{"id":28492,"date":"2013-05-09T11:20:47","date_gmt":"2013-05-09T09:20:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=28492"},"modified":"2013-05-09T17:51:58","modified_gmt":"2013-05-09T15:51:58","slug":"wissensprufung-bei-einem-autodidakten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wissensprufung-bei-einem-autodidakten\/","title":{"rendered":"Wissenspr\u00fcfung bei einem Autodidakten"},"content":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 7.3.2013, III B 134\/12<\/p>\n<p>Wissenspr\u00fcfung bei einem Autodidakten<\/p>\n<p>Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Der Kl\u00e4ger war in den Streitjahren 1993 bis 1999 selbst\u00e4ndig t\u00e4tig. Er beriet Unternehmen in Fragen der Logistik, der Transportorganisation, der F\u00fchrung und Organisation sowie bei Neuplanungen. Gegenstand der T\u00e4tigkeit war die Optimierung von logistischen Ablauforganisationen und Fuhrparks sowie die Projektierung von Betriebseinrichtungen, wie z.B. Logistikzentren, Niederlassungen, Zentrallagern, Palettenhochregallagern, Stahlhallen mit Krananlagen und S\u00e4gezentren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das Finanzamt erlie\u00df f\u00fcr die Streitjahre Gewerbesteuermessbescheide. Dagegen wandte sich der Kl\u00e4ger mit der Begr\u00fcndung, dass er eine <a href=\"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/freiberufler.htm\" target=\"_blank\">freiberufliche T\u00e4tigkeit<\/a> ausge\u00fcbt habe. Er habe als Autodidakt in Tiefe und Breite \u00fcber die Kenntnisse eines Diplom-Wirtschaftsingenieurs mit Schwerpunkt Logistik verf\u00fcgt und eine entsprechende berufliche T\u00e4tigkeit entfaltet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Einspruch und Klage blieben erfolglos. Das sachverst\u00e4ndig beratene Finanzgericht (FG) ging in seinem Urteil zwar davon aus, dass sich die vom Kl\u00e4ger ausge\u00fcbte T\u00e4tigkeit auf einen Hauptbereich einer vergleichbaren Ingenieurt\u00e4tigkeit erstreckt habe. Es sei jedoch nicht nachgewiesen, dass er der Breite und Tiefe nach \u00fcber ein dem Ingenieur vergleichbares Wissen verf\u00fcgt habe. Im Hinblick auf den einschl\u00e4gigen Vergleichsstudiengang &#8222;Wirtschaftsingenieurwesen, Schwerpunkt Logistik&#8220; best\u00fcnden in den F\u00e4chern Mathematik, Datenverarbeitung und Quantitative Methoden Wissensdefizite. Die vom Kl\u00e4ger beantragte Wissenspr\u00fcfung lehnte das FG mit der Begr\u00fcndung ab, dass der Kl\u00e4ger im Hinblick auf die vom Sachverst\u00e4ndigen in zahlreichen F\u00e4chern festgestellten Wissensdefizite keinen Vortrag zum Wissenserwerb &#8211;beispielsweise in den genannten F\u00e4chern&#8211; oder zur Wissensanwendung gehalten habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision r\u00fcgt der Kl\u00e4ger unter anderem eine Verletzung der Sachaufkl\u00e4rungspflicht gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a076 Abs.\u00a01 der Finanzgerichtsordnung (FGO). Das FG habe seinen Antrag auf Durchf\u00fchrung einer Wissenspr\u00fcfung nicht ablehnen d\u00fcrfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>II. Die Beschwerde ist zul\u00e4ssig und begr\u00fcndet; sie f\u00fchrt zur Aufhebung des finanzgerichtlichen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung (\u00a7\u00a0116 Abs.\u00a06 FGO). Die Voraussetzungen des \u00a7\u00a0115 Abs.\u00a02 Nr.