{"id":24783,"date":"2012-09-21T09:09:09","date_gmt":"2012-09-21T07:09:09","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=24783"},"modified":"2013-04-17T09:10:18","modified_gmt":"2013-04-17T07:10:18","slug":"zweifel-an-der-rechtmasigkeit-eines-vergnugungsteuerbescheides-wegen-vorlagebeschluss-an-den-eugh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/zweifel-an-der-rechtmasigkeit-eines-vergnugungsteuerbescheides-wegen-vorlagebeschluss-an-den-eugh\/","title":{"rendered":"Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit eines Vergn\u00fcgungsteuerbescheides wegen Vorlagebeschluss an den EuGH"},"content":{"rendered":"<dl>\n<dd>1. Aus dem Vorlagebeschluss des Finanzgerichts Hamburg vom 21. September 2012 &#8211; 3 K 104\/11 &#8211; an den Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union ergeben sich keine ernstlichen Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit eines angefochtenen Vergn\u00fcgungsteuerbescheides.<\/p>\n<p>2. Auch die Anh\u00e4ngigkeit des Vorabentscheidungsverfahrens beim Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union \u00fcber die Frage der Zul\u00e4ssigkeit einer kumulativen Erhebung von Mehrwertsteuer und Vergn\u00fcgungsteuer (Az. C-440\/12) rechtfertigt allein noch keine ernstlichen Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit eines angegriffenen Vergn\u00fcgungsteuerbescheides.<\/p>\n<p>OVG L\u00fcneburg 9. Senat, Beschluss vom 30.01.2013, 9 ME 160\/12<\/p>\n<p>EGRL 112\/2006<\/p>\n<p>Gr\u00fcnde<\/p>\n<p>1<br \/>\nDie Beschwerde der Antragstellerin ist zul\u00e4ssig, aber unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2<br \/>\nAus dem Beschwerdevorbringen, auf dessen Pr\u00fcfung der Senat gem\u00e4\u00df \u00a7 146 Abs. 4 Satz 6 VwGO beschr\u00e4nkt ist, ergibt sich nicht, dass die aufschiebende Wirkung der Klage gegen den angegriffenen Vergn\u00fcgungsteuerbescheid bereits deshalb anzuordnen w\u00e4re, weil das Finanzgericht Hamburg mit Beschluss vom 21. September 2012 &#8211; 3 K 104\/11 &#8211; dem Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union u. a. die Frage zur Vorabentscheidung vorgelegt hat, ob Art. 401 (in Verbindung mit Art. 135 Abs. 1 Buchst. i) der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28. November 2006 \u00fcber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem dahingehend auszulegen sei, dass Mehrwertsteuer und nationale Sonderabgabe auf Gl\u00fcckspiele nur alternativ und nicht kumulativ erhoben werden d\u00fcrften. Vielmehr ist das Verwaltungsgericht zu Recht und unter Bezugnahme auf die einschl\u00e4gige Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts und des Senats davon ausgegangen, dass die Erhebung einer Vergn\u00fcgungsteuer f\u00fcr Gl\u00fcckspiele neben der Mehrwertsteuer nicht gegen Art. 401 der Richtlinie 2006\/112\/EG verst\u00f6\u00dft (vgl. BVerwG, Beschluss vom 25.05.2011 &#8211; 9 B 34.11 &#8211; ZKF 2012, 90; Beschl\u00fcsse des erkennenden Senats vom 15.05.2009 &#8211; 9 LA 406 und 407\/07 &#8211; und vom 22.03.2007 &#8211; 9 ME 84\/07 &#8211; OVG M\u00fcL\u00fc 50, 450 = NVwZ-RR 2007, 551).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3<br \/>\nWie das Verwaltungsgericht ebenfalls zutreffend angenommen hat, ergeben sich aus dem Vorlagebeschluss des Finanzgerichts Hamburg keine ernstlichen Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des angefochtenen Vergn\u00fcgungsteuerbescheides. Nach der Begr\u00fcndung des Vorlagebeschusses tendiert das Finanzgericht selbst zu der Auffassung, das Europarecht erlaube die kumulative Erhebung von Mehrwertsteuer und Vergn\u00fcgungsteuer, und legt die Frage nur wegen der zitierten, vom Generalanwalt Bot in seinen Schlussantr\u00e4gen in der beim Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union anh\u00e4ngigen Rechtssache \u201eLeo-Libera\u201c (Az. C-58\/09) ge\u00e4u\u00dferten Auffassung vor. Allein die abweichende Meinung des Generalanwalts kann jedoch nicht dazu f\u00fchren, dass vern\u00fcnftige Zweifel an der richtigen Anwendung des Gemeinschaftsrechts begr\u00fcndet werden (hierzu ausf\u00fchrlich: OVG NW, Beschluss vom 27.11.2012 &#8211; 14 A 2351\/12 &#8211; zitiert nach juris) und rechtfertigen nicht die Annahme, die Erhebung der Vergn\u00fcgungsteuer versto\u00dfe entgegen der bisher einhelligen Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union, des Bundesverwaltungsgerichts und der Oberverwaltungsgerichte bzw. Verwaltungsgerichtsh\u00f6fe gegen Europarecht (hierzu im Einzelnen bereits BVerwG, Beschluss vom 25.05.2011 &#8211; 9 B 34.11 &#8211; a. a. O.; ebenso OVG NW, Beschl\u00fcsse vom 27.11.2012 &#8211; 14 A 2351\/12 &#8211; a. a. O., vom 07.11.2012 &#8211; 14 A 2350\/12 &#8211; und vom 10.05.2012 &#8211; 14 A 885\/12 &#8211; jeweils zitiert nach juris; VGH BW, Urteil vom 13.12.2012 &#8211; 2 S 1010\/12 &#8211; zitiert nach juris).