{"id":28393,"date":"2013-05-08T15:42:26","date_gmt":"2013-05-08T13:42:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=28393"},"modified":"2018-03-22T11:01:34","modified_gmt":"2018-03-22T09:01:34","slug":"gewerbesteuer-prostituierte-erzielen-einkunfte-aus-gewerbebetrieb-bfh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/gewerbesteuer-prostituierte-erzielen-einkunfte-aus-gewerbebetrieb-bfh\/","title":{"rendered":"Gewerbesteuer | Prostituierte erzielen Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb (BFH)"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Keine sonstigen Eink\u00fcnfte selbst\u00e4ndig t\u00e4tiger Prostituierter <\/strong><\/h2>\n<h2>\u00a0<strong>Leitsatz<\/strong><\/h2>\n<p>Selbst\u00e4ndig t\u00e4tige Prostituierte erzielen Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb (Aufgabe des BFH-Urteils vom 23.\u00a0Juni 1964 GrS\u00a01\/64\u00a0S , BFHE 80, 73, BStBl III 1964, 500).<\/p>\n<h2>\u00a0<strong>Tatbestand<\/strong><\/h2>\n<p><strong>1 <\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0<strong>A.<\/strong> \u00a0\u00a0<strong>Vorgelegte Rechtsfrage, Sachverhalt und Ausgangsverfahren,<\/strong><\/p>\n<p><strong>Anrufungsbeschluss des III.\u00a0Senats<\/strong><\/p>\n<p><strong>2 <\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0<strong>I. Vorgelegte Rechtsfrage<\/strong><\/p>\n<p><strong>3 <\/strong>\u00a0Der III.\u00a0Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) hat durch Beschluss vom 15.\u00a0M\u00e4rz 2012 III\u00a0R\u00a030\/10 (BFHE 237, 421 , BStBl II 2012, 661) dem Gro\u00dfen Senat gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a011 Abs.\u00a02 der Finanzgerichtsordnung (FGO) folgende Rechtsfrage zur Entscheidung vorgelegt:<\/p>\n<p><strong>4 <\/strong>\u00a0Erzielen Prostituierte (sog. Eigenprostitution) Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb oder sonstige Eink\u00fcnfte?<\/p>\n<p><strong>5 <\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0<strong>II. Sachverhalt und Ausgangsverfahren<\/strong><\/p>\n<p><strong>6 <\/strong>\u00a0Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) war seit dem Streitjahr (2006) als Prostituierte t\u00e4tig und bot Dritten die Aus\u00fcbung des Geschlechtsverkehrs gegen Entgelt in einer eigens daf\u00fcr gemieteten Wohnung an. Ihre Betriebseinnahmen beliefen sich im Streitjahr einschlie\u00dflich der Umsatzsteuer auf etwa 64.000\u00a0\u20ac und die Betriebsausgaben auf ca. 26.000\u00a0\u20ac. Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt \u2014FA\u2014) behandelte den aus der Prostitution erzielten Gewinn in H\u00f6he von 38.115\u00a0\u20ac nicht \u2014wie erkl\u00e4rt\u2014 als sonstige Eink\u00fcnfte, sondern als Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb und setzte den Gewerbesteuermessbetrag auf 152\u00a0\u20ac fest.<\/p>\n<p><strong>7 <\/strong>\u00a0Die Sprungklage hatte Erfolg. Das Finanzgericht entschied mit Urteil vom 14.\u00a0April 2010 8\u00a0K\u00a01846\/07 (ver\u00f6ffentlicht in Entscheidungen der Finanzgerichte 2011, 318 ), dass die Kl\u00e4gerin Eink\u00fcnfte i.S. von \u00a7\u00a022 Nr.\u00a03 des Einkommensteuergesetzes (EStG) erzielt habe, und hob den Bescheid \u00fcber den Gewerbesteuermessbetrag auf. Zur Begr\u00fcndung verwies es insbesondere auf das BFH-Urteil vom 23.