{"id":31278,"date":"2013-06-07T16:22:46","date_gmt":"2013-06-07T14:22:46","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=31278"},"modified":"2020-09-15T11:17:20","modified_gmt":"2020-09-15T09:17:20","slug":"kein-verfassungsrechtlich-gebotener-rucktrag-eines-2000-erzielten-verlusts-in-den-veranlagungszeitraum-1998","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kein-verfassungsrechtlich-gebotener-rucktrag-eines-2000-erzielten-verlusts-in-den-veranlagungszeitraum-1998\/","title":{"rendered":"Kein verfassungsrechtlich gebotener R\u00fccktrag eines 2000 erzielten Verlusts in den Veranlagungszeitraum 1998"},"content":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.4.2013, IX R 20\/12<\/p>\n<p>Kein verfassungsrechtlich gebotener R\u00fccktrag eines 2000 erzielten Verlusts in den Veranlagungszeitraum 1998<\/p>\n<p>Leits\u00e4tze<\/p>\n<div>\n<p>\u00a7 10d Abs. 1 EStG i.d.F. des StEntlG 1999\/2000\/2002 wirkt nicht in verfassungsrechtlich erheblicher Weise zur\u00fcck, wenn danach Verluste aus dem Jahr 2000 lediglich in das Jahr 1999 zur\u00fcckgetragen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div>\n<p>Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Die Beteiligten streiten dar\u00fcber, ob der Wegfall des zweij\u00e4hrigen Verlustr\u00fccktrags gegen den verfassungsrechtlichen Vertrauensschutz verst\u00f6\u00dft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) erzielte im Streitjahr (1998) als Rechtsanwalt Eink\u00fcnfte aus freiberuflicher T\u00e4tigkeit. Er erwarb in diesem Jahr und im Jahr 1999 zwei Vermietungsobjekte, \u00fcbernahm die Sanierungsverpflichtung und finanzierte diese Projekte mit Fremd- und Eigenmitteln. Daraus erkl\u00e4rte er in den Jahren 1998 bis 2000 erhebliche Werbungskosten\u00fcbersch\u00fcsse bei den Eink\u00fcnften aus Vermietung und Verpachtung, die der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) im Wesentlichen anerkannte. Im Anschluss an eine Au\u00dfenpr\u00fcfung setzte das FA die Einkommensteuer f\u00fcr das Streitjahr im (ge\u00e4nderten) Einkommensteuerbescheid vom 4.\u00a0August 2003 auf 198.711\u00a0DM fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Im Jahr 2000 setzte das FA im (ge\u00e4nderten) Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2000 vom 4.\u00a0August 2003 die Einkommensteuer auf 0\u00a0DM fest und stellte den verbleibenden Verlustvortrag auf den 31.\u00a0Dezember 2000 fest. Die u.a. hiergegen (Einspruch ferner gegen die Steuerfestsetzung 1999) gerichteten Einspr\u00fcche, mit denen der Kl\u00e4ger neben weiteren nicht mehr bedeutsamen Begehren den Verlustr\u00fccktrag von 2000 in das Streitjahr beantragte, blieben erfolglos. Einspruchsentscheidungen ergingen am 29.\u00a0September 2003.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die hiergegen gerichtete Klage hatte zum Teil Erfolg. Das Finanzgericht (FG) zog in seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2012, 1251 ver\u00f6ffentlichten Urteil den nicht ausgleichsf\u00e4higen Verlust des Jahres 2000 (142.378\u00a0DM) in H\u00f6he von 137.840\u00a0DM vom Gesamtbetrag Eink\u00fcnfte des Jahres 1999 ab, setzte die Einkommensteuer 1999 auf 0\u00a0DM fest und stellte den verbleibenden Verlustvortrag auf den 31.\u00a0Dezember 2000 in H\u00f6he von 4.538\u00a0DM fest. Einen Verlustr\u00fccktrag von 2000 in das Jahr 1998 lehnte das FG mangels gesetzlicher Grundlage ab. Eine verfassungsrechtlich problematische R\u00fcckwirkung liege in der Regelung des Steuerentlastungsgesetzes (StEntlG) 1999\/2000\/ 2002 vom 24.\u00a0M\u00e4rz 1999 (BGBl I 1999, 402) nicht. Der auf ein Jahr gek\u00fcrzte Verlustr\u00fccktrag wirke bezogen auf den Streitfall nicht zur\u00fcck; jedenfalls sei das Vertrauen des Kl\u00e4gers auf den Fortbestand des zweij\u00e4hrigen Verlustr\u00fccktrags weder allgemein noch im konkreten Einzelfall sch\u00fctzenswert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Hiergegen richtet sich die Revision des Kl\u00e4gers, die er auf die Verletzung des \u00a7\u00a010d Abs.