{"id":18618,"date":"2013-04-04T04:11:42","date_gmt":"2013-04-04T02:11:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=18618"},"modified":"2020-09-15T10:41:06","modified_gmt":"2020-09-15T08:41:06","slug":"umsatzsteuer-anforderungen-an-berufsqualifikation-bei-heilbehandlungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/umsatzsteuer-anforderungen-an-berufsqualifikation-bei-heilbehandlungen\/","title":{"rendered":"Umsatzsteuer: Anforderungen an Berufsqualifikation bei Heilbehandlungen"},"content":{"rendered":"<h2><span style=\"font-size: 13px; line-height: 19px;\">Anforderungen an Berufsqualifikation bei Heilbehandlungen &#8211; Erbringung steuerfreier Heilbehandlungsleistungen durch einen Podologen<\/span><\/h2>\n<p>Urteil vom 7.2.2013, V R 22\/12<\/p>\n<p>Ein Podologe verf\u00fcgt im Regelfall bereits dann \u00fcber die erforderliche Berufsqualifikation zur Erbringung steuerfreier Heilbehandlungsleistungen gem\u00e4\u00df \u00a7 4 Nr. 14 Buchst. a UStG, wenn er die staatliche Pr\u00fcfung zum Podologen (\u00a7 4 PodG) mit Erfolg abgelegt hat.<\/p>\n<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 7.2.2013, V R 22\/12<\/p>\n<p>Anforderungen an Berufsqualifikation bei Heilbehandlungen &#8211; Erbringung steuerfreier Heilbehandlungsleistungen durch einen Podologen<\/p>\n<p>Leits\u00e4tze<\/p>\n<div>\n<p>Ein Podologe verf\u00fcgt im Regelfall bereits dann \u00fcber die erforderliche Berufsqualifikation zur Erbringung steuerfreier Heilbehandlungsleistungen gem\u00e4\u00df \u00a7 4 Nr. 14 Buchst. a UStG, wenn er die staatliche Pr\u00fcfung zum Podologen (\u00a7 4 PodG) mit Erfolg abgelegt hat.<\/p>\n<\/div>\n<p>Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) ist eine zum 1.\u00a0Januar 2010 gegr\u00fcndete Gesellschaft b\u00fcrgerlichen Rechts (GbR), an der Herr A und Frau B jeweils h\u00e4lftig beteiligt waren. Die Kl\u00e4gerin betrieb eine mobile podologische Praxis. A ist ausgebildeter Podologe und hatte am 2.\u00a0November 2009 die Pr\u00fcfung nach \u00a7\u00a04 des Podologengesetzes (PodG) bestanden. Die Erlaubnis zur F\u00fchrung der Berufsbezeichnung Podologe wurde A erst am 10.\u00a0Januar 2011 erteilt. B ist medizinische Fu\u00dfpflegerin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Kl\u00e4gerin ging davon aus, dass sie steuerfreie Ums\u00e4tze ausf\u00fchre, da die podologische Berufsausbildung des A dazu berechtige, im Rahmen der GbR auch f\u00fcr die von B durchgef\u00fchrten Behandlungen die Steuerfreiheit nach \u00a7\u00a04 Nr.\u00a014 Buchst.\u00a0a Satz\u00a01 des Umsatzsteuergesetzes 2005 (UStG) in Anspruch zu nehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im Anschluss an eine Umsatzsteuer-Sonderpr\u00fcfung ging der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) davon aus, dass alle Leistungen der Kl\u00e4gerin steuerpflichtig seien. A habe im Jahr 2010 noch nicht \u00fcber die zur F\u00fchrung der Berufsbezeichnung berechtigende Erlaubnis verf\u00fcgt, die ihm erst am 10.\u00a0Januar 2011 erteilt worden sei. B fehle als medizinische Fu\u00dfpflegerin die erforderliche Berufsqualifikation. Das FA erlie\u00df entsprechend ge\u00e4nderte Umsatzsteuer-Vorauszahlungsbescheide 2010.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Hiergegen legte die Kl\u00e4gerin Einspruch ein, den sie im Einspruchsverfahren nur f\u00fcr den Voranmeldungszeitraum Dezember 2010 aufrechterhielt. Sie ging in \u00dcbereinstimmung mit dem FA davon aus, dass ihr Gesellschafter, Herr A, 75\u00a0% der Ums\u00e4tze ausgef\u00fchrt habe und machte geltend, dass ihre Leistungen in diesem Umfang steuerfrei seien. Mit Einspruchsentscheidung vom 30.