{"id":27581,"date":"2013-05-05T07:34:02","date_gmt":"2013-05-05T05:34:02","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=27581"},"modified":"2013-05-05T07:35:52","modified_gmt":"2013-05-05T05:35:52","slug":"verfahrensrecht-anderung-widerstreitender-steuerfestsetzungen-bfh-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/verfahrensrecht-anderung-widerstreitender-steuerfestsetzungen-bfh-2\/","title":{"rendered":"Verfahrensrecht | \u00c4nderung widerstreitender Steuerfestsetzungen (BFH)"},"content":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.5.2012, I R 73\/10<\/p>\n<p>\u00c4nderung widerstreitender Steuerfestsetzungen: Ber\u00fccksichtigung ausl\u00e4ndischer Steuerbescheide &#8211; Unionsrechtskonforme Auslegung &#8211; Keine Bescheid\u00e4nderung nach \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 AO bei grobem Verschulden &#8211; Sorgfaltspflicht des Steuerberaters &#8211; &#8222;Ber\u00fccksichtigung&#8220; eines bestimmten Sachverhalts und &#8222;Widerstreit&#8220; i.S. von \u00a7 174 Abs. 1 AO &#8211; Ber\u00fccksichtigung von Doppelbesteuerungsankommen<\/p>\n<p>Leits\u00e4tze<\/p>\n<div>\n<p>Ein Steuerbescheid kann bei Doppelber\u00fccksichtigung eines Sachverhalts auch dann nach Ma\u00dfgabe von \u00a7 174 Abs. 1 AO ge\u00e4ndert werden, wenn der widerstreitende Steuerbescheid von einer Beh\u00f6rde eines EU-Mitgliedstaats stammt.<\/p>\n<\/div>\n<p>Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten streiten dar\u00fcber, ob Steuerbescheide zugunsten des Kl\u00e4gers und Revisionskl\u00e4gers (Kl\u00e4ger) ge\u00e4ndert werden m\u00fcssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger wohnte in den Streitjahren (2005 und 2006) in den Niederlanden. In der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) erzielte er Eink\u00fcnfte aus selbst\u00e4ndiger Arbeit, mit denen er der beschr\u00e4nkten Steuerpflicht unterlag. Au\u00dferdem bezog er seit 2004 eine Berufsunf\u00e4higkeitsrente, die in den Niederlanden zu versteuern war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im Rahmen seiner Veranlagung zur Einkommensteuer 2004 hatte der Kl\u00e4ger unter anderem beantragt, die Einnahmen aus der Rente in die Bemessungsgrundlage f\u00fcr die deutsche Steuer einzubeziehen. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) hatte dies mit der Begr\u00fcndung abgelehnt, die Rente m\u00fcsse nach dem insoweit ma\u00dfgeblichen Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung (DBA) in den Niederlanden versteuert werden. Daraufhin hatte der Kl\u00e4ger einen insoweit eingelegten Einspruch zur\u00fcckgenommen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>In den Einkommensteuerbescheiden f\u00fcr die Streitjahre ber\u00fccksichtigte das FA Eink\u00fcnfte des Kl\u00e4gers aus selbst\u00e4ndiger Arbeit in der vom Kl\u00e4ger erkl\u00e4rten H\u00f6he von 38.456\u00a0EUR (2005) und 49.103\u00a0EUR (2006). Die Steuererkl\u00e4rungen und die dazugeh\u00f6renden Gewinnermittlungen hatte eine Steuerberaterin (S) erstellt. Die Steuerbescheide ergingen am 26.\u00a0Juli 2007 (2005) und am 16.\u00a0Juni 2008 (2006) und wurden nicht innerhalb der Rechtsbehelfsfristen angefochten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im Jahr 2009 beantragte der Kl\u00e4ger, die Bescheide nach \u00a7\u00a0174 der Abgabenordnung (AO) zu \u00e4ndern. In ihnen seien Betr\u00e4ge von 14.995,60\u00a0EUR (2005) und 15.040,80\u00a0EUR (2006) ber\u00fccksichtigt, bei denen es sich um die in den Niederlanden zu versteuernden Rentenbez\u00fcge handele. Diese Betr\u00e4ge waren in den Gewinnermittlungen des Kl\u00e4gers in den Konten &#8222;Umsatzerl\u00f6se Seminare&#8220; (2005) und &#8222;Einnahmen, Versicherungen&#8220; (2006) enthalten gewesen. Das FA lehnte die beantragte \u00c4nderung ab. Ein Einspruch des Kl\u00e4gers, der sein Begehren nunmehr auf \u00a7\u00a0173 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 AO st\u00fctzte, hatte ebenso wie die anschlie\u00dfend erhobene Klage keinen Erfolg. Das klageabweisende Urteil des Finanzgerichts (FG) D\u00fcsseldorf vom 7.\u00a0Juli 2010\u00a0\u00a07\u00a0K\u00a0369\/10\u00a0E ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2010, 2045 abgedruckt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision r\u00fcgt der Kl\u00e4ger die Verletzung materiellen Rechts. Er beantragt sinngem\u00e4\u00df, das FG-Urteil aufzuheben und das FA zu verpflichten, die Einkommensteuerbescheide 2005 und 2006 zu \u00e4ndern und dabei die Eink\u00fcnfte aus selbst\u00e4ndiger Arbeit mit um 14.977\u00a0EUR (2005) und 15.037\u00a0EUR (2006) verminderten Betr\u00e4gen zu ber\u00fccksichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>7<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>8<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr\u00fcndet und f\u00fchrt gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0126 Abs.