{"id":1796,"date":"2011-06-30T11:03:24","date_gmt":"2011-06-30T09:03:24","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=1796"},"modified":"2012-08-23T11:18:45","modified_gmt":"2012-08-23T09:18:45","slug":"ist-die-bemessung-der-grunderwerbsteuer-grest-nach-grundbesitzwerten-verfassungsgemas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/ist-die-bemessung-der-grunderwerbsteuer-grest-nach-grundbesitzwerten-verfassungsgemas\/","title":{"rendered":"Ist die Bemessung der Grunderwerbsteuer (GrESt) nach Grundbesitzwerten verfassungsgem\u00e4\u00df?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ist die Bemessung der Grunderwerbsteuer (GrESt) nach Grundbesitzwerten verfassungsgem\u00e4\u00df?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Rechtslage<\/strong><\/p>\n<p>Die Grunderwerbsteuer (GrESt) wird nach einem einheitlichen Steuersatz f\u00fcr s\u00e4mtliche Erwerbsvorg\u00e4nge erhoben. Im Regelfall bestimmt sich die Bemessungsgrundlage (\u00a7 8 Abs. 1 GrEStG) nach dem Wert der Gegenleistung. In den gesetzlich genannten Ausnahmef\u00e4llen (\u00a7 8 Abs. 2 GrEStG), zu denen u. a. die praktisch bedeutsamen Grundst\u00fccks\u00fcberg\u00e4nge aufgrund von Umwandlungen sowie Anteilsvereinigungen und -\u00fcbertragungen geh\u00f6ren, bestimmt sich die Bemessungsgrundlage nach den Grundbesitzwerten. Diese werden nach dem Bewertungsgesetz (\u00a7\u00a7 138 ff. BewG) gesondert ermittelt. Das Bundesverfassungsgericht hat diese Bewertungsvorschriften 2006 f\u00fcr die Erbschaft- und Schenkungsteuer f\u00fcr verfassungswidrig erkl\u00e4rt, weil sie zu zuf\u00e4lligen und willk\u00fcrlichen Bewertungsergebnissen f\u00fchrten. Den verfassungswidrigen Zustand hat der Gesetzgeber ab 2007 f\u00fcr die Erbschaft- und Schenkungsteuer beseitigt und durch neue Bewertungsregeln ersetzt, hierauf aber f\u00fcr die Grunderwerbsteuer verzichtet. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat nun das Bundesverfassungsgericht angerufen, weil er auch von der Verfassungswidrigkeit des Ansatzes der nur noch f\u00fcr die Grunderwerbsteuer ma\u00dfgeblichen Grundbesitzwerte als Ersatz-Bemessungsgrundlage \u00fcberzeugt ist.<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin, eine US-amerikanische Gesellschaft, hatte alle Anteile an einer deutschen GmbH erworben, zu deren Verm\u00f6gen in Deutschland gelegene Grundst\u00fccke geh\u00f6rten. F\u00fcr diese Anteils\u00fcbertragung wurde gegen\u00fcber der Kl\u00e4gerin Grunderwerbsteuer in H\u00f6he von rd. 513.000 EUR auf der Grundlage der f\u00fcr die Grundst\u00fccke der GmbH festgestellten Grundbesitzwerte festgesetzt. Die hiergegen gerichtete Klage blieb vor dem Finanzgericht erfolglos. Das Revisionsverfahren setzte der BFH aus und legte dem Bundesverfassungsgericht die Frage zur Entscheidung vor, ob die betreffende grunderwerbsteuerliche Norm mit dem im Grundgesetz verankerten Gleichheitssatz (Art. 3 GG) vereinbar ist.<\/p>\n<p><strong>Auffassung des Bundesfinanzhofs<\/strong><\/p>\n<p>Das Gericht h\u00e4lt die grunderwerbsteuerliche Bestimmung (\u00a7 11 GrEStG) insofern f\u00fcr unvereinbar mit dem Gleichheitssatz, als sie die Beteiligten an solchen Erwerbsvorg\u00e4ngen, f\u00fcr die die (Ersatz-)Steuerbemessungsgrundlage nach dem Bewertungsgesetz zu ermitteln ist, mit einheitlichen Steuers\u00e4tzen belastet. Nach Ansicht des BFH ist die weitere Anwendung der Vorschriften des Bewertungsgesetzes f\u00fcr die Grunderwerbsteuer verfassungswidrig, weil sie aufgrund des einheitlichen Steuersatzes der Grunderwerbsteuer zu willk\u00fcrlichen und zuf\u00e4lligen Besteuerungsergebnissen f\u00fchren und deshalb mit dem Gleichheitssatz unvereinbar seien. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts bleibt nun abzuwarten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist die Bemessung der Grunderwerbsteuer (GrESt) nach Grundbesitzwerten verfassungsgem\u00e4\u00df? Rechtslage Die Grunderwerbsteuer (GrESt) wird nach einem einheitlichen Steuersatz f\u00fcr s\u00e4mtliche Erwerbsvorg\u00e4nge erhoben. Im Regelfall bestimmt sich die Bemessungsgrundlage (\u00a7 8 Abs. 1 GrEStG) nach dem Wert der Gegenleistung. 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