{"id":29129,"date":"2013-05-15T12:02:51","date_gmt":"2013-05-15T10:02:51","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=29129"},"modified":"2013-05-15T12:04:46","modified_gmt":"2013-05-15T10:04:46","slug":"entschadigungsklage-unangemessene-dauer-eines-finanzgerichtlichen-verfahrens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/entschadigungsklage-unangemessene-dauer-eines-finanzgerichtlichen-verfahrens\/","title":{"rendered":"Entsch\u00e4digungsklage: Unangemessene Dauer eines finanzgerichtlichen Verfahrens"},"content":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.4.2013, X K 3\/12<\/p>\n<p>Entsch\u00e4digungsklage: Unangemessene Dauer eines finanzgerichtlichen Verfahrens &#8211; Beschr\u00e4nkung des Rechtsfolgenausspruchs auf die Feststellung der Verz\u00f6gerung &#8211; Verh\u00e4ltnis zur Amtshaftungsklage &#8211; Beklagter im Entsch\u00e4digungsklageverfahren &#8211; Kostenentscheidung &#8211; Keine Motivforschung in Bezug auf Prozesshandlungen<\/p>\n<p>Leits\u00e4tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Wird ein FG in einem einfach gelagerten Klageverfahren zwischen dem Eingang des letzten Schriftsatzes eines der Beteiligten und der Anberaumung der m\u00fcndlichen Verhandlung f\u00fcnfeinhalb Jahre lang &#8211;abgesehen von einer Aktenanforderung und einer kurzen Anfrage an den Kl\u00e4ger&#8211; nicht t\u00e4tig, ist die Verfahrensdauer als unangemessen anzusehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2. War die finanzgerichtliche Klage unschl\u00fcssig, d.h. bereits nach dem eigenen Tatsachenvortrag des Kl\u00e4gers erkennbar unbegr\u00fcndet, hatte das verz\u00f6gerte Verfahren f\u00fcr den Entsch\u00e4digungskl\u00e4ger objektiv keine besondere Bedeutung. In einem solchen Fall gen\u00fcgt f\u00fcr die erforderliche Wiedergutmachung die Feststellung der Verfahrensverz\u00f6gerung durch das Entsch\u00e4digungsgericht; der Zuerkennung einer Geldentsch\u00e4digung f\u00fcr immaterielle Nachteile bedarf es nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3. Das Entsch\u00e4digungsgericht kann eine Verfahrensverz\u00f6gerung auch dann feststellen, wenn eine Verz\u00f6gerungsr\u00fcge gar nicht oder &#8211;in den \u00dcbergangsf\u00e4llen des Art. 23 Satz 2 \u00dcberlVfRSchG&#8211; nicht unverz\u00fcglich erhoben worden ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>4. Hat der Kl\u00e4ger die Zuerkennung einer Geldentsch\u00e4digung beantragt, beschr\u00e4nkt sich das Entsch\u00e4digungsgericht aber auf die blo\u00dfe Feststellung einer unangemessenen Verfahrensdauer, ist dem Beklagten gleichwohl der weitaus \u00fcberwiegende Teil (75 %) der Kosten des Entsch\u00e4digungsklageverfahrens aufzuerlegen, wenn tats\u00e4chlich eine erhebliche Verfahrensverz\u00f6gerung gegeben ist, deren Gr\u00f6\u00dfenordnung weitgehend mit derjenigen Zeitspanne deckungsgleich ist, die der Kl\u00e4ger seiner monet\u00e4ren Entsch\u00e4digungsforderung zugrunde gelegt hat, und der Kl\u00e4ger die H\u00f6he seiner Entsch\u00e4digungsforderung auf den gesetzlichen Regelbetrag des \u00a7 198 Abs. 2 Satz 3 GVG beschr\u00e4nkt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>5. Eine Entsch\u00e4digungsklage wegen der Dauer eines Verfahrens vor dem FG Berlin-Brandenburg ist gegen das Bundesland zu richten, gegen dessen Verwaltungshandeln sich der sp\u00e4tere Entsch\u00e4digungskl\u00e4ger in dem von ihm eingeleiteten finanzgerichtlichen Verfahren gewandt hat. Die Anordnung, dass das beklagte Bundesland in Entsch\u00e4digungsklageverfahren durch den Pr\u00e4sidenten des FG vertreten wird, bedarf keiner Regelung durch ein Gesetz.<\/p>\n<\/div>\n<p>Tatbestand &#8230;<\/p>\n<div><\/div>\n<p>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>23<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>III. Die Klage ist zul\u00e4ssig, aber nur teilweise begr\u00fcndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>24<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Sie ist gegen den richtigen Beklagten gerichtet (unten 1.). Die \u00dcbertragung der Vertretung des beklagten Bundeslandes Berlin auf den Pr\u00e4sidenten des FG Berlin-Brandenburg ist aus Rechtsgr\u00fcnden nicht zu beanstanden (unten 2.). Das finanzgerichtliche Verfahren, dessen Dauer vorliegend zu beurteilen ist, ist unangemessen verz\u00f6gert worden (unten 3.). Ein Anspruch des Kl\u00e4gers ist nicht schon deshalb ausgeschlossen, weil das Ausgangsgericht das Verfahren kurzfristig nach Erhebung der Verz\u00f6gerungsr\u00fcge zu Ende gef\u00fchrt hat (unten 4.) oder die Entsch\u00e4digungsklage als rechtsmissbr\u00e4uchlich anzusehen w\u00e4re (unten 5.). Allerdings ist nach den besonderen Umst\u00e4nden des vorliegenden Falles die Feststellung einer unangemessenen Verfahrensdauer f\u00fcr die erforderliche Wiedergutmachung ausreichend; ein Entsch\u00e4digungsanspruch in Geld steht dem Kl\u00e4ger nicht zu (unten 6.). Weil ein derartiger Feststellungsausspruch keine vorherige Verz\u00f6gerungsr\u00fcge des Kl\u00e4gers voraussetzt, kann offenbleiben, ob der Kl\u00e4ger die Verz\u00f6gerungsr\u00fcge im Ausgangsverfahren noch &#8222;unverz\u00fcglich&#8220; nach Inkrafttreten des \u00dcberlVfRSchG erhoben hat (unten 7.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>25<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Der Kl\u00e4ger hat mit dem Land Berlin den richtigen Beklagten bezeichnet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>26<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Die Bestimmung des Anspruchsgegners bei Entsch\u00e4digungsklagen wegen \u00fcberlanger Verfahrensdauer richtet sich nach \u00a7\u00a0200 Satz\u00a01 GVG. Danach haftet das Land f\u00fcr Nachteile, die aufgrund von Verz\u00f6gerungen bei Gerichten eines Landes eingetreten sind. Da das FG Berlin-Brandenburg gem\u00e4\u00df Art.\u00a01 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 Nr.\u00a03 des Staatsvertrags \u00fcber die Errichtung gemeinsamer Fachobergerichte der L\u00e4nder Berlin und Brandenburg vom 26.