\u00a03 Satz\u00a01 Nr.\u00a02 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz kommt im Streitfall eine \u00c4nderung der Einkommensteuerbescheide gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 AO in Betracht. Um beurteilen zu k\u00f6nnen, ob dessen Tatbestandsvoraussetzungen erf\u00fcllt sind, bedarf es jedoch noch weiterer tats\u00e4chlicher Feststellungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>9<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Frei von Rechtsfehlern hat das FG entschieden, dass die vom Kl\u00e4ger begehrte \u00c4nderung der Steuerbescheide nicht auf \u00a7\u00a0173 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 AO gest\u00fctzt werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>10<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Nach \u00a7\u00a0173 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Satz\u00a01 AO sind Steuerbescheide aufzuheben oder zu \u00e4ndern, soweit Tatsachen oder Beweismittel nachtr\u00e4glich bekannt werden, die zu einer niedrigeren Steuer f\u00fchren und den Steuerpflichtigen kein grobes Verschulden daran trifft, dass die Tatsachen oder Beweismittel erst nachtr\u00e4glich bekannt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen ist ein grobes Verschulden in diesem Zusammenhang unerheblich (\u00a7\u00a0173 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Satz\u00a02 AO); ein solcher Sachverhalt liegt aber im Streitfall nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>11<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall ist dem FA, auf dessen Kenntnis es bei der Anwendung des \u00a7\u00a0173 AO ankommt, eine Tatsache i.S. des \u00a7\u00a0173 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Satz\u00a01 AO nachtr\u00e4glich bekannt geworden. Denn das FA hat erst nach Durchf\u00fchrung der Veranlagungen und sogar erst nach Eintritt der Unanfechtbarkeit der Steuerbescheide erfahren, dass der Kl\u00e4ger in seinen Steuererkl\u00e4rungen Einnahmen aus der in den Niederlanden bezogenen Berufsunf\u00e4higkeitsrente angegeben und den steuerpflichtigen Eink\u00fcnften zugeordnet hatte. Diese Tatsache f\u00fchrt deshalb zu einer niedrigeren Steuer, weil die daraufhin in den Bescheiden erfassten Eink\u00fcnfte in Deutschland nicht h\u00e4tten besteuert werden d\u00fcrfen. Das ist zwischen den Beteiligten unstreitig und bedarf deshalb keiner n\u00e4heren Er\u00f6rterung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>12<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>c) Eine \u00c4nderung der Bescheide nach \u00a7\u00a0173 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Satz\u00a01 AO scheidet jedoch deshalb aus, weil die unrichtige Angabe der Eink\u00fcnfte dem Kl\u00e4ger als grobes Verschulden anzulasten ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>13<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aa) Ein grobes Verschulden i.S. des \u00a7\u00a0173 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Satz\u00a01 AO liegt nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) vor, wenn jemand die ihm nach seinen pers\u00f6nlichen F\u00e4higkeiten und Verh\u00e4ltnissen zumutbare Sorgfalt in ungew\u00f6hnlichem Ma\u00dfe verletzt (BFH-Urteil vom 15.\u00a0Juli 2010 III\u00a0R\u00a032\/08, BFH\/NV 2010, 2237, m.w.N.). Ob ein solcher Sachverhalt im Einzelfall vorliegt, ist Tatfrage (BFH-Beschluss vom 17.\u00a0Februar 2010 IX\u00a0B\u00a0199\/09, BFH\/NV 2010, 1079) und in erster Linie vom FG zu beurteilen. Dessen W\u00fcrdigung kann im Revisionsverfahren nur daraufhin \u00fcberpr\u00fcft werden, ob sie auf einer rechtsfehlerhaften Auslegung des Begriffs &#8222;grobes Verschulden&#8220; oder auf einem Verfahrensfehler beruht oder ob sie gegen Denkgesetze oder allgemeine Erfahrungss\u00e4tze verst\u00f6\u00dft (BFH-Beschluss vom 31.\u00a0Januar 2005 VIII\u00a0B\u00a018\/02, BFH\/NV 2005, 1212; BFH-Urteil vom 3.\u00a0Dezember 2009 VI\u00a0R\u00a058\/07, BFHE 227, 365, BStBl II 2010, 531). Fehlt es daran, so ist die Beurteilung durch das FG auch dann revisionsrechtlich bindend (\u00a7\u00a0118 Abs.