{"id":21465,"date":"2013-04-10T12:31:03","date_gmt":"2013-04-10T10:31:03","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=21465"},"modified":"2013-04-10T12:31:03","modified_gmt":"2013-04-10T10:31:03","slug":"dba-bei-grenzgangerbesteuerung-mehrfachansassigkeit-eines-arbeitnehmers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/dba-bei-grenzgangerbesteuerung-mehrfachansassigkeit-eines-arbeitnehmers\/","title":{"rendered":"DBA bei Grenzg\u00e4ngerbesteuerung: Mehrfachans\u00e4ssigkeit eines Arbeitnehmers"},"content":{"rendered":"<h1>FG Baden-W\u00fcrttemberg Urteil vom 26.9.2012, 2 K 776\/11<\/h1>\n<p>Kollision von DBA bei Grenzg\u00e4ngerbesteuerung: Mehrfachans\u00e4ssigkeit eines Arbeitnehmers, L\u00f6sung eines DBA-Dreieckskonflikts<\/p>\n<p>Tenor<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1. Es wird festgestellt, dass die Ablehnung des Beklagten vom 28. Mai 2010, dem Kl\u00e4ger eine Bescheinigung \u00fcber die Freistellung vom Lohnsteuerabzug gem\u00e4\u00df \u00a7 39 d Abs. 3 Satz 4 EStG in Verbindung mit \u00a7 39 b Abs. 6 EStG zu erteilen, und die dazu ergangene Einspruchsentscheidung vom 17. Februar 2011 rechtswidrig waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2. Der Beklagte tr\u00e4gt die Kosten des Verfahrens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3. Die Revision wird zugelassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>4. Die Zuziehung eines Bevollm\u00e4chtigen zum Vorverfahren wird f\u00fcr notwendig erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>5. Das Urteil ist hinsichtlich der Kosten vorl\u00e4ufig vollstreckbar. Erm\u00f6glicht der Kostenfestsetzungsbeschluss eine Vollstreckung im Wert von mehr als 1.500 Euro, hat der Kl\u00e4ger in H\u00f6he des vollstreckbaren Kostenerstattungsanspruches Sicherheit zu leisten. Bei einem vollstreckbaren Kostenerstattungsanspruch bis zur H\u00f6he von 1.500 Euro kann der Beklagte der vorl\u00e4ufigen Vollstreckung widersprechen, wenn der Kl\u00e4ger nicht zuvor in H\u00f6he des vollstreckbaren Kostenanspruchs Sicherheit geleistet hat, \u00a7\u00a7 151 FGO i.V.m. 708 Nr. 11, 709, 711 ZPO.<\/p>\n<\/div>\n<p>Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Streitig ist, ob die Eink\u00fcnfte des Kl\u00e4gers aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit vom Lohnsteuerabzug freizustellen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger erzielte im Inland Eink\u00fcnfte aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit aus einem Arbeitsverh\u00e4ltnis mit der B GmbH. Sein Familienwohnsitz (Hauptwohnsitz) befindet sich in X\/\u00d6sterreich. Der Kl\u00e4ger unterh\u00e4lt ferner einen Zweitwohnsitz in \u201eY\/Frankreich\u201c, zu der er in der Regel nach der Arbeit im Inland zur\u00fcckkehrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>3<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Am 12.\u00a0M\u00e4rz 2010 reichte er bei dem Beklagten (dem Finanzamt \u2013 FA) einen Antrag auf Erteilung einer Freistellungsbescheinigung nach \u00a7\u00a039\u00a0Abs.\u00a06 EStG als Grenzg\u00e4nger nach Frankreich ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>4<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FA lehnte mit Bescheid vom 28.\u00a0Mai 2010 den Antrag, die inl\u00e4ndischen Eink\u00fcnfte vom Lohnsteuerabzug freizustellen, ab, da das Doppelbesteuerungsabkommen mit dem Staat anzuwenden sei, indem sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen des Steuerpflichtigen befinde. Dies sei, weil sich der Familienwohnsitz des Kl\u00e4gers in \u00d6sterreich befinde, das DBA Deutschland-\u00d6sterreich. Danach stehe nach dem Quellenstaatprinzip Deutschland das Besteuerungsrecht zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>5<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Gegen diesen Bescheid richtete sich der am 9.\u00a0Juni 2010 beim FA eingegangene Einspruch vom 7.\u00a0Juni 2010. Mit dem Einspruch begehrte der Kl\u00e4ger das DBA Deutschland-Frankreich vorrangig anzuwenden, da er wegen seiner doppelten Ans\u00e4ssigkeit sowohl in Bezug auf das DBA Deutschland-\u00d6sterreich als auch in Bezug auf das DBA Deutschland-Frankreich abkommensberechtigt sei und damit befugt sei, das DBA Deutschland-Frankreich in Anspruch zu nehmen. Wegen der im Streitfall vorliegenden Dreieckskonstellation und der Abkommensberechtigung sowohl in Bezug auf das DBA Deutschland-Frankreich als auch das DBA Deutschland-\u00d6sterreich k\u00f6nne der Kl\u00e4ger das f\u00fcr ihn g\u00fcnstigere Abkommen w\u00e4hlen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>6<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit Einspruchsentscheidung vom 17.\u00a0Februar 2011 wies das FA den Einspruch als unbegr\u00fcndet zur\u00fcck. Zur Begr\u00fcndung wies es darauf hin, dass abkommensberechtigt auf das DBA Deutschland-Frankreich, das DBA Deutschland-\u00d6sterreich und das DBA \u00d6sterreich-Frankreich jeweils die in einem oder in beiden Vertragsstaaten ans\u00e4ssigen Personen seien. Die relevante Ans\u00e4ssigkeit bestimme sich bei Ans\u00e4ssigkeit in beiden Vertragsstaaten durch Fiktion. So gelte in allen genannten DBA bei doppelter Ans\u00e4ssigkeit \u201edie Person als in dem Vertragsstaat ans\u00e4ssig, in dem sie \u00fcber eine st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte verf\u00fcge. Verf\u00fcge sie in beiden Staaten \u00fcber eine st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte, so gelte sie in dem Vertragsstaat als ans\u00e4ssig, zu dem sie die engeren pers\u00f6nlichen und wirtschaftlichen Beziehungen habe (Mittelpunkt der Lebensinteressen).