\u00a0Juni 1964 GrS\u00a01\/64\u00a0S (BFHE 80, 73 , BStBl III 1964, 500), wonach aus \u201egewerbsm\u00e4\u00dfiger Unzucht\u201d sonstige Eink\u00fcnfte i.S. des \u00a7\u00a022 Nr.\u00a03 EStG erzielt w\u00fcrden. An dieser Auffassung sei trotz ver\u00e4nderter Umst\u00e4nde festzuhalten (so auch BFH-Urteile vom 28.\u00a0November 1969 VI\u00a0R\u00a0128\/68 , BFHE 97, 378, BStBl II 1970, 185; vom 17.\u00a0April 1970 VI\u00a0R\u00a0164\/68, BFHE 99, 200, BStBl II 1970, 620).<\/p>\n<p><strong>8 <\/strong>\u00a0Mit seiner Revision r\u00fcgt das FA die Verletzung materiellen Rechts. Es ist der Meinung, die Kl\u00e4gerin habe aus ihrer T\u00e4tigkeit als Prostituierte gewerbliche Eink\u00fcnfte erzielt.<\/p>\n<p><strong>9 <\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0<strong>III. Vorlagebeschluss des III.\u00a0Senats<\/strong><\/p>\n<p><strong>10 <\/strong>\u00a0Der III.\u00a0Senat teilt die Auffassung des FA und beabsichtigt daher, der Revision des FA stattzugeben. Da diese Ansicht vom Urteil des Gro\u00dfen Senats des BFH in BFHE 80, 73, BStBl III 1964, 500 abweiche, sei eine erneute Kl\u00e4rung dieser im Streitfall entscheidungserheblichen Rechtsfrage erforderlich (\u00a7\u00a011 Abs.\u00a02 FGO ).<\/p>\n<h2>\u00a0<strong>Gr\u00fcnde<\/strong><\/h2>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0<strong>B. Entscheidung des Gro\u00dfen Senats zu Verfahrensfragen<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0<strong>I. Keine m\u00fcndliche Verhandlung<\/strong><\/p>\n<p><strong>13 <\/strong>\u00a0Der Gro\u00dfe Senat entscheidet gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a011 Abs.\u00a07 Satz\u00a02 FGO ohne m\u00fcndliche Verhandlung, weil eine weitere F\u00f6rderung der Entscheidung durch eine m\u00fcndliche Verhandlung nicht zu erwarten ist. Die Vorlagefrage und die Auffassungen, die dazu in Rechtsprechung und Schrifttum vertreten werden, sind im Vorlagebeschluss eingehend dargestellt worden. Die Beteiligten hatten Gelegenheit, zu der Vorlagefrage Stellung zu nehmen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0<strong>II. Zul\u00e4ssigkeit der Vorlage<\/strong><\/p>\n<p><strong>15 <\/strong>\u00a0Die Vorlage des III.\u00a0Senats ist zul\u00e4ssig.<\/p>\n<p><strong>16 <\/strong>\u00a01. Der vorlegende Senat ist zu Recht davon ausgegangen, dass eine Pflicht zur Vorlage der Rechtsfrage an den Gro\u00dfen Senat besteht. Das Urteil des Gro\u00dfen Senats in BFHE 80, 73, BStBl III 1964, 500 ist vor Inkrafttreten der Finanzgerichtsordnung (31.\u00a0Dezember 1965) ergangen. Da es jedoch gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a064 der Reichsabgabenordnung i.d.F. der Bekanntmachung vom 22.\u00a0Mai 1931 (RGBl I 1931, 161) ver\u00f6ffentlicht wurde, ist die Anrufung des Gro\u00dfen Senats gleichwohl erforderlich (\u00a7\u00a0184 Abs.\u00a02 Nr.\u00a05 FGO i.d.F. vom 6.\u00a0Oktober 1965, BGBl I 1965, 1477 ; vgl. Gr\u00e4ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung , 7.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a011 Rz\u00a07).<\/p>\n<p><strong>17 <\/strong>\u00a02. Die gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a011 Abs.\u00a03 FGO vorgesehene Anfrage bei anderen Senaten war nicht erforderlich. Nach \u00a7\u00a011 Abs.\u00a03 Satz\u00a01 FGO ist eine Vorlage an den Gro\u00dfen Senat nur zul\u00e4ssig, wenn der Senat, von dessen Entscheidung abgewichen werden soll, auf Anfrage des erkennenden Senats erkl\u00e4rt hat, dass er an seiner Rechtsauffassung festh\u00e4lt. Zwar hat der VI.