{"id":25066,"date":"2013-04-18T11:00:42","date_gmt":"2013-04-18T09:00:42","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=25066"},"modified":"2013-04-18T11:00:42","modified_gmt":"2013-04-18T09:00:42","slug":"fur-das-kindergeld-gelten-die-vorschriften-der-abgabenordnung-und-und-nicht-%c2%a7%c2%a7-44-ff-sgb-x-analog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/fur-das-kindergeld-gelten-die-vorschriften-der-abgabenordnung-und-und-nicht-%c2%a7%c2%a7-44-ff-sgb-x-analog\/","title":{"rendered":"F\u00fcr das Kindergeld gelten die Vorschriften der Abgabenordnung und und nicht \u00a7\u00a7 44 ff. SGB X analog"},"content":{"rendered":"<p>Gericht: BFH 3. Senat<br \/>\nEntscheidungsdatum: 06.03.2013<br \/>\nStreitjahre: 2007, 2008, 2010<br \/>\nAktenzeichen: III B 113\/12<br \/>\nDokumenttyp: Beschluss<br \/>\nNormen: \u00a7 62 EStG 2002, \u00a7 62 EStG 2009, \u00a7\u00a7 62ff EStG 2002, \u00a7\u00a7 62ff EStG 2009, \u00a7 31 S 3 EStG 2002, \u00a7 31 S 3 EStG 2009, \u00a7 44 SGB 10, \u00a7\u00a7 44ff SGB 10, \u00a7 46 Abs 1 S 1 FGO, \u00a7 155 Abs 4 AO, \u00a7 1 Abs 1 S 1 AO, Art 4 Abs 1 Buchst h EWGV 1408\/71, Art 1 Buchst u EWGV 1408\/71, \u00a7 172 AO, \u00a7\u00a7 172ff AO, \u00a7 96 Abs 2 FGO, Art 103 Abs 1 GG, \u00a7 115 Abs 2 Nr 1 FGO, \u00a7 115 Abs 2 Nr 3 FGO, EStG VZ 2007, EStG VZ 2008, EStG VZ 2010<br \/>\n(Keine Anwendung der Vorschriften des Sozialverwaltungsverfahrens \u00fcber R\u00fccknahme und Widerruf von Verwaltungsakten auf die Kindergeldfestsetzung nach dem EStG &#8211; Keine Verletzung des rechtlichen Geh\u00f6rs durch \u00dcbermittlung von Unterlagen nur an den Prozessbevollm\u00e4chtigten &#8211; Zureichender Grund f\u00fcr das Hinausschieben einer Einspruchsentscheidung im Rahmen des \u00a7 46 Abs. 1 Satz 1 FGO)<\/p>\n<p>Leitsatz<\/p>\n<p>1. NV: Es ist bereits gekl\u00e4rt, dass auf das nach dem EStG zu gew\u00e4hrende Kindergeld die Vorschriften der Abgabenordnung anzuwenden sind und die diesen gegen\u00fcber g\u00fcnstigeren Bestimmungen der \u00a7\u00a7 44 ff. SGB X auch nicht analog herangezogen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2. NV: Das FG gen\u00fcgt der Pflicht zur Gew\u00e4hrung rechtlichen Geh\u00f6rs, wenn es entscheidungserhebliche Unterlagen dem Prozessbevollm\u00e4chtigten des Beteiligten \u00fcbermittelt. Eine zus\u00e4tzliche \u00dcbermittlung an den Beteiligten pers\u00f6nlich ist in diesem Fall nicht erforderlich.<\/p>\n<p>Orientierungssatz<\/p>\n<p>1. NV: Zu Leitsatz 1: Nichts anderes ergibt sich insoweit daraus, dass das Kindergeld dem sachlichen Geltungsbereich der VO Nr. 1408\/71 unterf\u00e4llt. Welche nationalen Verfahrensvorschriften auf die vom jeweiligen Mitgliedstaat gew\u00e4hrten Familienleistungen Anwendung zu finden haben, bestimmt sich nach den nationalen Vorschriften (hier: nach \u00a7 31 Satz 3 EStG, \u00a7\u00a7 1 Abs. 1 Satz 1, 155 Abs. 4 AO).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2. NV: Das FG darf es i.S.d. \u00a7 46 Abs. 1 Satz 1 FGO als zureichenden Grund f\u00fcr das Hinausschieben einer Einspruchsentscheidung ansehen, dass die Familienkasse zun\u00e4chst die Entscheidung des FG zu einem bereits anh\u00e4ngigen Zeitraum abwarten wollte, wenn sich insoweit f\u00fcr beide Zeitr\u00e4ume im Wesentlichen dieselben Rechtsfragen stellen.