\u00a0April 2004 (Gesetz- und Verordnungsblatt f\u00fcr Berlin 2004, 380) &#8211;Staatsvertrag&#8211; ein\u00a0<em>gemeinsames<\/em>\u00a0Fachobergericht der Bundesl\u00e4nder Berlin und Brandenburg ist, seinen Sitz aber im Land Brandenburg hat, l\u00e4sst sich dem Wortlaut des \u00a7\u00a0200 Satz\u00a01 GVG unmittelbar noch keine Bestimmung des richtigen Beklagten entnehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>27<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Nach Auffassung des erkennenden Senats &#8211;die vom Kl\u00e4ger und nunmehr auch vom Beklagten geteilt wird&#8211; \u00fcben die gemeinsamen Fachobergerichte der L\u00e4nder Berlin und Brandenburg jeweils Rechtsprechungsgewalt desjenigen Bundeslandes aus, aus dem das Ausgangsverfahren stammt. Der Senat verweist insoweit auf die ausf\u00fchrlichen Darlegungen des Verfassungsgerichtshofs des Landes Berlin im Beschluss vom 19.\u00a0Dezember 2006 45\/06 (juris, unter II.1.a), denen er sich anschlie\u00dft. Der Verfassungsgerichtshof hat sich dabei insbesondere auf die Gesetzesmaterialien zum Staatsvertrag sowie die einfachere staatsrechtliche Handhabbarkeit gest\u00fctzt. Demgegen\u00fcber hat er denjenigen Einzelregelungen im Staatsvertrag, die an das Sitzprinzip ankn\u00fcpfen, keine entscheidende Bedeutung zugemessen (Rz\u00a032 des Beschlusses). Dieser Auffassung ist auch das Verfassungsgericht des Landes Brandenburg im Beschluss vom 10.\u00a0Mai 2007\u00a0\u00a08\/07 (juris, unter B.I.1.). Beiden Beschl\u00fcssen lagen jeweils Verfahren aus der Verwaltungsgerichtsbarkeit zugrunde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>28<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>In \u00dcbereinstimmung damit hat das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) in seiner Entscheidung \u00fcber die Verfassungsbeschwerde eines Richters am fr\u00fcheren FG Berlin, der sich unmittelbar gegen den Staatsvertrag gewandt hatte, ausgef\u00fchrt, das FG Berlin-Brandenburg sei ein Gericht, &#8222;welches (auch) zur Berliner Landesgerichtsbarkeit geh\u00f6rt&#8220; (Beschluss vom 14.\u00a0Juli 2006\u00a0\u00a02\u00a0BvR\u00a01058\/05, H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung &#8211;HFR&#8211; 2006, 1030, unter III.2.b\u00a0aa). Die richterliche T\u00e4tigkeit an einem l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Gericht stelle sich als &#8222;Aus\u00fcbung der Rechtsprechung f\u00fcr die an dem Gericht beteiligten L\u00e4nder dar&#8220; (BVerfG-Beschluss in HFR 2006, 1030, unter III.2.b\u00a0bb). Damit hat auch das BVerfG eine Anwendung des reinen Sitzprinzips &#8211;ma\u00dfgeblich w\u00e4re danach stets der Sitz des gemeinsamen FG im Land Brandenburg&#8211; abgelehnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>29<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Vorliegend stammt das Ausgangsverfahren aus dem Land Berlin, da eine Berliner Finanzbeh\u00f6rde den Ablehnungsbescheid erlassen hatte, der zu der vom Kl\u00e4ger vor dem damals noch bestehenden FG Berlin erhobenen Verpflichtungsklage gef\u00fchrt hat. Auch soweit ab dem 1.\u00a0Januar 2007 das FG Berlin-Brandenburg an die Stelle des FG Berlin getreten ist, \u00fcbte es im Ausgangsverfahren Rechtsprechungsgewalt des Landes Berlin aus, das damit Anspruchsgegner im Entsch\u00e4digungsklageverfahren ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>30<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Die \u00dcbertragung der Vertretung des beklagten Bundeslandes Berlin auf den Pr\u00e4sidenten des FG Berlin-Brandenburg (Anordnung \u00fcber die Vertretung des Landes Berlin im Gesch\u00e4ftsbereich der Senatsverwaltung f\u00fcr Justiz vom 20.\u00a0September 2007, Amtsblatt Berlin 2007, 2641) ist aus Rechtsgr\u00fcnden nicht zu beanstanden. Insbesondere durfte diese \u00dcbertragung durch eine Verwaltungsanweisung vorgenommen werden; ein Gesetz war nicht erforderlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>31<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Organisationsregelungen innerhalb eines Ressorts werden traditionell nicht dem zwingenden Gesetzesvorbehalt unterstellt. Die Exekutive hat hier eine eigene Organisationsgewalt (vgl. hierzu Krebs in Handbuch des Staatsrechts der Bundesrepublik Deutschland, Band\u00a0V, \u00a7\u00a0108 Rz\u00a099, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>32<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Diese Organisationsgewalt unterliegt aber in doppelter Hinsicht Begrenzungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>33<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aa) Zum einen darf der Parlamentsgesetzgeber hierauf jederzeit Zugriff nehmen und ausdr\u00fcckliche gesetzliche Organisationsregelungen treffen (Ossenb\u00fchl in Handbuch des Staatsrechts, a.a.O., \u00a7\u00a0101 Rz\u00a072). Solange indes derartige Spezialregelungen nicht existieren, bleibt es bei der Organisationsgewalt der Exekutive.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>34<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bb) Zum anderen verpflichten das Rechtsstaats- und das Demokratieprinzip den Parlamentsgesetzgeber, die wesentlichen Entscheidungen selbst zu treffen. Dieser &#8222;Wesentlichkeitsvorbehalt&#8220; gilt zwar vor allem f\u00fcr den Bereich der Grundrechtsaus\u00fcbung, erfasst dar\u00fcber hinaus aber auch andere f\u00fcr das Gemeinwesen grundlegende Entscheidungen (ausf\u00fchrlich, auch zum Folgenden, Urteil des Verfassungsgerichtshofs f\u00fcr das Land Nordrhein-Westfalen vom 9.\u00a0Februar\u00a01999\u00a0\u00a011\/98, Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 1999, 1243, m.w.N., betr. Zusammenlegung des Innen- und Justizministeriums). Danach fallen Organisationsentscheidungen dann unter den Gesetzesvorbehalt, wenn sie wesentlich f\u00fcr die Verwirklichung der Grundrechte oder anderer tragender Verfassungsprinzipien (z.B. Rechtsstaatsprinzip, Gewaltenteilung, Sicherung einer eigenst\u00e4ndigen und unabh\u00e4ngigen rechtsprechenden Gewalt) oder die Wahrnehmung der Staatsleitung sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>35<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) F\u00fcr die vorliegend entscheidungserhebliche Frage der organisationsrechtlichen Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Vertretung des Landes in Entsch\u00e4digungsklageverfahren sind landes- oder bundesgesetzliche Regelungen nicht ersichtlich. \u00a7\u00a0200 Satz\u00a01 GVG bestimmt lediglich, wer in Entsch\u00e4digungsf\u00e4llen der richtige Beklagte ist (das Bundesland). Zu der Vertretung innerhalb des Bundeslandes enth\u00e4lt das GVG keine Regelungen, was in einem Bundesgesetz auch nicht m\u00f6glich