\u00a01 des Einkommensteuergesetzes (EStG) i.d.F. des StEntlG 1999\/2000\/2002 st\u00fctzt. Die Regelung f\u00fchre zu einer echten R\u00fcckwirkung. Die Einkommensteuer 1998 st\u00fcnde unter dem Vorbehalt des zweij\u00e4hrigen Verlustr\u00fccktrags. Der Kl\u00e4ger habe damit eine Rechtsposition erworben, diese Steuer durch einen Verlustr\u00fccktrag wieder zu mindern. Die M\u00f6glichkeit ist im Veranlagungszeitraum des R\u00fccktrags (hier das Streitjahr) selbst angelegt; es werde lediglich technisch an die Verlustentstehungsjahre angekn\u00fcpft. Selbst wenn man von einer unechten R\u00fcckwirkung ausgehe, seien die im Streitjahr durchgef\u00fchrten Dispositionen des Kl\u00e4gers im Rahmen einer Abw\u00e4gung besonders schutzw\u00fcrdig, w\u00e4hrend das Gesetz ma\u00dfgeblich aus Gr\u00fcnden der Haushaltssicherung ge\u00e4ndert worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger beantragt,<\/p>\n<p>den Einkommensteuerbescheid 1998, zuletzt ge\u00e4ndert durch Bescheid vom 4.\u00a0August 2003, in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 29.\u00a0September 2003 unter Aufhebung des angefochtenen Urteils mit der Ma\u00dfgabe zu \u00e4ndern, dass die verbleibenden negativen Eink\u00fcnfte des Jahres 2000 in das Jahr 1998 zur\u00fcckgetragen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>7<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<\/p>\n<p>die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>8<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist unbegr\u00fcndet und gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0126 Abs.\u00a02 der Finanzgerichtsordnung zur\u00fcckzuweisen. Zutreffend hat das FG einen Verlustr\u00fccktrag gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a010d Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG in das Jahr 1998 abgelehnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>9<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Nach \u00a7\u00a010d Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG sind negative Eink\u00fcnfte, die bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Eink\u00fcnfte nicht ausgeglichen werden k\u00f6nnen, bis zu einem Betrag von 2\u00a0Mio. Deutsche Mark vom Gesamtbetrag der Eink\u00fcnfte des unmittelbar vorangegangenen Veranlagungszeitraums vorrangig vor Sonderausgaben, au\u00dfergew\u00f6hnlichen Belastungen und sonstigen Abzugsbetr\u00e4gen abzuziehen (Verlustr\u00fccktrag). Ist diese Regelung nach \u00a7\u00a052 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG erstmals f\u00fcr Verluste anzuwenden, die ab dem Veranlagungszeitraum 1999 entstanden sind, so ist ein R\u00fccktrag von in den Veranlagungszeitr\u00e4umen ab 1999 erzielten Verlusten nach \u00a7\u00a010d Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG zu beurteilen (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 9.\u00a0M\u00e4rz 2011 IX\u00a0R\u00a072\/04, BFHE 233, 147, BStBl II 2011, 751, unter 3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>10<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das bedeutet im Streitfall: Der im Jahr 2000 entstandene Verlust ist lediglich &#8211;wie geschehen&#8211; in das Jahr 1999 zur\u00fcckzutragen, nicht aber in das Streitjahr r\u00fccktragbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>11<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Diese Norm verletzt nicht die verfassungsrechtlichen Grunds\u00e4tze des Vertrauensschutzes. Sie wirkt nicht zur\u00fcck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>12<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Vor dem Rechtsstaatsprinzip des Grundgesetzes bedarf es besonderer Rechtfertigung, wenn der Gesetzgeber die Rechtsfolge eines der Vergangenheit zugeh\u00f6rigen Verhaltens nachtr\u00e4glich belastend \u00e4ndert. Eine Rechtsnorm wirkt in dieser Weise zur\u00fcck, wenn der Beginn ihres zeitlichen Anwendungsbereichs auf einen Zeitpunkt festgelegt ist, der vor dem Zeitpunkt liegt, zu dem die Norm g\u00fcltig geworden ist. So liegt eine (grunds\u00e4tzlich unzul\u00e4ssige) echte R\u00fcckwirkung in der Anordnung, eine Rechtsfolge solle schon f\u00fcr einen vor dem Zeitpunkt der Verk\u00fcndung der Norm liegenden Zeitraum eintreten, w\u00e4hrend eine unechte R\u00fcckwirkung nicht den zeitlichen, sondern den sachlichen Anwendungsbereich einer Norm betrifft. Die Rechtsfolgen eines Gesetzes treten erst nach Verk\u00fcndung der Norm ein, deren Tatbestand erfasst aber Sachverhalte, die bereits vor Verk\u00fcndung &#8222;ins Werk gesetzt&#8220; worden sind (vgl. eingehend dazu die Beschl\u00fcsse des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 3.