{"id":29094,"date":"2013-05-15T11:42:44","date_gmt":"2013-05-15T09:42:44","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=29094"},"modified":"2013-05-15T11:43:08","modified_gmt":"2013-05-15T09:43:08","slug":"kein-kindergeld-fur-spater-rechtskraftig-verurteiltes-inhaftiertes-und-vom-studium-beurlaubtes-kind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kein-kindergeld-fur-spater-rechtskraftig-verurteiltes-inhaftiertes-und-vom-studium-beurlaubtes-kind\/","title":{"rendered":"Kein Kindergeld f\u00fcr &#8211; sp\u00e4ter rechtskr\u00e4ftig verurteiltes &#8211; inhaftiertes und vom Studium beurlaubtes Kind"},"content":{"rendered":"<h2><span style=\"font-size: 1.17em; line-height: 19px;\">Aufhebung oder \u00c4nderung einer Kindergeldfestsetzung wegen \u00c4nderung der Verh\u00e4ltnisse<\/span><\/h2>\n<h3 id=\"ueberschrift4\">BFH, Urteil XI R 50\/10 vom 23.01.2013<\/h3>\n<h3 id=\"ueberschrift5\"><span style=\"font-size: 13px; line-height: 19px;\">Kein Kindergeld f\u00fcr &#8211;sp\u00e4ter rechtskr\u00e4ftig verurteiltes&#8211; inhaftiertes und vom Studium beurlaubtes Kind &#8211; Aufhebung oder \u00c4nderung einer Kindergeldfestsetzung wegen \u00c4nderung der Verh\u00e4ltnisse<\/span><\/h3>\n<p>Leits\u00e4tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die Durchf\u00fchrung einer Berufsausbildung i.S. von \u00a7 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. a EStG setzt voraus, dass auf die Ausbildung gerichtete Ma\u00dfnahmen tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2. Eine kindergeldsch\u00e4dliche Unterbrechung der Berufsausbildung ist gegeben, wenn ein sp\u00e4ter rechtskr\u00e4ftig verurteiltes Kind sich in Haft befindet und sich w\u00e4hrend dieser Zeit von seinem Studium hat beurlauben lassen.<\/p>\n<\/div>\n<p>Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten streiten darum, ob die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) einen Anspruch auf Kindergeld f\u00fcr ihren am X.X.1982 geborenen Sohn S hat, der sich von seinem Studium der Rechtswissenschaften vor\u00fcbergehend hatte beurlauben lassen und sich w\u00e4hrend dieser Zeit in Untersuchungshaft und anschlie\u00dfend in Haft befand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Sohn der Kl\u00e4gerin war seit dem Wintersemester 2002\/2003 zum Studium der Rechtswissenschaften an der Universit\u00e4t Z immatrikuliert. Er war nach den Feststellungen des Finanzgerichts (FG) vom Wintersemester 2003\/2004 bis einschlie\u00dflich Sommersemester 2005 beurlaubt. Seit dem Wintersemester 2005\/2006 war S nicht mehr beurlaubt und hat sein Studium fortgesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Er wurde am 12.\u00a0August 2004 vom Landgericht (LG) Z wegen unerlaubten Handelns mit Bet\u00e4ubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von 3\u00a0Jahren und 6 Monaten verurteilt. Ausweislich der Urteilsgr\u00fcnde war er in den Drogenhandel mit Haschisch eingebunden und hatte am 26.\u00a0Juni 2003 Haschisch und Ecstasytabletten mit einem Marktwert von 100.000\u00a0EUR von A nach Z bef\u00f6rdert. Der Sohn der Kl\u00e4gerin war am selben Tag festgenommen worden, befand sich zun\u00e4chst in Untersuchungshaft und ab dem 26.\u00a0Januar 2005 in Strafhaft. Ab August 2005 war er im sog. &#8222;offenen Vollzug&#8220;. Das LG U setzte mit Beschluss vom 17.\u00a0Januar 2006 den Rest der Strafe vorzeitig zur Bew\u00e4hrung aus. Mit Beschluss vom 5.\u00a0Februar 2009 wurde die ausgesetzte Reststrafe erlassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) hob die Kindergeldfestsetzung mit Bescheid vom 19.\u00a0April 2007 f\u00fcr den Zeitraum Juli 2003 bis September 2005 nach \u00a7\u00a070 Abs.\u00a02 des Einkommensteuergesetzes (EStG) auf und forderte \u00fcberzahltes Kindergeld in H\u00f6he von &#8230;\u00a0EUR von der Kl\u00e4gerin zur\u00fcck. Das au\u00dfergerichtliche Rechtsbehelfsverfahren blieb ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FG wies die hiergegen erhobene Klage ab. Sein Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2011, 152 ver\u00f6ffentlicht. Das FG f\u00fchrte im Wesentlichen aus, dass f\u00fcr den streitbefangenen Zeitraum eine Unterbrechung der Berufsausbildung vorliege, was zum Wegfall der Voraussetzungen des Kindergeldanspruchs gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a063 Abs.