{"id":31299,"date":"2013-06-07T16:42:59","date_gmt":"2013-06-07T14:42:59","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=31299"},"modified":"2013-06-07T16:42:59","modified_gmt":"2013-06-07T14:42:59","slug":"hausliches-arbeitszimmer-einer-arbeitsmedizinerin-verletzung-des-anspruchs-auf-rechtliches-gehor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/hausliches-arbeitszimmer-einer-arbeitsmedizinerin-verletzung-des-anspruchs-auf-rechtliches-gehor\/","title":{"rendered":"H\u00e4usliches Arbeitszimmer einer Arbeitsmedizinerin; Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<dl>\n<dd>H\u00e4usliches Arbeitszimmer einer Arbeitsmedizinerin; Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<h4>Leitsatz<\/h4>\n<\/div>\n<div>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>1. NV: Die Annahme des FG, f\u00fcr das von einer Arbeitsmedizinerin genutzte h\u00e4usliche Arbeitszimmer greife die Abzugsbeschr\u00e4nkung des \u00a7 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Satz 3 EStG, ist nicht nachvollziehbar, wenn in dem Urteil jegliche Feststellungen dazu fehlen, inwieweit unter Ber\u00fccksichtigung der gesetzlichen Aufgabendefinition des \u00a7 3 ASiG T\u00e4tigkeiten bei den Auftraggebern vor Ort pers\u00f6nlich zu erf\u00fcllen waren und welche konkrete Aufgaben in dem beruflich genutzten Raum zu Hause erbracht werden konnten.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>2. NV: Das Gericht verletzt den Anspruch auf rechtliches Geh\u00f6r, wenn es den entscheidungserheblichen Vortrag der Kl\u00e4gerin, es handele sich um eine Arztpraxis mit Publikumsverkehr und nicht um ein h\u00e4usliches Arbeitszimmer im Sinne des \u00a7 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG, nicht zur Kenntnis nimmt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<div>\n<h3><\/h3>\n<\/div>\n<div>\n<h4>Tatbestand<\/h4>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<dl>\n<dt>1<\/dt>\n<dd>I. Die Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) sind verheiratet und werden zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Die Kl\u00e4gerin erzielte im Streitjahr 2002 Eink\u00fcnfte aus selbst\u00e4ndiger Arbeit als Arbeitsmedizinerin i.S. des \u00a7\u00a03 des Gesetzes \u00fcber Betriebs\u00e4rzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkr\u00e4fte f\u00fcr Arbeitssicherheit (ASiG).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>2<\/dt>\n<dd>Die arbeitsmedizinische T\u00e4tigkeit \u00fcbte sie an verschiedenen Standorten (Kasernen und Betrieben) aus, wo ihr jeweils ein Raum zur Verf\u00fcgung gestellt wurde. Die betriebs\u00e4rztlichen Berichte, Empfehlungen und Gutachten erstellte sie in einem ausschlie\u00dflich beruflich genutzten Raum im selbstbewohnten Wohnhaus.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>3<\/dt>\n<dd>In der Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Streitjahr machte sie auf das Arbeitszimmer entfallende Aufwendungen in H\u00f6he von 10.602\u00a0\u20ac als Betriebsausgaben bei ihren Eink\u00fcnften aus selbst\u00e4ndiger Arbeit geltend. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lie\u00df demgegen\u00fcber im Einkommensteuerbescheid f\u00fcr das Streitjahr unter Verweis auf die Regelungen des \u00a7\u00a04 Abs.\u00a05 Satz\u00a01 Nr.\u00a06b des Einkommensteuergesetzes (EStG) nur einen Betrag in H\u00f6he von 1.250\u00a0\u20ac zum Abzug zu, da es sich bei dem von der Kl\u00e4gerin genutzten Raum um ein h\u00e4usliches Arbeitszimmer handele, das nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Bet\u00e4tigung bilde.