\u00a02 FGO), wenn eine abweichende Einsch\u00e4tzung ebenfalls vertretbar w\u00e4re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>14<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bb) Im Streitfall weist die vom FG vorgenommene W\u00fcrdigung keinen derartigen Rechtsfehler auf. Das FG hat insbesondere beachtet, dass sich ein Steuerpflichtiger im Zusammenhang mit \u00a7\u00a0173 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Satz\u00a01 AO das Verschulden eines von ihm hinzugezogenen steuerlichen Beraters wie eigenes Verschulden zurechnen lassen muss (BFH-Urteil vom 17.\u00a0November 2005 III\u00a0R\u00a044\/04, BFHE 211, 401, BStBl II 2006, 412, m.w.N.) und dass von einem steuerlichen Berater die Kenntnis und sachgem\u00e4\u00dfe Anwendung steuerrechtlicher Bestimmungen erwartet werden kann (BFH-Urteil vom 3.\u00a0Februar 1983 IV\u00a0R\u00a0153\/80, BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324). Wenn die Vorinstanz auf dieser Basis zu der Einsch\u00e4tzung gelangt ist, dass zumindest S ein grobes Verschulden traf, so liegt darin kein vom Revisionsgericht zu beanstandender Fehler. Diese W\u00fcrdigung wird nicht nur durch den Umstand gest\u00fctzt, dass ein steuerlicher Berater die Angaben seines Mandanten nicht ungepr\u00fcft \u00fcbernehmen darf, sondern eigenverantwortlich aus dem steuerrechtlichen Blickwinkel \u00fcberpr\u00fcfen und bei Unklarheiten ggf. Nachfrage halten muss. Vielmehr bestand gerade im Streitfall eine besondere Sorgfaltspflicht deshalb, weil S wusste, dass der Kl\u00e4ger in seiner Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr 2004 die Rentenzahlungen f\u00e4lschlich den im Inland zu versteuernden Eink\u00fcnften zugeordnet hatte. Angesichts dessen ist die Annahme des FG, dass S die ihr vom Kl\u00e4ger vorgelegten Unterlagen unter diesem Gesichtspunkt h\u00e4tte \u00fcberpr\u00fcfen m\u00fcssen und dass ihr bei einer solchen \u00dcberpr\u00fcfung der Fehler aufgefallen w\u00e4re, nicht zu beanstanden. Die von der Revisionserwiderung aufgeworfene Frage, ob insoweit auch den Kl\u00e4ger selbst ein grobes Verschulden trifft, muss deshalb im Streitfall nicht er\u00f6rtert werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>15<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Jedoch bietet \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 AO eine Grundlage f\u00fcr eine \u00c4nderung der Steuerbescheide zugunsten des Kl\u00e4gers. Diese Vorschrift setzt voraus, dass ein bestimmter Sachverhalt in mehreren Steuerbescheiden zuungunsten eines oder mehrerer Steuerpflichtiger ber\u00fccksichtigt worden ist, obwohl er nur einmal h\u00e4tte ber\u00fccksichtigt werden d\u00fcrfen; in diesem Fall ist der fehlerhafte Steuerbescheid auf Antrag aufzuheben oder zu \u00e4ndern (\u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 AO). Die Voraussetzungen dieser Korrekturvorschrift w\u00fcrden hier vorliegen, wenn die dem Kl\u00e4ger in den Streitjahren zugeflossene Berufsunf\u00e4higkeitsrente nicht nur in den vom FA erlassenen Steuerbescheiden erfasst, sondern auch im Rahmen der in den Niederlanden vorgenommenen Besteuerung zuungunsten des Kl\u00e4gers ber\u00fccksichtigt worden w\u00e4re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>16<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Die Frage, ob der in \u00a7\u00a0174 AO verwendete Begriff &#8222;Steuerbescheid&#8220; nur nach inl\u00e4ndischem Recht erlassene Verwaltungsakte (so z.B. von Wedelst\u00e4dt in Beermann\/Gosch, AO, \u00a7\u00a0174 AO Rz\u00a026, m.w.N.; Frotscher in Schwarz, AO, \u00a7\u00a0174 Rz\u00a056, Koenig in Pahlke\/Koenig, Abgabenordnung, 2.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a0174 Rz\u00a012; Haug-Adrion, Der Betrieb &#8211;DB&#8211; 1985, 1969) oder auch damit vergleichbare Ma\u00dfnahmen ausl\u00e4ndischer Beh\u00f6rden umfasst (so Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, \u00a7\u00a0174 AO Rz\u00a08; Klein\/R\u00fcsken, AO, 11.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a0174 Rz\u00a015; Birkenfeld, Betriebs-Berater 1993, 1185, 1187; App, DB 1985, 939, 941), ist im Schrifttum streitig. Der Senat folgt der letztgenannten Auffassung jedenfalls insoweit, als &#8211;wie im Streitfall&#8211; Ma\u00dfnahmen von Steuerbeh\u00f6rden von Mitgliedstaaten der Europ\u00e4ischen Union (EU) in Rede stehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>17<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aa) F\u00fcr eine Begrenzung auf inl\u00e4ndische Verwaltungsakte kann allerdings ins Feld gef\u00fchrt werden, dass der Begriff &#8222;Steuerbescheid&#8220; nach der allgemeinen Terminologie der Abgabenordnung (in \u00a7\u00a0155 Abs.\u00a01 Satz\u00a02 AO) einen Verwaltungsakt bezeichnet, durch den eine von einer Bundesfinanzbeh\u00f6rde oder einer Landesfinanzbeh\u00f6rde (vgl. \u00a7\u00a06 Abs.