{"id":19076,"date":"2012-09-30T10:20:38","date_gmt":"2012-09-30T08:20:38","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=19076"},"modified":"2013-04-04T10:27:33","modified_gmt":"2013-04-04T08:27:33","slug":"besteuerung-intransparenter-investmentfonds-europarechtswidrig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/besteuerung-intransparenter-investmentfonds-europarechtswidrig\/","title":{"rendered":"Besteuerung &#8222;intransparenter&#8220; Investmentfonds europarechtswidrig?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Besteuerung &#8222;intransparenter&#8220; Investmentfonds europarechtswidrig?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kernproblem<\/strong><\/p>\n<p>Die Versteuerung von Ertr\u00e4gen aus Investmentanteilen ist seit 2004 im\u00a0Investmentsteuergesetz (InvStG)\u00a0geregelt. Kennzeichnend daf\u00fcr ist das sog. Transparenzprinzip, wonach die Anteilseigner grunds\u00e4tzlich so behandelt werden, als seien sie unmittelbar an den Kapitalanlagen des Investmentfonds beteiligt. Das Transparenzprinzip erm\u00f6glicht dem Anteilseigner u. a. die Anwendung des Teileink\u00fcnfteverfahrens bei entsprechenden Eink\u00fcnften. Diese Privilegierung ist indes an bestimmte im\u00a0Investmentsteuergesetz\u00a0vorgesehene Publizit\u00e4tsanforderungen gekn\u00fcpft. Zwar gelten diese Anforderungen unterschiedslos f\u00fcr in- und ausl\u00e4ndische Investmentfonds, da diese aber de facto f\u00fcr ausl\u00e4ndische Fonds schwieriger zu erf\u00fcllen sind, wird hierin im Schrifttum zuweilen ein europarechtswidriger Versto\u00df gegen die Kapitalverkehrsfreiheit gesehen.<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt<\/strong><\/p>\n<p>Dem Urteil lag vereinfacht der folgende Sachverhalt zugrunde: Aus im Rahmen einer Erbschaft erworbenen ausl\u00e4ndischen Investmentanteilen erzielte die Kl\u00e4gerin in den Streitjahren 2004 bis 2008 unstreitig geringf\u00fcgige Zinsen sowie Ertr\u00e4ge aus Investmentanteilen (&#8222;Fondsertr\u00e4ge&#8220;). Da der ausl\u00e4ndische Investmentfonds den erforderlichen Nachweis- und Ver\u00f6ffentlichungspflichten nicht nachkam, wandte die Finanzverwaltung die f\u00fcr den Steuerpflichtigen ung\u00fcnstigere Pauschalbesteuerung an. Hiergegen wandte sich die Kl\u00e4gerin mit dem Argument, dass die Vorschrift des\u00a0\u00a7 6 InvStG, der die Publizit\u00e4tsanforderungen kodifiziert, europarechtswidrig sei.<\/p>\n<p><strong>Entscheidung des FG D\u00fcsseldorf<\/strong><\/p>\n<p>Das Finanzgericht (FG) D\u00fcsseldorf stimmt der Auffassung der Kl\u00e4gerin zu. Die in \u00a7 6 InvStG nunmehr gleicherma\u00dfen f\u00fcr in- und ausl\u00e4ndische &#8222;intransparente&#8220; Investmentfonds geregelte Pauschalbesteuerung stelle eine Verletzung der Kapitalverkehrsfreiheit dar, die mangels Rechtfertigung auch europarechtswidrig sei. Entscheidend ist nach Ansicht der Richter, dass die Vorschrift &#8222;de facto&#8220; auf ausl\u00e4ndische Investmentfonds zugeschnitten sei und somit eine &#8222;verdeckte&#8220; bzw. &#8222;faktische&#8220; Diskriminierung vorliege.<\/p>\n<p><strong>Empfehlungen f\u00fcr die Praxis<\/strong><\/p>\n<p>Die endg\u00fcltige Kl\u00e4rung der Europarechtswidrigkeit obliegt allein dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof (EuGH), dem die Frage folgerichtig auch vorgelegt wurde. Dessen Entscheidung bleibt mit Spannung zu erwarten, insbesondere vor dem Hintergrund, dass andere nationale Finanzgerichte &#8211; im Gegensatz zum FG D\u00fcsseldorf &#8211; die Publizit\u00e4tsanforderungen bzw. Pauschalbesteuerung f\u00fcr unionsrechtskonform erachten. Entsprechende Verfahren sollten in der Praxis unter Hinweis auf das beim EuGH anh\u00e4ngige Verfahren offen gehalten werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besteuerung &#8222;intransparenter&#8220; Investmentfonds europarechtswidrig? Kernproblem Die Versteuerung von Ertr\u00e4gen aus Investmentanteilen ist seit 2004 im\u00a0Investmentsteuergesetz (InvStG)\u00a0geregelt. Kennzeichnend daf\u00fcr ist das sog. Transparenzprinzip, wonach die Anteilseigner grunds\u00e4tzlich so behandelt werden, als seien sie unmittelbar an den Kapitalanlagen des Investmentfonds beteiligt. Das Transparenzprinzip erm\u00f6glicht dem Anteilseigner u. a. die Anwendung des Teileink\u00fcnfteverfahrens bei entsprechenden Eink\u00fcnften. 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