{"id":33324,"date":"2013-07-02T11:20:25","date_gmt":"2013-07-02T09:20:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=33324"},"modified":"2013-07-02T11:20:25","modified_gmt":"2013-07-02T09:20:25","slug":"freiberufliche-tatigkeit-eines-im-wesentlichen-als-softwareentwickler-tatigen-diplom-ingenieurs-fur-holztechnik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/freiberufliche-tatigkeit-eines-im-wesentlichen-als-softwareentwickler-tatigen-diplom-ingenieurs-fur-holztechnik\/","title":{"rendered":"Freiberufliche T\u00e4tigkeit eines im Wesentlichen als Softwareentwickler t\u00e4tigen Diplom-Ingenieurs f\u00fcr Holztechnik"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<dl>\n<dd><span style=\"font-size: 1em;\">Tenor<\/span><\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd><strong>Die Bescheide \u00fcber den Gewerbesteuermessbetrag 2001 und 2002 vom 18. April 2008 sowie die Bescheide \u00fcber den Gewerbesteuermessbetrag 2003 bis 2005 vom 11. April 2008 und die dazu erlassene Einspruchsentscheidung vom 02. M\u00e4rz 2009 werden aufgehoben.<\/strong><\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd><strong>Die Kosten des Verfahrens werden dem Beklagten auferlegt.<\/strong><\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd><strong>Das Urteil ist hinsichtlich der Kosten vorl\u00e4ufig vollstreckbar. Der Beklagte kann die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in H\u00f6he des Kostenerstattungsanspruchs des Kl\u00e4gers abwenden, wenn nicht der Kl\u00e4ger vor der Vollstreckung Sicherheit in derselben H\u00f6he leistet.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Beschluss<\/strong><strong>:<\/strong><\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd><strong>Die Hinzuziehung eines Bevollm\u00e4chtigten zum Vorverfahren wird f\u00fcr notwendig erkl\u00e4rt.<\/strong><\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<div>\n<h4>Tatbestand<\/h4>\n<\/div>\n<div>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_1\"><\/a>1<\/dt>\n<dd>Die Beteiligten streiten um die Frage, ob der Kl\u00e4ger zur Gewerbesteuer heranzuziehen ist.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_2\"><\/a>2<\/dt>\n<dd>Der 1952 geborene Kl\u00e4ger studierte zun\u00e4chst Holztechnik an der Fachhochschule B\u2026, die ihm aufgrund der 1978 erfolgreich abgelegten Abschlusspr\u00fcfung den akademischen Grad eines Diplom-Ingenieurs (FH) f\u00fcr Holztechnik verlieh. Im Anschluss studierte er Bauingenieurwesen an der Technischen Universit\u00e4t C\u2026. Das Vordiplom erhielt er 1982. W\u00e4hrend des Hauptstudiums war er dort studentischer Mitarbeiter am Institut D\u2026 und nahm Lehraufgaben im Bereich der Entwicklung von Computerprogrammen wahr. Das Hauptstudium schloss er nicht ab. Im Verlauf seines weiteren Berufsweges war er bei verschiedenen Unternehmen im Bereich der Softwareentwicklung besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_3\"><\/a>3<\/dt>\n<dd>In den Streitjahren war der Kl\u00e4ger selbst\u00e4ndig auf dem Gebiet der Informationstechnologie t\u00e4tig. Er nahm unter der Bezeichnung \u201e<em>Dipl.-Ing. A\u2026, Softwareentwicklung, EDV-Berater<\/em>\u201c am Gesch\u00e4ftsverkehr teil. Seine Berufst\u00e4tigkeit bestand zu einem wesentlichen Teil darin, Softwareprodukte f\u00fcr seine Auftraggeber und deren Kunden zu entwickeln, bestehende Software seiner Auftraggeber an individuelle Kundenbed\u00fcrfnisse anzupassen sowie das Zusammenspiel von Software-Produkte dritter Firmen mit der seiner Auftraggeber zu erproben. Daneben entwarf und betreute er Server und Netzwerke (Installation, Wartung und Administration). Auf die entsprechenden Best\u00e4tigungsschreiben sowohl der Firma E\u2026 vom 12.