\u00a01 Satz 1 Nr.\u00a01 i.V.m. \u00a7\u00a032 Abs.\u00a04 Satz 1 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0a EStG f\u00fchre. Denn auf die Ausbildung gerichtete Ma\u00dfnahmen h\u00e4tten trotz der Immatrikulation wegen der Beurlaubung w\u00e4hrend der Haft nicht stattgefunden. Der vorliegende Sachverhalt sei auch nicht mit dem Fall vergleichbar, \u00fcber den der Bundesfinanzhof (BFH) in seiner Entscheidung vom 20.\u00a0Juli 2006 III\u00a0R\u00a069\/04 (BFH\/NV 2006, 2067) befunden habe, in dem das in Untersuchungshaft befindliche Kind sp\u00e4ter von jedem strafrechtlichen Tatvorwurf freigesprochen worden sei. Demgegen\u00fcber sei das Kind im Streitfall f\u00fcr die vors\u00e4tzliche Begehung einer schwerwiegenden Straftat verurteilt worden; somit sei nicht erst die Anordnung der Untersuchungshaft oder die Vollziehung der Strafhaft urs\u00e4chlich f\u00fcr die Unterbrechung der Ausbildung gewesen. Die vom FG vertretene Sichtweise werde im \u00dcbrigen auch von anderen Finanzgerichten geteilt (FG des Landes Sachsen-Anhalt, Urteil vom 12.\u00a0Februar 2008\u00a0\u00a04\u00a0K\u00a0435\/06, EFG 2008, 1393; FG N\u00fcrnberg, Urteil vom 20.\u00a0Januar 2006 V\u00a0114\/2005, nicht ver\u00f6ffentlicht &#8211;n.v.&#8211;, juris).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit der hiergegen eingelegten &#8211;vom FG zugelassenen&#8211; Revision r\u00fcgt die Kl\u00e4gerin die Verletzung materiellen Rechts. Nach ihrer Auffassung ist der Streitfall entgegen der Ansicht des FG durchaus vergleichbar mit dem Sachverhalt, \u00fcber den der BFH in seinem Urteil in BFH\/NV 2006, 2067 befunden hat. Denn ihr Sohn habe mit der Begehung der Straftat keineswegs willentlich seine Ausbildung unterbrochen. Das FG habe insoweit eine &#8222;falsche und ihm nicht zukommende Gesinnungsbewertung&#8220; vorgenommen. Im \u00dcbrigen sei ihr Sohn erstmals straff\u00e4llig geworden und habe sich auch in der Haft weiter fortgebildet. Nicht einmal in einem Strafurteil werde festgestellt, ob der Angeklagte die Tat mit dem Vorsatz begangen h\u00e4tte, seine Ausbildung zu unterbrechen. Dies d\u00fcrfe auch niemand schlicht unterstellen. Vielmehr sei der bei der Tatbegehung mehr als &#8222;blau\u00e4ugige&#8220; und &#8222;naive&#8220; Sohn der Kl\u00e4gerin als Heranwachsender vom Kopf einer Drogenbande als neuer Kurier rekrutiert und &#8222;verheizt&#8220; worden, was den Telefonauswertungen der Akten der Mitt\u00e4ter zu entnehmen sei. Selbst bei einem Jurastudenten im zweiten Semester sei nicht ohne weiteres anzunehmen, die Folgen seiner Tat h\u00e4tten sich ihm in diesem Ausma\u00df aufdr\u00e4ngen m\u00fcssen, zumal es gro\u00dfe Unterschiede zwischen strafrechtlichen Bet\u00e4ubungsmittelverfahren und anderen Strafverfahren gebe. Eine moralische Abw\u00e4gung komme weder der Familienkasse noch dem FG zu, zumal die anwendbaren Rechtsnormen keine subjektiven Elemente aufwiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>7<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Kl\u00e4gerin beantragt, das FG-Urteil sowie den Bescheid \u00fcber die Aufhebung der Kindergeldfestsetzung vom 19.\u00a0April 2007 und die hierzu ergangene Einspruchsentscheidung aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>8<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>9<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Sie h\u00e4lt die Entscheidung des FG f\u00fcr zutreffend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>10<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>II. Die Revision der Kl\u00e4gerin ist unbegr\u00fcndet. Sie war daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7\u00a0126 Abs.\u00a02 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>11<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FG hat zu Recht entschieden, dass die Kl\u00e4gerin in der Zeit von Juli 2003 bis September 2005 f\u00fcr ihren Sohn S keinen Anspruch auf Kindergeld hat, so dass die Familienkasse berechtigt war, die entsprechende Kindergeldfestsetzung gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a070 Abs.\u00a02 EStG aufzuheben und das insoweit ausgezahlte Kindergeld nach \u00a7\u00a037 Abs.