\u00a03 FGO liegen vor. Das FG h\u00e4tte dem Antrag des Kl\u00e4gers auf Durchf\u00fchrung einer Wissenspr\u00fcfung entsprechen m\u00fcssen. Die Nichterhebung dieses beantragten Beweises verletzt den Untersuchungsgrundsatz des \u00a7\u00a076 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Die Verfahrensr\u00fcge des Kl\u00e4gers ist in zul\u00e4ssiger Form erhoben worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>7<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>In der Beschwerdebegr\u00fcndung wurden die Voraussetzungen f\u00fcr einen Verfahrensmangel, n\u00e4mlich die Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a076 Abs.\u00a01 FGO, in der von \u00a7\u00a0116 Abs.\u00a03 Satz\u00a03 FGO geforderten Form dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>8<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Wird mit der R\u00fcge mangelnder Sachaufkl\u00e4rung (\u00a7\u00a076 Abs.\u00a01 FGO) geltend gemacht, das FG habe zu Unrecht Beweisantr\u00e4ge \u00fcbergangen, so sind nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) Angaben zu den ermittlungsbed\u00fcrftigen Tatsachen, den angebotenen Beweismitteln und zum Ergebnis der Beweisaufnahme erforderlich. Hat das FG &#8211;wie im Streitfall&#8211; selbst im Urteil begr\u00fcndet, weshalb es von der Erhebung beantragter Beweise abgesehen hat, gen\u00fcgt bereits die schlichte R\u00fcge der Nichtbefolgung des Beweisantritts den Anforderungen des \u00a7\u00a0116 Abs.\u00a03 Satz\u00a03 FGO (vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 14.\u00a0August 2000 VII\u00a0B\u00a087\/00, BFH\/NV 2001, 147; vom 30.\u00a0Dezember 2002 XI\u00a0B\u00a058\/02, BFH\/NV 2003, 787; vom 19.\u00a0Januar 2007 IV\u00a0B\u00a051\/05, BFH\/NV 2007, 1089). Da es sich bei der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes um einen verzichtbaren Mangel handelt, muss grunds\u00e4tzlich &#8211;auch im Fall der oben genannten Begr\u00fcndungserleichterung&#8211; vorgetragen werden, dass die Nichterhebung der angebotenen Beweise in der n\u00e4chsten m\u00fcndlichen Verhandlung ger\u00fcgt wurden oder weshalb die R\u00fcge nicht m\u00f6glich gewesen sei. Dies gilt grunds\u00e4tzlich. Etwas anderes gilt jedoch dann, wenn sich dies aus dem Urteil oder Sitzungsprotokoll ergibt (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse in BFH\/NV 2003, 787, und in BFH\/NV 2007, 1089).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>9<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall folgt unmittelbar aus dem Sitzungsprotokoll, dass der Kl\u00e4ger sich nicht r\u00fcgelos auf die m\u00fcndliche Verhandlung eingelassen hat. Dieser hat n\u00e4mlich, nachdem die Sachantr\u00e4ge gestellt waren, der Sachverst\u00e4ndige sein Gutachten m\u00fcndlich erl\u00e4utert hatte und eine Sitzungsunterbrechung erfolgt war, seinen fr\u00fcheren schrifts\u00e4tzlich gestellten Antrag auf Einholung eines zweiten Gutachtens zur\u00fcckgenommen und ausdr\u00fccklich den Antrag auf Durchf\u00fchrung einer Wissenspr\u00fcfung gestellt. Zudem gab der Kl\u00e4ger an, die vom Sachverst\u00e4ndigen angesprochenen Wissensl\u00fccken teilweise durch weitere Arbeiten widerlegen zu k\u00f6nnen. Da die Wissenspr\u00fcfung ausweislich eines Schreibens des Berichterstatters des FG zudem vor dem Termin als erforderlich (&#8222;Sollte die Klage weiter verfolgt werden, d\u00fcrfte der Kl\u00e4ger um eine umfassende Wissenspr\u00fcfung nicht umhin kommen.