w\u00e4re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>36<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die in der Vertretungsanordnung getroffene Organisationsregelung enth\u00e4lt auch keine Entscheidung, die so wesentlich w\u00e4re, dass sie vom Gesetzgeber h\u00e4tte getroffen werden m\u00fcssen. Sie ber\u00fchrt weder die Verwirklichung der Grundrechte noch anderer tragender Verfassungsprinzipien oder die Wahrnehmung der Staatsleitung. Dabei ist vor allem von Bedeutung, dass der FG-Pr\u00e4sident in Entsch\u00e4digungsklageverfahren lediglich Vertreter eines Verfahrensbeteiligten, nicht aber entscheidungsbefugt ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>37<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>3. Das finanzgerichtliche Verfahren ist unangemessen verz\u00f6gert worden. Diese &#8211;auf den konkreten Streitfall bezogene&#8211; W\u00fcrdigung ist m\u00f6glich, ohne dass der Senat bereits den vorliegenden Einzelfall zum Anlass nehmen m\u00fcsste, allgemeine Leitlinien f\u00fcr die vom Rechtsschutzsuchenden im Regelfall noch hinzunehmende Dauer eines finanzgerichtlichen Verfahrens zu entwickeln.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>38<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Nach \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a01 Satz\u00a02 GVG richtet sich die Angemessenheit der Verfahrensdauer nach den Umst\u00e4nden des Einzelfalles, insbesondere nach der Schwierigkeit und Bedeutung des Verfahrens und nach dem Verhalten der Verfahrensbeteiligten und Dritter.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>39<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Diese gesetzlichen Ma\u00dfst\u00e4be beruhen auf der st\u00e4ndigen Rechtsprechung des EGMR, wonach die Angemessenheit der Verfahrensdauer im Lichte der Umst\u00e4nde der Rechtssache sowie unter Ber\u00fccksichtigung der Komplexit\u00e4t des Falles, des Verhaltens des Entsch\u00e4digungskl\u00e4gers und der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden sowie der Bedeutung des Rechtsstreits f\u00fcr den Beschwerdef\u00fchrer zu beurteilen ist (Urteil vom 2.\u00a0September 2010\u00a0\u00a046344\/06 &#8211;Rumpf\/ Deutschland&#8211;, NJW 2010, 3355, Rz\u00a041, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>40<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Auch das BVerfG geht von vergleichbaren Kriterien aus. Danach l\u00e4sst sich nicht generell festlegen, ab wann von einer \u00fcberlangen, die Gew\u00e4hrung effektiven Rechtsschutzes unzumutbar beeintr\u00e4chtigenden und deshalb verfassungsrechtlich nicht mehr hinnehmbaren Verfahrensdauer auszugehen ist; dies ist vielmehr eine Frage der Abw\u00e4gung und Entscheidung im Einzelfall. Dabei sind vor allem die Bedeutung der Sache f\u00fcr die Parteien (Beteiligten), die Schwierigkeit der Sachmaterie, das den Parteien zuzurechnende Verhalten sowie vom Gericht nicht oder nur eingeschr\u00e4nkt beeinflussbare T\u00e4tigkeiten Dritter, etwa von Sachverst\u00e4ndigen, in Rechnung zu stellen. Mit zunehmender Verfahrensdauer verdichtet sich allerdings die Pflicht des Gerichts, sich nachhaltig um eine F\u00f6rderung, Beschleunigung und Beendigung des Verfahrens zu bem\u00fchen (BVerfG-Beschluss vom 27.\u00a0Juli 2004\u00a0\u00a01\u00a0BvR\u00a01196\/04, NJW 2004, 3320, unter II.2.a, m.w.N.). Vor diesem Hintergrund hat das BVerfG in seiner j\u00fcngeren Rechtsprechung entschieden, dass bei einem Instanzgericht jedenfalls ein Abwarten von 30\u00a0Monaten den verfassungsrechtlichen Anforderungen nicht mehr gen\u00fcgt (Beschluss vom 13.\u00a0August 2012\u00a0\u00a01\u00a0BvR\u00a01098\/11, Europ\u00e4ische Grundrechte Zeitschrift &#8211;EuGRZ&#8211; 2012, 666, unter B.I.2.). Vor dem BVerfG selbst kann mit R\u00fccksicht auf den abweichenden Wortlaut der ma\u00dfgeblichen Vorschriften (vgl. \u00a7\u00a097a des Gesetzes \u00fcber das Bundesverfassungsgericht &#8211;BVerfGG&#8211; einerseits und \u00a7\u00a0198 GVG andererseits) sowie die besonderen Aufgaben des BVerfG eine l\u00e4ngere Verfahrenslaufzeit hinzunehmen sein, insbesondere wenn ein Pilotverfahren ausgew\u00e4hlt wird und entsprechende Parallelverfahren vorerst zur\u00fcckgestellt werden (BVerfG-Beschluss vom 1.\u00a0Oktober 2012\u00a0\u00a01\u00a0BvR\u00a0170\/06 &#8211; Vz\u00a01\/12, juris).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>41<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Diese vom EGMR und dem BVerfG entwickelten Kriterien sind nach dem Willen des Gesetzgebers, der im Wortlaut und der Entstehungsgeschichte des Gesetzes &#8211;bei dem es sich um eine Reaktion auf die h\u00e4ufigen Verurteilungen der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) durch den EGMR handelt&#8211; zum Ausdruck kommt, auch der Pr\u00fcfung nach \u00a7\u00a0198 GVG zugrunde zu legen (BTDrucks 17\/3802, 18).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>42<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Da im Ausgangsverfahren der Wechsel der vorbereitenden Schrifts\u00e4tze zwischen den Beteiligten am 2.\u00a0Juni 2006 endete, war das erstmalig am 17.\u00a0Februar 2010 erkennbare T\u00e4tigwerden des FG (Aktenanforderung) erheblich zu sp\u00e4t. Geht man mit der j\u00fcngeren Rechtsprechung des BVerfG davon aus, dass &#8222;jedenfalls ein Abwarten von 30\u00a0Monaten&#8220; den verfassungsrechtlichen Anforderungen nicht gen\u00fcgt (Beschluss in EuGRZ 2012, 666, unter B.I.2.), das Gericht also im Regelfall nach etwa 24 bis 30\u00a0Monaten t\u00e4tig werden muss, h\u00e4tte das FG das Ausgangsverfahren im ersten Halbjahr 2008 zumindest in die Richtung einer Entscheidung vorantreiben m\u00fcssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>43<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>c) Der Staat kann sich zur Rechtfertigung einer \u00fcberlangen Verfahrensdauer nicht auf Umst\u00e4nde innerhalb seines Verantwortungsbereichs berufen (so zutreffend BTDrucks 17\/3802, 19, unter Verweis auf die st\u00e4ndige Rechtsprechung des BVerfG und EGMR). Deshalb ist die Zusammenlegung der Finanzgerichte Berlin und Brandenburg zum 1.