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>4<\/dt>\n<dd>Die hiergegen nach erfolglosem Einspruch erhobene Klage wies das Finanzgericht (FG) mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2010, 698 ver\u00f6ffentlichten Urteil ab.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>5<\/dt>\n<dd>Mit der Revision r\u00fcgen die Kl\u00e4ger die Verletzung materiellen Rechts und von Verfahrensrecht. Das FG habe keine umfassende Wertung der T\u00e4tigkeit der Kl\u00e4gerin vorgenommen, die nicht mit dem Berufsbild des Arztes vergleichbar sei, sondern sich an den Gesetzesbestimmungen des \u00a7\u00a03 ASiG orientiere.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>6<\/dt>\n<dd>Die Kl\u00e4ger beantragen sinngem\u00e4\u00df,<br \/>\ndas angefochtene Urteil des FG Rheinland-Pfalz vom 25.\u00a0M\u00e4rz 2009\u00a0\u00a02\u00a0K\u00a01396\/07 aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2002 vom 15.\u00a0Juli 2004 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 20.\u00a0Februar 2007 dahin zu \u00e4ndern, dass bei der Ermittlung der Eink\u00fcnfte der Kl\u00e4gerin aus selbst\u00e4ndiger Arbeit insgesamt Aufwendungen f\u00fcr den betrieblich genutzten Raum in H\u00f6he von 8.929,25\u00a0\u20ac als weitere Betriebsausgaben abgezogen werden und die Einkommensteuer entsprechend herabgesetzt wird.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>7<\/dt>\n<dd>Das FA beantragt,<br \/>\ndie Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>8<\/dt>\n<dd>Das FG habe festgestellt, dass die T\u00e4tigkeit der Kl\u00e4gerin als Arbeitsmedizinerin vielf\u00e4ltig und gestreut sei. Die aus dieser Feststellung getroffene Schlussfolgerung, dass die Bet\u00e4tigung keinem konkreten Mittelpunkt zugeordnet werden k\u00f6nne, sei m\u00f6glich und versto\u00dfe nicht gegen Denkgesetze. Das FG sei nicht verpflichtet, den Sachverhalt solange zu ermitteln, bis ein Mittelpunkt der Erwerbst\u00e4tigkeit festgestellt werden k\u00f6nne.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<h4>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h4>\n<\/div>\n<div>\n<dl>\n<dt>9<\/dt>\n<dd>II. Die Revision der Kl\u00e4ger ist begr\u00fcndet und f\u00fchrt nach \u00a7\u00a0126 Abs.\u00a03 Satz\u00a01 Nr.\u00a02 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur Aufhebung des angefochtenen Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>10<\/dt>\n<dd>1. Die tats\u00e4chlichen Feststellungen des FG tragen nicht seine W\u00fcrdigung, dass der von der Kl\u00e4gerin ausschlie\u00dflich beruflich genutzte Raum der Abzugsbeschr\u00e4nkung des \u00a7\u00a04 Abs.\u00a05 Satz\u00a01 Nr.\u00a06b EStG unterliege.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>11<\/dt>\n<dd>a) Das FG hat angenommen, die geltend gemachten Aufwendungen betr\u00e4fen ein h\u00e4usliches Arbeitszimmer i.S. des \u00a7\u00a04 Abs.\u00a05 Satz\u00a01 Nr.\u00a06b EStG. Dieses bilde jedoch nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Bet\u00e4tigung der Kl\u00e4gerin, da deren Aufgabenbereich so vielf\u00e4ltig gestreut sei, dass die Bet\u00e4tigung keinem konkreten Mittelpunkt zugeordnet werden k\u00f6nne. Die \u00e4rztliche T\u00e4tigkeit k\u00f6nne grunds\u00e4tzlich nur durch pers\u00f6nlichen Arbeitseinsatz erbracht werden und setze ein pers\u00f6nliches Vertrauensverh\u00e4ltnis zum Patienten voraus. Zwar sei die T\u00e4tigkeit der Kl\u00e4gerin als Arbeitsmedizinerin nicht ohne weiteres mit der eines Arztes f\u00fcr den Medizinischen Dienst der Krankenkassen vergleichbar. Gleichwohl \u00fcbe die Kl\u00e4gerin ihre T\u00e4tigkeit qualitativ nicht nur im h\u00e4uslichen Arbeitszimmer aus. Insbesondere die pers\u00f6nliche Anamnese in den Kasernen und Betrieben, die jedenfalls die Regel sei, k\u00f6nne aufgrund des Berufsbildes des Arztes nicht auf einen mechanischen Akt im Rahmen einer unselbst\u00e4ndigen Vorbereitungshandlung reduziert werden.