\u00a0Juni 2011 wies das FA den Einspruch als unbegr\u00fcndet zur\u00fcck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt. Nach seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 1789 ver\u00f6ffentlichten Urteil ist die erforderliche Berufsqualifikation bereits mit erfolgreicher Ablegung der staatlichen Pr\u00fcfung zum Podologen nach \u00a7\u00a04 Satz\u00a02 PodG gegeben. Die Erlaubnis (\u00a7\u00a01 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 PodG) sei f\u00fcr die Steuerfreiheit nach \u00a7\u00a04 Nr.\u00a014 Buchst.\u00a0a Satz\u00a01 UStG nicht ma\u00dfgeblich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich das FA mit der Revision. F\u00fcr die steuerrechtliche Qualifizierung komme es auf die fachgerechte Berufsaus\u00fcbung und damit auf die Berechtigung zur F\u00fchrung der jeweiligen Berufsbezeichnung an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>7<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>W\u00e4hrend des Revisionsverfahrens erging am 4.\u00a0September 2012 der Umsatzsteuerjahresbescheid 2010. Die Beteiligten haben mitgeteilt, dass sich der Streitstoff nicht ver\u00e4ndert und sich lediglich der Streitwert erh\u00f6ht habe und nunmehr &#8230;\u00a0EUR betrage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>8<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/p>\n<p>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>9<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Kl\u00e4gerin beantragt sinngem\u00e4\u00df,<\/p>\n<p>den Umsatzsteuerbescheid 2010 vom 4.\u00a0September 2012 dahingehend zu \u00e4ndern, dass die Umsatzsteuer um &#8230;\u00a0EUR herabgesetzt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>10<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>II. Die Revision des FA ist aus anderen als den geltend gemachten Gr\u00fcnden begr\u00fcndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>11<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Das angefochtene Urteil ist aus verfahrensrechtlichen Gr\u00fcnden aufzuheben, da sich w\u00e4hrend des Revisionsverfahrens der Verfahrensgegenstand, \u00fcber dessen Rechtm\u00e4\u00dfigkeit das FG zu entscheiden hatte, ge\u00e4ndert hat (\u00a7\u00a0127 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>12<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FG hat \u00fcber den Umsatzsteuer-Vorauszahlungsbescheid Dezember 2010 vom 14.\u00a0April 2011 entschieden. An dessen Stelle ist w\u00e4hrend des Revisionsverfahrens der Umsatzsteuerjahresbescheid f\u00fcr 2010 vom 4.\u00a0September 2012 getreten, der nach \u00a7\u00a068 Satz\u00a01 i.V.m. \u00a7\u00a0121 Satz\u00a01 FGO Gegenstand des Verfahrens geworden ist (vgl. z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 4.\u00a0November 1999 V\u00a0R\u00a035\/98, BFHE 190, 67, BStBl II\u00a02000, 454). Das angefochtene Urteil ist daher gegenstandslos geworden und aufzuheben (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteile vom 17.\u00a0Januar 2008 VI\u00a0R\u00a044\/07, BFHE 220, 269, BStBl II 2011, 21; vom 10.\u00a0November 2010 XI\u00a0R\u00a079\/07, BFHE 231, 373, BStBl II 2011, 311).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>13<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Die nicht spruchreife Sache wird zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das FG zur\u00fcckverwiesen (\u00a7\u00a0126 Abs.