{"id":2271,"date":"2011-03-31T15:29:54","date_gmt":"2011-03-31T13:29:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=2271"},"modified":"2020-09-14T15:53:09","modified_gmt":"2020-09-14T13:53:09","slug":"gewerbesteuerpflicht-fur-insolvenzanwalte-fallt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/gewerbesteuerpflicht-fur-insolvenzanwalte-fallt\/","title":{"rendered":"Gewerbesteuerpflicht f\u00fcr Insolvenzanw\u00e4lte f\u00e4llt"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Gewerbesteuerpflicht f\u00fcr Insolvenzanw\u00e4lte f\u00e4llt<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Kernaussage<\/strong><\/p>\n<p>Die Insolvenzverwaltung durch einen Rechtsanwalt ist verm\u00f6gensverwaltende T\u00e4tigkeit im Sinne des Einkommensteuergesetzes (\u00a7 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG). Hinsichtlich der Frage der gewerblichen T\u00e4tigkeit wird die bisherige Vervielf\u00e4ltigungstheorie aufgegeben, wonach die verm\u00f6gensverwaltende T\u00e4tigkeit gewerbliche Eink\u00fcnfte begr\u00fcndet, wenn sie die laufende Besch\u00e4ftigung mehrerer Angestellten erfordert. Entscheidend ist nunmehr die Stempeltheorie, wonach keine gewerbliche T\u00e4tigkeit begr\u00fcndet ist, wenn die Partner leitend und eigenverantwortlich t\u00e4tig sind.<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger ist Rechtsanwalt und unterh\u00e4lt in mehreren St\u00e4dten Kanzleien bzw. Zweigstellen. Er wurde von verschiedenen Amtsgerichten mit der Verwaltung von Insolvenzf\u00e4llen beauftragt. Die Bestellungen zum Insolvenzverwalter lauten alle auf seinen Namen. Die Abwicklung der Verfahren erstreckte sich \u00fcber mehrere Jahre. Der Kl\u00e4ger besch\u00e4ftigte 3 Anw\u00e4lte, einen \u00d6konomen, mehrere Fachkr\u00e4fte sowie Hilfskr\u00e4fte. Das beklagte Finanzamt vertrat unter Berufung auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) die Auffassung, dass es sich bei den Eink\u00fcnften des Kl\u00e4gers aus der Insolvenzverwaltert\u00e4tigkeit um gewerbliche Eink\u00fcnfte handelt.<\/p>\n<p><strong>Entscheidung<\/strong><\/p>\n<p>Der BFH hat im Dezember 2010 und Januar 2011 insgesamt 6 Verfahren zu der Frage verhandelt, unter welchen Voraussetzungen Insolvenzanw\u00e4lte eine gewerbliche T\u00e4tigkeit aus\u00fcben. Hierbei hat er deutlich gemacht, dass er an seiner bisherigen Rechtsprechung aus dem Jahr 2001 nicht mehr festhalten will. Hintergrund ist, dass die Verm\u00f6gensverwaltung nicht unter die freien Berufe i. S. d. Einkommensteuergesetzes (\u00a7 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG) f\u00e4llt und deshalb nicht automatisch von der <a title=\"Gewerbesteuerpflicht\" href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/gewerbesteuer.htm\">Pflicht zur Gewerbesteuer<\/a> befreit ist. Nach der sogenannten Vervielf\u00e4ltigungstheorie unterlag eine verm\u00f6gensverwaltende T\u00e4tigkeit dieser Steuer, wenn sie die laufende Besch\u00e4ftigung mehrerer Angestellter erforderte. Nunmehr soll eine gewerbliche T\u00e4tigkeit des Insolvenzverwalters nicht begr\u00fcndet sein, solange die Partner leitend und eigenverantwortlich t\u00e4tig sind.<\/p>\n<p><strong>Konsequenz<\/strong><\/p>\n<p>Die Urteilsgr\u00fcnde stehen noch aus. Die Rechtsprechungs\u00e4nderung hat Auswirkung auf alle offenen Besteuerungsverfahren. Gegen noch ergehende Gewerbesteuermessbescheide ist Einspruch einzulegen und auf die neue Rechtsprechung des BFH hinzuweisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gewerbesteuerpflicht f\u00fcr Insolvenzanw\u00e4lte f\u00e4llt Kernaussage Die Insolvenzverwaltung durch einen Rechtsanwalt ist verm\u00f6gensverwaltende T\u00e4tigkeit im Sinne des Einkommensteuergesetzes (\u00a7 18 Abs. 1 Nr. 3 EStG). Hinsichtlich der Frage der gewerblichen T\u00e4tigkeit wird die bisherige Vervielf\u00e4ltigungstheorie aufgegeben, wonach die verm\u00f6gensverwaltende T\u00e4tigkeit gewerbliche Eink\u00fcnfte begr\u00fcndet, wenn sie die laufende Besch\u00e4ftigung mehrerer Angestellten erfordert. 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