<\/p>\n<p>Fundstellen<\/p>\n<p>NV (nicht amtlich ver\u00f6ffentlicht)<br \/>\nVerfahrensgang<\/p>\n<p>vorgehend FG Hamburg, 5. Juli 2012, Az: 5 K 77\/10, Urteil<br \/>\nDiese Entscheidung zitiert<\/p>\n<p>Rechtsprechung<br \/>\nim Text BFH, 6. Juli 2012, Az: III B 240\/11<br \/>\nim Text BFH, 28. Februar 2012, Az: III B 55\/10<br \/>\nim Text Landessozialgericht Hamburg, 2. Februar 2012, Az: L 2 EG 6\/10 B PKH<br \/>\nim Text BFH, 22. Dezember 2011, Az: III R 41\/07<br \/>\nim Text BFH, 20. April 2011, Az: III B 124\/10<br \/>\nVergleiche BVerfG, 6. April 2011, Az: 1 BvR 1765\/09<br \/>\nim Text BFH, 16. Juni 2010, Az: X B 91\/09<br \/>\nim Text BFH, 30. M\u00e4rz 2010, Az: VII B 170\/09<br \/>\nVergleiche BFH, 19. November 2008, Az: III R 108\/06<br \/>\nim Text BFH, 30. Mai 2008, Az: IX B 216\/07<br \/>\nVergleiche BFH, 3. April 2008, Az: I B 77\/07<br \/>\nim Text EuGH, 12. Februar 2008, Az: C-2\/06<br \/>\nim Text BFH, 29. November 2007, Az: III S 30\/06 (PKH)<br \/>\nim Text BFH, 20. April 2006, Az: III R 64\/04<br \/>\nVergleiche BFH, 24. Februar 2005, Az: IX B 179\/03<br \/>\nim Text EuGH, 13. Januar 2004, Az: C-453\/00<br \/>\nim Text BFH, 7. Juli 1999, Az: VI R 203\/98<\/p>\n<p>Tatbestand<\/p>\n<p>1<br \/>\nI. Die Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) ist bulgarische Staatsangeh\u00f6rige. Sie ist die Mutter eines im September 2006 geborenen Sohnes. Im Zeitraum vom 11. Mai 2006 bis 29. Mai 2009 war die Kl\u00e4gerin mit dem Vater des Kindes, einem deutschen Staatsangeh\u00f6rigen, verheiratet. Mit Datum vom 3. Mai 2007 meldete die Kl\u00e4gerin den Sohn und sich in Deutschland ab, da sie mit diesem nach Bulgarien zog.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2<br \/>\nDie Beklagte und Beschwerdegegnerin (Familienkasse) setzte zun\u00e4chst mit Bescheid vom 8. November 2006 Kindergeld zugunsten der Kl\u00e4gerin fest. Nachdem die Kl\u00e4gerin die Familienkasse \u00fcber den Wohnsitzwechsel mit E-Mail vom 23. September 2007 informiert und die Weiterzahlung des Kindergelds an sich begehrt hatte, hob die Familienkasse die Kindergeldfestsetzung mit Bescheid vom 5. Oktober 2007 r\u00fcckwirkend ab Juni 2007 auf und forderte das f\u00fcr Juni bis September 2007 bereits ausbezahlte Kindergeld in H\u00f6he von 616 \u20ac von der Kl\u00e4gerin zur\u00fcck. Den hiergegen gerichteten Einspruch wies die Familienkasse mit Einspruchsentscheidung vom 7. Dezember 2007 zur\u00fcck. Eine Klage erhob die Kl\u00e4gerin hiergegen nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3<br \/>\nMit Schreiben vom 27. April 2009 begehrte die Kl\u00e4gerin erneut Kindergeld ab Juni 2007. Diesen Antrag lehnte die Familienkasse mit Bescheid vom 18. Mai 2009 ab. Den hiergegen gerichteten Einspruch wies die Familienkasse mit Einspruchsentscheidung vom 23. M\u00e4rz 2010 als unbegr\u00fcndet zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>4<br \/>\nMit der am 26. April 2010 beim Finanzgericht (FG) eingegangenen Klage wandte sich die Kl\u00e4gerin gegen den Bescheid vom 18. Mai 2009 und die Einspruchsentscheidung vom 23. M\u00e4rz 2010.