\u00a0Dezember 2007 und vom 25. Mai 2009 als auch der Firma F\u2026 vom 07.\u00a0Dezember 2007 nimmt das Gericht wegen der n\u00e4heren Einzelheiten Bezug. Es handelte sich um zwei Hauptauftraggeber des Kl\u00e4gers.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_4\"><\/a>4<\/dt>\n<dd>Im Rahmen seiner Projekte bezog der Kl\u00e4ger zum Teil auch Hardware-Komponenten f\u00fcr seine Auftraggeber, die er ihnen zu seinem eigenen Einkaufspreis in Rechnung stellte. Auf die zum BP-Arbeitsbogen genommenen Rechnungen des Kl\u00e4gers vom 31. M\u00e4rz 2005, vom 11. April 2005, 20. Mai 2005, 13. Juni 2005, 13. September 2005, 07. Oktober 2005 und 28. Oktober 2005 nimmt das Gericht wegen der n\u00e4heren Einzelheiten Bezug.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_5\"><\/a>5<\/dt>\n<dd>Die Gewinne aus der genannten Bet\u00e4tigung ermittelte der Kl\u00e4ger nach \u00a7\u00a04 Abs. 3 Einkommensteuergesetz -EStG- und deklarierte sie als Eink\u00fcnfte aus freiberuflicher Bet\u00e4tigung im Sinne des \u00a7\u00a018 EStG.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_6\"><\/a>6<\/dt>\n<dd>In den Jahren 2007 und 2008 f\u00fchrte der Beklagte beim Kl\u00e4ger eine Au\u00dfenpr\u00fcfung durch. Der Pr\u00fcfer kam zu dem Ergebnis, dass die Bet\u00e4tigung des Kl\u00e4gers einen Gewerbebetrieb im Sinne des \u00a7\u00a02 Abs.\u00a01 Gewerbesteuergesetz -GewStG- darstelle. Er begr\u00fcndete diese Einsch\u00e4tzung mit dem Argument, dass der Kl\u00e4ger keine T\u00e4tigkeit aus\u00fcbe, die der eines Ingenieurs oder eines Ingenieur \u00e4hnlichen Berufs entspreche.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_7\"><\/a>7<\/dt>\n<dd>In Auswertung des Betriebspr\u00fcfungsberichts erlie\u00df der Beklagte Gewerbesteuermessbetragsbescheide f\u00fcr die Streitjahre wie folgt:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_8\"><\/a>8<\/dt>\n<dd>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th rowspan=\"1\" colspan=\"1\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0Gewerbesteuermessbetrag 2001 in H\u00f6he von 615,08 Euro (Bescheid vom 18. April 2008)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0Gewerbesteuermessbetrag 2002 in H\u00f6he von 320,00 Euro (Bescheid vom 18. April 2008)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0Gewerbesteuermessbetrag 2003 in H\u00f6he von 76,00 Euro (Bescheid vom 11. April 2008)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0Gewerbesteuermessbetrag 2004 in H\u00f6he von 399,00 Euro (Bescheid vom 11. April 2008)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">\u00a0Gewerbesteuermessbetrag 2005 in H\u00f6he von 318,00 Euro (Bescheid vom 11. April 2008)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_9\"><\/a>9<\/dt>\n<dd>Zugleich ergingen entsprechende Gewerbesteuerfestsetzungen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_10\"><\/a>10<\/dt>\n<dd>Hiergegen wehrte sich der Kl\u00e4ger fristgerecht mit Einspruch.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_11\"><\/a>11<\/dt>\n<dd>Er verf\u00fcge angesichts seines akademischen Grades \u00fcber die f\u00fcr eine <a href=\"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/freiberufler.htm\">freiberufliche Bet\u00e4tigung<\/a> erforderliche <strong>Ausbildung<\/strong>. In den 70er Jahren seien Studieng\u00e4nge im Bereich der Informationstechnologie und <em>Softwareentwicklung<\/em> un\u00fcblich gewesen, weshalb er sich diese Spezialkenntnisse im weiteren Verlauf seines Berufsweges theoretisch und praktisch als <em>Autodidakt<\/em> angeeignet habe. Da er sich vorwiegend im Bereich der Softwareentwicklung bet\u00e4tige, entspreche die Art seiner Berufst\u00e4tigkeit ebenfalls der eines Freiberuflers.