\u00a03 Satz\u00a01 Nr.\u00a02 FGO). Zwar hat das FG zu Recht entschieden, dass der Gesellschafter der Kl\u00e4gerin, Herr A, im Streitjahr \u00fcber die erforderliche Berufsqualifikation verf\u00fcgte. Das FG hat aber keine Feststellungen zum Vorliegen einer Heilbehandlung getroffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>14<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Nach \u00a7\u00a04 Nr.\u00a014 Buchst.\u00a0a Satz\u00a01 UStG sind steuerfrei die &#8222;Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin, die im Rahmen der Aus\u00fcbung der T\u00e4tigkeit als Arzt, Zahnarzt, Heilpraktiker, Physiotherapeut, Hebamme oder einer \u00e4hnlichen heilberuflichen T\u00e4tigkeit durchgef\u00fchrt werden&#8220;. Diese Vorschrift beruht auf Art.\u00a0132 Abs.\u00a01 Buchst.\u00a0c der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.\u00a0November 2006 \u00fcber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL), nach der &#8222;Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin, die im Rahmen der Aus\u00fcbung der von dem betreffenden Mitgliedstaat definierten \u00e4rztlichen und arzt\u00e4hnlichen Berufe erbracht werden&#8220;, steuerfrei sind. \u00a7\u00a04 Nr.\u00a014 UStG ist nach st\u00e4ndiger BFH-Rechtsprechung entsprechend dieser Bestimmung auszulegen (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 30.\u00a0April 2009 V\u00a0R\u00a06\/07, BFHE 225, 248, BStBl II 2009, 679, unter II.1., und vom 2.\u00a0September 2010 V\u00a0R\u00a047\/09, BFHE 231, 326, BStBl II 2011, 195, unter II.1. zur gleichlautenden Bestimmung des Art.\u00a013 Teil\u00a0A Abs.\u00a01 Buchst.\u00a0c der Sechsten Richtlinie des Rates vom 17.\u00a0Mai 1977 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten \u00fcber die Umsatzsteuern 77\/388\/EWG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>15<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin sind nach Art.\u00a0132 Abs.\u00a01 Buchst.\u00a0c MwStSystRL nur steuerfrei, wenn sie von Personen erbracht werden, die die hierf\u00fcr erforderlichen &#8222;beruflichen Bef\u00e4higungsnachweise&#8220; (Urteil des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union &#8211;EuGH&#8211; vom 10.\u00a0September 2002 C-141\/00, K\u00fcgler, Slg. 2002, I-6833, BFH\/NV 2003, 30, Beilage\u00a01 Rdnr.\u00a027) und damit die erforderlichen &#8222;beruflichen Qualifikationen&#8220; besitzen, damit die Heilbehandlungen unter Ber\u00fccksichtigung der beruflichen Ausbildung der Behandelnden eine ausreichende Qualit\u00e4t aufweisen (EuGH-Urteil vom 27.\u00a0April 2006 C-443\/04 und C-444\/04, Solleveld u.a., Slg. 2006, I-3617, BFH\/NV 2006, 299, Beilage\u00a03 Rdnr.\u00a037; BFH-Urteil in BFHE 231, 326, BStBl II 2011, 195, unter II.2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>16<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Auch f\u00fcr die Steuerfreiheit nach \u00a7\u00a04 Nr.\u00a014 Buchst.\u00a0a Satz\u00a01 UStG kommt es unter Ber\u00fccksichtigung von Art.\u00a0132 Abs.\u00a01 Buchst.\u00a0c MwStSystRL darauf an, dass eine Heilbehandlung im Bereich der Humanmedizin durch einen Unternehmer erbracht wird, der \u00fcber einen beruflichen Bef\u00e4higungsnachweis und damit \u00fcber die f\u00fcr die Leistungserbringung erforderliche Berufsqualifikation verf\u00fcgt. Der Nachweis dieser Qualifikation kann sich nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des Senats z.B. aus berufsrechtlichen Regelungen ergeben (vgl. z.B. BFH-Urteile in BFHE 225, 248, BStBl II 2009, 679, unter II.1.b, und vom 1.