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>5<br \/>\nIm Laufe des Klageverfahrens lehnte die Familienkasse einen erneuten Kindergeldantrag der Kl\u00e4gerin vom 23. September 2010 mit Bescheid vom 7. Oktober 2010 ab Mai 2010 ab. F\u00fcr das hiergegen gerichtete Einspruchsverfahren ordnete die Familienkasse das Ruhen des Verfahrens bis zum Abschluss des finanzgerichtlichen Verfahrens an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>6<br \/>\nDas FG gab der Klage f\u00fcr den Zeitraum April 2008 bis einschlie\u00dflich M\u00e4rz 2010 statt und wies sie im \u00dcbrigen ab. Zur Begr\u00fcndung der teilweisen Klageabweisung verwies das FG im Wesentlichen darauf, dass es der Kl\u00e4gerin hinsichtlich des Zeitraums ab April 2010 an der Klagebefugnis mangele, weil die Familienkasse in den angegriffenen Bescheiden insoweit noch keine ablehnende Regelung des Kindergeldanspruchs getroffen habe. F\u00fcr den Zeitraum von Juni 2007 bis einschlie\u00dflich Januar 2008 sei die Klage unbegr\u00fcndet, da \u00fcber diesen Zeitraum bereits durch Bescheid vom 5. Oktober 2007 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 7. Dezember 2007 bestandskr\u00e4ftig entschieden worden sei. F\u00fcr die Monate Februar und M\u00e4rz 2008 scheide ein Kindergeldanspruch der Kl\u00e4gerin aus, da der Kindsvater kein Arbeitnehmer i.S. des Art. 73 der Verordnung (EWG) Nr. 1408\/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbst\u00e4ndige sowie deren Familienangeh\u00f6rige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (VO Nr. 1408\/71), in ihrer durch die Verordnung (EG) Nr. 118\/97 des Rates vom 2. Dezember 1996 (Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften 1997 Nr. L 28, S. 1) ge\u00e4nderten und aktualisierten Fassung gewesen sei und er daher der Kl\u00e4gerin keinen Kindergeldanspruch nach dieser Vorschrift vermitteln k\u00f6nne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>7<br \/>\nMit ihrer gegen die teilweise Klageabweisung gerichteten Beschwerde begehrt die Kl\u00e4gerin die Zulassung der Revision wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung der Rechtssache (\u00a7 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;), zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (\u00a7 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO) und wegen des Vorliegens von Verfahrensm\u00e4ngeln (\u00a7 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<p>8<br \/>\nII. Der Senat konnte ohne weitere Entscheidung \u00fcber den von der Kl\u00e4gerin gestellten Antrag auf Beiordnung eines anderen Prozessbevollm\u00e4chtigten \u00fcber die Nichtzulassungsbeschwerde entscheiden. Die Beiordnung eines Rechtsanwalts oder Steuerberaters ist nach \u00a7 142 Abs. 1 und 2 FGO i.V.m. \u00a7 121 der Zivilprozessordnung (ZPO) nur im Rahmen der Bewilligung von Prozesskostenhilfe m\u00f6glich. Diese hat die Kl\u00e4gerin nicht beantragt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>9<br \/>\nDa in dem Verfahren vor dem Bundesfinanzhof (BFH) Vertretungszwang besteht (\u00a7 62 Abs. 4 FGO), w\u00fcrde ein etwaiger Widerruf der Vollmacht des bisherigen Prozessbevollm\u00e4chtigten nach \u00a7 87 Abs. 1 Halbsatz 2 ZPO i.V.m. \u00a7 155 FGO erst durch die Bestellung eines anderen Vertreters i.S. des \u00a7 62 Abs. 4 FGO Wirksamkeit erlangen (BFH-Urteil vom 7. Juli 1999 VI R 203\/98, BFH\/NV 2000, 59).