\u00a02 der Abgabenordnung (AO) wieder zur\u00fcckzufordern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>12<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Nach \u00a7\u00a063 Abs.\u00a01 Satz 1 Nr.\u00a01 i.V.m. \u00a7\u00a032 Abs.\u00a04 Satz\u00a01 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0a EStG wird ein Kind, das das 18., aber noch nicht das 27.\u00a0Lebensjahr vollendet hat, bei Vorliegen der weiteren Voraussetzungen beim Kindergeldberechtigten ber\u00fccksichtigt, wenn es f\u00fcr einen Beruf ausgebildet wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>13<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Der Wortlaut des \u00a7\u00a032 Abs.\u00a04 Satz 1 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0a EStG (&#8222;ausgebildet wird&#8220;) stellt nach der Rechtsprechung des BFH nicht auf das formale Weiterbestehen eines Ausbildungsverh\u00e4ltnisses ab, sondern darauf, dass auf die Ausbildung gerichtete Ma\u00dfnahmen tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrt werden (vgl. BFH-Urteile vom 15.\u00a0Juli 2003 VIII\u00a0R\u00a047\/02, BFHE 203, 106, BStBl II 2003, 848, unter II.1.a; in BFH\/NV 2006, 2067, unter II.1.a; vom 24.\u00a0September 2009 III\u00a0R\u00a079\/06, BFH\/NV 2010, 614, unter II.1.a\u00a0aa). Dabei kommt es nicht entscheidend darauf an, ob das Ausbildungsverh\u00e4ltnis vorl\u00e4ufig beendet ist oder ob es zwar bestehen bleibt, aber infolge Beurlaubung die Rechte und Pflichten ruhen (BFH-Urteil in BFHE 203, 106, BStBl II 2003, 848, unter II.1.). Denn es tritt grunds\u00e4tzlich eine Unterbrechung der Ausbildung ein, sobald es an Ma\u00dfnahmen fehlt, die geeignet sind, dem Erwerb von Kenntnissen, F\u00e4higkeiten und Erfahrungen im Hinblick auf die Aus\u00fcbung des angestrebten Berufs zu dienen (vgl. BFH-Urteile vom 14.\u00a0Mai 2002 VIII\u00a0R\u00a061\/01, BFHE 199, 210, BStBl II 2002, 807, unter II.2.a; in BFH\/NV 2006, 2067, unter II.1.a, und in BFH\/NV 2010, 614, unter II.1.a\u00a0aa).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>14<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall hat das FG zutreffend angenommen, dass die Berufsausbildung des Kindes S durch die Untersuchungshaft mit anschlie\u00dfender Strafhaft f\u00fcr den streitbefangenen Zeitraum unterbrochen war. Denn der Sohn der Kl\u00e4gerin hat w\u00e4hrend dieser Zeit sein begonnenes Studium der Rechtswissenschaften, von dem er sich hatte beurlauben lassen, nicht fortgesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>15<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aa) Dem steht nicht entgegen, dass eine Unterbrechung der Ausbildung infolge Erkrankung oder Mutterschaft f\u00fcr den Anspruch auf Kindergeld als unsch\u00e4dlich angesehen wird (vgl. Abschn. 63.3.2.8 Abs.\u00a01 und 3 der Dienstanweisung zur Durchf\u00fchrung des Familienleistungsausgleichs nach dem X.\u00a0Abschnitt des Einkommensteuergesetzes &#8211;DA-FamEStG&#8211;; ebenso BFH-Urteil in BFH\/NV 2006, 2067, unter II.1.c; FG des Landes Sachsen-Anhalt, Urteil in EFG 2008, 1393; FG Baden-W\u00fcrttemberg, Urteil vom 30.\u00a0M\u00e4rz 2011\u00a0\u00a02\u00a0K\u00a05243\/09, EFG 2011, 1262; FG M\u00fcnster, Urteil vom 8.\u00a0Juni 2011\u00a0\u00a010\u00a0K\u00a03649\/09\u00a0Kg, EFG 2012, 339). Denn im Streitfall ist keiner dieser Ausnahmef\u00e4lle gegeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>16<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bb) Auch die von der Kl\u00e4gerin zitierte Rechtsprechung des BFH, wonach ein in Untersuchungshaft genommenes Kind ausnahmsweise weiterhin als in Ausbildung befindlich zu behandeln ist, wenn es die begonnene Ausbildung in der Haft nicht fortsetzt (BFH-Urteil in BFH\/NV 2006, 2067; entgegen Abschn. 63.3.2.7 Abs.\u00a09 DA-FamEStG), ist im Streitfall nicht einschl\u00e4gig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>17<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Denn der BFH hatte in seinem in BFH\/NV 2006, 2067 zu entscheidenden Fall ma\u00dfgeblich darauf abgestellt, dass das seinerzeit in Polen inhaftierte Kind die Unterbrechung seiner Ausbildung nicht zu vertreten hatte, weil es letztlich vom Tatvorwurf freigesprochen worden war (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 2006, 2067, unter II.1.c).