\u00a0Dezember 2011 V\u00a0R\u00a058\/09, BFH\/NV 2012, 1186, unter II.1.c).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>17<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall hat das FG zu Recht entschieden, dass der Gesellschafter der Kl\u00e4gerin \u00fcber die f\u00fcr die Steuerfreiheit nach \u00a7\u00a04 Nr.\u00a014 UStG erforderliche Berufsqualifikation verf\u00fcgte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>18<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aa) Bei der Beurteilung, ob bereits die erfolgreiche Ablegung der staatlichen Pr\u00fcfung zum Podologen nach \u00a7\u00a04 Satz\u00a02 PodG oder erst die Erlaubnis zur F\u00fchrung der Berufsbezeichnung als Podologe nach \u00a7\u00a01 Abs.\u00a01 PodG i.V.m. \u00a7\u00a02 Abs.\u00a01 PodG zum Erwerb der f\u00fcr die Steuerfreiheit erforderlichen Berufsqualifikation f\u00fchrt, ist zu ber\u00fccksichtigen, dass es der Grundsatz der steuerlichen Neutralit\u00e4t verbietet, gleichartige und deshalb miteinander in Wettbewerb stehende Dienstleistungen hinsichtlich der Mehrwertsteuer unterschiedlich zu behandeln. Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin sind dabei aber nur insoweit gleichartig, als sie f\u00fcr die Behandelten eine gleichwertige Qualit\u00e4t aufweisen (EuGH-Urteil Solleveld u.a. in Slg. 2006, I-3617, BFH\/NV 2006, 299, Beilage\u00a03 Rdnrn.\u00a040\u00a0f.). F\u00fcr die erforderliche Qualifikation kann dabei z.B. die T\u00e4tigkeit in einem rechtlichen Rahmen, unter der Kontrolle eines Medizinischen Dienstes und gem\u00e4\u00df spezifisch festgelegter Bedingungen sprechen, deren Einhaltung durch die Eintragung in ein hierf\u00fcr vorgesehenes Register bescheinigt wird (EuGH-Urteil Solleveld u.a. in Slg. 2006, I-3617, BFH\/NV 2006, 299, Beilage\u00a03 Rdnr.\u00a046; BFH-Urteile in BFHE 231, 326, BStBl II 2011, 195, unter II.2., und in BFH\/NV 2012, 1186, unter II.1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>19<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bb) Danach hat das FG nach den Verh\u00e4ltnissen des Streitfalls zu Recht entschieden, dass bereits die erfolgreiche Ablegung der staatlichen Pr\u00fcfung nach \u00a7\u00a04 Satz\u00a02 PodG im Regelfall zu der erforderlichen Berufsqualifikation f\u00fchrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>20<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Bereits mit der erfolgreichen Ablegung der Pr\u00fcfung wird im Regelfall eine dem Podologen qualitativ gleichwertige T\u00e4tigkeit ausge\u00fcbt. Hierf\u00fcr spricht insbesondere, dass das PodG die Erbringung fu\u00dfpflegerischer Leistungen nicht unter einen Genehmigungsvorbehalt stellt. Der Erlaubnisvorbehalt nach \u00a7\u00a01 Abs.\u00a01 PodG bezieht sich, wie das FG zutreffend entschieden hat, vielmehr nur auf das F\u00fchren einer Berufsbezeichnung. Verboten ist danach nur das F\u00fchren einer durch das PodG gesch\u00fctzten Berufsbezeichnung ohne entsprechende Erlaubnis, nicht aber die Leistungserbringung als solche (Urteil des Bundessozialgerichts vom 7.\u00a0Oktober 2010 B\u00a03\u00a0KR\u00a012\/09\u00a0R, SozR\u00a04-2500 \u00a7\u00a0124 Nr.\u00a02, unter 2.e). Der Erlaubnis nach \u00a7\u00a01 Abs.