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_12\"><\/a>12<\/dt>\n<dd>Mit Einspruchsentscheidung vom 02. M\u00e4rz 2009 wies der Beklagte die Einspr\u00fcche als unbegr\u00fcndet zur\u00fcck.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_13\"><\/a>13<\/dt>\n<dd>Die T\u00e4tigkeit des Kl\u00e4gers entspreche nicht einem der in<em> \u00a7\u00a018 EStG genannten Katalogberufe<\/em>. Zwar sei der Kl\u00e4ger Diplom-Ingenieur f\u00fcr Holztechnik. Diesen Beruf habe er allerdings nicht ausge\u00fcbt.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_14\"><\/a>14<\/dt>\n<dd>Die T\u00e4tigkeit des Kl\u00e4gers sei zudem auch nicht der eines <em>EDV-Ingenieurs oder Diplom-Informatikers<\/em> \u00e4hnlich. Er habe weder eine <em>vergleichbare berufliche Qualifikation<\/em> nachgewiesen noch arbeite er gleich einem freiberuflichen EDV-Ingenieur oder Diplom-Informatiker. Denn neben der Entwicklung und Erweiterung von Software seiner Auftraggeber habe er sich zus\u00e4tzlich der Software-Evaluierung, der Erstellung von Datenbanken, der Software-Konfiguration, der Netzwerk-Administration sowie dem An- und Verkauf von Hardware gewidmet. Dies begr\u00fcnde die Gewerblichkeit der gesamten beruflichen Bet\u00e4tigung.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_15\"><\/a>15<\/dt>\n<dd>Hiergegen wehrt sich der Kl\u00e4ger mit seiner fristgerecht erhobenen Klage.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_16\"><\/a>16<\/dt>\n<dd>Schon im Rahmen seiner Diplomarbeit an der Fachhochschule B\u2026 habe er ein Computerprogramm entwickelt. Einen entsprechenden Schwerpunkt habe er auch w\u00e4hrend seines Studiums an der TU C\u2026 gesetzt. Weitere Kenntnisse im Bereich der Softwareentwicklung habe er im Verlauf seiner berufspraktischen T\u00e4tigkeit erworben. Im Ergebnis verf\u00fcge er \u00fcber ein Wissensspektrum, das dem eines ausgebildeten Diplom-Informatikers entspreche. Auch die T\u00e4tigkeit eines Autodidakten k\u00f6nne als freiberuflich anerkannt werden. Seine im Wesentlichen aus der Planung, Konstruktion und \u00dcberwachung von Software-Produkten bestehende T\u00e4tigkeit entspreche der f\u00fcr einen Diplom-Ingenieur charakteristischen Vorgehensweise. Die Auffassung des Beklagten, dass &#8211;\u00a0isoliert betrachtet gewerbliche &#8211; Nebent\u00e4tigkeiten zur Gewerblichkeit der gesamten Bet\u00e4tigung f\u00fchrten, sei nicht korrekt. Denn eine \u201eAbf\u00e4rberegelung\u201c finde auf Einzelunternehmer keine Anwendung. Entscheidend sei vielmehr, welche T\u00e4tigkeit der Gesamtbet\u00e4tigung das Gepr\u00e4ge gebe. Pr\u00e4gend sei in seinem Falle die Programmiert\u00e4tigkeit.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_17\"><\/a>17<\/dt>\n<dd>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<th rowspan=\"1\" colspan=\"1\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\">Der Kl\u00e4ger beantragt,<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\"><strong>1. die Bescheide f\u00fcr 2001 bis 2005 \u00fcber Gewerbesteuer und Gewerbesteuermessbetrag vom 18. April 2008 bzw. vom 11. April 2008 und die hierzu ergangene Einspruchsentscheidung vom 02. M\u00e4rz 2009 des Beklagten aufzuheben sowie<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td rowspan=\"1\" colspan=\"1\" valign=\"top\"><strong>2. die Hinzuziehung eines Bevollm\u00e4chtigten im Vorverfahren f\u00fcr notwendig zu erkl\u00e4ren.