstaatliche R\u00fcckwirkungsverbot (BFH, Urteil v. 17.1.2013 &#8211; VI R 32\/12; ver\u00f6ffentlicht am 27.3.2013). BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.1.2013, VI R 32\/12 R\u00fcckwirkende Anwendung des \u00a7 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG i.d.F. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/einkommensteuerveranlagungen-2002-bis-2004\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Einkommensteuerveranlagungen 2002 bis 2004<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1730],"tags":[2119],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15467"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=15467"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/15467\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=15467"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=15467"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=15467"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}