\u00a0Senat mit Urteilen in BFHE 97, 378, BStBl II 1970, 185 und in BFHE 99, 200, BStBl II 1970, 620 entschieden, selbst\u00e4ndig t\u00e4tige Prostituierte erzielten sonstige Eink\u00fcnfte. Eine Anfrage war aber deshalb entbehrlich, weil hierdurch die Divergenz zum Urteil des Gro\u00dfen Senats in BFHE 80, 73, BStBl III 1964, 500 nicht beseitigt werden k\u00f6nnte. Will der erkennende Senat von einer Entscheidung des Gro\u00dfen Senats des BFH abweichen, muss er die Rechtsfrage dem Gro\u00dfen Senat des BFH erneut vorlegen. Eine Anfrage bei allen anderen Senaten des BFH kommt ebenso wenig in Betracht wie eine Anfrage beim Gro\u00dfen Senat selbst, ob dieser an seiner Rechtsauffassung festhalte (Sunder-Plassmann in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler \u2014HHSp\u2014, \u00a7\u00a011 FGO Rz\u00a044; Brandis in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung , Finanzgerichtsordnung , \u00a7\u00a011 FGO Rz\u00a010; M\u00fcller-Horn in Beermann\/Gosch, FGO \u00a7\u00a011 Rz\u00a018; Dumke in Schwarz, FGO \u00a7\u00a011 Rz\u00a018; wohl auch BFH-Beschluss vom 24.\u00a0Juni 1985 GrS\u00a01\/84, BFHE 144, 124 , BStBl II 1985, 587). Der in \u00a7\u00a011 Abs.\u00a03 Satz\u00a01 FGO angesprochene \u201eSenat, von dessen Entscheidung abgewichen werden soll\u201d, ist stets (nur) ein Fachsenat, nicht aber der Gro\u00dfe Senat selbst.<\/p>\n<p><strong>18 <\/strong>\u00a03. Die Vorlage ist auch nicht deshalb unzul\u00e4ssig, weil der Gro\u00dfe Senat bereits durch Urteil in BFHE 80, 73, BStBl III 1964, 500 <em>\u00a0<\/em>\u00a0\u00fcber die aufgeworfene Rechtsfrage entschieden hat.<\/p>\n<p><strong>19 <\/strong>\u00a0a) Nach der Rechtsprechung des Gro\u00dfen Senats ist eine erneute Vorlage derselben Rechtsfrage an ihn nur zul\u00e4ssig, falls in der Zwischenzeit neue rechtliche Gesichtspunkte aufgetreten sind, die bei der urspr\u00fcnglichen Entscheidung nicht ber\u00fccksichtigt werden konnten, und\/oder neue Rechtserkenntnisse eine andere Beurteilung der entschiedenen Rechtsfrage rechtfertigen k\u00f6nnten (BFH-Beschl\u00fcsse vom 18.\u00a0Januar 1971 GrS\u00a04\/70, BFHE 101, 13 , BStBl II 1971, 207; in BFHE 144, 124 , BStBl II 1985, 587).<\/p>\n<p><strong>20 <\/strong>\u00a0b) Gegen diese Auffassung wird vorgebracht, \u00a7\u00a011 FGO enthalte derlei Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr die erneute Vorlage einer Rechtsfrage an den Gro\u00dfen Senat nicht. \u00a7\u00a011 Abs.\u00a07 Satz\u00a03 FGO erkl\u00e4re im Gegenteil die Entscheidung des Gro\u00dfen Senats nur in der vorliegenden Sache f\u00fcr den erkennenden Senat als bindend, woraus sich im Gegenschluss ergebe, dass eine erneute Vorlage in einer anderen Sache selbst f\u00fcr den vorlegenden Senat m\u00f6glich w\u00e4re (zur Kritik vgl. Brandis in Tipke\/Kruse, a.a.O., \u00a7\u00a011 FGO Rz\u00a011; Gr\u00e4ber\/Ruban, a.a.O., \u00a7\u00a011 Rz\u00a034; Sunder-Plassmann in HHSp, \u00a7\u00a011 FGO Rz\u00a045). Die Auffassung berge \u00fcberdies die Gefahr der Rechtserstarrung (Gr\u00e4ber\/Ruban, a.a.O., \u00a7\u00a011 Rz\u00a034).