<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_18\"><\/a>18<\/dt>\n<dd>Der Beklagte beantragt,\u00a0<strong>die Klage abzuweisen.<\/strong><\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_19\"><\/a>19<\/dt>\n<dd>Er h\u00e4lt an seiner Einspruchsentscheidung fest.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_20\"><\/a>20<\/dt>\n<dd>Dem Senat haben bei seiner Entscheidungsfindung die den Kl\u00e4ger und die Streitjahre betreffende Gewerbesteuerakte, ein Band Betriebspr\u00fcfungsakten und ein Band Betriebspr\u00fcfungsberichte sowie der Arbeitsbogen des Betriebspr\u00fcfers vorgelegen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<h4>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h4>\n<\/div>\n<div>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_21\"><\/a>21<\/dt>\n<dd>1. Die Klage ist zul\u00e4ssig. Der Senat versteht die Klageschrift im Sinne einer rechtsschutzgew\u00e4hrenden Auslegung dahingehend, dass sie sich gegen die Bescheide \u00fcber den Gewerbesteuermessbetrag und nicht zugleich gegen die Gewerbesteuerbescheide als deren Folgebescheide richtet (vgl. \u00a7\u00a0351 Abs. 2 Abgabenordnung -AO-).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_22\"><\/a>22<\/dt>\n<dd>2. Die zul\u00e4ssige Klage ist begr\u00fcndet, da die angefochtenen Gewerbesteuermessbetragsbescheide rechtswidrig sind und den Kl\u00e4ger in seinen Rechten verletzen (\u00a7\u00a0100 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 Finanzgerichtsordnung -FGO-). Die streitgegenst\u00e4ndliche T\u00e4tigkeit des Kl\u00e4gers war nicht gewerblich im Sinne des \u00a7\u00a02 Abs. 1 Satz 2 GewStG i.V.m. \u00a7\u00a015 Abs. 2 Satz\u00a01 EStG. Der Kl\u00e4ger war vielmeh<strong>r freiberuflich als Ingenieur im Sinne des \u00a7\u00a018 Abs.\u00a01\u00a0Nr. 1 Satz 2 EStG t\u00e4tig und damit nach \u00a7\u00a02 Abs. 1 Satz 1 und 2 GewStG i.V.m. \u00a7\u00a015 Abs. 2 Satz 1 EStG und \u00a7\u00a018 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG nicht Subjekt der Gewerbesteuer<\/strong>. Denn nach den letztgenannten Vorschriften ist die selbst\u00e4ndige Berufst\u00e4tigkeit eines Ingenieurs eine freiberufliche und keine gewerbliche T\u00e4tigkeit.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_23\"><\/a>23<\/dt>\n<dd>a) Der unstreitig selbst\u00e4ndig t\u00e4tige Kl\u00e4ger war im streitgegenst\u00e4ndlichen Zeitraum Ingenieur im Sinne des \u00a7\u00a018 Abs. 1 Nr.\u00a01 Satz 2 EStG. Ingenieur im Sinne dieser Vorschrift ist, wer \u00fcber die erforderliche Berufsqualifikation verf\u00fcgt und eine Ingenieurt\u00e4tigkeit tats\u00e4chlich aus\u00fcbt (zutreffend BFH, Urteil vom 22. September 2009 &#8211; VIII R 31\/07, BStBl. II 2010, 467, Rz. 10).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_24\"><\/a>24<\/dt>\n<dd>aa) Der Kl\u00e4ger verf\u00fcgte \u00fcber die erforderliche Berufsqualifikation. Er geh\u00f6rte nach seiner Ausbildung zu dem nach dem Gesetzeswortlaut des \u00a7\u00a018 Abs. 1 Nr.\u00a01 Satz 2 EStG beg\u00fcnstigten Berufszweig der Ingenieure. \u00dcber die pers\u00f6nliche Qualifikation als Ingenieur verf\u00fcgt angesichts der Pr\u00e4gung des Berufsbildes des Ingenieurs durch die Ingenieurgesetze der L\u00e4nder derjenige, der aufgrund seiner Ausbildung an einer wissenschaftlichen Hochschule, einer Fachhochschule oder eines Betriebsf\u00fchrerlehrganges an einer Bergschule befugt ist, die Berufsbezeichnung \u201eIngenieur\u201c zu f\u00fchren (BFH, Urteil vom 22. September 2009 &#8211; VIII R 31\/07, BStBl. II 2010, 467, Rz. 11). Der Kl\u00e4ger war in den Streitjahren aufgrund seines erfolgreich absolvierten Studiums an der Fachhochschule B\u2026 und des ihm verliehenen akademischen Grads \u201eDiplom-Ingenieur (FH)\u201c berechtigt, die Berufsbezeichnung \u201eIngenieur\u201c zu f\u00fchren [Art. 1 des Gesetzes zum Schutze der Berufsbezeichnung \u201eIngenieur\u201c und \u201eIngenieurin\u201c (Ingenieurgesetz &#8211; IngG) vom 27.