\u00a0Dezember 1997\u00a0\u00a02\u00a0BvR\u00a0882\/97, BVerfGE 97, 67, und vom 7.\u00a0Juli 2010\u00a0\u00a02\u00a0BvL\u00a014\/02, 2\u00a0BvL\u00a02\/04, 2\u00a0BvL\u00a013\/05, BVerfGE 127, 1).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>13<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Der entscheidende Sachverhalt, der &#8222;ins Werk gesetzt&#8220; wird, d.h. das ma\u00dfgebende Verhalten des Steuerpflichtigen, an den der Gesetzgeber die Rechtsfolgen kn\u00fcpft, ist beim Verlustabzug die Verlustentstehung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>14<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aa) Im Verlustentstehungszeitraum verwirklicht der Steuerpflichtige den Steuertatbestand, an den das Gesetz die Rechtsfolge des Verlustabzugs kn\u00fcpft. Das Verlustentstehungsjahr ist der Ausgangspunkt f\u00fcr das Normverst\u00e4ndnis des \u00a7\u00a010d EStG; von dort aus sind die Voraussetzungen des Verlustabzugs in \u00a7\u00a010d Abs.\u00a01 und Abs.\u00a02 EStG konzipiert (vgl. dazu Heuermann in Kirchhof\/S\u00f6hn\/Mellinghoff, EStG, \u00a7\u00a010d Rz\u00a0B\u00a05). Es geht beim Verlustr\u00fccktrag in \u00a7\u00a010d Abs.\u00a01 Satz\u00a01 EStG um &#8222;negative Eink\u00fcnfte&#8220; des Entstehungsjahres, &#8222;die bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Eink\u00fcnfte im Entstehungsjahr nicht ausgeglichen werden&#8220;. Die \u00fcberperiodische Abziehbarkeit negativer Ergebnisse ist mithin an die Verwirklichung eines Steuertatbestandes i.S. des \u00a7\u00a02 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 Nr.\u00a01 bis 7 EStG gebunden. Allein die Verwirklichung dieses Tatbestandes entscheidet auch \u00fcber die zeitliche Zuordnung der Voraussetzungen des Verlustabzugs, \u00fcber die dadurch ausgel\u00f6sten Rechtsfolgen (also die Ber\u00fccksichtigung in den Abzugsjahren) und bildet so den\u00a0\u00a0\u00a0Ankn\u00fcpfungspunkt\u00a0\u00a0\u00a0f\u00fcr\u00a0\u00a0\u00a0die\u00a0\u00a0\u00a0zeitliche\u00a0\u00a0\u00a0Geltungsanordnung\u00a0\u00a0\u00a0von Gesetzes\u00e4nderungen (Heuermann in Kirchhof\/S\u00f6hn\/Mellinghoff, \u00a7\u00a010d Rz B 16). Denn mit der tatbestandlichen Bestimmung und Abgrenzung der verschiedenen Einkunftsarten und Eink\u00fcnfte trifft der Gesetzgeber die zentralen Ausgangsentscheidungen f\u00fcr die einkommensteuerrechtliche Belastung (so BVerfG-Beschluss in BVerfGE 127, 1, Rz\u00a068).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>15<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bb) Zwar wird im R\u00fccktragsjahr \u00fcber Grund und H\u00f6he des r\u00fccktragbaren Verlusts entschieden; die negativen Eink\u00fcnfte, &#8222;die bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Eink\u00fcnfte nicht ausgeglichen werden&#8220;, bilden eine Besteuerungsgrundlage i.S. des \u00a7\u00a0157 Abs.\u00a02 der Abgabenordnung f\u00fcr die Ermittlung des Verlustabzugs (BFH-Urteil in BFHE 233, 147, BStBl II 2011, 751, unter 3.). Dies ist aber lediglich die verfahrensm\u00e4\u00dfige Auspr\u00e4gung und Folge des im Entstehungsjahr verwirklichten Steuertatbestandes.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>16<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>cc) Daraus folgt: Wenn der Gesetzgeber mit dem Steuerentlastungsgesetz 1999\/2000\/2002 vom 24.