\u201c Diese durch Fiktion definierte Ans\u00e4ssigkeit r\u00e4ume dem Staat, indem sich bei doppelter Ans\u00e4ssigkeit der Mittelpunkt der Lebensinteressen befinde, Priorit\u00e4t ein. In Bezug auf die im Streitfall tangierten Doppelbesteuerungsabkommen erg\u00e4be sich daraus folgendes:<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>7<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th rowspan=\"1\" colspan=\"2\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>1.\u00a0DBA Frankreich-Deutschland:<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Nach Art. 13 Abs.1 i. V. m. Abs. 5 seien die Eink\u00fcnfte aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit in Frankreich zu versteuern, sofern die Grenzg\u00e4ngereigenschaft gegeben sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>2.\u00a0DBA Deutschland-\u00d6sterreich:<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Nach Art. 15 Abs. 1 seien die Eink\u00fcnfte aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit, weil hier die Grenzg\u00e4ngereigenschaft nicht gegeben sei, in Deutschland als Quellenstaat zu versteuern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>3.\u00a0DBA Frankreich-\u00d6sterreich:<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Wegen des sich in \u00d6sterreich befindlichen Mittelpunkts der Lebensf\u00fchrung, der (kraft Fiktion) zur dortigen (alleinigen) Ans\u00e4ssigkeit f\u00fchre, l\u00e4gen Eink\u00fcnfte aus Drittstaaten vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>8<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Keines der DBA enthalte ein Wahlrecht des jeweiligen Abkommensberechtigten bei mehrfacher Abkommensberechtigung durch unterschiedliche DBA.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>9<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im hier zu entscheidenden Dreieckssachverhalt sei zudem auch keine Regelungsl\u00fccke f\u00fcr ein Wahlrecht erkennbar, da alle drei tangierten DBA sich entsprechende Regelungen zur L\u00f6sung des Ans\u00e4ssigkeitskonflikts (Tie-Breaker-Rule) h\u00e4tten. Das Netz der hier zu beachtenden DBA sei im Hinblick auf die Gleichheit der jeweiligen, wenn auch nur bilateral vereinbarten Tie-Breaker-Regelungen einheitlich und, die tangierten DBA betreffend, \u00fcbergreifend zu sehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>10<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im \u00dcbrigen w\u00fcrden auch inl\u00e4ndische Gesetze bei Dreieckssachverhalten kein Wahlrecht f\u00fcr Steuerpflichtige zu Gunsten eines bestimmten DBA vorsehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>11<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Anwendung dieser Grunds\u00e4tze f\u00fchre im Streitfall dazu, dass im Verh\u00e4ltnis zu dem DBA Deutschland-Frankreich das DBA Deutschland-\u00d6sterreich vorrangig anzuwenden sei mit der Folge, dass die vom Kl\u00e4ger im Inland erzielten Eink\u00fcnfte aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit in Deutschland als dem Quellenstaat zu versteuern seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>12<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit der am 1.\u00a0M\u00e4rz 2011 erhobenen Verpflichtungsklage wiederholt und vertieft der Kl\u00e4ger sein Vorbringen im Rechtsbehelfsverfahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>13<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben vom 4.\u00a0Mai 2011 (AS.\u00a028) ist das FA der Klage unter Bezugnahme auf die Ausf\u00fchrungen in der Einspruchsentscheidung entgegen getreten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>14<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit Schriftsatz seines Prozessbevollm\u00e4chtigten vom 30.\u00a0August 2011 (AS.\u00a043) legte der Kl\u00e4ger Unterlagen zum Nachweis daf\u00fcr vor, dass er im Streitjahr 2010 (auch) in Frankreich besteuert wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>15<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Berichterstatter hat mit den Beteiligten am 18.\u00a0Januar 2012 einen Er\u00f6rterungstermin durchgef\u00fchrt und die Beteiligten darauf hingewiesen, dass die im Streitfall gegebene Kollision von mehreren, in einfaches Recht transformierten Doppelbesteuerungsabkommen seiner Auffassung nach unter Anwendung allgemeiner Auslegungsregeln aufzul\u00f6sen sei. Wegen der Einzelheiten wird auf die Sitzungsniederschrift Bezug genommen (AS.\u00a069).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>16<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit Schreiben seines Prozessbevollm\u00e4chtigen vom 28.\u00a0Januar 2012 (AS.\u00a071) legte der Kl\u00e4ger Reisekostenabrechnungen f\u00fcr das Streitjahr 2010, eine Auswertung \u00fcber die Anzahl der Nichtr\u00fcckkehrtage sowie verschiedene Nachweise bez\u00fcglich seiner Wohnungen in X und Y vor und lie\u00df mit Schriftsatz seiner Prozessbevollm\u00e4chtigten vom 24.\u00a0Februar 2012 (AS.\u00a0110) vortragen, dass er sein Klageziel nunmehr auf dem Wege einer Fortsetzungsfeststellungsklage nach \u00a7\u00a0100 Abs.\u00a01 Satz\u00a04 FGO erreichen wolle, aber den bisherigen Verpflichtungsantrag als Hilfsantrag aufrecht erhalte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>17<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FA f\u00fchrte in der Folgezeit bei dem Arbeitgeber des Kl\u00e4gers eine Lohnsteuer-Au\u00dfenpr\u00fcfung durch und trug mit Schreiben vom 13.\u00a0M\u00e4rz 2012 (AS.