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p>10<br \/>\nDie Beschwerde ist jedenfalls unbegr\u00fcndet und deshalb durch Beschluss zur\u00fcckzuweisen (\u00a7 116 Abs. 5 Satz 1 FGO). Sofern Zulassungsgr\u00fcnde \u00fcberhaupt in einer den Darlegungsanforderungen des \u00a7 116 Abs. 3 Satz 3 FGO gen\u00fcgenden Form geltend gemacht wurden, liegen sie jedenfalls nicht vor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>11<br \/>\n1. Die Revision ist nicht zuzulassen, soweit sich die Kl\u00e4gerin gegen die Ablehnung des Kindergeldanspruchs f\u00fcr die Monate Juni 2007 bis einschlie\u00dflich Januar 2008 wendet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>12<br \/>\na) aa) Die von der Kl\u00e4gerin aufgeworfene Frage, ob auf nach dem Einkommensteuergesetz (EStG) ergangene Kindergeldbescheide die Regelung des \u00a7 44 des Zehnten Buches Sozialgesetzbuch (SGB X) anzuwenden ist, wonach ein rechtswidriger Verwaltungsakt, auf Grund dessen eine Sozialleistung zu Unrecht nicht erbracht wurde, auch nachdem er unanfechtbar geworden ist, mit Wirkung f\u00fcr die Vergangenheit zur\u00fcckzunehmen ist, hat keine grunds\u00e4tzliche Bedeutung i.S. des \u00a7 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>13<br \/>\nDiese setzt u.a. voraus, dass die Rechtsfrage kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig ist und in einem Revisionsverfahren auch gekl\u00e4rt werden kann. An der Kl\u00e4rungsf\u00e4higkeit fehlt es, wenn die Rechtsfrage durch die Rechtsprechung des BFH hinreichend gekl\u00e4rt ist und keine neuen Gesichtspunkte erkennbar sind, die eine erneute Pr\u00fcfung und Entscheidung erforderlich machen (z.B. BFH-Beschluss vom 3. April 2008 I B 77\/07, BFH\/NV 2008, 1445).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>14<br \/>\nbb) Danach kommt eine Zulassung hier nicht in Betracht. Denn diese Rechtsfrage ist bereits gekl\u00e4rt. So geht der BFH in st\u00e4ndiger Rechtsprechung davon aus, dass auf das nach dem EStG zu gew\u00e4hrende Kindergeld die Vorschriften der Abgabenordnung (AO) anzuwenden sind und die diesen gegen\u00fcber g\u00fcnstigeren Bestimmungen der \u00a7\u00a7 44 ff. SGB X auch nicht analog herangezogen werden k\u00f6nnen (z.B. Senatsurteil vom 19. November 2008 III R 108\/06, BFH\/NV 2009, 357, m.w.N.). Auch nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts (Beschluss vom 6. April 2011 1 BvR 1765\/09, zu \u00a7 44 SGB X, BFH\/NV 2011, 1277) verst\u00f6\u00dft die verfahrensrechtliche Schlechterstellung bei der Gew\u00e4hrung von Kindergeld nach dem EStG gegen\u00fcber einer Kindergeldleistung nach dem Bundeskindergeldgesetz nicht gegen Art. 3 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG), da sie durch Praktikabilit\u00e4tserw\u00e4gungen sachlich gerechtfertigt ist. Diese sprechen daf\u00fcr, f\u00fcr das nach dem EStG festzusetzende Kindergeld die Anwendung des steuerlichen Verfahrensrechts der AO vorzuschreiben, denn die f\u00fcr die Streitigkeiten aus dem EStG zust\u00e4ndigen FG sind mit der Anwendung dieses Verfahrensrechts besonders vertraut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>15<br \/>\nNichts anderes ergibt sich insoweit daraus, dass das Kindergeld nach den \u00a7\u00a7 62 ff. EStG als Familienleistung i.S. des Art. 1 Buchst. u Ziff. i der VO Nr. 1408\/71 gem\u00e4\u00df Art. 4 Abs. 1 Buchst. h dieser Verordnung ihrem sachlichen Geltungsbereich unterf\u00e4llt. Denn die VO Nr. 1408\/71 enth\u00e4lt keine Bestimmungen dar\u00fcber, welche nationalen Verfahrensvorschriften auf die vom jeweiligen Mitgliedstaat gew\u00e4hrten Familienleistungen Anwendung zu finden haben. Dies bestimmt sich nach den nationalen Vorschriften, mithin hier nach \u00a7 31 Satz 3 EStG, \u00a7\u00a7 1 Abs. 1 Satz 1, 155 Abs. 4 AO.