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>18<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Demgegen\u00fcber hat das Kind S im Streitfall mit seiner Beteiligung am Drogenhandel eine Straftat begangen, f\u00fcr die es rechtskr\u00e4ftig zu einer mehrj\u00e4hrigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Ein derartiger Sachverhalt ist unabh\u00e4ngig von der subjektiven Sicht des Kindes von vornherein nicht vergleichbar mit dem Fall, \u00fcber den der BFH in BFH\/NV 2006, 2067 befunden hat (im Ergebnis ebenso FG des Landes Sachsen-Anhalt, Urteil in EFG 2008, 1393; FG Baden-W\u00fcrttemberg, Urteil in EFG 2011, 1262; FG M\u00fcnster, Urteil in EFG 2012, 339; D\u00fcrr, BFH-PR 2006, 485, 486).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>19<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Diese Wertung steht im Ergebnis im Einklang mit der Rechtsprechung des BFH, wonach f\u00fcr behinderte Kinder, die sich in Strafhaft befinden, gleichfalls kein Anspruch auf Kindergeld nach \u00a7\u00a032 Abs.\u00a04 Satz\u00a01 Nr.\u00a03 EStG besteht (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 25.\u00a0Februar 2009 III\u00a0B\u00a047\/08, BFH\/NV 2009, 929, und vom 8.\u00a0November 2012 VI\u00a0B\u00a086\/12, n.v., juris).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>20<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Das FG hat auch zutreffend das Vorliegen der Voraussetzungen von \u00a7\u00a070 Abs.\u00a02 EStG bejaht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>21<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Nach dieser Vorschrift ist bei einer \u00c4nderung der f\u00fcr den Anspruch auf Kindergeld erheblichen Verh\u00e4ltnisse die Kindergeldfestsetzung mit Wirkung vom Zeitpunkt der \u00c4nderung der Verh\u00e4ltnisse aufzuheben oder zu \u00e4ndern. Die Familienkasse hat insoweit keinen Ermessensspielraum (vgl. z.B. BFH-Entscheidungen vom 18.\u00a0Dezember 1998 VI\u00a0B\u00a0215\/98, BFHE 187, 559, BStBl II 1999, 231; vom 25.\u00a0Juli 2001 VI\u00a0R\u00a018\/99, BFHE 196, 260, BStBl II 2002, 81).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>22<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im Streitfall liegt die \u00c4nderung der Verh\u00e4ltnisse in der Unterbrechung der Ausbildung durch die Beurlaubung vom Studium und den Haftantritt des Sohnes der Kl\u00e4gerin.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>23<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>3. Das FG hat \u00fcberdies zu Recht angenommen, dass die Voraussetzungen von \u00a7\u00a037 Abs.\u00a02 AO vorliegen. Die Familienkasse war danach berechtigt, das f\u00fcr den streitbefangenen Zeitraum ausbezahlte Kindergeld zur\u00fcckzufordern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufhebung oder \u00c4nderung einer Kindergeldfestsetzung wegen \u00c4nderung der Verh\u00e4ltnisse BFH, Urteil XI R 50\/10 vom 23.01.2013 Kein Kindergeld f\u00fcr &#8211;sp\u00e4ter rechtskr\u00e4ftig verurteiltes&#8211; inhaftiertes und vom Studium beurlaubtes Kind &#8211; Aufhebung oder \u00c4nderung einer Kindergeldfestsetzung wegen \u00c4nderung der Verh\u00e4ltnisse Leits\u00e4tze 1. Die Durchf\u00fchrung einer Berufsausbildung i.S. von \u00a7 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 Buchst. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kein-kindergeld-fur-spater-rechtskraftig-verurteiltes-inhaftiertes-und-vom-studium-beurlaubtes-kind\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Kein Kindergeld f\u00fcr &#8211; sp\u00e4ter rechtskr\u00e4ftig verurteiltes &#8211; inhaftiertes und vom Studium beurlaubtes Kind<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[63],"tags":[69],"class_list":["post-29094","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelle-informationen-zum-steuerrecht-online","tag-kindergeld"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29094","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29094"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29094\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29094"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29094"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29094"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}