\u00a02 AO) verwaltete Steuer (\u00a7\u00a01 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 AO) festgesetzt wird (\u00a7\u00a0155 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 AO). Dem Zweck des \u00a7\u00a0174 AO, der darin besteht, Vorteile und Nachteile auszugleichen, die sich durch einander inhaltlich widersprechende Steuerbescheide ergeben (vgl. von Wedelst\u00e4dt in Beermann\/Gosch, a.a.O., \u00a7\u00a0174 AO Rz\u00a03), kann indes eine zwingende Begrenzung dahin, dass ein (unrichtiger) inl\u00e4ndischer Bescheid nur ge\u00e4ndert werden darf, wenn der inhaltliche Widerspruch zu einem anderem inl\u00e4ndischen Bescheid besteht, nicht entnommen werden. Die in \u00a7\u00a0174 AO angelegte Durchbrechung der Bestandskraft des Steuerbescheids zugunsten der materiellen Richtigkeit der Besteuerung ist der Sache nach vielmehr nicht minder gerechtfertigt, wenn der in Rede stehende Widerspruch zwischen dem (unrichtigen) inl\u00e4ndischen Steuerbescheid und einem von einer ausl\u00e4ndischen Beh\u00f6rde erlassenen Steuerbescheid besteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>18<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bb) Die von Wortlaut (vgl. \u00a7\u00a0155 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 AO: &#8222;soweit nichts anderes vorgeschrieben ist&#8220;) und Zweck der Norm her m\u00f6gliche Einbeziehung ausl\u00e4ndischer Verwaltungsakte in den Anwendungsbereich des \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 AO ist unter dem Aspekt der unionsrechtskonformen Auslegung der nationalen Rechtsnormen jedenfalls insoweit geboten, als es um die Ber\u00fccksichtigung von Steuerbescheiden geht, die von Steuerbeh\u00f6rden aus EU-Mitgliedstaaten erlassen worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>19<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aaa) Aus dem Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten und der Gemeinschaftsorgane (Art.\u00a04 Abs.\u00a03 des Vertrages \u00fcber die Europ\u00e4ische Union &#8211;EUV&#8211; i.d.F. des Vertrags von Lissabon zur \u00c4nderung des Vertrags \u00fcber die Europ\u00e4ische Union und des Vertrags zur Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft [Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Union &#8211;ABlEU&#8211; 2007, Nr.\u00a0C\u00a0306, S.\u00a01] bzw. &#8211;bezogen auf die Streitjahre&#8211; Art.\u00a010 des Vertrages zur Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft &#8211;EG&#8211; i.d.F. des Vertrages von Nizza zur \u00c4nderung des Vertrags \u00fcber die Europ\u00e4ische Union, der Vertr\u00e4ge zur Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften sowie einiger damit zusammenh\u00e4ngender Rechtsakte [Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften 2002, Nr.\u00a0C\u00a0325, 1]; vgl. dazu von Bogdandy\/Schill in Grabitz\/Hilf\/Nettesheim, Das Recht der Europ\u00e4ischen Union, Art.\u00a04 EUV Rz\u00a047\u00a0ff.) folgt der auch die nationalen Gerichte bindende Grundsatz der unionsrechtskonformen Auslegung und Rechtsfortbildung des innerstaatlichen Rechts (Zuleeg, Ver\u00f6ffentlichungen der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer 1994, 154, 165\u00a0ff.; von Bogdandy\/ Schill in Grabitz\/Hilf\/Nettesheim, a.a.O., Art.\u00a04 EUV Rz\u00a094, m.w.N.). Danach haben die nationalen Gerichte unter Ber\u00fccksichtigung des gesamten nationalen Rechts und unter Anwendung der Auslegungsmethoden alles zu tun, was in ihrer Zust\u00e4ndigkeit liegt, um die volle Wirksamkeit des Gemeinschaftsrechts zu gew\u00e4hrleisten und zu einem Ergebnis zu gelangen, das mit dem von dem Gemeinschaftsrecht verfolgten Ziel \u00fcbereinstimmt (Urteile des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften [seit 2009 Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union] &#8211;EuGH&#8211; vom 4.\u00a0Juli 2006 C-212\/04 &#8222;Adeneler&#8220;, Slg.\u00a02006, I-6057; vom 19.\u00a0Januar 2010 C-555\/07 &#8222;K\u00fcc\u00fckdeveci&#8220;, Slg.\u00a02010, I-365, DB 2010, 228). Der Grundsatz der unionsrechtskonformen Auslegung findet seinen prim\u00e4ren Anwendungsbereich zwar in den durch EU-Richtlinien harmonisierten Rechtsbereichen. Dazu geh\u00f6ren nach st\u00e4ndiger Spruchpraxis des EuGH mangels einer einschl\u00e4gigen Unionsregelung nicht die Verfahrensmodalit\u00e4ten, die den Schutz der dem B\u00fcrger aus dem Unionsrecht erwachsenden Rechte gew\u00e4hrleisten sollen; vielmehr sind diese nach dem Grundsatz der Verfahrensautonomie der Mitgliedstaaten Sache der innerstaatlichen Rechtsordnung eines jeden Mitgliedstaats. Nach ebenfalls st\u00e4ndiger Spruchpraxis des EuGH d\u00fcrfen diese Verfahrensmodalit\u00e4ten aber nicht ung\u00fcnstiger sein als diejenigen, die gleichartige Sachverhalte innerstaatlicher Art regeln &#8211;\u00c4quivalenzgrundsatz&#8211;, und die Aus\u00fcbung der durch die Unionsrechtsordnung verliehenen Rechte nicht praktisch unm\u00f6glich machen oder \u00fcberm\u00e4\u00dfig erschweren &#8211;Effektivit\u00e4tsgrundsatz&#8211; (vgl. z.B. EuGH-Urteile vom 7.