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>16<br \/>\nb) aa) Soweit die Kl\u00e4gerin die Frage f\u00fcr grunds\u00e4tzlich bedeutsam h\u00e4lt, ob ein bestandskr\u00e4ftiger Kindergeldaufhebungsbescheid im Hinblick auf seinen gegen EU-Recht versto\u00dfenden Inhalt aufzuheben ist, gen\u00fcgt der Vortrag der Kl\u00e4gerin bereits nicht den Darlegungsanforderungen des \u00a7 116 Abs. 3 Satz 3 FGO. Zu einer Darlegung der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung geh\u00f6rt u.a. eine Auseinandersetzung mit den einschl\u00e4gigen Normen und mit der h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung (BFH-Beschluss vom 16. Juni 2010 X B 91\/09, BFH\/NV 2010, 1844).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>17<br \/>\nbb) Insoweit setzt sich die Kl\u00e4gerin aber insbesondere nicht mit der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union (EuGH) auseinander, wonach ein Versto\u00df gegen Unionsrecht nur unter bestimmten Voraussetzungen zur Aufhebung oder Ab\u00e4nderung einer bestandskr\u00e4ftig gewordenen Verwaltungsentscheidung zwingt (EuGH-Urteile vom 13. Januar 2004 C-453\/00, K\u00fchne &amp; Heitz, Slg. 2004, I-837; vom 12. Februar 2008 C-2\/06, Willy Kempter, Slg. 2008, I-411). Zu diesen Voraussetzungen z\u00e4hlt u.a., dass die Beh\u00f6rde nach nationalem Recht zur R\u00fccknahme eines bestandskr\u00e4ftigen Verwaltungsakts befugt ist, was im Hinblick auf Steuerbescheide nur unter bestimmten Umst\u00e4nden der Fall ist (\u00a7 172 Abs. 1 AO).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>18<br \/>\n2. Eine Revisionszulassung scheidet ebenso aus, soweit sich die Kl\u00e4gerin gegen die Ablehnung des Kindergeldanspruchs f\u00fcr die Monate Februar und M\u00e4rz 2008 wendet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>19<br \/>\na) Soweit die Kl\u00e4gerin die Frage f\u00fcr grunds\u00e4tzlich bedeutsam h\u00e4lt, ob das FG den Kindsvater im betreffenden Zeitraum zu Unrecht nicht als in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverh\u00e4ltnis stehend angesehen hat, wurden die Voraussetzungen des \u00a7 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO nicht hinreichend dargelegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20<br \/>\naa) Die Zulassung der Revision wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung der Rechtssache i.S. des \u00a7 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO setzt voraus, dass eine hinreichend bestimmte Rechtsfrage herausgestellt wird, deren Kl\u00e4rung im Interesse der Allgemeinheit an der Einheitlichkeit der Rechtsprechung und der Fortentwicklung des Rechts erforderlich ist und die im konkreten Streitfall kl\u00e4rbar ist. Dazu ist auszuf\u00fchren, ob und in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchen Gr\u00fcnden die Rechtsfrage umstritten ist und deshalb eine h\u00f6chstrichterliche Kl\u00e4rung \u00fcber die materiell-rechtliche Beurteilung des Streitfalles hinaus f\u00fcr die Allgemeinheit Bedeutung hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>21<br \/>\nbb) Die Kl\u00e4gerin hat diesbez\u00fcglich weder eine hinreichend bestimmte Rechtsfrage herausgestellt noch hat sie ausgef\u00fchrt, ob und in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchen Gr\u00fcnden diese Rechtsfrage umstritten ist und deshalb einer h\u00f6chstrichterlichen Kl\u00e4rung bedarf. Soweit die Kl\u00e4gerin in diesem Zusammenhang eine fehlerhafte Subsumtion des FG angreift, r\u00fcgt sie im Grunde nur eine falsche Rechtsanwendung. Hierdurch l\u00e4sst sich aber die Zulassung der Revision grunds\u00e4tzlich nicht erreichen (z.B. BFH-Beschluss vom 30. Mai 2008 IX B 216\/07, BFH\/NV 2008, 1510).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>22<br \/>\nb) Die Voraussetzungen einer Revisionszulassung zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (\u00a7 115 Abs. 2 Nr. 2 Alternative 2 FGO) sind nicht gegeben, soweit die Kl\u00e4gerin geltend macht, das FG weiche in der angegriffenen Entscheidung von einer Entscheidung des Landessozialgerichts Hamburg vom 2. Februar 2012 (Az. L 2 EG 6\/10 B PKH) ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>23<br \/>\naa) Die Zulassung der Revision zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung setzt u.a. voraus, dass das FG in einer Rechtsfrage von der Entscheidung eines anderen Gerichts abgewichen ist (z.B. Senatsbeschluss vom 6. Juli 2012 III B 240\/11, BFH\/NV 2012, 1601, m.w.N.).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>24<br \/>\nbb) Im vorliegenden Fall weicht die angegriffene Entscheidung nicht von der von der Kl\u00e4gerin genannten Entscheidung des Landessozialgerichts Hamburg ab. Das Landessozialgericht hat in den von der Kl\u00e4gerin genannten Teilen der Entscheidungsgr\u00fcnde (S. 12 oben und S. 14) die Frage, ob der Kindsvater in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverh\u00e4ltnis stand, nicht beantwortet, sondern im Hinblick auf eine weitere Pr\u00fcfung im Hauptsacheverfahren offen gelassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>25<br \/>\nc) Die Revision ist ebenso nicht wegen des Vorliegens von Verfahrensm\u00e4ngeln (\u00a7 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO) zuzulassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>26<br \/>\naa) Die Kl\u00e4gerin macht geltend, das FG habe ihr Unterlagen der Rentenversicherung R und der Krankenkasse K, auf die es seine Entscheidung gest\u00fctzt habe, nicht zur Kenntnis gegeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>27<br \/>\nInsoweit erfordert es die Pflicht des Gerichts zur Gew\u00e4hrung rechtlichen Geh\u00f6rs (vgl. \u00a7 96 Abs. 2 FGO, Art. 103 Abs. 1 GG) zwar u.a. auch, den Beteiligten entscheidungserhebliche Fakten und Unterlagen zur Kenntnis zu \u00fcbermitteln (BFH-Beschluss vom 24. Februar 2005 IX B 179\/03, BFH\/NV 2005, 1128). Dieser Pflicht hat das FG jedoch gen\u00fcgt, da es die betreffenden Unterlagen gem\u00e4\u00df den richterlichen Verf\u00fcgungen vom 11. und 12. Januar 2012 dem