\u00a0M\u00e4rz 1999 den Verlustr\u00fccktrag auf ein (das der Verlustentstehung unmittelbar vorangegangene) Jahr beschr\u00e4nkt, bedeutet dies f\u00fcr den im Jahr 2000 verwirklichten Steuertatbestand keine R\u00fcckwirkung. Der Gesetzgeber \u00e4nderte im Jahre 1999 mit dem neu strukturierten Verlustabzug die Rechtsfolge eines erst der Zukunft zugeh\u00f6rigen Verhaltens, des Verwirklichens eines Steuertatbestandes im Jahr 2000.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>17<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>c) Wenn demgegen\u00fcber die Revision auf den Veranlagungszeitraum des Verlustr\u00fccktrags abstellt und von der Steuerfestsetzung des Jahres 1998 unter Vorbehalt einer durch Verlustr\u00fccktrag geminderten Steuer spricht, verwechselt sie Ursache und Wirkung. Das zu Verlusten f\u00fchrende und Vertrauen in die Rechtslage reklamierende Verhalten ist allein das Verwirklichen des Steuertatbestandes: Wenn der Steuerpflichtige sich im Jahre 2000 steuerrechtlich bedeutsam bet\u00e4tigt und sein Verhalten am Markt zu Verlusten f\u00fchrt, wei\u00df er, dass er diesen Verlust nur in das unmittelbar vorangegangene Jahr zur\u00fccktragen kann, im \u00dcbrigen aber vortragen muss.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>18<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der positive Gesamtbetrag der Eink\u00fcnfte in den Verlustabzugsjahren bildet lediglich das Verlustabzugs<em>potential<\/em>\u00a0(vgl. dazu Heuermann in Kirchhof\/S\u00f6hn\/Mellinghoff, \u00a7\u00a010d Rz\u00a0A\u00a039) f\u00fcr erst im Entstehungsjahr erzielte und verwirklichte negative Eink\u00fcnfte. Mithin erlangt der Steuerpflichtige im potentiellen Abzugsjahr mit einem positiven Gesamtbetrag der Eink\u00fcnfte als m\u00f6gliche Kompensation f\u00fcr einen Verlustabzug keine verfassungsrechtlich sch\u00fctzenswerte Rechtsposition. Das Verlustabzugs<em>potential<\/em>\u00a0besteht nicht per se, sondern allein in Abh\u00e4ngigkeit von in anderen Veranlagungszeitr\u00e4umen erzielten negativen Eink\u00fcnften. Deswegen wirkt das Gesetz nicht zur\u00fcck, wenn es f\u00fcr einen nach seiner Verk\u00fcndung beginnenden Veranlagungszeitraum den Verlustr\u00fccktrag in ein vor seiner Verk\u00fcndung abgelaufenes Jahr nicht mehr gew\u00e4hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>19<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>3. Nach diesen Ma\u00dfst\u00e4ben hat das FG zutreffend bereits eine R\u00fcckwirkung des Steuerentlastungsgesetzes 1999\/2000\/2002 abgelehnt. Der Senat muss deshalb nicht darauf eingehen, ob das Vertrauen des Kl\u00e4gers im Streitjahr allgemein und im hier gegebenen Einzelfall schutzw\u00fcrdig war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>Zur\u00fcck zur Trefferliste\u00a0<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.4.2013, IX R 20\/12 Kein verfassungsrechtlich gebotener R\u00fccktrag eines 2000 erzielten Verlusts in den Veranlagungszeitraum 1998 Leits\u00e4tze \u00a7 10d Abs. 1 EStG i.d.F. des StEntlG 1999\/2000\/2002 wirkt nicht in verfassungsrechtlich erheblicher Weise zur\u00fcck, wenn danach Verluste aus dem Jahr 2000 lediglich in das Jahr 1999 zur\u00fcckgetragen werden k\u00f6nnen. Tatbestand 1 I. Die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kein-verfassungsrechtlich-gebotener-rucktrag-eines-2000-erzielten-verlusts-in-den-veranlagungszeitraum-1998\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Kein verfassungsrechtlich gebotener R\u00fccktrag eines 2000 erzielten Verlusts in den Veranlagungszeitraum 1998<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1689],"tags":[3055],"class_list":["post-31278","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-einkommen-und-lohnsteuer","tag-rucktrag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31278","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31278"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31278\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31278"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31278"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31278"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}