{"id":29100,"date":"2013-05-15T11:47:33","date_gmt":"2013-05-15T09:47:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=29100"},"modified":"2020-09-15T10:41:07","modified_gmt":"2020-09-15T08:41:07","slug":"sachentscheidung-trotz-fehlender-sachentscheidungsvoraussetzungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/sachentscheidung-trotz-fehlender-sachentscheidungsvoraussetzungen\/","title":{"rendered":"Sachentscheidung trotz fehlender Sachentscheidungsvoraussetzungen"},"content":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.1.2013, V R 47\/11<\/p>\n<h2>Sachentscheidung trotz fehlender Sachentscheidungsvoraussetzungen &#8211; Anh\u00e4ngigkeit des Einspruchsverfahrens bei Teilabhilfebescheid &#8211; Notwendigkeit einer Unt\u00e4tigkeitsr\u00fcge<\/h2>\n<p>Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger), ein Landkreis, beantragte mit Schreiben vom 12.\u00a0Oktober 2009 beim Beklagten und Revisionsbeklagten (Familienkasse) die Abzweigung von Kindergeld aus dem Kindergeldanspruch der Beigeladenen. Die Beigeladene ist Mutter einer Tochter, die als Schwerbehinderte einen Behinderungsgrad von 100\u00a0v.H. aufweist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse lehnte den Antrag auf Abzweigung ab. Der hiergegen eingelegte Einspruch hatte insoweit Erfolg, als die Familienkasse f\u00fcr die Monate November und Dezember 2009 eine monatliche Abzweigung von 82\u00a0EUR und f\u00fcr den Zeitraum ab Januar 2010 eine Abzweigung von 92\u00a0EUR an den Kl\u00e4ger durch &#8222;Abhilfebescheid&#8220; vom 20.\u00a0Januar 2011 anordnete und dabei darauf hinwies, dass dem Einspruch damit in vollem Umfang entsprochen werde. Eine weiter gehende Einspruchsentscheidung erfolgte nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit der Klage zum Finanzgericht (FG) machte der Kl\u00e4ger einen weitergehenden Anspruch auf Abzweigung geltend. Das FG sah die Klage mit den in &#8222;Entscheidungen der Finanzgerichte&#8220; 2012, 1360 ver\u00f6ffentlichten Gr\u00fcnden als zul\u00e4ssig, aber unbegr\u00fcndet an. Zur Zul\u00e4ssigkeit der Klage f\u00fchrte das FG an, dass der Kl\u00e4ger im Verwaltungsverfahren die Abzweigung des Kindergeldes beantragt habe, ohne diesen Antrag betragsm\u00e4\u00dfig zu beschr\u00e4nken. Auch im Einspruchsverfahren sei keine Einschr\u00e4nkung des Begehrens erfolgt. Dies bedeute, dass der Antrag des Kl\u00e4gers auf die vollst\u00e4ndige Abzweigung des Kindergeldes gerichtet gewesen sei. Die Familienkasse habe zwar den Abzweigungsantrag demgegen\u00fcber nur auf den Teilbetrag des Kindergeldes bezogen, der nach ihrer Einsch\u00e4tzung unter Ber\u00fccksichtigung der Unterhaltsaufwendungen der Beigeladenen \u00e4u\u00dferstenfalls abgezweigt werden k\u00f6nnte. Hierauf deute der Hinweis in dem Abhilfebescheid vom 20.\u00a0Januar 2011 hin, dass dem Einspruch in vollem Umfang entsprochen worden sei. Dies \u00e4ndere aber nichts daran, dass der Abzweigungsantrag des Kl\u00e4gers insoweit abgelehnt worden sei, als die im gerichtlichen Verfahren noch streitigen Betr\u00e4ge von monatlich 58\u00a0EUR und ab Januar 2010 von monatlich 68\u00a0EUR nicht an ihn abgezweigt wurden. Diese Auslegung des \u00a7\u00a044 der Finanzgerichtsordnung (FGO) werde durch die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) best\u00e4tigt. Danach sei das au\u00dfergerichtliche Rechtsbehelfsverfahren auch dann i.S. des \u00a7\u00a044 Abs.\u00a01 FGO erfolglos geblieben, wenn die Einspruchsentscheidung der Sache nach unvollst\u00e4ndig sei, wie sich aus dem BFH-Urteil vom 27.\u00a0September 2001 X\u00a0R\u00a0134\/98 (BFHE 196, 400, BStBl II 2002, 176) ergebe. Diese Unvollst\u00e4ndigkeit liege vor, wenn das Einspruchsbegehren teilweise \u00fcbergangen werde, wie sich aus dem BFH-Urteil vom 10.\u00a0Mai 2007 III\u00a0R\u00a067\/06 (BFH\/NV 2007, 2063) ergebe. So liege der Fall hier, da die Familienkasse das weiterreichende Abzweigungsverlangen des Kl\u00e4gers unbeabsichtigt \u00fcbergangen habe. Dem Kl\u00e4ger stehe aber der weitergehend geltend gemachte Anspruch auf Abzweigung nicht zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich der Kl\u00e4ger mit der Revision, die er auf die Verletzung materiellen Rechts st\u00fctzt. Das Urteil stehe nicht im Einklang mit \u00a7\u00a074 Abs.