\u00a01 PodG kommt daher nicht die Bedeutung zu, das Erbringen bestimmter Leistungen den Titelf\u00fchrungsberechtigten vorzubehalten. Der Erlaubnis schlie\u00dft sich auch kein gesondertes \u00dcberwachungsverfahren nach dem PodG an, durch das sichergestellt wird, dass die Qualit\u00e4t der Leistung sichergestellt ist. Unter Ber\u00fccksichtigung der EuGH-Rechtsprechung zum Grundsatz der steuerlichen Neutralit\u00e4t, der es verbietet, gleichartige und deshalb miteinander in Wettbewerb stehende Dienstleistungen hinsichtlich der Mehrwertsteuer unterschiedlich zu behandeln, ist daher davon auszugehen, dass die Leistungen eines Unternehmers, der die in \u00a7\u00a04 PodG vorgesehene staatliche Pr\u00fcfung bestanden hat, gleichartig zu den Leistungen sind, die ein Unternehmer erbringt, der nicht nur diese Pr\u00fcfung bestanden hat, sondern dar\u00fcber hinaus auf seinen Antrag auch die Erlaubnis erhalten hat, die Berufsbezeichnung Podologe zu f\u00fchren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>21<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>cc) F\u00fcr seine gegenteilige Auffassung kann sich das FA nicht auf das von ihm in Bezug genommene BFH-Urteil vom 7.\u00a0Juli 1976 I\u00a0R\u00a0218\/74 (BFHE 119, 274, BStBl II 1976, 621) berufen. Danach \u00fcbt ein medizinischer Fu\u00dfpfleger keinen dem Beruf des Heilpraktikers oder des Krankengymnasten \u00e4hnlichen Beruf i.S. des \u00a7\u00a018 Abs.\u00a01 Nr.\u00a01 Satz\u00a02 des Einkommensteuergesetzes aus. Auf die einkommensteuerrechtliche Beurteilung kommt es indes im Hinblick auf die gebotene richtlinienkonforme Auslegung (s. oben II.2.) nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>22<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>dd) F\u00fcr die Steuerfreiheit der f\u00fcr die Kl\u00e4gerin durch Herrn\u00a0A ausgef\u00fchrten Leistungen reichte es im \u00dcbrigen aus, dass ihr Gesellschafter (Herr\u00a0A) \u00fcber die erforderliche Berufsqualifikation verf\u00fcgte (vgl. BFH-Urteil vom 26.\u00a0September 2007 V\u00a0R\u00a054\/05, BFHE 219, 241, BStBl II 2008, 262, Leits\u00e4tze\u00a01 und 2).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>23<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>c) Die Sache ist nicht spruchreif. Der Senat kann nicht selbst entscheiden, da das FG keine Feststellungen zur Frage getroffen hat, ob und inwieweit die Leistungen der Kl\u00e4gerin als Heilbehandlungen im Bereich der Humanmedizin anzusehen sind. Hieran w\u00fcrde es z.B. f\u00fcr Leistungen auf vorwiegend kosmetischem Gebiet fehlen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>Zur\u00fcck zur Trefferliste\u00a0<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anforderungen an Berufsqualifikation bei Heilbehandlungen &#8211; Erbringung steuerfreier Heilbehandlungsleistungen durch einen Podologen Urteil vom 7.2.2013, V R 22\/12 Ein Podologe verf\u00fcgt im Regelfall bereits dann \u00fcber die erforderliche Berufsqualifikation zur Erbringung steuerfreier Heilbehandlungsleistungen gem\u00e4\u00df \u00a7 4 Nr. 14 Buchst. a UStG, wenn er die staatliche Pr\u00fcfung zum Podologen (\u00a7 4 PodG) mit Erfolg abgelegt hat. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/umsatzsteuer-anforderungen-an-berufsqualifikation-bei-heilbehandlungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Umsatzsteuer: Anforderungen an Berufsqualifikation bei Heilbehandlungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1730,63,1],"tags":[2218],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18618"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18618"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18618\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}