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>4<br \/>\nEntgegen dem Beschwerdevorbringen rechtfertigt auch der Umstand, dass aufgrund des Vorlagebeschlusses des Finanzgerichts Hamburg \u00fcber die Frage der kumulativen Erhebung von Mehrwertsteuer und Vergn\u00fcgungsteuer ein Vorabentscheidungsverfahren beim Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union anh\u00e4ngig ist (Az. C-440\/12), noch keine ernstlichen Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des angegriffenen Vergn\u00fcgungsteuerbescheides, die eine Anordnung der aufschiebenden Wirkung der Klage geb\u00f6ten. Die Kl\u00e4gerin kann sich zur Begr\u00fcndung ihrer gegenteiligen Auffassung nicht auf die angef\u00fchrten Entscheidungen des Bundesfinanzhofs st\u00fctzen (BFH, Beschl\u00fcsse vom 05.05.1994 &#8211; V S 11\/93 &#8211; BFH\/NV 1995, 368 und vom 24.03.1998 &#8211; I B 100\/97 &#8211; BFHE 185, 467), da die Aussetzung der Vollziehung der dort angegriffenen Steuerbescheide gerade nicht allein auf der Vorlage kl\u00e4rungsbed\u00fcrftiger gemeinschaftsrechtlicher Fragen an den Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union beruhte, sondern in diesen Verfahren konkrete Zweifel an der Vereinbarkeit mit Gemeinschaftsrecht bestanden und sich daraus die M\u00f6glichkeit ergab, dass die vorgelegte Rechtsfrage im Sinne der Kl\u00e4ger gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnte. Wie bereits ausgef\u00fchrt bestehen jedoch angesichts der bisherigen Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union, des Bundesverwaltungsgerichts und der Oberverwaltungsgerichte bzw. Verwaltungsgerichtsh\u00f6fe keine vern\u00fcnftigen Zweifel an der Vereinbarkeit der kumulativen Erhebung von Mehrwert- und Vergn\u00fcgungsteuer mit Gemeinschaftsrecht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>5<br \/>\nDie Kl\u00e4gerin kann solche Zweifel auch nicht erfolgreich darauf st\u00fctzen, dass einzelne Verwaltungsgerichte (VG G\u00f6ttingen, Beschluss vom 24.10.2012 &#8211; 2 A 328\/10 &#8211; zitiert nach juris und VG Frankfurt a. M., Beschluss vom 19.11.2012 &#8211; 6 K 3709\/11.F -) ihre Klageverfahren mit Blick auf die vom Finanzgericht Hamburg dem Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union zur Vorabentscheidung vorgelegte Frage ausgesetzt haben (so inzwischen auch der Bundesfinanzhof in einem dort anh\u00e4ngigen Verfahren wegen Haftung f\u00fcr Spielvergn\u00fcgungsteuer: Beschluss vom 09.01.2013 &#8211; II R 27\/11 -). Denn der Begr\u00fcndung der Aussetzungsbeschl\u00fcsse sind keinerlei Anhaltspunkte daf\u00fcr zu entnehmen, dass die Gerichte Zweifel an der Vereinbarkeit der kumulativen Erhebung von Mehrwert- und Vergn\u00fcgungsteuer mit Gemeinschaftsrecht haben, die der bisherigen Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union und des Bundesverwaltungsgerichts entgegenst\u00fcnden. Dementsprechend haben andere Verwaltungsgerichte unter Verweis darauf, dass sich die Vorlagefrage bereits durch die ma\u00dfgebliche Richtlinie und bisherige Rechtsprechung beantworten lasse, gegen eine Aussetzung analog \u00a7 94 VwGO entschieden (vgl. VG D\u00fcsseldorf, Urteil vom 10.01.2013 &#8211; 25 K 8427\/12 &#8211; zitiert nach juris; VG Gie\u00dfen, Beschluss vom 19.11.2012 &#8211; 8 K 1323\/12.GI -, best\u00e4tigt durch HessVGH, Beschluss vom 02.01.2013 &#8211; 5 E 2244\/12 -). Im \u00dcbrigen hat der Senat mit Beschl\u00fcssen vom heutigen Tage mehrere Aussetzungsbeschl\u00fcsse des Verwaltungsgerichts G\u00f6ttingen, deren Tenor und Begr\u00fcndung mit dem zitierten Beschluss vom 24.10.2012 &#8211; 2 A 328\/10 &#8211; vergleichbar sind, aufgehoben, weil die Voraussetzungen f\u00fcr eine Aussetzung entsprechend \u00a7 94 VwGO nicht gegeben sind (Senatsbeschl\u00fcsse vom 30.01.2013 &#8211; 9 OB 173, 174 und 175\/12 -).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Aus dem Vorlagebeschluss des Finanzgerichts Hamburg vom 21. September 2012 &#8211; 3 K 104\/11 &#8211; an den Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union ergeben sich keine ernstlichen Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit eines angefochtenen Vergn\u00fcgungsteuerbescheides. 2. 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