\u00a0Januar 2007 bereits dem Grunde nach kein Umstand, der vom Kl\u00e4ger zu vertreten w\u00e4re und eine Verl\u00e4ngerung der noch als angemessen anzusehenden Verfahrensdauer rechtfertigen k\u00f6nnte. Danach kann der Senat offenlassen, ob der Beklagte sein Vorbringen, der Umzug des FG Berlin nach Cottbus habe zu einer zehnmonatigen Unterbrechung der Arbeitsf\u00e4higkeit des vormaligen FG Berlin und des sp\u00e4teren FG Berlin-Brandenburg gef\u00fchrt, hinreichend substantiiert hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>44<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>d) Dem Kl\u00e4ger ist allerdings im Rahmen der Pr\u00fcfung der Gr\u00fcnde f\u00fcr die eingetretene Verz\u00f6gerung der Umstand zuzurechnen, dass er es unterlassen hat, auf die Anfrage des FG vom 1.\u00a0M\u00e4rz 2010 zu reagieren. Nicht beizupflichten ist jedoch dem Beklagten darin, dass die unterbliebene Reaktion des Kl\u00e4gers das FG f\u00fcr das gesamte Jahr 2010 von der Pflicht zur weiteren F\u00f6rderung des Verfahrens befreit hat. Das Schweigen des Kl\u00e4gers auf die Anfrage h\u00e4tte f\u00fcr das Gericht angesichts der bereits in diesem Zeitpunkt eingetretenen Verz\u00f6gerung des Verfahrens vielmehr entweder Anlass sein m\u00fcssen, den Kl\u00e4ger an die ausstehende Antwort zu erinnern, oder dem FG die M\u00f6glichkeit er\u00f6ffnet, ohne Ber\u00fccksichtigung der betroffenen Akten &#8211;und ggf. unter Anwendung eines reduzierten Beweisma\u00dfes zu Lasten des insoweit nicht an der Sachaufkl\u00e4rung mitwirkenden Kl\u00e4gers (vgl. hierzu Senatsurteil vom 23.\u00a0M\u00e4rz 2011 X\u00a0R\u00a044\/09, BFHE 233, 297, BStBl II 2011, 884, unter II.2.)&#8211; zu entscheiden. Denn mit zunehmender Verfahrensdauer verdichtet sich &#8211;wie oben dargelegt&#8211; die Pflicht des Gerichts, sich nachhaltig um eine Beschleunigung des Verfahrens zu bem\u00fchen. Gleichwohl ist das FG erst wieder am 18.\u00a0Januar 2012 t\u00e4tig geworden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>45<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>e) Danach bewegt sich die dem Beklagten zuzurechnende Verz\u00f6gerung des Verfahrens jedenfalls in der N\u00e4he des vom Kl\u00e4ger seiner Entsch\u00e4digungsforderung zugrunde gelegten Zeitraums von vier Jahren, ohne dass der Senat &#8211;der sich auf den Ausspruch einer Feststellung der Unangemessenheit der Verfahrensdauer beschr\u00e4nkt (siehe unten 6.)&#8211; im Streitfall n\u00e4here Festlegungen treffen m\u00fcsste.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>46<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>4. Ein auf \u00a7\u00a0198 GVG gest\u00fctzter Feststellungs- oder Entsch\u00e4digungsanspruch des Kl\u00e4gers ist nicht schon deshalb ausgeschlossen, weil das FG das Ausgangsverfahren kurzfristig nach Erhebung der Verz\u00f6gerungsr\u00fcge vom 14.\u00a0Februar 2012 zu Ende gef\u00fchrt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>47<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die gegenteilige vom Beklagten vertretene Rechtsauffassung kann jedenfalls in F\u00e4llen, die &#8211;wie vorliegend&#8211; eine Verz\u00f6gerung betreffen, die bereits vor Inkrafttreten des \u00dcberlVfRSchG eingetreten ist, nicht zutreffend sein. Denn schon vor Inkrafttreten des genannten Gesetzes war die Bundesrepublik Deutschland aufgrund Art.\u00a06 Abs.\u00a01 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) verpflichtet, Rechtsschutz in angemessener Zeit zu gew\u00e4hren. Ferner musste die Bundesrepublik Deutschland gew\u00e4hrleisten, dass f\u00fcr F\u00e4lle der Verletzung des genannten Anspruchs eine\u00a0\u00a0wirksame Beschwerdem\u00f6glichkeit zur Verf\u00fcgung stand (Art.\u00a013 EMRK). W\u00fcrde nun eine vor Inkrafttreten des \u00dcberlVfRSchG eingetretene Verz\u00f6gerung dadurch r\u00fcckwirkend &#8222;geheilt&#8220;, dass das Gericht das Verfahren kurzfristig nach einer &#8211;erstmals ab dem Inkrafttreten des Gesetzes \u00fcberhaupt m\u00f6glichen&#8211; Verz\u00f6gerungsr\u00fcge beendet, st\u00fcnde dem Betroffenen hinsichtlich der eingetretenen Verz\u00f6gerung weder ein wirksamer Rechtsbehelf noch ein Entsch\u00e4digungsanspruch zu. Dies w\u00e4re mit den aus der EMRK folgenden und vom EGMR mehrfach festgestellten Pflichten Deutschlands unvereinbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>48<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im \u00dcbrigen hat der EGMR im Urteil vom 29.\u00a0M\u00e4rz 2006\u00a0\u00a036813\/97 &#8211;Scordino\/Italien&#8211; (NJW 2007, 1259, Rz\u00a0185) ausgef\u00fchrt: &#8222;Es versteht sich, dass in L\u00e4ndern, in denen eine Konventionsverletzung wegen der Dauer des Verfahrens schon eingetreten ist, ein nur auf Beschleunigung gerichteter Rechtsbehelf, so w\u00fcnschenswert er f\u00fcr die Zukunft ist, zur Wiedergutmachung nicht ausreicht, wenn das Verfahren offensichtlich schon \u00fcberm\u00e4\u00dfig lang gedauert hat.&#8220; In diesem Sinne ist die vom deutschen Gesetzgeber nunmehr geschaffene Verz\u00f6gerungsr\u00fcge ein &#8222;nur auf Beschleunigung gerichteter Rechtsbehelf&#8220;, der allein aber zur Wiedergutmachung einer in der Vergangenheit liegenden Verz\u00f6gerung nicht ausreichen kann, wenn der neue Rechtsbehelf in der Vergangenheit noch gar nicht zur Verf\u00fcgung stand.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>49<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>In seinen Entscheidungen, die nach Inkrafttreten des \u00dcberlVfRSchG ergangen sind, verweist der EGMR die Beschwerdef\u00fchrer auch in solchen Verfahren, die bei ihm bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes anh\u00e4ngig waren, auf den nationalen Rechtsbehelf der Entsch\u00e4digungsklage. Er f\u00fchrt aber zugleich aus, dass er diese Position in Zukunft \u00fcberpr\u00fcfen werde, was insbesondere von der F\u00e4higkeit der innerstaatlichen Gerichte abh\u00e4ngig sei, im Hinblick auf das \u00dcberlVfRSchG eine konsistente und den Erfordernissen der EMRK entsprechende Rechtsprechung zu etablieren (so ausdr\u00fccklich Entscheidung des EGMR vom 29.