\u00a043) und vom 28.\u00a0Juni 2012 (AS.\u00a0124) vor, dass die erhobene unzul\u00e4ssige Verpflichtungsklage nicht als Fortsetzungsfeststellungsklage fortgef\u00fchrt werden k\u00f6nne. Denn die begehrte Freistellung vom Lohnsteuerabzug sei nur bis zum Abschluss des Lohnkontos m\u00f6glich. Nach \u00a7\u00a041\u00a0b EStG sei das Lohnkonto am Ende des Kalenderjahres, sp\u00e4testens bis zum 28.\u00a0Februar der Folgejahres (\u00dcbermittlung der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung) abzuschlie\u00dfen. Nach Abschluss des Lohnkontos k\u00f6nne \u00fcber die Freistellung als Grenzg\u00e4nger nur noch in einem besonderen Erstattungsverfahren nach Art.\u00a025\u00a0b Abs.\u00a01 Satz\u00a02 DBA Deutschland-Frankreich entschieden werden. Im \u00dcbrigen k\u00f6nne die Kollision mehrerer Doppelbesteuerungsabkommen im Streitfall nicht allein dadurch gel\u00f6st werden, dass allein das sich aus Art.\u00a013\u00a0Abs. 5 DBA-Deutschland-Frankreich ergebende Merkmal der \u201est\u00e4ndigen Wohnst\u00e4tte\u201c f\u00fcr die Zuweisung des Besteuerungsrechts relevant sein solle. Es seien vielmehr keine Kriterien erkennbar, welche geeigneter als die Ans\u00e4ssigkeit w\u00e4ren, um die bestehende Kollision aufzul\u00f6sen. Es sei nicht erkennbar, weshalb die st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte besser geeignet sein solle, als der R\u00fcckgriff auf eine analoge Anwendung der Tie-Breaker-Regelung. Es gelte zu bedenken, dass Dreieckskonstellationen auch in F\u00e4llen ohne Grenzg\u00e4ngerregelung denkbar seien. Ein R\u00fcckgriff auf eine st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte k\u00f6nne in diesen F\u00e4llen nicht erfolgen, wohingegen die Ans\u00e4ssigkeit in jedem Abkommen zu bestimmen sei. Im Hinblick darauf k\u00f6nnten bzw. m\u00fcssten Steuerpflichtige, die Eink\u00fcnfte aus verschiedenen Einkunftsarten beziehen, unter Umst\u00e4nden f\u00fcr jede Einkunftsart ein anderes Doppelbesteuerungsabkommen anwenden. Dabei m\u00fcsste getrennt f\u00fcr jede Abkommensregelung ein R\u00fcckgriff auf ein gesondertes Merkmal erfolgen, beispielsweise die Wohnst\u00e4tte mit t\u00e4glicher R\u00fcckkehr bei der Grenzg\u00e4ngerregelung und die Ans\u00e4ssigkeit bei Dividenden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>18<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Bei einem R\u00fcckgriff auf die Ans\u00e4ssigkeit w\u00fcrde sich dagegen die Besteuerung eines Steuerpflichtigen bei Dreieckskonstellationen immer nur nach einem Abkommen richten, und zwar nach demjenigen, das der Quellenstaat mit dem (vorrangigen) Ans\u00e4ssigkeitsstaat vereinbart hat. Im \u00dcbrigen verf\u00fcge der Kl\u00e4ger sowohl in Frankreich als auch in \u00d6sterreich \u00fcber eine st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte. Die weiteren Einschr\u00e4nkungen im Rahmen der Grenzg\u00e4ngerregelung d\u00fcrften eher im Hinblick auf die Ans\u00e4ssigkeit zu sehen sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>19<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Selbst wenn man zum Ergebnis k\u00e4me, dass das DBA Deutschland-Frankreich vorrangig anwendbar sei, sei nach Aktenlage davon auszugehen, dass der Kl\u00e4ger die Grenzg\u00e4ngereigenschaft nicht erf\u00fclle. In Anlehnung an die im Verfahren wegen Lohnsteuererm\u00e4\u00dfigung f\u00fcr das Jahr 2011 geltend gemachten Familienheimfahrten nach \u00d6sterreich und die im Klageverfahren vorgetragenen (unstreitigen) Dienstreisen sei davon auszugehen, dass die sch\u00e4dliche Grenze von 45\u00a0Tagen \u00fcberschritten worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>20<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger vertrat mit Schreiben seines Prozessbevollm\u00e4chtigten vom 16.\u00a0April 2012 (AS.\u00a0116), vom 20.\u00a0Juli 2012 (AS.\u00a0133) und vom 24.\u00a0August 2012 die Auffassung, dass eine Fortsetzungsfeststellungsklage nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) auch dann statthaft sei, wenn sich der angegriffene Verwaltungsakt oder ein Verpflichtungsbegehren schon vor der Klageerhebung erledigt habe. Im \u00dcbrigen habe der BFH in seiner erst jetzt ver\u00f6ffentlichten Entscheidung vom 21. Oktober 2011 I R 70\/08 (BStBl. II 2012, 493) ausdr\u00fccklich best\u00e4tigt, dass ein Arbeitnehmer einen Erstattungsanspruch in analoger Anwendung des \u00a7\u00a050\u00a0d Abs.\u00a01 Satz\u00a02 EStG habe, wenn eine Zahlung des Arbeitgebers zu Unrecht dem Lohnsteuerabzug unterworfen wurde, weil die Besteuerung der Zahlung abkommensrechtlich dem Wohnsitzstaat des Arbeitnehmers zugewiesen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>21<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Zu den Familienheimfahrten sei zu sagen, dass der Kl\u00e4ger die 45-Tages-Grenze eindeutig eingehalten habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>22<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger beantragt, (Schriftsatz vom 24.\u00a0Februar 2012, AS.\u00a0110) festzustellen, dass die Ablehnung des Beklagten vom 28.\u00a0Mai 2010, dem Kl\u00e4ger eine Bescheinigung \u00fcber die Freistellung vom Lohnsteuerabzug gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a039\u00a0d Abs.\u00a03 Satz\u00a04 EStG in Verbindung mit \u00a7\u00a039\u00a0b Abs.\u00a06 EStG zu erteilen, und die dazu ergangene Einspruchsentscheidung vom 17.\u00a0Februar 2011 rechtswidrig waren; hilfsweise, den Beklagten zu verpflichten, dem Kl\u00e4ger unter Aufhebung des ablehnenden Bescheids vom 28.