&#8220;) erachtet worden war, kann das im Protokoll wiedergegebene Verhalten des Kl\u00e4gers keinesfalls als R\u00fcgeverzicht, sondern nur als ein &#8222;Bestehen auf Beweiserhebung&#8220; gedeutet werden. Damit er\u00fcbrigte sich der Vortrag in der Beschwerdeschrift, dass eine r\u00fcgelose Einlassung nicht stattgefunden habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>10<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Die R\u00fcge ist auch begr\u00fcndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>11<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Das Vorliegen eines (ingenieur-)\u00e4hnlichen Berufs erfordert nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des BFH, dass der \u00e4hnliche Beruf mit einem bestimmten Katalogberuf sowohl in der Ausbildung als auch in der beruflichen T\u00e4tigkeit vergleichbar ist (z.B. BFH-Urteil vom 16.\u00a0Dezember 2008 VIII\u00a0R\u00a027\/07, H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung &#8211;HFR&#8211; 2009, 898, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>12<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aa) Setzt der Katalogberuf (vgl. BFH-Urteile vom 28.\u00a0August 2003 IV\u00a0R\u00a021\/02, BFHE 203, 152, BStBl II 2003, 919; vom 6.\u00a0September 2006 XI\u00a0R\u00a03\/06, BFHE 215, 124, BStBl II 2007, 118, zum Beruf des Wirtschaftsingenieurs) &#8211;wie im Streitfall&#8211; eine qualifizierte Ausbildung voraus, wird auch f\u00fcr den \u00e4hnlichen Beruf eine vergleichbare Ausbildung verlangt. Dabei kann die vergleichbare Ausbildung nicht nur in einem f\u00f6rmlichen Ausbildungsgang, wie z.B. in einem Studium, stattfinden. Vielmehr kann ein Steuerpflichtiger, der eine Berufsausbildung, wie sie in den Ingenieurgesetzen der L\u00e4nder vorgeschrieben ist, nicht besitzt, auch nachweisen, dass er &#8211;als Autodidakt&#8211; vergleichbare Kenntnisse im Wege der privaten Fortbildung, des Selbststudiums oder im Zusammenhang mit eigener Arbeit erworben hat (BFH-Urteil in HFR 2009, 898).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>13<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bb) Macht der Kl\u00e4ger geltend, er habe im streitigen Zeitraum \u00fcber die f\u00fcr die Annahme einer freiberuflichen T\u00e4tigkeit erforderlichen Kenntnisse verf\u00fcgt, muss er Tatsachen dazu vortragen, wie er die Kenntnisse erworben und inwieweit er sie in der Praxis eingesetzt hat. Unter bestimmten Umst\u00e4nden kann bereits aus der Art der T\u00e4tigkeit auf das Vorhandensein der entsprechenden Kenntnisse geschlossen werden. Stehen diese Tatsachen nicht bereits zur \u00dcberzeugung des Gerichts fest, muss das FG aufgrund seiner Sachaufkl\u00e4rungspflicht (\u00a7\u00a076 Abs.\u00a01 FGO) den vom Kl\u00e4ger gestellten Antr\u00e4gen zur Erhebung von Beweisen grunds\u00e4tzlich entsprechen, die geeignet erscheinen, den erforderlichen Nachweis der Kenntnisse zu erbringen (BFH-Urteil in HFR 2009, 898).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>14<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>cc) Dazu kann auch die Vornahme einer Wissenspr\u00fcfung geh\u00f6ren, wenn sich aus den vorgetragenen Tatsachen zum Erwerb und Einsatz der Kenntnisse bereits erkennen l\u00e4sst, dass der Kl\u00e4ger \u00fcber hinreichende Kenntnisse verf\u00fcgen k\u00f6nnte und ein Nachweis anhand praktischer Arbeiten nicht zu f\u00fchren ist (BFH-Urteile vom 26.\u00a0Juni 2002 IV\u00a0R\u00a056\/00, BFHE 199, 367, BStBl II 2002, 768; vom 18.