\u00a0Mai 2012\u00a0\u00a053126\/07 &#8211;Taron\/Deutschland&#8211;, EuGRZ 2012, 514, Rz\u00a045). Vor diesem Hintergrund hat der Senat bei der Auslegung der durch das \u00dcberlVfRSchG in das deutsche Recht aufgenommenen Normen auch die Erfordernisse eines effektiven Menschenrechtsschutzes zu ber\u00fccksichtigen. Mit diesem w\u00e4re es unvereinbar, wenn eine bereits eingetretene Verz\u00f6gerung durch nachtr\u00e4gliches staatliches Handeln ohne Zuerkennung einer Wiedergutmachung ungeschehen gemacht werden k\u00f6nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>50<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>5. Ein Anspruch des Kl\u00e4gers scheitert auch nicht daran, dass die Erhebung der Entsch\u00e4digungsklage als rechtsmissbr\u00e4uchlich anzusehen w\u00e4re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>51<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Beklagte meint insoweit, der Kl\u00e4ger habe die Verz\u00f6gerungsr\u00fcge angesichts des drohenden Prozessverlusts im Ausgangsverfahren als Druckmittel einsetzen wollen, um eine ihm g\u00fcnstige Kostenentscheidung zu erreichen. Da dies nicht gelungen sei, sei die sp\u00e4tere Erhebung der Entsch\u00e4digungsklage als &#8222;Trotzreaktion&#8220; anzusehen, die rechtlich unbeachtlich sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>52<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Dem ist nicht beizupflichten. Nach allgemeinen Grunds\u00e4tzen sind Prozesshandlungen im Interesse der erforderlichen Rechtsklarheit bedingungsfeindlich (vgl. BFH-Urteil vom 6.\u00a0Juli 2005 XI\u00a0R\u00a015\/04, BFHE 210, 4, BStBl II 2005, 644, unter II.2.). Grund hierf\u00fcr ist das im gerichtlichen Verfahren in besonderer Weise bestehende Bed\u00fcrfnis nach Rechtssicherheit und -klarheit. Daraus folgt aber zugleich, dass auch eine Motivforschung in Bezug auf Prozesshandlungen &#8211;insbesondere hinsichtlich der Gr\u00fcnde f\u00fcr die Erhebung einer Klage&#8211; ausscheidet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>53<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>6. Nach den besonderen Umst\u00e4nden des vorliegenden Falles ist die Feststellung einer unangemessenen Verfahrensdauer ausreichend f\u00fcr die erforderliche Wiedergutmachung; ein Entsch\u00e4digungsanspruch in Geld steht dem Kl\u00e4ger nicht zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>54<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a02 Satz\u00a01 GVG wird ein Nachteil, der nicht Verm\u00f6gensnachteil ist, vermutet, wenn ein Gerichtsverfahren unangemessen lange gedauert hat. Dies beruht auf der Rechtsprechung des EGMR, der &#8222;eine starke, aber widerlegbare Vermutung&#8220; daf\u00fcr annimmt, dass die \u00fcberlange Verfahrensdauer einen Nichtverm\u00f6gensschaden verursacht hat (Urteil in NJW 2007, 1259, Rz\u00a0204).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>55<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Vorliegend ist diese gesetzliche Vermutung weder durch das Vorbringen des Beklagten noch durch den sonstigen Akteninhalt widerlegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>56<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Ist die Vermutungsregel &#8211;wie hier&#8211; nicht widerlegt, ordnet \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a02 Satz\u00a02 GVG hinsichtlich der Rechtsfolgen bei Erleiden eines solchen Nichtverm\u00f6gensnachteils an, dass eine Geldentsch\u00e4digung &#8222;nur beansprucht werden [kann], soweit nicht nach den Umst\u00e4nden des Einzelfalles Wiedergutmachung auf andere Weise gem\u00e4\u00df Absatz\u00a04 ausreichend ist&#8220;. Die Feststellung der Unangemessenheit der Verfahrensdauer durch das Entsch\u00e4digungsgericht ist im Gesetz ausdr\u00fccklich als eine der M\u00f6glichkeiten bezeichnet, Wiedergutmachung auf andere Weise als durch Zuerkennung eines Geldanspruchs zu leisten (\u00a7\u00a0198 Abs.\u00a04 Satz\u00a01 GVG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>57<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>F\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zwischen den Rechtsfolgen &#8222;Geldentsch\u00e4digung&#8220; einerseits und &#8222;Feststellungsausspruch&#8220; andererseits gilt danach weder ein Vorrang der Geldentsch\u00e4digung noch eine anderweitige Vermutungsregel. Damit ist jedenfalls nach dem Gesetzeswortlaut vor der Zuerkennung einer Geldentsch\u00e4digung jeweils konkret zu pr\u00fcfen, ob Wiedergutmachung durch einen blo\u00dfen Feststellungsausspruch m\u00f6glich ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>58<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Soweit demgegen\u00fcber in der Literatur vereinzelt die Auffassung vertreten wird, ein Feststellungsausspruch m\u00fcsse sich auf diejenigen Ausnahmef\u00e4lle beschr\u00e4nken, in denen sich der Entsch\u00e4digungskl\u00e4ger im Ausgangsverfahren rechtsmissbr\u00e4uchlich verhalten habe (so B\u00f6cker, Deutsches Steuerrecht 2011, 2173, 2177), vermag der Senat dem nicht zu folgen. Das von dieser Auffassung als Beleg angef\u00fchrte EGMR-Urteil vom 10.\u00a0Dezember 1982\u00a0\u00a08304\/78 &#8211;Corigliano\/Italien&#8211; (EGMR-E 2, 199, Rz\u00a053) enth\u00e4lt zwar einen blo\u00dfen Feststellungsausspruch. Allerdings l\u00e4sst sich der genannten Entscheidung nicht entnehmen, dass dieser Ausspruch auf einem rechtsmissbr\u00e4uchlichen Verhalten des dortigen Beschwerdef\u00fchrers beruht. Vielmehr f\u00fchrt der EGMR aus, bereits durch die Feststellung der Verletzung des Art.\u00a06 Abs.\u00a01 EMRK sei eine hinreichende Entsch\u00e4digung f\u00fcr den immateriellen Schaden bewirkt worden. Das dar\u00fcber hinaus angef\u00fchrte EGMR-Urteil vom 13.\u00a0November 2008\u00a0\u00a026073\/03 &#8211;M.O.\/ Deutschland&#8211; (juris) ist als Beleg f\u00fcr die Gegenauffassung schon deshalb ungeeignet, weil dem dortigen Beschwerdef\u00fchrer &#8211;eine Person, die einer breiten \u00d6ffentlichkeit bekannt war&#8211; durch die \u00fcberlange Dauer eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens und dessen \u00d6ffentlichkeitswirkung unstreitig ein erheblicher immaterieller Schaden entstanden war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>59<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>c) Nach den Gesetzesmaterialien (BTDrucks 17\/3802, 20) soll ein derartiger Feststellungsausspruch beispielsweise in Verfahren ausreichen, die f\u00fcr &#8222;einen Verfahrensbeteiligten&#8220; (gemeint kann indes nur der Entsch\u00e4digungskl\u00e4ger sein, nicht aber dessen Gegner im Ausgangsverfahren) keine besondere Bedeutung hatten, in denen ein Verfahrensbeteiligter durch sein Verhalten erheblich zur Verz\u00f6gerung beigetragen hat oder der Beklagte darlegt, dass der Entsch\u00e4digungskl\u00e4ger &#8211;abgesehen von der \u00dcberl\u00e4nge des Verfahrens als solcher&#8211; keinen weitergehenden immateriellen Schaden erlitten hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>60<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>d) Auch in Bezug auf diese Rechtsfrage bietet der Streitfall keine Veranlassung, allgemeine Grunds\u00e4tze zur Auslegung des \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a04 GVG aufzustellen oder sich abschlie\u00dfend zu den in den Gesetzesmaterialien angestellten Erw\u00e4gungen zu \u00e4u\u00dfern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>61<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die angef\u00fchrten Erw\u00e4gungen des Gesetzgebers k\u00f6nnten allerdings insoweit auf Bedenken sto\u00dfen, als eine dem Entsch\u00e4digungskl\u00e4ger zuzurechnende Verz\u00f6gerung bereits bei der Pr\u00fcfung zu ber\u00fccksichtigen ist, ob \u00fcberhaupt der Tatbestand einer unangemessenen Verfahrensdauer erf\u00fcllt ist, und dann nicht nochmals bei der Entscheidung \u00fcber die Rechtsfolgen einer als unangemessen zu beurteilenden Verfahrensdauer ber\u00fccksichtigt werden darf. Auch k\u00f6nnte das Verlangen nach einem Nichtverm\u00f6gensschaden, der \u00fcber das Erdulden der \u00dcberl\u00e4nge als solcher hinausgeht, in einem Spannungsverh\u00e4ltnis zu der Forderung des EGMR nach einem effektiven Rechtsschutz gegen Verfahrensverz\u00f6gerungen stehen. Im Streitfall kommt hinzu, dass dem finanzgerichtlichen Verfahren &#8211;jedenfalls abstrakt&#8211; auch eine &#8222;besondere Bedeutung&#8220; f\u00fcr den Kl\u00e4ger nicht abzusprechen war, da Gegenstand seiner Klage immerhin ein streitiger Steuerbetrag im Umfang von ca. einem Drittel der insgesamt f\u00fcr den Veranlagungszeitraum 2002 gegen den Kl\u00e4ger festgesetzten Einkommensteuer war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>62<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>e) Im Streitfall ist die Beschr\u00e4nkung auf einen blo\u00dfen Feststellungsausspruch aber deshalb gerechtfertigt, weil die Klage unschl\u00fcssig, d.h. bereits auf der Grundlage des eigenen Tatsachenvortrags des Kl\u00e4gers erkennbar unbegr\u00fcndet war. Denn der Kl\u00e4ger hat schon in der &#8211;kurz nach Klageerhebung eingereichten&#8211; Klagebegr\u00fcndung vom 24.\u00a0M\u00e4rz 2006 einger\u00e4umt, dass im Nachlass gen\u00fcgend Masse vorhanden war, um die Steuernachzahlung begleichen zu k\u00f6nnen. Damit h\u00e4tte die vom Kl\u00e4ger begehrte Beschr\u00e4nkung seiner Erbenhaftung auf den Nachlass aber von vornherein nicht zu einer Reduzierung seiner Pflicht zur Zahlung der festgesetzten Einkommensteuer f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>63<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aa) Soweit der Kl\u00e4ger erstmals im Entsch\u00e4digungsklageverfahren &#8211;ohne Substantiierung durch Vorlage von Unterlagen&#8211; behauptet, ab dem Jahr 2001 seien weitere Forderungen gegen den Nachlass geltend gemacht worden, was im Jahr 2004 zum Antrag auf Er\u00f6ffnung eines Nachlassinsolvenzverfahrens gef\u00fchrt habe, ist dies f\u00fcr die Beurteilung durch den Senat ohne Bedeutung. Denn ob eine Klage sich als unschl\u00fcssig darstellt, ist aus der &#8211;verobjektivierten&#8211; Sicht des zur Entscheidung \u00fcber diese Klage berufenen Spruchk\u00f6rpers zu beurteilen. Im \u00dcbrigen vermag der Senat dieses neue Vorbringen nicht nachzuvollziehen, da es zu den fr\u00fcheren Tatsachenbehauptungen des Kl\u00e4gers in Widerspruch steht. So hat er nicht nur in der Klagebegr\u00fcndung vom 24.\u00a0M\u00e4rz 2006 &#8211;lange nach der angeblichen Erhebung weiterer Forderungen und dem behaupteten Antrag auf Er\u00f6ffnung eines Nachlassinsolvenzverfahrens&#8211;, sondern nochmals im Schreiben vom 2.\u00a0Februar 2012 erkl\u00e4rt, letztlich habe sich herausgestellt, dass der Nachlass ergiebig gewesen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>64<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>In einem solchen Fall, in dem sich allein aus der kurz nach Klageerhebung eingereichten Klagebegr\u00fcndung ohne weitere Ermittlungshandlungen des Gerichts die Unschl\u00fcssigkeit des Klagevorbringens ergibt, hat das verz\u00f6gerte Verfahren &#8211;jedenfalls bei konkreter Betrachtung&#8211; f\u00fcr den Entsch\u00e4digungskl\u00e4ger objektiv keine besondere Bedeutung. Denn dann ist f\u00fcr jeden Rechtskundigen von Anfang an klar, dass die Klage keine Aussicht auf Erfolg haben kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>65<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Selbst wenn sich &#8211;was der Senat vorliegend nicht zu entscheiden braucht&#8211; aus einer EMRK-konformen Auslegung des \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a02 Satz\u00a02 GVG ein gewisser Vorrang der Geldentsch\u00e4digung ergeben k\u00f6nnte, zeigt die Rechtsprechung des EGMR, dass auch dieser in vielen F\u00e4llen lediglich einen Feststellungsausspruch als Wiedergutmachung ausreichen l\u00e4sst (vgl. die umfassende Zusammenstellung dieser Rechtsprechung bei Steinbei\u00df-Winkelmann\/ Ott, Rechtsschutz bei \u00fcberlangen Gerichtsverfahren, Kommentar, Anhang\u00a02). Es sind aber kaum Fallgruppen denkbar, in denen die Betroffenheit des Kl\u00e4gers durch eine \u00fcberlange Verfahrensdauer geringer ist als bei einer nach dem eigenen Klagevorbringen bereits unschl\u00fcssigen Klage. Die Betroffenheit durch die Verz\u00f6gerung beschr\u00e4nkt sich in diesen F\u00e4llen auf den Umstand, dass der Abschluss des finanzgerichtlichen Verfahrens lange auf sich hat warten lassen. Angesichts der von Beginn an feststehenden Unschl\u00fcssigkeit der Klage sind mit der Verz\u00f6gerung aber keine weiteren Risiken oder Nachteile f\u00fcr die prozessuale oder sonstige Situation des Kl\u00e4gers verbunden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>66<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bb) Betrachtet man die Rechtsprechung des EGMR bis zum Inkrafttreten des \u00dcberlVfRSchG, ist zwar festzustellen, dass der EGMR Deutschland in F\u00e4llen \u00fcberlanger Verfahrensdauer zunehmend zur Zahlung von Geldentsch\u00e4digungen verurteilt und sich nicht auf die &#8211;gem\u00e4\u00df Art.\u00a041 EMRK ebenfalls m\u00f6gliche&#8211; blo\u00dfe Feststellung einer Verletzung der EMRK beschr\u00e4nkt hat. Bei genauer Betrachtung liegt dies aber daran, dass der EGMR im Zeitablauf zu der Erkenntnis gelangt ist, dass in Deutschland seinerzeit ein strukturelles Problem vorhanden gewesen sei. Deutschland wurde daher in den j\u00fcngeren Entscheidungen nicht allein wegen einer Verletzung des Art.