\u00a0Mai 2010 und unter Aufhebung der hierzu ergangenen Einspruchsentscheidung vom 17.\u00a0Februar 2011 eine Bescheinigung \u00fcber die Steuerbefreiung des ihm im Jahre 2010 gezahlten Arbeitslohns zu erteilen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>23<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Beklagte beantragt, die Klage abzuweisen, hilfsweise, die Revision zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>24<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Wegen der Einzelheiten im \u00dcbrigen wird auf den Inhalt der gewechselten Schrifts\u00e4tze und den Inhalt der dem Gericht vorliegenden Lohnsteuerakten Bezug genommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>25<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Am 26.\u00a0September 2012 hat vor dem Senat eine m\u00fcndliche Verhandlung stattgefunden, in der die Beteiligten in tats\u00e4chlicher Hinsicht unstreitig gestellt haben, dass bei dem Kl\u00e4ger alle Tatbestandsmerkmale des Art. 13 Abs.1 i. V. m. Abs. 5 DBA Deutschland-Frankreich vorliegen, dieser also Grenzg\u00e4nger im Sinne der genannten Vorschrift ist. Auf die Sitzungsniederschrift wird erg\u00e4nzend Bezug genommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>26<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Die Klage ist mit dem Hauptantrag als Fortsetzungsfeststellungsklage zul\u00e4ssig (\u00a7\u00a0100 Abs. 1 Satz 4 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>27<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die urspr\u00fcnglich erhobene Verpflichtungsklage w\u00e4re nunmehr unzul\u00e4ssig, weil sich die beantragte Freistellungsbescheinigung mit Ablauf der Frist f\u00fcr die \u00c4nderung des Lohnsteuerabzugs erledigt hatte. Gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a041\u00a0c Abs.\u00a03 EStG darf der Lohnsteuerabzug nach Ablauf des Kalenderjahres nur bis zur \u00dcbermittlung oder Ausschreibung der Lohnsteuerbescheinigung ge\u00e4ndert werden. Da die Lohnsteuerbescheinigung sp\u00e4testens bis zum 28. Februar des Folgejahres zu \u00fcbermitteln ist (\u00a7 41\u00a0b Abs. 1 EStG), kann das abgeschlossene Lohnsteuerkonto des Kl\u00e4gers nicht mehr ge\u00e4ndert werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>28<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger hat sowohl unter dem Gesichtspunkt der Prozess\u00f6konomie als auch der Wiederholungsgefahr ein berechtigtes Interesse an der Feststellung der Rechtswidrigkeit der Ablehnung der Freistellungsbescheinigung nach \u00a7 39b Abs. 6 EStG (BFH-Urteil vom 11.\u00a0Juli 2012 I R 76\/11, BFH\/NV 2012, 1966).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>29<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Soweit das FA darauf hingewiesen hat, dass eine unzul\u00e4ssige Verpflichtungsklage nicht als Fortsetzungsfeststellungsklage fortgef\u00fchrt werden k\u00f6nne, hat es nicht beachtet, dass die Klageschrift vom 25.\u00a0Februar 2011 datiert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>30<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>II. Die zul\u00e4ssige Klage ist auch begr\u00fcndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>31<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FA war verpflichtet, dem Kl\u00e4ger eine Freistellungsbescheinigung nach \u00a7 39\u00a0b Abs.\u00a06 des Einkommensteuergesetzes (EStG 2010) i.\u00a0V.\u00a0m. Art. 13 Abs. 5 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Franz\u00f6sischen Republik zur Vermeidung der Doppelbesteuerungen und \u00fcber gegenseitige Amts- und Rechtshilfe auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Verm\u00f6gen sowie der Gewerbesteuern und der Grundsteuern vom 21. Juli 1959, BGBl II 1961, 398, BStBl I 1961,\u00a0342 (DBA Deutschland-Frankreich) zu erteilen. Das Besteuerungsrecht f\u00fcr die von dem Kl\u00e4ger erzielten Eink\u00fcnfte aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit steht Frankreich zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>32<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Der mit Zweitwohnsitz in Frankreich wohnende Kl\u00e4ger ist in Deutschland mit seinen inl\u00e4ndischen Eink\u00fcnften aus seiner hier ausge\u00fcbten nichtselbst\u00e4ndigen Arbeit gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a01 Abs. 4 i.\u00a0V.\u00a0m. \u00a7 49 Abs. 1 Nr. 4 EStG beschr\u00e4nkt einkommensteuerpflichtig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>33<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger genie\u00dft den Abkommensschutz des DBA Deutschland-Frankreich, denn dieses ist gem\u00e4\u00df Art.\u00a01 Abs.\u00a01 DBA Deutschland-Frankreich sachlich und pers\u00f6nlich auf ihn anwendbar. Der Kl\u00e4ger ist unstreitig (auch) in Frankreich ans\u00e4ssig, denn er ist dort nach franz\u00f6sischem Recht auf Grund seines (dortigen) Wohnsitzes steuerpflichtig (vgl. Art.\u00a02 Abs.\u00a01 Nr.\u00a04 Buchstabe a DBA Deutschland-Frankreich). Frankreich hat von seinem Besteuerungsrecht auch Gebrauch gemacht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>34<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Entgegen der Auffassung des FA f\u00fchren die Regelungen des Art.\u00a02 Abs.\u00a01 Nr.\u00a04 DBA Deutschland-Frankreich, insbesondere die Fiktion einer Ans\u00e4ssigkeit (nur) in dem Vertragsstaat, indem der Steuerpflichtige den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen hat (vgl. Art.\u00a02 Abs.\u00a01 Nr.