Kl\u00e4gervertreter \u00fcbersandt hat. Da sich die Beteiligten gem\u00e4\u00df \u00a7 62 Abs. 1 Satz 1 FGO in jeder Lage des finanzgerichtlichen Verfahrens durch einen Prozessbevollm\u00e4chtigten vertreten lassen k\u00f6nnen &#8211;was die Kl\u00e4gerin durch Bevollm\u00e4chtigung ihres anwaltlichen Vertreters getan hat&#8211;, gen\u00fcgt es, dass diesem durch \u00dcbersendung von Schrifts\u00e4tzen rechtliches Geh\u00f6r gew\u00e4hrt wird (Lange in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, \u00a7 96 FGO Rz 278). Das FG musste daher die betreffenden Unterlagen nicht zus\u00e4tzlich an die Kl\u00e4gerin pers\u00f6nlich \u00fcbermitteln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>28<br \/>\nbb) Der von der Kl\u00e4gerin ger\u00fcgte Verfahrensmangel, das FG habe Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG verletzt, weil es kein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 267 des Vertrags \u00fcber die Arbeitsweise der Europ\u00e4ischen Union an den EuGH gerichtet habe, liegt schon deshalb nicht vor, weil das FG als Instanzgericht hierzu nicht verpflichtet war (Senatsbeschluss vom 29. November 2007 III S 30\/06 (PKH), BFH\/NV 2008, 777, m.w.N.; BFH-Beschluss vom 30. M\u00e4rz 2010 VII B 170\/09, BFH\/NV 2010, 1669, m.w.N.).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>29<br \/>\n3. Die Revision ist auch insoweit nicht zuzulassen, als sich die Kl\u00e4gerin gegen die Ablehnung ihres Kindergeldanspruchs f\u00fcr den Zeitraum ab April 2010 wendet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>30<br \/>\na) aa) Der Frage, wie weit der Regelungsgegenstand eines Kindergeldaufhebungs- oder -ablehnungsbescheides reicht und inwieweit eine Klagebefugnis (\u00a7 40 Abs. 2 FGO) bei dem Adressaten eines solchen Bescheides ausgel\u00f6st wird, kommt weder grunds\u00e4tzliche Bedeutung zu noch erfordert die Fortbildung des Rechts eine Entscheidung des BFH zu dieser Frage. Denn die Frage ist bereits in dem Sinne, wie sie das FG unter Punkt II.1. Buchst. a der Entscheidungsgr\u00fcnde zutreffend dargelegt hat, durch die Rechtsprechung des BFH gekl\u00e4rt (z.B. Senatsurteil vom 22. Dezember 2011 III R 41\/07, BFHE 236, 144, BStBl II 2012, 681, m.w.N.). Zureichende Gr\u00fcnde, weshalb diese Frage einer erneuten Kl\u00e4rung durch den BFH bed\u00fcrfte, hat die Kl\u00e4gerin nicht in einer den Anforderungen des \u00a7 116 Abs. 3 Satz 3 FGO gen\u00fcgenden Form dargelegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>31<br \/>\nbb) Ebenso wenig hat die Kl\u00e4gerin dargelegt, weshalb die unmittelbar aus \u00a7 44 Abs. 1 FGO zu beantwortende Frage, wonach ein Bescheid &#8211;wie hier der erst im Laufe des finanzgerichtlichen Verfahrens ergangene Ablehnungsbescheid vom 7. Oktober 2010&#8211; erst nach Durchf\u00fchrung des au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelfsverfahrens mit der Klage angegriffen werden kann, einer weiteren Kl\u00e4rung bed\u00fcrfte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>32<br \/>\nb) Die von der Kl\u00e4gerin sinngem\u00e4\u00df erhobene R\u00fcge, das FG habe die Klage f\u00fcr den Zeitraum ab April 2010 zu Unrecht durch ein Prozessurteil als unzul\u00e4ssig abgewiesen, kann zwar einen Verfahrensmangel nach \u00a7 115 Abs. 2 