\u00a0Juli 1970, Bay. GVBl. 1970, Seite 336; \u00dcbersicht \u00fcber die Ingenieurgesetze der L\u00e4nder in BFH, Urteil vom 18. Juni 1980 &#8211; I R 109\/77, BStBl. II 1981, 118.].<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_25\"><\/a>25<\/dt>\n<dd>bb) Der Kl\u00e4ger \u00fcbte im streitgegenst\u00e4ndlichen Zeitraum eine Ingenieurst\u00e4tigkeit auch tats\u00e4chlich aus.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a title=\"zum Orientierungssatz\" name=\"rd_26\" href=\"http:\/\/www.gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de\/jportal\/portal\/t\/qie\/bs\/10\/page\/sammlung.psml?pid=Dokumentanzeige&amp;showdoccase=1&amp;js_peid=Trefferliste&amp;documentnumber=9&amp;numberofresults=25&amp;fromdoctodoc=yes&amp;doc.id=STRE201370443&amp;doc.part=L&amp;doc.price=0.0&amp;doc.hl=1#_retrdlink_26\"><\/a>26<\/dt>\n<dd>(1) Der Umstand, dass er seinen Abschluss zwar im Studiengang Holztechnik erworben, die streitgegenst\u00e4ndliche T\u00e4tigkeit aber im IT-Bereich ausge\u00fcbt hat, ist in diesem Zusammenhang unsch\u00e4dlich. Zwar ist die T\u00e4tigkeit des Ingenieurs normalerweise auf ein bestimmtes Fachgebiet beschr\u00e4nkt (siehe dazu Sarrazin in Lenski\/Steinberg, GewStG, Kommentar, \u00a7\u00a02 GewStG Anm. 836). Sinn und Zweck des \u00a7\u00a018 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG erfordern indes nicht, dass ein Ingenieur nur dann Freiberufler sein kann, sofern er sich nach Studienabschluss der seinem Studium entsprechenden Fachrichtung tats\u00e4chlich widmet. Es gen\u00fcgt vielmehr, wenn er im Anschluss an sein erfolgreich abgeschlossenes Ingenieurstudium auf einem beliebigen Hauptgebiet des Ingenieurwesens in ingenieurtypischer Weise selbst\u00e4ndig berufst\u00e4tig ist (siehe etwa BFH, Urteil vom 06. September 2006 &#8211; XI R 3\/06, BStBl. II 2007, 118, unter II.3.b) der Gr\u00fcnde: Wirtschaftsingenieure k\u00f6nnten unabh\u00e4ngig vom Studienschwerpunkt Freiberufler sein, sofern sie anschlie\u00dfend auf einem Hauptgebiet des Ingenieurwesens selbst\u00e4ndig t\u00e4tig sind; dazu allerdings kritisch Kempermann, FR 2007, 184). Erforderlich ist nach Auffassung des Senats lediglich, dass der Steuerpflichtige sich eine <em>Bandbreite grundlegender technikwissenschaftlicher Ingenieurkenntnisse im Rahmen einer qualifizierten Vorbildung angeeignet hat. Der mit dem zeitintensiven Erwerb dieses Grundlagenwissens als Basis der Berufsaus\u00fcbung verbundene Einkommensverlust rechtfertigt die Besserstellung freiberuflicher Ingenieure in gewerbesteuerrechtlicher Hinsicht gegen\u00fcber anderen im technischen Bereich selbst\u00e4ndig T\u00e4tigen (BFH, Urteil vom 14. Juni 2007 &#8211; XI R 11\/06, BFH\/NV 2007, 2091, unter II.3.a) der Gr\u00fcnde).<\/em> Der Erwerb hinreichend vertiefter Kenntnisse allein in dem tats\u00e4chlich ausge\u00fcbten Teilgebiet des Ingenieurwesens reicht f\u00fcr die Anerkennung einer freiberuflichen Bet\u00e4tigung einerseits nicht aus. Der Erwerb solcher Kenntnisse in dem konkret ausge\u00fcbten Teilgebiet ist hierf\u00fcr andererseits aber auch nicht zwingend erforderlich, da der entscheidende Gesichtspunkt f\u00fcr die Privilegierung des in \u00a7\u00a018 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG genannten Katalogberufes \u201eIngenieure\u201c nicht die im Einzelfall gegebene Qualit\u00e4t der geleisteten (ingenieurtypischen) Arbeit, sondern die genannte Breite und Tiefe der absolvierten Ausbildung im Allgemeinen ist.