\u00a04 Buchstabe b DBA Deutschland-Frankreich) nicht dazu, dass dem Kl\u00e4ger der Abkommensschutz des DBA-Frankreich (insgesamt) versagt werden k\u00f6nnte. Denn das DBA Deutschland-Frankreich gilt nur bilateral zwischen Deutschland und Frankreich. In Bezug auf die beiden Vertragsstaaten hat der Kl\u00e4ger keine doppelte Ans\u00e4ssigkeit, denn er ist in Deutschland unstreitig nicht ans\u00e4ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>35<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Es ist im \u00dcbrigen nicht ersichtlich, dass Art.\u00a01 Abs.\u00a01 DBA Deutschland-Frankreich im Falle einer doppelten Ans\u00e4ssigkeit in beiden Vertragsstaaten das Ziel verfolgen w\u00fcrde, den Steuerpflichtigen dem Schutz des Abkommens insgesamt zu entziehen, wenn dieser den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen in Deutschland h\u00e4tte. Die Geltung f\u00fcr Personen mit Ans\u00e4ssigkeit in beiden Vertragsstaaten wird zwar (anders als in Art.\u00a01 Abs.\u00a01 OECD-Musterabkommen &#8211; MA -) nicht ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt, ist aber selbstverst\u00e4ndlich (Kramer in Debatin\/Wassermayer Frankreich, Stand: August 2012, Art.\u00a01 Rz 4). Die in Art.\u00a02\u00a0Abs.\u00a01 Nr.\u00a04 Buchstabe b DBA Deutschland-Frankreich geregelte Fiktion schlie\u00dft deshalb die Anwendung des DBA nicht aus, sondern f\u00fchrt erst auf der Ebene der Zuteilungsregeln (Verteilungsnormen) &#8211; soweit es abkommensrechtlich auf das Merkmal der Ans\u00e4ssigkeit ankommt &#8211; zum Vorrang eines Vertragsstaats.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>36<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Umstand, dass der Kl\u00e4ger unstreitig auch den Abkommensschutz des DBA Deutschland-\u00d6sterreich genie\u00dft, f\u00fchrt nach der Rechtsauffassung des Senats nicht dazu, dass bereits auf der Stufe der pers\u00f6nlichen Abkommensberechtigung(en) zu entscheiden w\u00e4re, ob und ggf. welches der beiden Abkommen vorrangig anzuwenden ist. Denn der zun\u00e4chst abstrakte Befund, dass der Kl\u00e4ger in Bezug auf mehrere Doppelbesteuerungsabkommen abkommensberechtigt ist, besagt nicht zwangsl\u00e4ufig, dass die jeweiligen Abkommen bei einem Sachverhalt, bei dem mehr als zwei Staaten betroffen sind (so genannter Dreieckssachverhalt), das Besteuerungsrecht nicht ein und demselben Vertragsstaat zuweisen. Dass Dreieckssachverhalte schwierig zu l\u00f6sen sind, ergibt sich aus der Natur von bilateralen Abkommen und musste den Vertragssaaten bei Abschluss der Doppelbesteuerungsabkommen bewusst gewesen sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>37<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Problematik stellt sich nach der Rechtsauffassung des Senats erst auf der Ebene der Anwendung von einzelnen abkommensrechtlichen Zuteilungsregeln (Verteilungsnormen), die festlegen, welche Besteuerungsverzichte die Vertragsstaaten jeweils leisten m\u00fcssen. Kommt es bei der Anwendung konkreter Zuteilungsregeln dazu, dass das eine Abkommen das Besteuerungsrecht einem anderen Staat zuweist als das andere Abkommen (Kollision), ist zu kl\u00e4ren, ob und ggf. welche der beiden Regelungen vorrangig anzuwenden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>38<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Soweit das FA meint, dass der von ihm verfolgte L\u00f6sungsweg schon deshalb vorzugw\u00fcrdig sei, weil er sich auch auf andere Einkunftsarten \u00fcbertragen lasse, \u00fcbersieht es, dass die ma\u00dfgeblichen Zuteilungsregeln (Verteilungsnormen) h\u00e4ufig auf andere Kriterien abstellen als das Merkmal der Ans\u00e4ssigkeit. Es hat weder dargelegt noch ist sonst ersichtlich, dass die Vertragsstaaten der Ans\u00e4ssigkeit die ihm von dem FA angenommene\u00a0\u00a0Bedeutung beigemessen h\u00e4tten (Nichtanwendung ganzer Doppelbesteuerungsabkommen in F\u00e4llen doppelter oder mehrfacher Ans\u00e4ssigkeit). Auch wenn es zu den anerkannten Regeln der Gesetzesanwendung &#8211;\u00a0auch im Steuerrecht\u00a0&#8211; geh\u00f6rt, unbewusste und planwidrige Gesetzesl\u00fccken durch Gesetzesanalogie oder Rechtsanalogie zu schlie\u00dfen (vgl. BFH-Urteil vom 16.\u00a0April 2002 VIII R 50\/01, BStBl II 2002, 575 m. w. Rechtsprechungsnachweisen), fehlt es hier an einer Gesetzesl\u00fccke, die nicht auf einer gesetzgeberischen Absicht beruht. Deutschland und die anderen Vertragsstaaten haben vielmehr bewusst den Weg vieler bilateraler und nicht nur eines multilateralen Abkommens gew\u00e4hlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>39<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>3. Die Anwendung des DBA Deutschland-Frankreich f\u00fchrt im Streitfall dazu, dass Frankreich das Besteuerungsrecht zusteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>40<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Nach Art. 13 Abs. 1 Satz 1 DBA-Deutschland-Frankreich steht das Besteuerungsrecht f\u00fcr Eink\u00fcnfte aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit grunds\u00e4tzlich dem Quellenstaat (hier: Deutschland) zu. Abweichend hiervon bestimmt Art. 13 Abs. 5 DBA Deutschland-Frankreich, dass Eink\u00fcnfte aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit von Personen, die im Grenzgebiet eines Vertragsstaates arbeiten und ihre st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte, zu der sie in der Regel jeden Tag zur\u00fcckkehren, im Grenzgebiet des anderen Vertragsstaates haben (Grenzg\u00e4nger), nur in diesem anderen Staat besteuert werden. Der Kl\u00e4ger erf\u00fcllt unstreitig alle Tatbestandsvoraussetzungen dieser Norm. Dies haben die Beteiligten in der m\u00fcndlichen Verhandlung unstreitig gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>41<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>4. Die sog. Grenzg\u00e4ngerregelung des Art. 13 Abs. 5 DBA Deutschland-Frankreich ist entgegen der Auffassung des FA nicht durch das DBA Deutschland-\u00d6sterreich gesperrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>42<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FA geht zutreffend davon aus, dass Art. 15 Abs. 1 DBA des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik \u00d6sterreich zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Verm\u00f6gen vom 24.