{"id":31705,"date":"2013-06-12T16:06:30","date_gmt":"2013-06-12T14:06:30","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=31705"},"modified":"2020-09-15T11:17:35","modified_gmt":"2020-09-15T09:17:35","slug":"deutschland-hat-siebtgrosten-niedriglohnsektor-in-der-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/deutschland-hat-siebtgrosten-niedriglohnsektor-in-der-eu\/","title":{"rendered":"Deutschland hat siebtgr\u00f6\u00dften Niedriglohnsektor in der EU"},"content":{"rendered":"<h1><span style=\"font-size: 13px;\">Der deutsche Niedriglohnsektor ist einer der gr\u00f6\u00dften in der Europ\u00e4ischen Union, zeigt eine Analyse aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung. Ein substanzieller Mindestlohn und die Stabilisierung des Tarifsystems k\u00f6nnten das \u00e4ndern.<\/span><\/h1>\n<p>22,2 Prozent der Besch\u00e4ftigten in Deutschland mussten nach der aktuellsten Europ\u00e4ischen Lohnstrukturerhebung im Jahr 2010 mit einem Niedriglohn auskommen. Sie verdienten weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohnes. Damit hat die Bundesrepublik den siebtgr\u00f6\u00dften Niedriglohnsektor in der EU, erl\u00e4utert WSI-Tarifexperte Dr. Thorsten Schulten. H\u00f6her war der Anteil der niedrig bezahlten Arbeitnehmer nur in den drei baltischen Staaten, in Rum\u00e4nien, Polen und Zypern. Im Durchschnitt der EU erhielten 17 Prozent der Besch\u00e4ftigten einen Niedriglohn. &#8222;Durch die Krise und die harte Sparpolitik in S\u00fcdeuropa mag sich die Situation dort seit 2010 verschlechtert haben&#8220;, sagt Schulten. &#8222;Aber das \u00e4ndert nichts daran: Deutschland kann einfach nicht damit zufrieden sein, dass hier mehr als ein F\u00fcnftel der Arbeitnehmer so gering bezahlt wird.&#8220;<\/p>\n<p>Leichter R\u00fcckgang oder Zunahme? Zwar hat sich der Niedriglohnbereich zuletzt l\u00e4ngst nicht mehr so stark ausgeweitet wie in den 1990er- und fr\u00fchen 2000er-Jahren. Ob das Wachstum vollst\u00e4ndig gestoppt ist, l\u00e4sst sich allerdings bislang nicht klar feststellen &#8211; unterschiedliche statistische Quellen deuten auf unterschiedliche Trends hin. So meldete das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) f\u00fcr 2007 bis 2010 eine Stagnation oder einen leichten R\u00fcckgang des Niedrigl\u00f6hner-Anteils, je nach verwendeter Niedriglohnschwelle. An den absoluten Zahlen hat sich nach Analyse der Forscher von der Uni Duisburg-Essen nichts ge\u00e4ndert: Rund acht Millionen Menschen verdienten weniger als 9,15 Euro. Bei diesem Stundenlohn setzen die Wissenschaftler auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) die Niedriglohnschwelle an.<\/p>\n<p>Dagegen verzeichnet das Statistische Bundesamt, das im Herbst 2012 einen Vergleich der Verdienststrukturerhebungen von 2006 und 2010 ver\u00f6ffentlichte, f\u00fcr diesen Zeitraum eine weitere Zunahme der Niedriglohnquote. Besonders stark betroffen: Menschen in atypischen Arbeitsverh\u00e4ltnissen wie Minijobs oder Leiharbeit. Zudem stellten die amtlichen Statistiker einen deutlichen Zusammenhang zwischen Lohnh\u00f6he und Tarifvertr\u00e4gen fest: W\u00e4hrend 2010 von den Besch\u00e4ftigten in Betrieben ohne Tarifvertrag 31 Prozent f\u00fcr einen Niedriglohn arbeiteten, waren es in tarifgebundenen Firmen knapp 12 Prozent.<\/p>\n<p>Tarifbindung wirkt positiv. Auch beim Europa-Vergleich hat WSI-Forscher Schulten beobachtet, dass in L\u00e4ndern mit hoher Tarifbindung Niedrigl\u00f6hne meist deutlich seltener sind &#8211; und dass Staaten den Niedriglohnsektor durch Regulierung unter Kontrolle halten k\u00f6nnen. Am geringsten ist die Niedriglohnquote in Schweden. Dort sind knapp 70 Prozent der Besch\u00e4ftigten Gewerkschaftsmitglieder, f\u00fcr mehr als 90 Prozent gelten Tarifvertr\u00e4ge. \u00c4hnlich ist die Situation in D\u00e4nemark sowie in Finnland, wo Tarifvertr\u00e4ge zudem h\u00e4ufig per Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung auf Betriebe ohne Tarifbindung \u00fcbertragen werden. Das geschieht auch in Frankreich und Belgien. Zus\u00e4tzlich setzen diese beiden L\u00e4nder mit gesetzlichen Mindestl\u00f6hnen eine Untergrenze von mehr als 9 Euro in der Stunde.<\/p>\n<p>Beide Instrumente k\u00f6nnten auch in Deutschland helfen, Niedrigl\u00f6hne zu reduzieren, sagt WSI-Tarifexperte Schulten. Allerdings lege der europ\u00e4ische Vergleich auch nahe, dass Lohnuntergrenzen erst ab einer bestimmten H\u00f6he wirkten. In Rum\u00e4nien, Estland oder Ungarn l\u00e4gen die Mindestl\u00f6hne lediglich bei rund einem Drittel der durchschnittlichen Verdienste. Das sei offenbar zu wenig, um gro\u00dfe Niedriglohnbereiche zu verhindern.<\/p>\n<p>Weitere Informationen\u00a0finden Sie auf der Homepage der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung.<\/p>\n<p>Quelle:\u00a0Hans-B\u00f6ckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 10.06.2013<\/p>\n<div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der deutsche Niedriglohnsektor ist einer der gr\u00f6\u00dften in der Europ\u00e4ischen Union, zeigt eine Analyse aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung. 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