\u00a0April 2007 XI\u00a0R\u00a034\/06, BFH\/NV 2007, 1495, und in HFR 2009, 898). Erf\u00fcllt ein auf die Durchf\u00fchrung einer Wissenspr\u00fcfung gestellter Antrag des Steuerpflichtigen diese Voraussetzungen, dann muss das FG ihm nachgehen und kann ihn nur ablehnen, wenn es auf das Beweismittel f\u00fcr die Entscheidung nicht ankommt, das Gericht die Richtigkeit der durch das Beweismittel zu beweisenden Tatsachen zu Gunsten der betreffenden Partei unterstellt oder das Beweismittel nicht erreichbar ist (BFH-Urteil in HFR 2009, 898, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>15<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall lagen die Voraussetzungen f\u00fcr eine Wissenspr\u00fcfung vor. Das FG durfte daher nicht von der Beweiserhebung absehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>16<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aa) Der Kl\u00e4ger hat hinreichend Tatsachen zum Erwerb und zum Einsatz von Kenntnissen vorgetragen, die erkennen lassen, dass er \u00fcber ein ingenieur\u00e4hnliches Wissen in Tiefe und Breite verf\u00fcgen\u00a0k\u00f6nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>17<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das ergibt sich unmittelbar aus dem Sachverst\u00e4ndigengutachten und dem Erg\u00e4nzungsgutachten. Der vom FG beauftragte Sachverst\u00e4ndige hat auf der Grundlage des ihm vom Kl\u00e4ger zur Verf\u00fcgung gestellten Materials (Bescheinigungen \u00fcber besuchte Fortbildungsveranstaltungen, Liste der im Selbststudium durchgearbeiteten Fachliteratur, Nachweis der absolvierten Technikerausbildung, zahlreiche Arbeitsproben) best\u00e4tigt, dass in allen 21 Ausbildungsmodulen des Vergleichsstudiengangs grunds\u00e4tzliche, in den meisten Einzelmodulen sogar ausreichende Kenntnisse vorhanden sind. Er hat nach Auswertung des ihm vorgelegten Materials sodann die abschlie\u00dfende Feststellung getroffen, dass damit aber der Kenntnisstand eines Absolventen des Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen (Logistik) nicht nachgewiesen worden sei. Genau eine solche Situation hatte der BFH vor Augen, als er es den Autodidakten rechtlich erm\u00f6glicht hat, im Wege einer Examinierung durch einen Sachverst\u00e4ndigen (Wissenspr\u00fcfung) den Vollbeweis eines ausreichenden Kenntnisstandes doch noch zu f\u00fchren, wenn die Beweisf\u00fchrung auf der Basis vorgelegter Arbeitsproben u.\u00e4. nicht m\u00f6glich ist (vgl. BFH-Urteil in BFHE 199, 367, BStBl II 2002, 768).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>18<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Soweit der Sachverst\u00e4ndige in wesentlichen Mathematikfeldern (Differenzial- und Integralgleichungen, Vektor- und Matrizenrechnung) aufgrund der \u00fcberlassenen Unterlagen &#8222;unzureichende Kenntnisse sicher feststellen konnte&#8220;, stand auch diese Einsch\u00e4tzung der Wissenspr\u00fcfung nicht entgegen. Denn der Sachverst\u00e4ndige konnte &#8222;in letzter Instanz nicht beurteilen, ob ein Bestehen der Pr\u00fcfung im Modul Mathematik m\u00f6glich ist, ohne zumindest \u00fcber ausreichende Kenntnisse in den wichtigen Basis-F\u00e4chern Differenzial- und Integralgleichungen, Vektor- und Matrizenrechnung zu verf\u00fcgen&#8220;. Die Darlegungen des Sachverst\u00e4ndigen zum Wissensstand in anderen Mathematikfeldern &#8222;waren bewusst so gehalten, dass dem Kl\u00e4ger die M\u00f6glichkeit einer Wissenspr\u00fcfung offen gehalten werden sollte.&#8220; (Zitate aus S.