\u00a0Januar 2004 C-201\/02 &#8222;Wells&#8220;, Slg.\u00a02004, I-723, Rz\u00a067; vom 19.\u00a0September 2006 C-392\/04 und C-422\/04 &#8222;i-21 Germany und Arcor&#8220;, Slg.\u00a02006, I-8559, Rz\u00a057; vom 30.\u00a0Juni 2011 C-262\/09 &#8222;Meilicke u.a.&#8220;, Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2011, 1262). Der besagte Grundsatz unionsrechtskonformer Auslegung gilt insbesondere mit Blick auf die unionsrechtlichen Grundfreiheiten deshalb auch dar\u00fcber hinaus (vgl. Sch\u00f6n in Ver\u00f6ffentlichungen der Deutschen Steuerjuristischen Gesellschaft e.V., Bd.\u00a019 (1996), S.\u00a0167, 180; Gosch, DStR 2007, 1553, 1555; Schaumburg, Internationales Steuerrecht, 3.\u00a0Aufl., Rz\u00a03.54, 3.57; Kahl in Callies\/Ruffert, EUV\/AEUV, 4.\u00a0Aufl. 2011, Art.\u00a04 EUV Rz\u00a092\u00a0f.; Dr\u00fcen in Tipke\/ Kruse, a.a.O., \u00a7\u00a04 AO Rz\u00a0240).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>20<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bbb) Im Lichte der unionsrechtlichen Grundfreiheiten erscheint dem Senat eine Auslegung des \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 AO dahingehend, dass ein fehlerhafter inl\u00e4ndischer Steuerbescheid auch dann ge\u00e4ndert werden kann, wenn der widerstreitende Steuerbescheid von der Beh\u00f6rde eines Mitgliedstaats der EU erlassen wurde, vorzugsw\u00fcrdig. Selbst wenn &#8211;wie im Streitfall&#8211; keine der speziellen Grundfreiheiten (z.B. Niederlassungsfreiheit, Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit, Dienstleistungsfreiheit oder Kapitalverkehrsfreiheit) einschl\u00e4gig ist, ist zumindest der Anwendungsbereich des Art.\u00a018 EG (jetzt: Art.\u00a021 des Vertrages \u00fcber die Arbeitsweise der Europ\u00e4ischen Union in der Fassung des Vertrags von Lissabon zur \u00c4nderung des Vertrags \u00fcber die Europ\u00e4ische Union und des Vertrags zur Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft, ABlEU 2008, Nr.\u00a0C\u00a0115, S.\u00a047) ber\u00fchrt, der jedem Unionsb\u00fcrger das Recht gew\u00e4hrt, sich &#8211;vorbehaltlich bestimmter Beschr\u00e4nkungen und Bedingungen&#8211; im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten frei zu bewegen und aufzuhalten. Diese Vorschrift vermittelt eine allgemeine Grundfreiheit, die auch bei der Wahrnehmung von Besteuerungsbefugnissen zu beachten ist (EuGH-Urteil vom 11.\u00a0September 2007 C-76\/05 &#8222;Schwarz und Gootjes-Schwarz&#8220;, Slg.\u00a02007, I-6849, BFH\/NV 2008, Beilage 1, 5).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>21<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Eine Beschr\u00e4nkung des \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 AO auf ausschlie\u00dflich inl\u00e4ndische Steuerbescheide w\u00fcrde zwar nicht zu einer Diskriminierung ausl\u00e4ndischer oder im Ausland wohnhafter Steuerpflichtiger im Vergleich zu deutschen oder im Inland wohnhaften Steuerpflichtigen f\u00fchren. Denn der daraus resultierende Ausschluss der Korrekturm\u00f6glichkeit nach \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 AO w\u00fcrde in gleicher Weise auch deutsche Staatsangeh\u00f6rige oder im Inland wohnhafte Steuerpflichtige treffen, zu deren Ungunsten ein widerstreitender Steuerbescheid einer ausl\u00e4ndischen Finanzbeh\u00f6rde ergangen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>22<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Jedoch folgt aus den unionsrechtlich verb\u00fcrgten Grundfreiheiten \u00fcber die Diskriminierungsverbote hinaus ein Beschr\u00e4nkungsverbot, von dem auch Inl\u00e4nder profitieren, wenn sie grenz\u00fcberschreitend oder im EU-Ausland t\u00e4tig sind (vgl. zur Arbeitnehmerfreiz\u00fcgigkeit EuGH-Urteil vom 12.\u00a0Dezember 2002 C-385\/00 &#8222;de Groot&#8220;, Slg.\u00a02002, I-11819, BFH\/NV 2003, Beilage\u00a02, 75; zur Niederlassungsfreiheit EuGH-Urteil vom 13.\u00a0April 2000 C-251\/98 &#8222;Baars&#8220;, Slg.\u00a02000, I-2787; zur Kapitalverkehrsfreiheit EuGH-Urteile vom 6.\u00a0Juni 2000 C-35\/98 &#8222;Verkooijen&#8220;, Slg.\u00a02000, I-4071, und vom 21.\u00a0November 2002 C-436\/00 &#8222;X und Y&#8220;, Slg.