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a title=\"zum Orientierungssatz\" name=\"rd_27\" href=\"http:\/\/www.gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de\/jportal\/portal\/t\/qie\/bs\/10\/page\/sammlung.psml?pid=Dokumentanzeige&amp;showdoccase=1&amp;js_peid=Trefferliste&amp;documentnumber=9&amp;numberofresults=25&amp;fromdoctodoc=yes&amp;doc.id=STRE201370443&amp;doc.part=L&amp;doc.price=0.0&amp;doc.hl=1#_retrdlink_27\"><\/a>27<\/dt>\n<dd>(2) Der Kl\u00e4ger war in den Streitjahren auf einem Hauptgebiet des Ingenieurwesens, der Datenverarbeitungstechnik, selbst\u00e4ndig t\u00e4tig. Zu den das Berufsbild der Ingenieure pr\u00e4genden Aufgaben geh\u00f6rt es im Generellen auf der Grundlage naturwissenschaftlicher und technischer Erkenntnisse und unter Ber\u00fccksichtigung wirtschaftlicher Belange technische Werke zu planen, zu konstruieren und ihre Fertigung zu \u00fcberwachen (zutreffend BFH, Urteil vom 22. September 2009 &#8211; VIII R 31\/07, BStBl. II 2010, 467, unter II.1.b)aa) der Gr\u00fcnde m.w.N.). \u00dcbertragen auf den IT-Bereich sind ingenieurtypische Aufgaben daher die Entwicklung und Konstruktion von Hard- und Software, die Entwicklung von Betriebssystemen und ihre Anpassung an die Bed\u00fcrfnisse des Kunden, der Aufbau, die Betreuung und Verwaltung von Firmennetzwerken und -servern, die Anpassung vorhandener Systeme an Bedingungen im Einzelfall sowie die Bereitstellung qualifizierter Dienstleistungen, wie etwa Netz- und Systemadministration, Benutzerservice und Schulung sowie die Bewertung bestehender Systeme (zutreffend BFH, Urteil vom 22.\u00a0September 2009 &#8211; VIII R 31\/07, BStBl. II 2010, 467, unter II.1.b)bb) der Gr\u00fcnde). Der Senat ist angesichts der plausiblen Best\u00e4tigungsschreiben sowohl der Firma E\u2026 als auch der Firma F\u2026 sowie der Ausf\u00fchrungen des Kl\u00e4gers in der m\u00fcndlichen Verhandlung \u00fcberzeugt, dass der Kl\u00e4ger angesichts der von ihm ausgef\u00fchrten qualifizierten EDV-Dienstleistungen in den Streitjahren den genannten Anforderungen entsprechend im IT-Bereich planend, konstruktiv und beratend und damit ingenieurtypisch t\u00e4tig war. Dies gilt nicht nur f\u00fcr die Softwareentwicklung und -anpassung, sondern insbesondere auch f\u00fcr die durch den Kl\u00e4ger erbrachte Software-Evaluierung, Erstellung von Datenbanken, Software-Konfiguration und Netzwerk-Administration. Der Senat stuft auch solche Bet\u00e4tigungen, sofern sie im Rahmen von Firmennetzwerken und nicht auf dem f\u00fcr Privatanwender ausreichenden Niveau erbracht werden, als freiberuflich ein. Denn es sind Verrichtungen, die regelm\u00e4\u00dfig nicht durch einen durchschnittlichen Computeranwender erledigt werden k\u00f6nnen, sondern spezielles Wissen eines Fachmanns voraussetzen. Derart qualifizierte EDV-Dienstleistungen haben grunds\u00e4tzlich freiberuflichen Charakter (in diesem Sinne zutreffend auch Demuth, EStB 2010, 85).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a title=\"zum Orientierungssatz\" name=\"rd_28\" href=\"http:\/\/www.gerichtsentscheidungen.berlin-brandenburg.de\/jportal\/portal\/t\/qie\/bs\/10\/page\/sammlung.psml?pid=Dokumentanzeige&amp;showdoccase=1&amp;js_peid=Trefferliste&amp;documentnumber=9&amp;numberofresults=25&amp;fromdoctodoc=yes&amp;doc.id=STRE201370443&amp;doc.part=L&amp;doc.price=0.0&amp;doc.hl=1#_retrdlink_28\"><\/a>28<\/dt>\n<dd>b) Die streitgegenst\u00e4ndliche T\u00e4tigkeit des Kl\u00e4gers ist trotz einzelner gewerblicher Elemente