<\/p>\n<p><strong>21 <\/strong>\u00a0c) Es bedarf keiner Entscheidung, ob der Gro\u00dfe Senat an seiner bisherigen Auffassung zur Zul\u00e4ssigkeit heute noch festhalten k\u00f6nnte (offengelassen bereits im BFH-Beschluss in BFHE 144, 124 , BStBl II 1985, 587). Denn die erneute Vorlage der Rechtsfrage, ob selbst\u00e4ndig t\u00e4tige Prostituierte sonstige Eink\u00fcnfte oder gewerbliche Eink\u00fcnfte erzielen, ist jedenfalls schon deshalb zul\u00e4ssig, weil seit der Entscheidung des Gro\u00dfen Senats mehr als 45\u00a0Jahre vergangen sind, Verwaltung und Literatur einhellig die Auffassung vertreten, Prostituierte erzielten gewerbliche Eink\u00fcnfte (s. C.I.2. und 3.), und sich \u00fcberdies die rechtlichen Rahmenbedingungen \u2014wie im Einzelnen aus dem Beschluss des vorlegenden III.\u00a0Senats in BFHE 237, 421 , BStBl II 2012, 661 ersichtlich\u2014 f\u00fcr die Aus\u00fcbung der Prostitution seither ge\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0<strong>III. Entscheidungserheblichkeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>23 <\/strong>\u00a0Die vorgelegte Rechtsfrage ist f\u00fcr die Entscheidung des III.\u00a0Senats erheblich. W\u00fcrde der Gro\u00dfe Senat an seiner Entscheidung in BFHE 80, 73, BStBl III 1964, 500 <em>\u00a0<\/em>\u00a0festhalten, w\u00e4re der III.\u00a0Senat gehindert, der Revision des FA \u2014wie beabsichtigt\u2014 stattzugeben.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0<strong>C. Entscheidung des Gro\u00dfen Senats \u00fcber die vorgelegte Rechtsfrage<\/strong><\/p>\n<p><strong>25 <\/strong>\u00a0Der Gro\u00dfe Senat entscheidet die vorgelegte Rechtsfrage im Sinne der Auffassung des vorlegenden Senats.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0<strong>I. Entwicklung der Rechtsprechung, Auffassung der Literatur und Verwaltung<\/strong><\/p>\n<p><strong>27 <\/strong>\u00a01. Die Entwicklung der Rechtsprechung zur Behandlung der Eink\u00fcnfte aus Prostitution ist im Vorlagebeschluss in BFHE 237, 421 , BStBl II 2012, 661 wiedergegeben.<\/p>\n<p><strong>28 <\/strong>\u00a02. Die Verwaltung ist der Auffassung, dass selbst\u00e4ndig t\u00e4tige Prostituierte Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb erzielen. So hat das Bundesministerium der Finanzen (BMF) in vorliegendem Verfahren zwar nicht seinen Beitritt erkl\u00e4rt, jedoch mitgeteilt, die Auffassung des vorlegenden III.\u00a0Senates werde von den obersten Finanzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder schon seit l\u00e4ngerer Zeit vertreten (vgl. z.B. Verf\u00fcgung der Oberfinanzdirektion D\u00fcsseldorf vom 30.\u00a0Juli 2004 S\u00a02240\u00a0A\u00a0&#8211;\u00a0St\u00a011, EStG -Kartei NW \u00a7\u00a015 (1) Nr.\u00a01 EStG Nr.\u00a0802 in \u00dcbereinstimmung mit einem Beschluss der Referenten des Bundes und der L\u00e4nder). Die im Vorlagebeschluss f\u00fcr diese Rechtsauffassung angef\u00fchrten Argumente seien aus Sicht des BMF zutreffend.<\/p>\n<p><strong>29 <\/strong>\u00a03. In der Literatur wird allgemein die Ansicht vertreten, selbst\u00e4ndig t\u00e4tige Prostituierte erzielten Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb (z.B. Sch\u00f6n in Kirchhof\/Lehner\/Raupach\/Rodi [Hrsg.], Festschrift K. Vogel, 2000, S.\u00a0661, 668; Fischer, Deutsches Steuerrecht \u2014DStR\u2014 2000, 1342; ders. in Kirchhof, EStG , 11.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a022 Rz\u00a069; Schmidt\/Weber-Grellet, EStG , 32.