\u00a01 Satz\u00a04 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Sein Anspruch auf Abzweigung werde willk\u00fcrlich reduziert. Die Voraussetzungen f\u00fcr eine teleologische Reduktion l\u00e4gen nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger beantragt,<\/p>\n<p>das Urteil des FG aufzuheben und die Zur\u00fcckverweisung des Rechtstreits an das FG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt,<\/p>\n<p>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>7<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Beigeladene hat keinen Antrag gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>8<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>II. Auf die Revision des Kl\u00e4gers war das Urteil des FG aufzuheben und die Sache an das FG zur\u00fcckzuverweisen (\u00a7\u00a0126 Abs.\u00a03 Nr.\u00a02 FGO). Das FG hat zu Unrecht in der Sache entschieden, obwohl mangels abgeschlossenen Vorverfahrens (\u00a7\u00a044 FGO) die Klage unzul\u00e4ssig war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>9<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Ist gegen einen Steuerbescheid &#8211;hier den Bescheid \u00fcber die Abzweigung von Kindergeld, f\u00fcr den als Entscheidung \u00fcber eine Steuerverg\u00fctung dieselben Vorschriften gelten (vgl. BFH-Urteil vom 25.\u00a0Juli 2001 VI\u00a0R\u00a018\/99, BFHE 196, 260, BStBl II 2002, 81)&#8211; ein au\u00dfergerichtlicher Rechtsbehelf gegeben, so ist eine Klage gegen den Bescheid vorbehaltlich der \u00a7\u00a7\u00a045 und 46 FGO nur zul\u00e4ssig, wenn das Vorverfahren \u00fcber den au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelf erfolglos geblieben ist (\u00a7\u00a044 Abs.\u00a01 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>10<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Ein au\u00dfergerichtliches Vorverfahren muss zwar nicht zwangsl\u00e4ufig mit einer Einspruchsentscheidung beendet werden. Eine Erledigung des Einspruchsverfahrens tritt jedoch nur dann ein, wenn die Beh\u00f6rde dem Antrag des Einspruchsf\u00fchrers u.a. durch \u00c4nderung des Bescheids (\u00a7\u00a0172 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0a der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;) in vollem Umfang entspricht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>11<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Ob dies der Fall ist, ergibt ein Vergleich zwischen dem Antrag im Einspruchsverfahren und der Regelung im Abhilfebescheid. Dabei ist der Antrag des Einspruchsf\u00fchrers im Zeitpunkt der Bekanntgabe des Abhilfebescheids ma\u00dfgebend (z.B. BFH-Beschluss vom 30.\u00a0Oktober 2003 VI\u00a0B\u00a083\/03, BFH\/NV 2004, 356).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>12<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Dagegen wird auch durch eine unvollst\u00e4ndige Rechtsbehelfsentscheidung das au\u00dfergerichtliche Vorverfahren in der nach dem Gesetz erforderlichen Weise f\u00f6rmlich abgeschlossen (BFH-Urteile in BFH\/NV 2007, 2063; in BFHE 196, 400, BStBl II 2002, 176, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>13<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Liegt nur ein Teilabhilfebescheid vor, der dem Antrag des Einspruchsf\u00fchrers nicht in vollem Umfang entspricht, bleibt das Einspruchsverfahren &#8211;entgegen der Auffassung des FG im Streitfall&#8211; weiter anh\u00e4ngig (z.B. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2004, 356, m.w.N.). Der Teilabhilfebescheid wird nach \u00a7\u00a0365 Abs.\u00a03 AO automatisch Gegenstand des Einspruchsverfahrens. Hierdurch soll verhindert werden, dass der Einspruchsf\u00fchrer ohne Einlegung eines neuen Rechtsbehelfs aus dem Rechtsbehelfsverfahrens gedr\u00e4ngt wird. Eines weiteren Einspruchs gegen den Teilabhilfebescheid bedarf es nicht. Bei einer Teilabhilfe ist jedoch \u00fcber den nicht erledigten Teil des Einspruchs noch durch eine f\u00f6rmliche Einspruchsentscheidung zu entscheiden (z.B. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2004, 356, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>14<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Grunds\u00e4tzen ist die Klage im Streitfall nach \u00a7\u00a044 Abs.\u00a01 FGO nicht zul\u00e4ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>15<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Die Familienkasse hat im Streitfall &#8211;wie sich aus der dem Bescheid vom 20.