insgesamt als freiberuflich einzuordnen. Die Argumentation des Beklagten, der Kl\u00e4ger habe gegen\u00fcber seinen Kunden im Rahmen seiner Bet\u00e4tigung zus\u00e4tzlich gewerbliche Leistungen erbracht und sei daher insgesamt als Gewerbetreibender zu behandeln, \u00fcberzeugt den Senat nicht. Zwar k\u00f6nnen Aktivit\u00e4ten wie der zus\u00e4tzliche Verkauf von Hardware durch einen IT-Ingenieur zur Gewerblichkeit der Gesamtbet\u00e4tigung f\u00fchren. Dies gilt indes nicht in F\u00e4llen, in denen dem Absatz von Hardware als Nebenarbeit nur dienende Funktion gegen\u00fcber der Bet\u00e4tigung als Ingenieur zukommt, weil letzterer im Rahmen der Entwicklung individueller Kundenl\u00f6sungen oder der Betreuung von Firmenrechnern beispielsweise einzelne Bauteile f\u00fcr den Kunden liefert (siehe etwa BFH, Urteil vom 24. April 1997 &#8211; IV R 60\/95, BStBl. II 1997, 567). Eine solche Bet\u00e4tigung ist steuerlich einheitlich nach dem vorherrschenden Element der ingenieurtypischen Arbeit als freiberuflich zu qualifizieren. Der Senat ist nach dem Studium der Rechnungen des Kl\u00e4gers \u00fcber die Lieferung von Materialien wie einzelner Drucker, Notebooks, Festplatten, Kabel, Toner etc. zu der \u00dcberzeugung gelangt, dass dieser Teil seiner Bet\u00e4tigung nur Hilfscharakter im Rahmen der Entwicklungs- und Beratungsarbeit hatte. Da es sich lediglich um einzelne Komponenten handelt, die der Kl\u00e4ger im Kundenauftrag bezogen und zum Einkaufspreis weiterberechnet hat, ist nicht davon auszugehen, dass die Bet\u00e4tigung des Kl\u00e4gers durch den Handel mit Computerzubeh\u00f6r oder das blo\u00dfe Zusammenstecken und Installieren von Computerteilen gepr\u00e4gt war.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_29\"><\/a>29<\/dt>\n<dd>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7\u00a0135 Abs. 1 FGO. Die Entscheidung \u00fcber die vorl\u00e4ufige Vollstreckbarkeit folgt aus \u00a7\u00a0151 FGO in Verbindung mit \u00a7\u00a7\u00a0708 Nr. 10, 711 Zivilprozessordnung -ZPO-. Der Beschluss \u00fcber die Notwendigkeit der Hinzuziehung eines Bevollm\u00e4chtigten zum Vorverfahren beruht auf \u00a7\u00a0139 Abs. 3 Satz 3 FGO und dem Umstand, dass die Sach- und Rechtslage nicht so einfach war, dass der Kl\u00e4ger auf sachkundige Vertretung h\u00e4tte verzichten m\u00fcssen.<\/p>\n<div><\/div>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tenor Die Bescheide \u00fcber den Gewerbesteuermessbetrag 2001 und 2002 vom 18. April 2008 sowie die Bescheide \u00fcber den Gewerbesteuermessbetrag 2003 bis 2005 vom 11. April 2008 und die dazu erlassene Einspruchsentscheidung vom 02. M\u00e4rz 2009 werden aufgehoben. Die Kosten des Verfahrens werden dem Beklagten auferlegt. Das Urteil ist hinsichtlich der Kosten vorl\u00e4ufig vollstreckbar. Der Beklagte &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/freiberufliche-tatigkeit-eines-im-wesentlichen-als-softwareentwickler-tatigen-diplom-ingenieurs-fur-holztechnik\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Freiberufliche T\u00e4tigkeit eines im Wesentlichen als Softwareentwickler t\u00e4tigen Diplom-Ingenieurs f\u00fcr Holztechnik<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1689],"tags":[2189],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33324"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33324"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33324\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33324"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33324"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33324"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}