{"id":25868,"date":"2013-04-25T12:56:26","date_gmt":"2013-04-25T10:56:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=25868"},"modified":"2013-04-25T12:56:26","modified_gmt":"2013-04-25T10:56:26","slug":"kein-vertrauensschutz-bei-bloser-weiterzahlung-von-kindergeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kein-vertrauensschutz-bei-bloser-weiterzahlung-von-kindergeld\/","title":{"rendered":"Kein Vertrauensschutz bei blo\u00dfer Weiterzahlung von Kindergeld"},"content":{"rendered":"<p>Gericht: BFH 5. Senat<br \/>\nEntscheidungsdatum: 13.03.2013<br \/>\nAktenzeichen: V B 133\/11<br \/>\nDokumenttyp: Beschluss<br \/>\nNorm: \u00a7 62 EStG<br \/>\nKein Vertrauensschutz<\/p>\n<p>Leitsatz<br \/>\nNV: Die blo\u00dfe Weiterzahlung von Kindergeld trotz Kenntnis von Umst\u00e4nden, die zum Wegfall des Kindergeldanspruchs f\u00fchren, steht einer R\u00fcckforderung nicht entgegen.<\/p>\n<p>Fundstellen<br \/>\nNV (nicht amtlich ver\u00f6ffentlicht)<br \/>\nVerfahrensgang<br \/>\nvorgehend Hessisches Finanzgericht, 14. April 2011, Az: 13 K 51\/10, Urteil<br \/>\nDiese Entscheidung zitiert<br \/>\nRechtsprechung<br \/>\nVergleiche BFH, 23. Mai 2011, Az: III B 177\/10<br \/>\nVergleiche BFH, 3. M\u00e4rz 2011, Az: III R 11\/08<br \/>\nVergleiche BFH, 28. Januar 2010, Az: III B 37\/09<br \/>\nVergleiche BFH, 26. November 2007, Az: III B 121\/06<br \/>\nVergleiche BFH, 27. Mai 2005, Az: III B 197\/04<br \/>\nVergleiche BFH, 15. Juni 2004, Az: VIII R 93\/03<br \/>\nVergleiche BFH, 14. Oktober 2003, Az: VIII R 56\/01<br \/>\nim Text BFH, 26. Juli 2001, Az: VI R 163\/00<\/p>\n<p>Gr\u00fcnde<br \/>\n1<br \/>\nDie Beschwerde der Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) hat keinen Erfolg.<\/p>\n<p>2<br \/>\nDer Rechtssache kommt keine grunds\u00e4tzliche Bedeutung (\u00a7 115 Abs. 2 Nr. 1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) zu.<\/p>\n<p>3<br \/>\na) Die Kl\u00e4gerin f\u00fchrt f\u00fcr die grunds\u00e4tzliche Bedeutung an, dass die Rechtsprechung bei &#8222;der Beurteilung der Frage, ab welchem Zeitraum bei unberechtigter Kindergeldzahlung von einem erheblichem Zeitraum auszugehen ist&#8220;, der zu einem Vertrauenstatbestand f\u00fchrt, uneinheitlich sei.<\/p>\n<p>4<br \/>\naa) Durch die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ist demgegen\u00fcber bereits gekl\u00e4rt, dass die Weiterzahlung des Kindergeldes selbst bei Mitteilung der Umst\u00e4nde, die zum Wegfall des Kindergeldanspruchs f\u00fchren, nicht ausreicht, um einen Vertrauenstatbestand zu schaffen. Hinzutreten m\u00fcssen vielmehr besondere Umst\u00e4nde, die die Geltendmachung des R\u00fcckforderungsanspruchs als illoyale Rechtsaus\u00fcbung erscheinen lassen. Bei einem Massenverfahren wie im Kindergeldrecht ist dabei ein besonders eindeutiges Verhalten der Familienkasse zu fordern, dem zu entnehmen ist, dass sie auch nach Pr\u00fcfung des Falls unter Ber\u00fccksichtigung ver\u00e4nderter Umst\u00e4nde von einem Fortbestehen des Kindergeldanspruchs ausgeht, so dass ein anderer Eindruck beim Kindergeldempf\u00e4nger nicht entstehen kann. Dem Verhalten der Familienkasse muss also die konkludente Zusage zu entnehmen sein, dass der Kindergeldempf\u00e4nger mit einer R\u00fcckforderung des Kindergeldes nicht zu rechnen brauche (z.B. BFH-Urteile vom 14. Oktober 2003 VIII R 56\/01, BFHE 203, 472, BStBl II 2004, 123, und vom 15. Juni 2004 VIII R 93\/03, BFH\/NV 2005, 153; BFH-Beschl\u00fcsse vom 26. November 2007 III B 121\/06, BFH\/NV 2008, 553, und vom 28. Januar 2010 III B 37\/09, BFH\/NV 2010, 837).<\/p>\n<p>5<br \/>\nbb) Danach ist gekl\u00e4rt, dass die Weiterzahlung des Kindergeldes selbst bei einer &#8211;wie von der Kl\u00e4gerin behaupteten&#8211; zeitnahen Mitteilung der Umst\u00e4nde, die zum Wegfall des Kindergeldanspruchs f\u00fchren, zur Schaffung eines Vertrauenstatbestandes allein nicht ausreicht (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 27. Mai 2005 III B 197\/04, BFH\/NV 2005, 1486, und vom 23. Mai 2011 III B 177\/10, BFH\/NV 2011, 1507).<\/p>\n<p>6<br \/>\nb) Im \u00dcbrigen ist die Revision auch nicht zur Fortbildung des Rechts und zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung (\u00a7 115 Abs. 2 Nr. 2 FGO) zuzulassen, da keine h\u00f6chstrichterliche Entscheidung zur Frage erforderlich ist, ob es sich bei einer R\u00fcckforderung nach langer Zeit um eine illoyale Rechtsaus\u00fcbung handelt und die R\u00fcckforderung unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig ist. Ohne Erfolg beruft sich die Kl\u00e4gerin insoweit auf das BFH-Urteil vom 26. Juli 2001 VI R 163\/00 (BFHE 196, 274, BStBl II 2002, 174), nach dem der R\u00fcckforderung von zu viel gezahltem Kindergelds der Grundsatz von Treu und Glauben entgegenstehen kann, wenn der Beklagte und Beschwerdegegner (die Familienkasse) mit der Geltendmachung des R\u00fcckforderungsanspruchs zu lange zuwartet. Dass allein die Weiterzahlung trotz Kenntnis der zum Wegfall der Voraussetzungen f\u00fcr den Kindergeldanspruch f\u00fchrenden Umst\u00e4nde einer R\u00fcckforderung entgegensteht, l\u00e4sst sich dem bezeichneten Urteil nicht entnehmen, wie sich aus der Zur\u00fcckverweisung zur weiteren Aufkl\u00e4rung der Umst\u00e4nde, die zu einem Schutzw\u00fcrdigen Vertrauen f\u00fchren k\u00f6nnten, ergibt.<\/p>\n<p>7<br \/>\nDabei steht, wie der BFH unter Bezugnahme auf das Urteil in BFHE 196, 274, BStBl II 2002, 174 bereits entschieden hat, &#8222;die blo\u00dfe Weiterzahlung trotz Kenntnis von Umst\u00e4nden, wie zum Wegfall des Kindergeldanspruchs f\u00fchren, &#8230; der R\u00fcckforderung nicht entgegen&#8220; (BFH-Urteil vom 3. M\u00e4rz 2011 III R 11\/08, BFHE 233, 41, BStBl II 2001, 722, unter II.d).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gericht: BFH 5. 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