\u00a02002, I-10829, BFH\/NV 2003, Beilage\u00a02, 92; Sch\u00f6n, Steuerberater-Jahrbuch 2003\/2004, 27, 31; Schaumburg, a.a.O., Rz\u00a04.16).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>23<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Ein Ausschluss der Korrekturm\u00f6glichkeit nach \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 AO bei Widerstreit eines inl\u00e4ndischen Steuerbescheids mit einem solchen aus einem EU-Mitgliedstaat w\u00fcrde eine Beschr\u00e4nkung der jeweils einschl\u00e4gigen Grundfreiheit darstellen. Denn die Steuerpflichtigen &#8211;unabh\u00e4ngig von ihrer Nationalit\u00e4t und Ans\u00e4ssigkeit&#8211;, die international aktiv und dadurch in mehr als einem Mitgliedstaat steuerpflichtig sind, w\u00fcrden gegen\u00fcber solchen Steuerpflichtigen benachteiligt, deren Aktivit\u00e4ten sich auf das Inland beschr\u00e4nken und die deshalb mit ihren Steuerangelegenheiten nur einem Fiskus unterworfen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>24<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Ein triftiger Grund daf\u00fcr, widerstreitende Steuerbescheide ausl\u00e4ndischer Beh\u00f6rden nicht zum Anlass f\u00fcr Korrekturen nach \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 AO zu nehmen, ist nicht ersichtlich. Der Gesichtspunkt der Wahrung der Aufteilung der Besteuerungsbefugnis zwischen den Mitgliedstaaten (vgl. z.B. EuGH-Urteil vom 25.\u00a0Februar 2010 C-337\/08 &#8222;X-Holding&#8220;, Slg.\u00a02010, I-1215, BFH\/NV 2010, 1064) ist nicht ber\u00fchrt; denn \u00fcber \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 AO kann ein Bescheid nur insoweit ge\u00e4ndert werden, als er fehlerhaft ist (BFH-Beschluss vom 17.\u00a0Februar 2005 II\u00a0B\u00a0115\/03, BFH\/NV 2005, 1004), eine Besteuerungsbefugnis des deutschen Fiskus also materiell-rechtlich nicht besteht. Es bleibt der Umstand, dass sich die deutschen Finanzbeh\u00f6rden bei Ber\u00fccksichtigung auch ausl\u00e4ndischer Rechtsakte ggf. mit ausl\u00e4ndischem Steuerrecht befassen m\u00fcssen, wenn es z.B. zum Zwecke der Berechnung der Antragsfrist gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 Satz\u00a02 AO um den Zeitpunkt der Unanfechtbarkeit des letzten der widerstreitenden Bescheide geht. Diese Erschwernis erscheint aber hinnehmbar und nicht derart gravierend, dass sie einer Auslegung der Vorschrift im vom Senat vertretenen Sinne ernstlich entgegensteht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>25<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Die weiteren Voraussetzungen einer \u00c4nderung nach \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 AO w\u00e4ren im Streitfall erf\u00fcllt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>26<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aa) W\u00e4re die Berufsunf\u00e4higkeitsrente auch vom niederl\u00e4ndischen Fiskus besteuert worden, w\u00e4re &#8222;ein bestimmter Sachverhalt&#8220; in mehreren Steuerbescheiden ber\u00fccksichtigt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>27<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aaa) Der Begriff des &#8222;bestimmten Sachverhalts&#8220; in \u00a7\u00a0174 AO kn\u00fcpft an einen einheitlichen Lebensvorgang an, an den das Gesetz steuerliche Folgen kn\u00fcpft (z.B. BFH-Urteil vom 18.\u00a0Februar 1997 VIII\u00a0R\u00a054\/95, BFHE 183, 6, BStBl II 1997, 647). Eine widerstreitende Steuerfestsetzung liegt nur vor, wenn derselbe Lebensvorgang in verschiedenen Steuerbescheiden unterschiedlich ber\u00fccksichtigt worden ist (vgl. von Wedelst\u00e4dt in Beermann\/Gosch, a.a.O., \u00a7\u00a0174 AO Rz\u00a018\u00a0f.; Klein\/R\u00fcsken, a.a.O., \u00a7\u00a0174 Rz\u00a018).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>28<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die &#8222;Ber\u00fccksichtigung&#8220; eines bestimmten Sachverhalts i.S. von \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 AO setzt voraus, dass er dem FA bei der Entscheidungsfindung bekannt war und als Entscheidungsgrundlage herangezogen und verwertet worden ist. Dabei ist es nicht erforderlich, dass das FA den erfassten Sachverhalt in allen Einzelheiten kennt; vielmehr kann der Vorgang z.B. in ein komprimiertes Zahlenwerk eingegangen sein, das dem FA bei der Entscheidungsfindung vorlag. Legt das FA der Veranlagung oder der Gewinnfeststellung einen vom Steuerpflichtigen erkl\u00e4rten Gewinn zugrunde, so sind damit alle Gesch\u00e4ftsvorf\u00e4lle ber\u00fccksichtigt, die der Steuerpflichtige bei seiner Gewinnermittlung erfasst hat (BFH-Urteil vom 6.