\u00a0August 2000, BGBl. 2002 II S. 2435, BStBl. 2002 I S. 958 (DBA Deutschland-\u00d6sterreich) das Besteuerungsrecht f\u00fcr Geh\u00e4lter, L\u00f6hne und \u00e4hnliche Verg\u00fctungen, die eine in einem Vertragsstaat ans\u00e4ssige Person aus unselbst\u00e4ndiger Arbeit bezieht, Deutschland als Quellenstaat zuweist, wenn die Arbeit &#8211; wie im Streitfall &#8211; im Inland ausge\u00fcbt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>43<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Damit liegen im Streitfall kollidierende Zuteilungsregeln vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>44<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>5. Wie ein DBA-Dreieckssachverhalt in der im Streitfall gegebenen Konstellation zu l\u00f6sen ist, wurde bisher &#8211;\u00a0soweit ersichtlich\u00a0&#8211; durch die Rechtsprechung noch nicht entschieden. Sinn und Zweck beider Abkommen ist es, zu verhindern, dass die in einem der Vertragsstaaten ans\u00e4ssige Person doppelt zu Steuern herangezogen wird. Es ergibt sich aus der Natur der bilateralen Abkommen, dass sie aufgrund ihrer blo\u00df zweiseitigen Ausrichtung eine derartige Situation nur unzureichend regeln. Hierzu werden in der Literatur im Wesentlichen zwei Ansichten vertreten. Die eine Ansicht nimmt eine G\u00fcnstigerpr\u00fcfung vor und wendet zugunsten des Steuerpflichtigen stets das f\u00fcr ihn g\u00fcnstigere DBA an, d.\u00a0 h. hier im Ergebnis das DBA Deutschland-Frankreich. Eine andere Auffassung m\u00f6chte dem Steuerpflichtigen ein Wahlrecht zubilligen mit der Folge, dass der Kl\u00e4ger im Streitfall das f\u00fcr ihn g\u00fcnstigere DBA Deutschland-Frankreich w\u00e4hlen k\u00f6nnte. Beide Ansichten kommen einhellig zu dem Ergebnis, dass im Streitfall das Besteuerungsrecht Frankreich zusteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>45<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FA wendet insoweit zutreffend ein, dass von einem Wahlrecht nur dann ausgegangen werden kann, wenn dieses dem Kl\u00e4ger gesetzlich einger\u00e4umt worden ist. Hierf\u00fcr bieten beide Abkommen keinerlei Anhaltspunkte. Ebenso wenig enthalten sie Regelungen, aus denen sich ein Meistbeg\u00fcnstigungsprinz ableiten l\u00e4sst. Mit den Doppelbesteuerungsabkommen verzichten die beteiligten Staaten nur in den dort geregelten F\u00e4llen zu Gunsten des anderen Vertragsstaats auf ihr Besteuerungsrecht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>46<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Nach Auffassung des Senats ist die Kollision der beiden Normen nach den allgemeinen Regeln aufzul\u00f6sen, die die Rechtsprechung f\u00fcr F\u00e4lle der Normenkonkurrenz entwickelt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>47<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung werden in Deutschland nur mittelbar \u00fcber Art. 59 Abs. 2 Grundgesetz (GG) in Form des jeweiligen Zustimmungsgesetzes angewendet. Sie erhalten dadurch innerstaatlich den Rang eines einfachen Bundesgesetzes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>48<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Kollidieren zwei Regelungen im Rang eines einfachen Bundesgesetzes und enth\u00e4lt sich der Gesetzgeber &#8211; wie hier &#8211; einer eindeutigen Entscheidung, welche der beiden Normen vorrangig anzuwenden ist, ist die Normenkonkurrenz durch die Gerichte im Wege der Auslegung aufzul\u00f6sen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>49<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a. Eine Auslegung nach Ma\u00dfgabe des jeweiligen Wortlauts f\u00fchrt im Streitfall nicht weiter.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>50<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr eine einschr\u00e4nkende Auslegung der Grenzg\u00e4ngerregelung in\u00a0\u00a0Art. 13 Abs. 5 Buchst. a) DBA Deutschland-Frankreich k\u00f6nnte allenfalls das Tatbestandsmerkmal \u201eihre st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte &#8230; haben\u201c sein. Aus der vergleichbaren Regelung in Art.\u00a016 Abs.\u00a06 Nr.\u00a01 DBA Deutschland-\u00d6sterreich, \u201eihren Wohnsitz &#8230; haben\u201c, haben die Finanzverwaltungen geschlossen, dass die Grenzg\u00e4ngerregelung des DBA Deutschland-\u00d6sterreich nur anwendbar sei, wenn der Grenzg\u00e4nger nur einen Wohnsitz hat (Lang\/Stefaner Debatin\/Wassermayer \u00d6sterreich, Stand: August 2012, Art.