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>12<\/dt>\n<dd>b) Diese Ausf\u00fchrungen halten einer revisionsrechtlichen Pr\u00fcfung nicht stand, weil das FG keine den Senat bindenden Feststellungen getroffen hat, die seine Beurteilung tragen, dass ein h\u00e4usliches Arbeitszimmer vorliege.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>13<\/dt>\n<dd>Unzureichende oder widerspr\u00fcchliche Sachverhaltsdarstellungen im angefochtenen Urteil stellen nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) einen materiell-rechtlichen Fehler dar, der auch ohne diesbez\u00fcgliche R\u00fcge zum Wegfall der Bindungswirkung des \u00a7\u00a0118 Abs.\u00a02 FGO f\u00fchrt (BFH-Urteil vom 25.\u00a0Juni 2003 X\u00a0R\u00a072\/98, BFHE 202, 514, BStBl II 2004, 403, m.w.N.). Das ist u.a. dann der Fall, wenn es den Feststellungen an einer hinreichenden Grundlage fehlt, die das Revisionsgericht in die Lage versetzt nachzuvollziehen, wie das FG zu der seine Entscheidung tragenden \u00dcberzeugung gelangt ist, oder das FG zu dem von ihm gefundenen Ergebnis der Beweisw\u00fcrdigung \u00fcberhaupt nicht kommen konnte, es also gleichsam ins Blaue hinein Feststellungen getroffen hat, die sich in Wahrheit als Mutma\u00dfungen oder blo\u00dfe Unterstellungen erweisen. Denn die vom FG getroffenen Feststellungen m\u00fcssen zwar nicht aufgrund der dem FG vorliegenden Beweismittel zwingend sein. Sie m\u00fcssen jedoch m\u00f6glich sein. Dazu geh\u00f6rt nicht nur, dass sie nicht in sich widerspr\u00fcchlich oder sonst mit den Denkgesetzen oder allgemeinen Erfahrungss\u00e4tzen unvereinbar sind, sondern auch, dass sie auf einer nachvollziehbaren Anwendung von rational einsichtigen Grunds\u00e4tzen der Beweisw\u00fcrdigung beruhen (BFH-Urteil vom 17.\u00a0Mai 2005 VII\u00a0R\u00a076\/04, BFHE 210, 70, m.w.N).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>14<\/dt>\n<dd>c) Der Annahme des FG, es liege im Streitfall ein h\u00e4usliches Arbeitszimmer vor, das der Abzugsbeschr\u00e4nkung des \u00a7\u00a04 Abs.\u00a05 Satz\u00a01 Nr.\u00a06b Satz\u00a03 EStG unterliege, da der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen T\u00e4tigkeit der Kl\u00e4gerin nicht bestimmbar sei, fehlt es an der Nachvollziehbarkeit in diesem Sinne. Das FG hat nicht dargelegt, welche Gr\u00fcnde im Einzelnen f\u00fcr seine Feststellung ma\u00dfgebend waren, dass die T\u00e4tigkeit der Kl\u00e4gerin als Arbeitsmedizinerin mit dem Berufsbild eines Arztes vergleichbar sei. Dieses ist nach seiner Auffassung in besonderem Ma\u00dfe durch den pers\u00f6nlichen individuellen Dienst am Patienten gepr\u00e4gt. Konkrete Feststellungen, inwieweit dies auch auf die T\u00e4tigkeit der Kl\u00e4gerin zutrifft, fehlen. Dass die pers\u00f6nliche Anamnese in den Kasernen und Betrieben die Regel sei, wird vom FG lediglich behauptet, ohne dass dies durch tats\u00e4chliche Feststellungen \u00fcber die konkrete T\u00e4tigkeit der Kl\u00e4gerin im Au\u00dfendienst untermauert wird. Es fehlen jegliche Feststellungen dazu, inwieweit die Kl\u00e4gerin ihre Aufgaben als Arbeitsmedizinerin bei ihren Auftraggebern vor Ort pers\u00f6nlich zu erf\u00fcllen hatte und welche konkreten Aufgaben sie in ihrem beruflich genutzten Raum zu Hause erbringen konnte.