\u00a0Januar 2011 und dessen Rechtsbehelfsbelehrung ergibt&#8211; keine Einspruchsentscheidung, sondern lediglich einen Abhilfebescheid erlassen, der &#8211;wie das FG insoweit zu Recht entschieden hat&#8211; dem Begehren des Kl\u00e4gers nicht in vollem Umfang entspricht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>16<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Eine abweichende Beurteilung folgt nicht aus \u00a7\u00a046 FGO. Nach dieser Vorschrift ist zwar eine Klage ohne vorherigen Ab-schluss des Vorverfahrens zul\u00e4ssig, wenn \u00fcber einen au\u00dfergerichtlichen Rechtsbehelf ohne Mitteilung eines zureichenden Grundes nicht innerhalb einer angemessenen Frist sachlich entschieden worden ist. Jedoch kann eine vor Abschluss des Vorverfahrens erhobene Klage nur dann nach \u00a7\u00a046 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 FGO zul\u00e4ssig sein, wenn sp\u00e4testens bis zum Schluss der m\u00fcndlichen Verhandlung vor dem FG die Unt\u00e4tigkeit der Finanzbeh\u00f6rde ger\u00fcgt wird (BFH-Urteile vom 17.\u00a0Mai 1985 III\u00a0R\u00a0213\/82, BFHE 143, 509, BStBl II 1985, 521; vom 24.\u00a0April 2007 I\u00a0R\u00a033\/06, BFH\/NV 2007, 2236, unter II.5.). Dass im Streitfall eine solche R\u00fcge erhoben worden ist, hat weder das FG festgestellt noch hat der Kl\u00e4ger Entsprechendes vorgetragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>17<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>c) Dem steht auch nicht das vom FG f\u00fcr seine Auffassung angef\u00fchrte BFH-Urteil in BFHE 196, 400, BStBl II 2002, 176 entgegen, da dieses auf der Besonderheit beruht, dass die Beh\u00f6rde in diesem Fall w\u00e4hrend eines \u00fcber zwei Jahre dauernden Beschwerdeverfahrens von der &#8222;M\u00f6glichkeit der Selbstkontrolle&#8220; keinen Gebrauch gemacht hat, so dass die Annahme, es fehle an einem f\u00f6rmlichen Abschluss des Verfahrens dazu gef\u00fchrt h\u00e4tte, dass Rechtsschutz nur unter erschwerten Voraussetzungen in Anspruch genommen werden k\u00f6nnte. Damit ist der Streitfall nicht vergleichbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>18<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Gegenteiliges ergibt sich nicht aus dem vom FG f\u00fcr seine Auffassung angef\u00fchrten BFH-Urteil in BFH\/NV 2007, 2063. Dieses betrifft nur die Fallgestaltung, dass eine Einspruchsentscheidung vorliegt, diese aber einen Streitpunkt \u00fcbergeht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>19<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>3. Das FG ist von anderen Grunds\u00e4tzen ausgegangen. Es h\u00e4tte \u00fcber die Klage nicht in der Sache entscheiden d\u00fcrfen, sondern h\u00e4tte vielmehr zun\u00e4chst der Familienkasse Gelegenheit geben m\u00fcssen, \u00fcber den Einspruch zu entscheiden. Vers\u00e4umt das FG dies und erl\u00e4sst es stattdessen eine Sachentscheidung, so ist sein Urteil wegen Verletzung des \u00a7\u00a044 Abs.\u00a01 FGO aufzuheben (BFH-Urteile in BFH\/NV 2007, 2236, m.w.N.; vom 21.\u00a0Juli 1987 IX\u00a0R\u00a080\/83, BFH\/NV 1988, 213). Das angefochtene Urteil war daher aufzuheben. Die Sache ist an das FG zur\u00fcckzuverweisen, damit dieses auf die Erf\u00fcllung der Voraussetzungen f\u00fcr eine Sachentscheidung hinwirken kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>20<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>4. Die \u00dcbertragung der Kostenentscheidung beruht auf \u00a7\u00a0143 Abs.\u00a01 FGO. \u00dcber die Kosten der Beigeladenen, die keinen Antrag gestellt hat, war nicht zu entscheiden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>Zur\u00fcck zur Trefferliste\u00a0<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.1.2013, V R 47\/11 Sachentscheidung trotz fehlender Sachentscheidungsvoraussetzungen &#8211; Anh\u00e4ngigkeit des Einspruchsverfahrens bei Teilabhilfebescheid &#8211; Notwendigkeit einer Unt\u00e4tigkeitsr\u00fcge Tatbestand 1 I. Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger), ein Landkreis, beantragte mit Schreiben vom 12.\u00a0Oktober 2009 beim Beklagten und Revisionsbeklagten (Familienkasse) die Abzweigung von Kindergeld aus dem Kindergeldanspruch der Beigeladenen. Die Beigeladene ist Mutter &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/sachentscheidung-trotz-fehlender-sachentscheidungsvoraussetzungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Sachentscheidung trotz fehlender Sachentscheidungsvoraussetzungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[63],"tags":[2979],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29100"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29100"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29100\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}