{"id":2738,"date":"2011-01-31T10:24:10","date_gmt":"2011-01-31T08:24:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=2738"},"modified":"2012-08-15T10:25:35","modified_gmt":"2012-08-15T08:25:35","slug":"regelungen-uber-nachrangigkeit-kapitalersetzender-gesellschafterdarlehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/regelungen-uber-nachrangigkeit-kapitalersetzender-gesellschafterdarlehen\/","title":{"rendered":"Regelungen \u00fcber Nachrangigkeit kapitalersetzender Gesellschafterdarlehen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Regelungen \u00fcber Nachrangigkeit kapitalersetzender Gesellschafterdarlehen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kernaussage<\/strong><\/p>\n<p>Die Eigenkapitalersatzregelungen (\u00a7\u00a7 32a, 32b, GmbHG a. F., \u00a7 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO a. F.) geh\u00f6ren systematisch zum Insolvenzrecht. Auf inl\u00e4ndische Auslandsgesellschaften der EU ist das Insolvenzrecht anwendbar (Art. 4 EuInsVO), somit auch die Regelungen \u00fcber die Nachrangigkeit kapitalersetzender Gesellschafterdarlehen.<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt<\/strong><\/p>\n<p>Die Schuldnerin ist eine Gesellschaft luxemburgischen Rechts (Soci\u00e9t\u00e9 anonyme) und als Holdinggesellschaft an einer Vielzahl von Gesellschaften in Deutschland beteiligt, die Post- und Logistikdienstleistungen erbringen. Hauptgesellschafterin ist die Kl\u00e4gerin mit einem Anteil von 63,7 %. Aufgrund der Einf\u00fchrung des gesetzlichen Mindestlohns im Briefzustellungsbereich w\u00e4ren zur positiven Fortf\u00fchrung der Schuldnerin Investitionen von rund 320 Mio. EUR erforderlich gewesen. Die Kl\u00e4gerin war nicht bereit, diese Mittel aufzubringen. Sie hat der Schuldnerin jedoch im Jahr 2007 Darlehen in H\u00f6he von 80 Mio. EUR gew\u00e4hrt. Im Februar 2008 er\u00f6ffnete das Amtsgericht das Insolvenzverfahren \u00fcber das Verm\u00f6gen der Schuldnerin und bestellte den Beklagten zum Insolvenzverwalter. Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung wurde seit 2007 in K\u00f6ln ausgef\u00fchrt. Die Darlehensforderung der Kl\u00e4gerin bestritt der Beklage wegen des Eigenkapitalersatzrechtes in voller H\u00f6he. Die Kl\u00e4gerin begehrt die Feststellung ihrer Forderungen zur Insolvenztabelle und unterlag vor Land- und Oberlandesgericht.<\/p>\n<p><strong>Entscheidung<\/strong><\/p>\n<p>Die Frage der Qualifikation der Regelungen \u00fcber die Nachrangigkeit kapitalersetzender Gesellschafterdarlehen, die sich bis zum Inkrafttreten der GmbH-Gesetzesnovelle (MoMiG vom 1.11.2008) in den ersatzlos entfallenen \u00a7\u00a7 32a, 32b GmbHG sowie in \u00a7 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO befanden und nunmehr in \u00a7\u00a7 39, 135 InsO geregelt sind, ist seit langem im Schrifttum umstritten und h\u00f6chstrichterlich bislang nicht entschieden. Das OLG entschied im Streitfall, dass es sich bei dem Kapitalersatzrecht sowohl vor als auch nach dem MoMiG um Insolvenzrecht handelt. Von einer insolvenzrechtlichen Qualifikation ging auch der Gesetzgeber des MoMiG aus. Die in den Vorschriften angeordnete Rechtsfolge der Nachrangigkeit ist eine ureigene insolvenzrechtliche Materie. Ferner sind die Kapitalersatzregeln rechtsformunabh\u00e4ngig und kn\u00fcpfen an die Diskrepanz zwischen Kapitalbedarf und der M\u00f6glichkeit der Kapitalbeschaffung durch den Begriff der &#8222;Krise&#8220; an. Schutzzweck der Regelung ist die Erhaltung einer Insolvenzmasse. Dies alles ist spezifisch insolvenzrechtlicher Natur.<\/p>\n<p><strong>Konsequenz<\/strong><\/p>\n<p>Die abweichende Literaturmeinung, die das Eigenkapitalersatzrecht als Gesellschaftsrecht versteht, bringt vor, dass zwischen insolvenzrechtlichen Folgeregeln und dem materiellen Eigenkapitalersatzrecht unterschieden werden muss. Ankn\u00fcpfungspunkt sei die sich aus der Gesellschafterstellung ergebende Finanzierungsverantwortung. Das OLG lie\u00df die Revision zu; die Entscheidung des BGH bleibt nun abzuwarten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Regelungen \u00fcber Nachrangigkeit kapitalersetzender Gesellschafterdarlehen\u00a0 Kernaussage Die Eigenkapitalersatzregelungen (\u00a7\u00a7 32a, 32b, GmbHG a. F., \u00a7 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO a. F.) geh\u00f6ren systematisch zum Insolvenzrecht. Auf inl\u00e4ndische Auslandsgesellschaften der EU ist das Insolvenzrecht anwendbar (Art. 4 EuInsVO), somit auch die Regelungen \u00fcber die Nachrangigkeit kapitalersetzender Gesellschafterdarlehen. 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