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>15<\/dt>\n<dd>2. Das Urteil des FG ist dar\u00fcber hinaus wegen der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r (\u00a7\u00a096 Abs.\u00a02 FGO, Art.\u00a0103 Abs.\u00a01 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;) aufzuheben (\u00a7\u00a0119 Nr.\u00a03 FGO).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>16<\/dt>\n<dd>a) Der Anspruch auf rechtliches Geh\u00f6r beinhaltet das Recht der Beteiligten, sich zur Sache zu \u00e4u\u00dfern und f\u00fcr das Gericht die Pflicht, entscheidungserhebliches Vorbringen zur Kenntnis zu nehmen und in Erw\u00e4gung zu ziehen. Allerdings bedeutet die Gew\u00e4hrung rechtlichen Geh\u00f6rs nicht, dass das Gericht sich den rechtlichen Ansichten des Kl\u00e4gers anschlie\u00dfen m\u00fcsste. Vielmehr darf es Vorbringen der Beteiligten aus formellen und materiellen Gr\u00fcnden unbeachtet lassen (BFH-Beschluss vom 20.\u00a0Juli 2007 VIII\u00a0B\u00a08\/06, BFH\/NV 2007, 2069, m.w.N.).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>17<\/dt>\n<dd>b) Aus den Ausf\u00fchrungen des FG ergibt sich, dass es den entscheidungserheblichen Vortrag der Kl\u00e4gerin, es handele sich vorliegend um eine Arztpraxis, in der Publikumsverkehr stattfinde, und nicht um ein h\u00e4usliches Arbeitszimmer i.S. des \u00a7\u00a04 Abs.\u00a05 Satz\u00a01 Nr.\u00a06b EStG, nicht zur Kenntnis genommen hat, denn es hat in seinem Urteil ausgef\u00fchrt, es sei zwischen den Beteiligten unstreitig, dass die geltend gemachten Aufwendungen ein h\u00e4usliches Arbeitszimmer im Sinne der h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung betr\u00e4fen. Au\u00dferdem widerspricht die Darstellung des FG, die Kl\u00e4gerin habe im Einspruchsverfahren geltend gemacht, sie sei als Fach\u00e4rztin f\u00fcr Arbeitsmedizin kurativ t\u00e4tig, deren Vortrag im Einspruchs- und Klageverfahren, sie sei als Arbeitsmedizinerin gerade nicht kurativ t\u00e4tig. Es hat damit entscheidungserheblichen Vortrag der Kl\u00e4gerin \u00fcbergangen und deren Recht auf rechtliches Geh\u00f6r (Art.\u00a0103 Abs.\u00a01 GG) verletzt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt>18<\/dt>\n<dd>3. Das Urteil des FG kann nach alledem keinen Bestand haben. Die Sache wird an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckverwiesen (\u00a7\u00a0126 Abs.\u00a03 Satz\u00a01 Nr.\u00a02 FGO), um diesem Gelegenheit f\u00fcr eine erneute Pr\u00fcfung zu geben, ob eine Abzugsbegrenzung nach \u00a7\u00a04 Abs.\u00a05 Satz\u00a01 Nr.\u00a06b EStG bereits deshalb ausscheidet, weil es sich nach den von der Rechtsprechung des BFH herausgearbeiteten Kriterien nicht um ein h\u00e4usliches Arbeitszimmer, sondern um eine \u00e4rztliche Praxis handelt, die erkennbar besonders f\u00fcr die Untersuchung von Patienten eingerichtet und f\u00fcr jene leicht zug\u00e4nglich war (vgl. hierzu Senatsbeschluss vom 16.\u00a0April 2009 VIII\u00a0B\u00a0222\/08, BFH\/NV 2009, 1421, m.w.N.). Sollte dies zu verneinen sein, wird das FG festzustellen haben, welche konkreten h\u00e4uslichen und au\u00dferh\u00e4uslichen T\u00e4tigkeiten von der Kl\u00e4gerin als Arbeitsmedizinerin unter Ber\u00fccksichtigung der gesetzlichen Aufgabendefinition des \u00a7\u00a03 ASiG zu erbringen waren, und ob bei einer Gesamtbetrachtung das h\u00e4usliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen T\u00e4tigkeit der Kl\u00e4gerin bildete.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4usliches Arbeitszimmer einer Arbeitsmedizinerin; Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Geh\u00f6r Leitsatz 1. 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