\u00a06 und 7 des Erg\u00e4nzungsgutachtens). Damit war der Beweis unzureichenden Kenntnisstandes im Fach Mathematik, in dem der Pr\u00fcfungserfolg im Vergleichsstudiengang ausweislich des Gutachtens unabdingbar ist, gerade noch nicht erbracht. Ob die Wissenspr\u00fcfung dann ausgeschlossen ist, wenn der Sachverst\u00e4ndige aufgrund der ihm vorliegenden Unterlagen unzureichendes Wissen bereits sicher feststellen zu k\u00f6nnen glaubt, erscheint angesichts des Verbots der vorweggenommenen Beweisw\u00fcrdigung zweifelhaft. Diese Frage muss im vorliegenden Verfahren jedoch nicht beantwortet werden, weil eine solche Situation gerade nicht gegeben war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>19<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Hinsichtlich der vom Sachverst\u00e4ndigen festgestellten Wissensl\u00fccken im Modul Datenverarbeitung gilt nichts anderes. Auch hier wollte der Sachverst\u00e4ndige dem Kl\u00e4ger die M\u00f6glichkeit einer Wissenspr\u00fcfung ausdr\u00fccklich offenhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>20<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Weil die Anforderungen zur Durchf\u00fchrung einer Wissenspr\u00fcfung nicht \u00fcberspannt werden d\u00fcrfen (BFH-Urteil in HFR 2009, 898), ist der Steuerpflichtige grunds\u00e4tzlich nicht gehalten, zu jedem der vielen Einzelf\u00e4cher mit ihren jeweiligen Unterdisziplinen, die in einem Vergleichstudiengang belegt werden m\u00fcssen, Arbeitsproben, eine Liste der im Selbststudium durchgearbeiteten Fachliteratur oder Bescheinigungen \u00fcber besuchte Fortbildungslehrg\u00e4nge vorzulegen, um seiner Darlegungspflicht (M\u00f6glichkeit\u00a0des Vorhandenseins von Wissen) zu gen\u00fcgen und zur Examinierung zugelassen zu werden. Im Streitfall musste demnach kein spezieller Vortrag erfolgen, wie der Kl\u00e4ger gerade zu Kenntnissen im Bereich der Matrizenrechnung gekommen sein k\u00f6nnte. Nur unsubstantiiertes Pauschalvorbringen zum Erwerb und zum Vorhandensein von Wissen versperrt den Zugang zur Wissenspr\u00fcfung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>21<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bb) Da der Nachweis ausreichender Kenntnisse anderweitig nicht gef\u00fchrt werden konnte und ein ausdr\u00fccklicher Antrag auf Durchf\u00fchrung einer Wissenspr\u00fcfung vorlag, durfte dieselbe nicht unterbleiben. Die unterbliebene Beweiserhebung war auch entscheidungserheblich, denn es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass das FG nach der Examinierung des Kl\u00e4gers zu einem anderen Ergebnis gekommen w\u00e4re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>22<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>3. Der Senat macht von der M\u00f6glichkeit Gebrauch, nach \u00a7\u00a0116 Abs.\u00a06 FGO zu verfahren und bereits auf die Nichtzulassungsbeschwerde hin die Vorentscheidung aufzuheben sowie die Sache an das FG zur\u00fcckzuverweisen. Bei der Beauftragung eines Sachverst\u00e4ndigen zum Zwecke der Examinierung des Kl\u00e4gers wird das FG zu beachten haben, dass der Sachverst\u00e4ndige die erforderliche Sachkunde f\u00fcr die Wissenspr\u00fcfung besitzt. Diese kann sich etwa daraus ergeben, dass er Mitglied eines Gremiums zur Abschlusspr\u00fcfung von Kandidaten im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen (Logistik) ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 7.3.2013, III B 134\/12 Wissenspr\u00fcfung bei einem Autodidakten Tatbestand 1 I. Der Kl\u00e4ger war in den Streitjahren 1993 bis 1999 selbst\u00e4ndig t\u00e4tig. Er beriet Unternehmen in Fragen der Logistik, der Transportorganisation, der F\u00fchrung und Organisation sowie bei Neuplanungen. 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