\u00a015 Rz 16). Allerdings wurde eingeschr\u00e4nkt, dass diese Verst\u00e4ndigungsvereinbarung nicht \u00fcberzogen angewendet werden darf. Entsprechende Verst\u00e4ndigungsvereinbarungen in Bezug auf die Grenzg\u00e4ngerregelung existieren jedoch &#8211; soweit ersichtlich &#8211; zwischen Deutschland und Frankreich nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>51<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Eine derart einschr\u00e4nkende Auslegung l\u00e4sst sich nach Auffassung des Senats dem Wortsinn des Possessivpronomens \u201eihre\u201c nicht entnehmen, das bei Art. 13 Abs. 5 Buchst. a) DBA Deutschland-Frankreich lediglich die Zugeh\u00f6rigkeit der st\u00e4ndigen Wohnst\u00e4tte zu der Person bezeichnet. Es muss sich um seine und nicht um die Wohnst\u00e4tte einer anderen Person handeln. Der Verwendung des Possessivpronomens kann nicht entnommen werden, dass die Person nur eine einzige Wohnst\u00e4tte hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>52<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das Abkommen stellt im \u00dcbrigen in Art. 13 Abs. 5 Buchst. a) DBA Deutschland-Frankreich nicht auf den abkommensrechtlichen Begriff der Ans\u00e4ssigkeit (vgl. Art.\u00a02 Abs.\u00a01 Nr.\u00a04 Buchstabe a) DBA Deutschland-Frankreich) ab, sondern setzt eine st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte voraus, zu der die Person in der Regel jeden Tag zur\u00fcckkehrt. Der von den Vertragsstaaten in Kenntnis der Tragweite dieses Begriffs vereinbarte klare Abkommenswortlaut begrenzt damit ein ausweitendes Verst\u00e4ndnis des Begriffs \u201eihre st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte\u201c. Gemeint sind danach alle R\u00e4umlichkeiten, die nach Art und Einrichtung zum Wohnen geeignet sind. Die Wohnst\u00e4tte ist eine &#8222;st\u00e4ndige&#8220; i. S. des Abkommensrechts, wenn der Steuerpflichtige diese l\u00e4ngerfristig nutzen kann und tats\u00e4chlich auch nutzt; eine st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte setzt nicht ein st\u00e4ndiges Bewohnen der Wohnung oder ein Mindestma\u00df an Nutzung in jedem Veranlagungszeitraum voraus. Art. 2 Abs. 1 Nr.\u00a04 Buchstabe b) DBA Deutschland-Frankreich erfordert aber, dass die nat\u00fcrliche Person \u00fcber eine st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte &#8222;verf\u00fcgt&#8220;. Jemand verf\u00fcgt \u00fcber eine st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte, wenn er die M\u00f6glichkeit hat, jederzeit (rechtm\u00e4\u00dfig) die R\u00e4umlichkeiten als Wohnst\u00e4tte zu nutzen und sie tats\u00e4chlich nutzt (vgl. BFH-Urteil vom 16.\u00a0Dezember 1998 I R 40\/97, BStBl II 1999, 207; FG Hamburg, Urteile vom 12.\u00a0Juni 2008 5 K 81\/06, EFG 2008, 1558 und vom 11.\u00a0September 2012 2 K 23\/12, Juris). Eine st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte setzt nicht voraus, dass sie der Mittelpunkt der Lebensinteressen des Steuerpflichtigen ist (Wassermayer in Debatin\/Wassermayer MA, Stand: August 2012, Art.\u00a04 Rz 33).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>53<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Anwendung der Grenzg\u00e4ngerregelung scheitert somit nicht daran, dass der Kl\u00e4ger Wohnst\u00e4tten in zwei Staaten hat (so auch zum DBA Schweiz BFH-Urteil vom 26.\u00a0Oktober 1995 I B 205\/94, BFH\/NV 1996, 298).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>54<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b. Es ist mit der Rechtsnatur der Abkommen als v\u00f6lkerrechtlichen Vertr\u00e4gen grunds\u00e4tzlich unvereinbar, die Normenkollision nach dem Rechtsgrundsatz \u201elex posterior derogat legi priori\u201c (Vorrang des sp\u00e4teren vor dem fr\u00fcheren Gesetz) zu l\u00f6sen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>55<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Nach inl\u00e4ndischem Recht wurde bisher nach der wohl \u00fcberwiegenden Rechtsauffassung der unilaterale \u201eBruch\u201c des v\u00f6lkervertragsrechtlich Vereinbarten (das sogenannte treaty overriding) zwar rechtstechnisch f\u00fcr m\u00f6glich erachtet (vgl. BFH-Beschluss vom 10.\u00a0Januar 2012 I R 66\/09, BFH\/NV 2012, 1056 m. w. H.), weil v\u00f6lkerrechtliche Vertr\u00e4ge der Bundesrepublik Deutschland innerstaatlich nur in Form des jeweiligen Zustimmungsgesetzes zu verbindlichem Recht werden, das durch sp\u00e4tere entgegenstehende gesetzliche Regelungen grunds\u00e4tzlich ge\u00e4ndert werden kann. Erforderlich ist hierbei jedoch, dass der Gesetzgeber bei dem Erlass des sp\u00e4teren Gesetzes eindeutig kenntlich gemacht hat, dass er sich \u00fcber die Bestimmungen eines Doppelbesteuerungsabkommens hinwegsetzen will (Dr\u00fcen in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Stand: November 2012, \u00a7\u00a02 Rz. 2 mit umfangreichen Nachweisen). Fehlt &#8211; wie im Streitfall &#8211; eine spezielle, das DBA Deutschland-Frankreich bewusst derogierende Vorschrift, so ist (auch) das DBA Deutschland-Frankreich anzuwenden. Die Bundesrepublik Deutschland ist im \u00dcbrigen v\u00f6lkerrechtlich beiden Vertragspartnern in gleicher Weise zur Einhaltung der Abkommen verpflichtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>56<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Sinn und Zweck beider Abkommen ist es, zu verhindern, dass die in einem der Vertragsstaaten ans\u00e4ssige Person doppelt zu Steuern herangezogen wird. Keines der Abkommen enth\u00e4lt Bestimmungen, wie bei Dreieckssachverhalten zu verfahren ist. Es erscheint daher ausgeschlossen, dass sich der Gesetzgeber mit dem neueren Abkommen \u00fcber Regelungen in dem \u00e4lteren Abkommen im Sinne eines Treaty Overriding hinwegsetzen wollte. Andernfalls h\u00e4tte der Gesetzgeber einen von ihm gewollten Vorrang des einen vor einem anderen Abkommen deutlich zum Ausdruck gebracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>57<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>c. In derartigen F\u00e4llen der Gesetzeskonkurrenz kann eine der Normen einen weiteren (generellen) Anwendungsbereich haben als die konkurrierende speziellere Norm. Gemeinhin wird dann die Kollision nach dem Prinzip &#8222;lex specialis derogat legi generali&#8220; (Vorrang des spezielleren vor dem allgemeineren Gesetz) aufgel\u00f6st.