Nr. 3 FGO begr\u00fcnden (vgl. z.B. Senatsbeschluss vom 20. April 2011 III B 124\/10, BFH\/NV 2011, 1110). Ein solcher Versto\u00df liegt im Streitfall aber nicht vor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>33<br \/>\nDas FG hat die Klage insoweit zu Recht als unzul\u00e4ssig verworfen. Denn im Zeitpunkt der Klageerhebung lag f\u00fcr einen Teil des betreffenden Zeitraums noch keine ablehnende Entscheidung der Familienkasse vor (Kindergeld f\u00fcr April 2010). Zudem lagen f\u00fcr den weiteren Teil dieses Zeitraums (ab Mai 2010) weder eine Entscheidung \u00fcber den au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelf (\u00a7 44 Abs. 1 FGO) noch die Zul\u00e4ssigkeitsvoraussetzungen f\u00fcr eine Unt\u00e4tigkeitsklage nach \u00a7 46 Abs. 1 FGO vor. Insbesondere durfte es das FG i.S. des \u00a7 46 Abs. 1 Satz 1 FGO als zureichenden Grund f\u00fcr das Hinausschieben der Einspruchsentscheidung ansehen, dass die Familienkasse zun\u00e4chst die Entscheidung des FG zu dem bereits anh\u00e4ngigen Zeitraum abwarten wollte, da sich insoweit f\u00fcr beide Zeitr\u00e4ume im Wesentlichen dieselben Rechtsfragen stellten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>34<br \/>\n4. Auch aus den weiteren Ausf\u00fchrungen der Kl\u00e4gerin ergeben sich keine Revisionszulassungsgr\u00fcnde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>35<br \/>\na) Soweit die Kl\u00e4gerin Fragen im Zusammenhang mit der Zul\u00e4ssigkeit des Finanzrechtswegs formuliert, fehlt es an der hinreichenden Auseinandersetzung mit der Vorschrift des \u00a7 33 Abs. 1 Nr. 1 FGO. Soweit sie die Frage aufgreift, welche Beh\u00f6rde richtige Beklagte des Rechtsstreits sein m\u00fcsste, mangelt es an einer hinreichenden Auseinandersetzung mit der Regelung des \u00a7 63 Abs. 1 Nr. 1 FGO.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>36<br \/>\nb) Soweit die Kl\u00e4gerin die Frage einer Verzinsung des Kindergeldanspruchs f\u00fcr grunds\u00e4tzlich bedeutsam h\u00e4lt, setzt sie sich nicht mit der Senatsrechtsprechung auseinander, wonach der Anspruch auf Verzinsung eines Steuerverg\u00fctungsanspruchs auch nicht auf \u00a7\u00a7 286 Abs. 1, 288 Abs. 1 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuchs gest\u00fctzt werden kann (Senatsurteil vom 20. April 2006 III R 64\/04, BFHE 212, 416, BStBl II 2007, 240).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>37<br \/>\nc) Soweit die Kl\u00e4gerin Revisionszulassungsgr\u00fcnde im Zusammenhang mit einer ihrer Ansicht nach unrichtigen Kostenentscheidung des FG geltend macht, \u00fcbersieht sie, dass nach \u00a7 145 FGO die Anfechtung der Entscheidung \u00fcber die Kosten unzul\u00e4ssig ist, wenn nicht gegen die Entscheidung in der Hauptsache ein Rechtsmittel eingelegt wird. Aus dieser Vorschrift folgt, dass die Revision wegen eines Zulassungsgrundes i.S. des \u00a7 115 Abs. 2 FGO, der allein die Kostenentscheidung betrifft, nicht zuzulassen ist, wenn der Nichtzulassungsbeschwerde &#8211;wie im vorliegenden Fall&#8211; in der Hauptsache der Erfolg zu versagen ist (Senatsbeschluss vom 28. Februar 2012 III B 55\/10, BFH\/NV 2012, 972, m.w.N.).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gericht: BFH 3. 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