{"id":28488,"date":"2013-05-09T11:15:27","date_gmt":"2013-05-09T09:15:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=28488"},"modified":"2013-05-09T11:15:27","modified_gmt":"2013-05-09T09:15:27","slug":"wiedereinsetzung-unverschuldete-unkenntnis-des-auf-dem-umschlag-vermerkten-zustelldatums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wiedereinsetzung-unverschuldete-unkenntnis-des-auf-dem-umschlag-vermerkten-zustelldatums\/","title":{"rendered":"Wiedereinsetzung &#8211; Unverschuldete Unkenntnis des auf dem Umschlag vermerkten Zustelldatums"},"content":{"rendered":"<p>UNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.3.2013, VIII B 199\/11<\/p>\n<p>Wiedereinsetzung &#8211; Unverschuldete Unkenntnis des auf dem Umschlag vermerkten Zustelldatums<\/p>\n<p>Gr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist begr\u00fcndet. Das Finanzgericht (FG) hat die Klage zu Unrecht wegen Vers\u00e4umung der Klagefrist als unzul\u00e4ssig abgewiesen. Entgegen der Auffassung des FG war dem Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) Wiedereinsetzung in die Klagefrist zu gew\u00e4hren. Der darin liegende Verfahrensmangel (Versto\u00df gegen \u00a7\u00a056 Abs.\u00a01 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG (\u00a7\u00a0116 Abs.\u00a06 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Weist das FG die Klage zu Unrecht durch Prozessurteil als unzul\u00e4ssig ab, anstatt zur Sache zu entscheiden, liegt nach der Rechtsprechung ein Verfahrensmangel (\u00a7\u00a0115 Abs.\u00a02 Nr.\u00a03 FGO) vor. Das gilt insbesondere, wenn das Gericht deshalb nicht zur Sache entscheidet, weil es zu Unrecht davon ausgeht, dass die Klagefrist vers\u00e4umt ist (vgl. nur Senatsbeschluss vom 26.\u00a0Mai 2010 VIII\u00a0B\u00a0228\/09, BFH\/NV 2010, 2080, m.w.N.). Als Verfahrensmangel kann deshalb auch die fehlerhafte Ablehnung einer Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen Vers\u00e4umung der Klagefrist ger\u00fcgt werden (vgl. Gr\u00e4ber\/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a0115 Rz\u00a078 a.E.). \u00dcber das Vorliegen eines ordnungsgem\u00e4\u00df geltend gemachten Verfahrensmangels entscheidet der Bundesfinanzhof (BFH) &#8211;auch im Verfahren der Nichtzulassungsbeschwerde&#8211; grunds\u00e4tzlich ohne sachliche Einschr\u00e4nkungen in der Sache selbst (vgl. Lange in H\u00fcbschmann\/ Hepp\/Spitaler, \u00a7\u00a0115 FGO Rz\u00a0228; Gr\u00e4ber\/Ruban, a.a.O., \u00a7\u00a0115 Rz\u00a094).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Der Senat muss nicht entscheiden, ob die Vorentscheidung schon deshalb verfahrensfehlerhaft ergangen ist, weil die Klagefrist im Zeitpunkt der Klageerhebung noch nicht abgelaufen war, denn jedenfalls war dem Kl\u00e4ger die nachgesuchte Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen Vers\u00e4umung der Klagefrist zu gew\u00e4hren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Das FG hat ein die Wiedereinsetzung ausschlie\u00dfendes Verschulden des Kl\u00e4gers angenommen. Er h\u00e4tte dem zugestellten Umschlag entnehmen m\u00fcssen, dass die Einspruchsentscheidung f\u00f6rmlich zugestellt worden war. Er sei deshalb vorwerfbar zu Unrecht von einer Bekanntgabe durch die Post ausgegangen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Das FG hat dabei nicht ber\u00fccksichtigt, dass die mangelnde Kenntnis von dem auf dem Umschlag handschriftlich eingetragenen Datum der Zustellung (vgl. \u00a7\u00a0180 Satz\u00a03 der Zivilprozessordnung) selbst dann unverschuldet sein kann, wenn das zuzustellende Schriftst\u00fcck den Stempelaufdruck &#8222;Zugestellt durch Postzustellungsurkunde&#8220; enth\u00e4lt (vgl. BFH-Urteil vom 20.\u00a0November 2008 III\u00a0R\u00a066\/07, BFHE 223, 317, BStBl II 2009, 185). Der beschlie\u00dfende Senat l\u00e4sst offen, ob er dieser Rechtsprechung uneingeschr\u00e4nkt folgen kann. Sie muss indes jedenfalls dann gelten, wenn auf dem zuzustellenden Schriftst\u00fcck ein Hinweis auf die f\u00f6rmliche Zustellung &#8211;wie im Streitfall&#8211; fehlt und es sich um eine Naturalpartei handelt, die nicht erkannt hat, dass eine f\u00f6rmliche Zustellung vorliegt. Danach ist dem Kl\u00e4ger nicht vorzuwerfen, dass er den Umschlag nicht gesondert zur Kenntnis genommen und deshalb verkannt hat, dass es sich bei der \u00dcbersendung um eine f\u00f6rmliche Zustellung handelte. Auf die Frage, ob der Kl\u00e4ger mit einer f\u00f6rmlichen Zustellung durch Einwurf in den Briefkasten \u00fcberhaupt rechnen musste oder ob er sich ohne Verschulden auf die w\u00e4hrend seiner, vor langer Zeit als Postzusteller erworbenen, Rechtskenntnisse verlassen durfte, nach denen eine solche Ersatzzustellung noch nicht zul\u00e4ssig war, kommt es nicht an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>c) Nach allem durfte der Kl\u00e4ger bei der Berechnung der Klagefrist ohne Verschulden von dem Datum des Bescheids ausgehen und eine \u00fcbliche Bekanntgabe per Post zugrunde legen. Danach hat er die Klagefrist ohne eigenes Verschulden vers\u00e4umt, weshalb ihm Wiedereinsetzung in den vorigen Stand zu gew\u00e4hren war, denn auch die weiteren Voraussetzungen f\u00fcr die Wiedereinsetzung liegen vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>UNDESFINANZHOF Beschluss vom 19.3.2013, VIII B 199\/11 Wiedereinsetzung &#8211; Unverschuldete Unkenntnis des auf dem Umschlag vermerkten Zustelldatums Gr\u00fcnde 1 Die Beschwerde ist begr\u00fcndet. Das Finanzgericht (FG) hat die Klage zu Unrecht wegen Vers\u00e4umung der Klagefrist als unzul\u00e4ssig abgewiesen. 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