\u00a0M\u00e4rz 1990 VIII\u00a0R\u00a028\/84, BFHE 160, 140, BStBl II 1990, 558; von Wedelst\u00e4dt in Beermann\/ Gosch, a.a.O., \u00a7\u00a0174 AO Rz\u00a027; Loose in Tipke\/Kruse, a.a.O., \u00a7\u00a0174 AO Rz\u00a010).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>29<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bbb) Der Lebensvorgang, um den es im Streitfall geht, sind die quartalsweisen Zahlungen der Berufsunf\u00e4higkeitsrente durch die niederl\u00e4ndische Rentenkasse an den Kl\u00e4ger. Zwar war dem FA bei Steuerfestsetzung nicht bekannt und bewusst, dass es sich bei den den Gewinnermittlungspositionen &#8222;Umsatzerl\u00f6se Seminare&#8220; und &#8222;Einnahmen, Versicherungen&#8220; zugrunde liegenden Vorg\u00e4ngen um jene Rentenzahlungen handelte. Geht man aber davon aus, dass die auf den Gewinnermittlungen des Kl\u00e4gers basierenden Steuerfestsetzungen alle Gesch\u00e4ftsvorf\u00e4lle ber\u00fccksichtigen, die der Kl\u00e4ger bei seinen Gewinnermittlungen erfasst hat, dann muss das auch f\u00fcr die Rentenzahlungen gelten, selbst wenn sie in den Gewinnermittlungen des Kl\u00e4gers sowohl unter falscher Beschreibung als auch unter falscher rechtlicher Einordnung erfasst worden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>30<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bb) W\u00e4re die in den Streitjahren vom Kl\u00e4ger bezogene Berufsunf\u00e4higkeitsrente auch in den Niederlanden besteuert worden, l\u00e4gen widerstreitende Steuerbescheide vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>31<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aaa) Die Anwendung des \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 AO erfordert nach einhelliger Auffassung das Vorliegen von (positiv) widerstreitenden Steuerfestsetzungen zu Lasten eines oder mehrerer Steuerpflichtiger. Ein &#8222;Widerstreiten&#8220; in diesem Sinne setzt voraus, dass die in den (kollidierenden) Bescheiden getroffenen Regelungen (Steuerfestsetzungen oder Feststellungen) aufgrund der materiellen Rechtslage nicht miteinander vereinbar und daher widerspr\u00fcchlich sind, weil nur eine der festgesetzten oder angeordneten Rechtsfolgen zutreffen kann. Die in der mehrfachen Erfassung eines bestimmten Sachverhalts liegenden Unrichtigkeiten m\u00fcssen einander nach materiellem Recht zwingend (denknotwendig) ausschlie\u00dfen (BFH-Urteile vom 11.\u00a0Juli 1991 IV\u00a0R\u00a052\/90, BFHE 165, 449, BStBl II 1992, 126; vom 26.\u00a0Januar 1994 X\u00a0R\u00a057\/89, BFHE 174, 1, BStBl II 1994, 597; vom 7.\u00a0Juli 2004 X\u00a0R\u00a026\/01, BFHE 207, 35, BStBl II 2005, 145).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>32<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bbb) Nach der materiellen Rechtslage war in den Streitjahren eine Ber\u00fccksichtigung der dem Kl\u00e4ger zugeflossenen Berufsunf\u00e4higkeitsrente sowohl in der Bemessungsgrundlage der deutschen als auch in der Bemessungsgrundlage der niederl\u00e4ndischen Einkommensteuer zwingend ausgeschlossen. Denn entweder war die Rente ohnehin nur nach dem Welteinkommensprinzip im Wohnsitzstaat des Kl\u00e4gers &#8211;den Niederlanden&#8211; steuerbar. Oder aber sie h\u00e4tte &#8211;wenn ein Tatbestand des \u00a7\u00a049 des Einkommensteuergesetzes 2002 in der in den Streitjahren geltenden Fassungen (EStG 2002) erf\u00fcllt w\u00e4re &#8211;zus\u00e4tzlich in Deutschland der beschr\u00e4nkten Steuerpflicht unterlegen. Auch in diesem Falle w\u00e4re indes der Besteuerungszugriff durch den deutschen Fiskus ausgeschlossen. Denn die Berufsunf\u00e4higkeitsrente z\u00e4hlt zu den &#8222;sonstigen Eink\u00fcnften&#8220;, f\u00fcr die Art.\u00a016 i.V.m. Art.\u00a020 Abs.\u00a01 des Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem K\u00f6nigreich der Niederlande zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Verm\u00f6gen sowie verschiedener sonstiger Steuern und zur Regelung anderer Fragen auf steuerlichem Gebiete vom 16.\u00a0Juni 1959 (BGBl II 1960, 1781, BStBl I 1960, 381) &#8211;DBA-Niederlande&#8211; das Besteuerungsrecht dem Wohnsitzstaat zuweist. Somit ist auf der Grundlage des materiellen Rechts ein Besteuerungszugriff sowohl der Niederlande als auch Deutschlands auf die Berufsunf\u00e4higkeitsrente zwingend ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>33<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FG h\u00e4lt demgegen\u00fcber (unter Bezugnahme auf Frotscher in Schwarz, a.a.O., \u00a7\u00a0174 Rz\u00a056) einen &#8222;Widerstreit&#8220; im Verh\u00e4ltnis der beiderseitigen Steuerfestsetzungen nicht f\u00fcr gegeben, weil das Kollisionsverh\u00e4ltnis zwischen dem Steuerzugriff des Wohnsitzstaats und dem Staat, der