\u00a06 EMRK (Recht auf ein faires Verfahren innerhalb angemessener Frist) verurteilt, sondern vor allem auch wegen einer Verletzung des in Art.\u00a013 EMRK garantierten Rechts auf eine wirksame Beschwerde gegen Verletzungen der EMRK bei einer innerstaatlichen Instanz (vgl. EGMR-Urteil vom 8.\u00a0Juni 2006\u00a0\u00a075529\/01 &#8211;S\u00fcrmeli\/ Deutschland&#8211;, NJW 2006, 2389). Eine solche Beschwerdem\u00f6glichkeit in F\u00e4llen \u00fcberlanger Gerichtsverfahren (Unt\u00e4tigkeitsbeschwerde, Verz\u00f6gerungsr\u00fcge) fehlte in Deutschland bis zum Inkrafttreten des \u00dcberlVfRSchG; dieses strukturelle Problem der deutschen Gesetzgebung &#8211;und nicht nur die tats\u00e4chliche Verz\u00f6gerung eines gerichtlichen Verfahrens im Einzelfall&#8211; hat der EGMR mit der Zuerkennung von Geldentsch\u00e4digungen sanktionieren wollen (vgl. EGMR-Urteil in NJW 2006, 2389, Rz\u00a0136\u00a0ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>67<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit dem Inkrafttreten des \u00dcberlVfRSchG ist das strukturelle Problem beseitigt worden. Im Vordergrund steht nunmehr wieder die Einzelfallbetrachtung der Umst\u00e4nde des konkreten Verfahrens. Damit w\u00fcrde &#8211;h\u00e4tte der EGMR \u00fcber einen derartigen Fall zu entscheiden&#8211; wieder die Grundregel des Art.\u00a041 EMRK zur Anwendung kommen, wonach der EGMR nur dann \u00fcber die blo\u00dfe Feststellung einer Konventionsverletzung hinaus eine &#8222;gerechte Entsch\u00e4digung&#8220; (Geldentsch\u00e4digung f\u00fcr Nichtverm\u00f6genssch\u00e4den) zuspricht, wenn das innerstaatliche Recht &#8222;nur eine unvollkommene Wiedergutmachung f\u00fcr die Folgen dieser Verletzung&#8220; gestattet. Die Hauptsacheentscheidung des EGMR liegt in der Feststellung einer Konventionsverletzung; die dar\u00fcber hinausgehende Zuerkennung einer Geldentsch\u00e4digung ist nur eine unselbst\u00e4ndige Nebenentscheidung (so D\u00f6rr, in: Grote\/Marauhn, EMRK\/GG, Konkordanzkommentar zum europ\u00e4ischen und deutschen Grundrechtsschutz, 2006, Kap.\u00a033 Rz\u00a010). Der EGMR spricht nur dann eine Geldentsch\u00e4digung zu, wenn der Betroffene aufgrund der Rechtsverletzung nachweislich einen &#8222;sp\u00fcrbaren Nachteil&#8220; erlitten hat (D\u00f6rr, in: Grote\/Marauhn, a.a.O., Kap.\u00a033 Rz\u00a018).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>68<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>7. Der Senat kann offenlassen, ob der Kl\u00e4ger seine am 14.\u00a0Februar 2012 beim FG eingegangene Verz\u00f6gerungsr\u00fcge &#8222;unverz\u00fcglich nach Inkrafttreten&#8220; des \u00dcberlVfRSchG erhoben hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>69<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Gem\u00e4\u00df der \u00dcbergangsregelung des Art.\u00a023 Satz\u00a01 \u00dcberlVfRSchG ist das genannte Gesetz auch auf Verfahren anwendbar, die bei seinem Inkrafttreten (3.\u00a0Dezember 2011) bereits anh\u00e4ngig waren. War ein solches anh\u00e4ngiges Verfahren beim Inkrafttreten des Gesetzes schon verz\u00f6gert, gilt die in \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a03 GVG vorgesehene Obliegenheit zur Erhebung einer Verz\u00f6gerungsr\u00fcge mit der Ma\u00dfgabe, dass diese &#8222;unverz\u00fcglich nach Inkrafttreten erhoben werden muss&#8220; (Art.\u00a023 Satz\u00a02 \u00dcberlVfRSchG). In diesem Fall wahrt die Verz\u00f6gerungsr\u00fcge einen Anspruch nach \u00a7\u00a0198 GVG auch f\u00fcr den vorausgehenden Zeitraum (Art.\u00a023 Satz\u00a03 \u00dcberlVfRSchG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>70<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Beklagte meint &#8211;unter Verweis auf die Rechtsprechung der Zivilgerichte zu \u00a7\u00a0121 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 BGB, die wiederum die f\u00fcr au\u00dferordentliche fristlose K\u00fcndigungen geltende zweiw\u00f6chige gesetzliche Ausschlussfrist des \u00a7\u00a0626 Abs.\u00a02 Satz\u00a01 BGB heranzieht (Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 14.\u00a0Dezember 1979\u00a0\u00a07\u00a0AZR\u00a038\/78, BAGE 32, 237, unter IV.2.)&#8211;, Verz\u00f6gerungsr\u00fcgen in \u00dcbergangsf\u00e4llen h\u00e4tten innerhalb von zwei Wochen nach dem Inkrafttreten des \u00dcberlVfRSchG, also bis zum 17.\u00a0Dezember 2011, erhoben werden m\u00fcssen, um einen Anspruch auch f\u00fcr die Vergangenheit zu wahren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>71<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Der Senat kann offenlassen, ob eine solche Auslegung unter Ber\u00fccksichtigung anderweitiger gesetzlicher Wertungen sachgerecht und mit der Rechtsprechung des EGMR vereinbar w\u00e4re. So steht z.B. f\u00fcr die Erhebung einer Verfassungsbeschwerde gegen ein Gesetz eine einj\u00e4hrige Frist zur Verf\u00fcgung (\u00a7\u00a093 Abs.\u00a03 BVerfGG). Zudem gilt f\u00fcr die Beschwerden zum EGMR eine sechsmonatige Frist (Art.\u00a035 Abs.\u00a01 EMRK). Auch geht es darum, mittels der Auslegung des \u00dcberlVRSchG eine den Erfordernissen der EMRK entsprechende Rechtsprechung zu etablieren (vgl. EGMR-Entscheidung in EuGRZ 2012, 514, Rz\u00a045).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>72<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Indes bedarf es im Streitfall, in dem lediglich die Feststellung einer Verfahrensverz\u00f6gerung auszusprechen ist, der vorherigen (unverz\u00fcglichen) Erhebung einer R\u00fcge durch den Kl\u00e4ger nicht. Denn die Feststellung einer unangemessenen Verfahrensdauer kann &#8211;im Gegensatz zur Zuerkennung einer Geldentsch\u00e4digung&#8211; nach der ausdr\u00fccklichen Regelung des \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a04 Satz\u00a03 GVG auch dann ausgesprochen werden, &#8222;wenn eine oder mehrere Voraussetzungen des Abs.\u00a03 nicht erf\u00fcllt sind&#8220;. Die Obliegenheit zur Erhebung einer Verz\u00f6gerungsr\u00fcge ist aber &#8211;neben anderen&#8211; in \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a03 GVG genannt. Diese Obliegenheit entf\u00e4llt, wenn das Entsch\u00e4digungsgericht sich auf einen blo\u00dfen Feststellungsausspruch beschr\u00e4nkt, nicht nur im gesetzlichen Regelfall des \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a03 GVG, sondern auch in F\u00e4llen der &#8211;vorliegend einschl\u00e4gigen&#8211; \u00dcbergangsregelung des Art.