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a022 Rz\u00a0150 \u201eProstitution\u201d; Bl\u00fcmich\/Bode, \u00a7\u00a015 EStG Rz\u00a017, und Bl\u00fcmich\/Nacke, \u00a7\u00a022 EStG Rz\u00a0168 \u201eGewerbsm\u00e4\u00dfige Prostitution\u201d; Stapperfend in Herrmann\/Heuer\/Raupach, \u00a7\u00a015 EStG Rz 1059; Rei\u00df in Kirchhof, a.a.O., \u00a7\u00a015 Rz\u00a034; Sarrazin in Lenski\/Steinberg, Gewerbesteuergesetz , \u00a7\u00a02 Rz\u00a0259; Leisner, in: Kirchhof\/S\u00f6hn\/Mellinghoff, EStG , \u00a7\u00a022 Rz\u00a0D\u00a0179 \u201eGeschlechtsverkehr\u201d; Kemper, DStR 2005, 543).<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0<strong>II. Auffassung des Gro\u00dfen Senats<\/strong><\/p>\n<p><strong>31 <\/strong>\u00a0Der Gro\u00dfe Senat teilt die Auffassung des vorlegenden Senats in BFHE 237, 421 , BStBl II 2012, 661, dass selbst\u00e4ndig t\u00e4tige Prostituierte Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb erzielen und damit einen Gewerbebetrieb i.S. des \u00a7\u00a02 Abs.\u00a01 Satz\u00a02 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) i.V.m. \u00a7\u00a015 Abs.\u00a02 EStG unterhalten.<\/p>\n<p><strong>32 <\/strong>\u00a0Unter einem Gewerbebetrieb ist gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a02 Abs.\u00a01 GewStG , \u00a7\u00a015 Abs.\u00a02 EStG jede selbst\u00e4ndige nachhaltige T\u00e4tigkeit zu verstehen, die mit Gewinnerzielungsabsicht unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, falls sie den Rahmen einer privaten Verm\u00f6gensverwaltung \u00fcberschreitet und es sich nicht um die Aus\u00fcbung von Land- und Forstwirtschaft (\u00a7\u00a013 EStG ) oder einer selbst\u00e4ndigen Arbeit (\u00a7\u00a018 EStG ) handelt.<\/p>\n<p><strong>33 <\/strong>\u00a0Selbst\u00e4ndig t\u00e4tige Prostituierte erf\u00fcllen diese Voraussetzungen; sie nehmen insbesondere in Abweichung von der im BFH-Urteil in BFHE 80, 73, BStBl III 1964, 500 vertretenen Auffassung auch am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr teil; die Prostitution kann in Gestalt eines \u201esich am wirtschaftlichen Verkehr beteiligenden Unternehmens\u201d betrieben werden. Da dies einhelliger Auffassung in Verwaltung und Literatur (s. C.I.2. und 3.) entspricht, sieht der Gro\u00dfe Senat von weiteren Ausf\u00fchrungen hierzu ab, sondern verweist zur Begr\u00fcndung auf die zutreffenden Ausf\u00fchrungen im Vorlagebeschluss des III.\u00a0Senats in BFHE 237, 421 , BStBl II 2012, 661. Prostituierte erzielen auch keine Eink\u00fcnfte aus selbst\u00e4ndiger Arbeit i.S. des \u00a7\u00a018 EStG .<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>\u00a0\u00a0\u00a0<strong>III. Entscheidung der Vorlagefrage<\/strong><\/p>\n<p><strong>35 <\/strong>\u00a0Der Gro\u00dfe Senat des BFH beantwortet die vorgelegte Rechtsfrage danach wie folgt:<\/p>\n<p><strong>36 <\/strong>\u00a0Selbst\u00e4ndig t\u00e4tige Prostituierte (sog. Eigenprostitution) erzielen Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine sonstigen Eink\u00fcnfte selbst\u00e4ndig t\u00e4tiger Prostituierter \u00a0Leitsatz Selbst\u00e4ndig t\u00e4tige Prostituierte erzielen Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb (Aufgabe des BFH-Urteils vom 23.\u00a0Juni 1964 GrS\u00a01\/64\u00a0S , BFHE 80, 73, BStBl III 1964, 500). \u00a0Tatbestand 1 \u00a0\u00a0\u00a0A. \u00a0\u00a0Vorgelegte Rechtsfrage, Sachverhalt und Ausgangsverfahren, Anrufungsbeschluss des III.\u00a0Senats 2 \u00a0\u00a0\u00a0I. 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