im Rahmen der beschr\u00e4nkten Steuerpflicht besteuert, durch die Regelungen in den Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung oder durch Anrechnung gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a034c EStG 2002 aufgel\u00f6st werde (insoweit zustimmend Loose in Tipke\/Kruse, a.a.O., \u00a7\u00a0174 AO Rz\u00a08). Dem vermag der Senat jedenfalls in Bezug auf Staaten, mit denen DBA geschlossen worden sind, nicht beizupflichten (ebenso Klein\/R\u00fcsken, a.a.O., \u00a7\u00a0174 AO Rz\u00a015). Denn die DBA-Vorschriften, die einen parallelen Zugriff beider Vertragsstaaten auf das gleiche Steuersubstrat verhindern, sind Bestandteil der materiellen Rechtslage, aufgrund derer der &#8222;Widerstreit&#8220; zu beurteilen ist. Die abkommensrechtliche Verteilung der Besteuerungskompetenzen darf deshalb bei der Pr\u00fcfung des Widerstreits nicht au\u00dfer Acht gelassen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>34<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>cc) Die streitbefangenen Festsetzungsbescheide des FA sind im Hinblick auf die (unbeabsichtigte) Erfassung der Berufsunf\u00e4higkeitsrente fehlerhaft. Der Kl\u00e4ger hat in den Streitjahren nicht im Inland gewohnt und war deshalb hier nicht unbeschr\u00e4nkt steuerpflichtig. Ein Tatbestand der beschr\u00e4nkten Steuerpflicht ist nicht einschl\u00e4gig. Nach \u00a7\u00a049 Abs.\u00a01 Nr.\u00a07 EStG 2002 unterfallen Eink\u00fcnfte i.S. von \u00a7\u00a022 Nr.\u00a01 Satz\u00a03 Buchst.\u00a0a EStG 2002 in der in den Streitjahren geltenden Fassung (bestimmte wiederkehrende Bez\u00fcge) nur dann der beschr\u00e4nkten Steuerpflicht, wenn sie von inl\u00e4ndischen Unternehmen oder Einrichtungen gew\u00e4hrt werden. Im Streitfall stammen die Rentenzahlungen jedoch von einem niederl\u00e4ndischen Versicherungsunternehmen. Aber selbst wenn ein Tatbestand der beschr\u00e4nkten Steuerpflicht erf\u00fcllt w\u00e4re, w\u00e4re die Besteuerung durch den deutschen Fiskus &#8211;wie oben ausgef\u00fchrt&#8211; gem\u00e4\u00df Art.\u00a016 i.V.m. Art.\u00a020 Abs.\u00a01 DBA-Niederlande ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>35<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>3. Das FG ist teilweise von einer anderen rechtlichen Beurteilung ausgegangen. Sein Urteil ist deshalb aufzuheben. Die Sache ist noch nicht entscheidungsreif. Denn den tatrichterlichen Feststellungen l\u00e4sst sich zwar entnehmen, dass die vom Kl\u00e4ger empfangenen Rentenzahlungen in den Niederlanden steuerpflichtig waren. Keine Feststellungen hat das FG indes &#8211;aus seiner rechtlichen Sicht konsequent&#8211; dazu getroffen, ob die Zahlungen in den Niederlanden tats\u00e4chlich besteuert worden sind. Da dies aber Voraussetzung f\u00fcr eine \u00c4nderung der streitbefangenen Steuerbescheide nach \u00a7\u00a0174 Abs.\u00a01 AO ist, wird das FG die erforderlichen Feststellungen im zweiten Rechtsgang zu treffen haben. Auf die erh\u00f6hten Mitwirkungspflichten des Steuerpflichtigen im Rahmen der Ermittlung von Auslandssachverhalten (\u00a7\u00a076 Abs.\u00a01 Satz\u00a04 FGO i.V.m. \u00a7\u00a090 Abs.\u00a02 AO) wird hingewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.5.2012, I R 73\/10 \u00c4nderung widerstreitender Steuerfestsetzungen: Ber\u00fccksichtigung ausl\u00e4ndischer Steuerbescheide &#8211; Unionsrechtskonforme Auslegung &#8211; Keine Bescheid\u00e4nderung nach \u00a7 173 Abs. 1 Nr. 2 AO bei grobem Verschulden &#8211; Sorgfaltspflicht des Steuerberaters &#8211; &#8222;Ber\u00fccksichtigung&#8220; eines bestimmten Sachverhalts und &#8222;Widerstreit&#8220; i.S. von \u00a7 174 Abs. 1 AO &#8211; Ber\u00fccksichtigung von Doppelbesteuerungsankommen Leits\u00e4tze Ein Steuerbescheid &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/verfahrensrecht-anderung-widerstreitender-steuerfestsetzungen-bfh-2\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Verfahrensrecht | \u00c4nderung widerstreitender Steuerfestsetzungen (BFH)<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[63],"tags":[2870],"class_list":["post-27581","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelle-informationen-zum-steuerrecht-online","tag-widerstreitende-steuerfestsetzung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27581","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=27581"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/27581\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27581"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27581"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27581"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}