\u00a023 Satz\u00a02 \u00dcberlVfRSchG. Denn nach dieser Vorschrift &#8222;gilt \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a03 GVG mit der Ma\u00dfgabe, dass die Verz\u00f6gerungsr\u00fcge unverz\u00fcglich nach Inkrafttreten erhoben werden muss&#8220;. Von dem Verweis der genannten \u00dcbergangsregelung auf \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a03 GVG ist daher auch die in \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a04 Satz\u00a03 GVG angeordnete Ausnahme vom Erfordernis des \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a03 GVG umfasst.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>73<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Da der Senat vorliegend einen Feststellungsausspruch als Wiedergutmachung f\u00fcr ausreichend h\u00e4lt, war die Erhebung einer Verz\u00f6gerungsr\u00fcge nicht erforderlich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>74<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>8. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7\u00a0201 Abs.\u00a04 GVG. Danach entscheidet das Gericht \u00fcber die Kosten nach billigem Ermessen, wenn &#8211;wie hier&#8211; zwar kein Entsch\u00e4digungsanspruch besteht, aber eine unangemessene Verfahrensdauer festgestellt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>75<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Diese Regelung soll auch dann eine &#8222;angemessene Kostenentscheidung&#8220; erm\u00f6glichen, wenn ein Kl\u00e4ger seine R\u00fcgeobliegenheit nicht erf\u00fcllt hat, gleichwohl aber eine \u00fcberlange Verfahrensdauer festgestellt wird (BTDrucks 17\/3802, 26). In einem solchen Fall soll sogar eine vollst\u00e4ndige Freistellung des Kl\u00e4gers von den Kosten des Entsch\u00e4digungsrechtsstreits m\u00f6glich sein (BTDrucks 17\/3802, 19, zu \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a02 Satz\u00a02 GVG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>76<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>In einem Fall wie dem vorliegenden, in dem (1.) tats\u00e4chlich eine erhebliche Verfahrensverz\u00f6gerung gegeben ist, (2.) deren Gr\u00f6\u00dfenordnung weitgehend mit derjenigen Zeitspanne deckungsgleich ist, die der Kl\u00e4ger seiner monet\u00e4ren Entsch\u00e4digungsforderung zugrunde gelegt hat, und (3.) der Kl\u00e4ger die H\u00f6he seiner Entsch\u00e4digungsforderung auf den gesetzlichen Regelbetrag des \u00a7\u00a0198 Abs.\u00a02 Satz\u00a03 GVG beschr\u00e4nkt hat, entspricht es billigem Ermessen, dem Beklagten auch dann den weitaus \u00fcberwiegenden Teil der Verfahrenskosten aufzuerlegen, wenn das Gericht letztlich keinen Entsch\u00e4digungsanspruch gew\u00e4hrt, sondern lediglich die Unangemessenheit der Verfahrensdauer feststellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>77<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Auch der EGMR hat in seinem Urteil in NJW 2007, 1259 (Rz\u00a0201) ausgef\u00fchrt, die Vorschriften \u00fcber die Kosten in Entsch\u00e4digungsklageverfahren k\u00f6nnten vom allgemeinen Kostenrecht abweichen, um zu vermeiden, dass Parteien in F\u00e4llen, in denen die Klage begr\u00fcndet ist, eine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Last tragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>78<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Zu keinem anderen Ergebnis f\u00fchrt die Erw\u00e4gung des Beklagten, das konkrete Prozessverhalten des Kl\u00e4gers im Entsch\u00e4digungsklageverfahren zeige, dass es diesem wirtschaftlich auf die Erlangung einer Geldentsch\u00e4digung ankomme und der Feststellungsausspruch f\u00fcr ihn nur von untergeordneter Bedeutung sei, was sich auch in der Kostenentscheidung widerspiegeln m\u00fcsse. Denn nach der menschenrechtlichen Konzeption der \u00a7\u00a7\u00a0198\u00a0ff. GVG dient sowohl der Feststellungsausspruch als auch die Zuerkennung einer Geldentsch\u00e4digung f\u00fcr immaterielle Sch\u00e4den &#8211;auf die der Kl\u00e4ger seinen Antrag beschr\u00e4nkt hat&#8211; der Genugtuung f\u00fcr die erlittenen immateriellen Nachteile eines unangemessen verz\u00f6gerten Gerichtsverfahrens. Vor diesem Hintergrund ist &#8211;auch&#8211; f\u00fcr die Kostenentscheidung der Umstand, dass das Entsch\u00e4digungsgericht eine Verfahrensverz\u00f6gerung in der vom Kl\u00e4ger geltend gemachten Gr\u00f6\u00dfenordnung bejaht, von gr\u00f6\u00dferem Gewicht als die Wahl zwischen den verschiedenen Rechtsfolgenausspr\u00fcchen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>79<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>In Anwendung dieser Grunds\u00e4tze legt der Senat diesen &#8222;weitaus \u00fcberwiegenden&#8220;, in derartigen F\u00e4llen vom Beklagten zu tragenden Teil der Verfahrenskosten typisierend auf 75\u00a0% fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 17.4.2013, X K 3\/12 Entsch\u00e4digungsklage: Unangemessene Dauer eines finanzgerichtlichen Verfahrens &#8211; Beschr\u00e4nkung des Rechtsfolgenausspruchs auf die Feststellung der Verz\u00f6gerung &#8211; Verh\u00e4ltnis zur Amtshaftungsklage &#8211; Beklagter im Entsch\u00e4digungsklageverfahren &#8211; Kostenentscheidung &#8211; Keine Motivforschung in Bezug auf Prozesshandlungen Leits\u00e4tze 1. Wird ein FG in einem einfach gelagerten Klageverfahren zwischen dem Eingang des letzten Schriftsatzes &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/entschadigungsklage-unangemessene-dauer-eines-finanzgerichtlichen-verfahrens\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Entsch\u00e4digungsklage: Unangemessene Dauer eines finanzgerichtlichen Verfahrens<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[63],"tags":[2993],"class_list":["post-29129","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelle-informationen-zum-steuerrecht-online","tag-finanzgerichtlichen-verfahren"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29129","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29129"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29129\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29129"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29129"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29129"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}