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>58<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>In diesem Sinne ist unter systematischen Gesichtspunkten die Grenzg\u00e4ngerregelung des Art. 13 Abs. 5 DBA Deutschland-Frankreich eine Ausnahmevorschrift von der in beiden Doppelbesteuerungsabkommen normierten Grundregel, dass das Besteuerungsrecht f\u00fcr Eink\u00fcnfte aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit grunds\u00e4tzlich dem Quellenstaat zusteht (vgl. Art.\u00a013 Abs.\u00a01 DBA Deutschland-\u00d6sterreich und Art.\u00a015 Abs.\u00a01 DBA Deutschland-Frankreich). In Ihren Grunds\u00e4tzen stimmen beide Abkommen mit Art.\u00a015 des OECD MA 2008 zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Verm\u00f6gen \u00fcberein, das den allgemeinen Grundsatz enth\u00e4lt, dass Eink\u00fcnfte aus unselbst\u00e4ndiger Arbeit von dem Staat besteuert werden, in dem die Arbeit tats\u00e4chlich ausge\u00fcbt wird (T\u00e4tigkeitsstaat). Beide Doppelbesteuerungsabkommen enthalten jedoch eine Grenzg\u00e4ngerregelung (vgl. Art.\u00a015\u00a0Abs.\u00a06 DBA Deutschland-\u00d6sterreich und Art.\u00a013 Abs.\u00a05 DBA Deutschland-Frankreich). Hierbei handelt es sich um Sonderregelungen, die sich u. a. insoweit unterscheiden, als das DBA Deutschland-\u00d6sterreich auf Personen abstellt, die \u201ein dem einen Staat in der N\u00e4he der Grenze ihren Wohnsitz und in dem anderen Staat in der N\u00e4he der Grenze ihren Arbeitsort haben\u201c), w\u00e4hrend das DBA Deutschland-Frankreich von Personen spricht, die \u201eim Grenzgebiet eines Vertragsstaats arbeiten und ihre st\u00e4ndige Wohnst\u00e4tte, zu der sie in der Regel jeden Tag zur\u00fcckkehren, im Grenzgebiet des anderen Staates haben\u201c. Beide Regelungen beruhen auf dem Prinzip der Besteuerung des Grenzg\u00e4ngers nur im Ans\u00e4ssigkeitsstaat. Art.\u00a013\u00a0Abs.\u00a05 DBA Deutschland-Frankreich geht den Abs.\u00a01, 3 und 4 vor. Indem er als selbst\u00e4ndige Rechtsfolge die Besteuerung von Arbeitnehmern im Wohnsitzstaat bestimmt, schlie\u00dft er das Quellenstaatsprinzip aus. Dies gilt nach Wortlaut und Sinn der Regelung auch dann, wenn ein weiterer betroffener Staat &#8211; hier \u00d6sterreich &#8211; zur Vermeidung der Doppelbesteuerung zu Gunsten von Deutschland auf ein ihm zustehendes Besteuerungsrecht verzichtet hat. Das DBA Deutschland-Frankreich enth\u00e4lt keinen Hinweis, dass die Grenzg\u00e4ngerregelung nicht angewandt werden soll, wenn der Steuerpflichtige auch in einem Drittstaat eine Wohnst\u00e4tte hat bzw. dort ans\u00e4ssig ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>59<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Entgegen der Auffassung des FA ist die Regelung in Art.\u00a013 Abs.\u00a05 DBA Deutschland-Frankreich geeignet, zu einer eindeutigen Bestimmung des Vertragsstaates zu f\u00fchren, dem das Besteuerungsrecht zusteht. Denn es ist nicht vorstellbar, dass ein Steuerpflichtiger jeden Tag zu mehreren \u201est\u00e4ndigen Wohnst\u00e4tten\u201c in unterschiedlichen Staaten zur\u00fcckkehrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>60<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Deutschland hat sich im Streitfall damit aufgrund eines v\u00f6lkerrechtlichen Vertrages seines Besteuerungsrechts begeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>61<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Es wurde von dem FA weder dargelegt noch ist sonst ersichtlich, dass die Begr\u00fcndung eines Zweitwohnsitzes in Frankreich ein Missbrauch rechtlicher Gestaltungsm\u00f6glichkeiten im Sinne von \u00a7\u00a042\u00a0AO darstellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>62<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Da die Klage bereits mit dem Hauptantrag Erfolg hat, er\u00fcbrigt sich eine Entscheidung \u00fcber den Hilfsantrag.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>63<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7 135 Abs. 1 FGO. Die Entscheidung zur vorl\u00e4ufigen Vollstreckbarkeit folgt aus \u00a7 155 FGO i.V. mit \u00a7\u00a7 708 Nr. 10, 711 ZPO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>64<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Revisionszulassung folgt aus \u00a7 115 Abs. 2 Nrn. 1 und 2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>65<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger beantragt, die Zuziehung des Bevollm\u00e4chtigten zum Vorverfahren f\u00fcr notwendig zu erkl\u00e4ren. Dem Verfahren liegt ein Sachverhalt zugrunde, der in rechtlicher Hinsicht nicht von vornherein als einfach zu beurteilen ist. Der Kl\u00e4ger durfte sich daher eines Rechtskundigen bedienen, um eine erfolgversprechende Rechtsverfolgung zu erreichen. Der Senat h\u00e4lt hiernach die Zuziehung des Bevollm\u00e4chtigten f\u00fcr das Vorverfahren f\u00fcr notwendig (\u00a7 139 Abs. 3 Satz 3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FG Baden-W\u00fcrttemberg Urteil vom 26.9.2012, 2 K 776\/11 Kollision von DBA bei Grenzg\u00e4ngerbesteuerung: Mehrfachans\u00e4ssigkeit eines Arbeitnehmers, L\u00f6sung eines DBA-Dreieckskonflikts Tenor &nbsp; 1. Es wird festgestellt, dass die Ablehnung des Beklagten vom 28. 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