{"id":35923,"date":"2013-08-28T18:19:19","date_gmt":"2013-08-28T16:19:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=35923"},"modified":"2020-09-15T12:02:47","modified_gmt":"2020-09-15T10:02:47","slug":"kindergeld-fur-einen-polnischen-saisonarbeitnehmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kindergeld-fur-einen-polnischen-saisonarbeitnehmer\/","title":{"rendered":"Kindergeld f\u00fcr einen polnischen Saisonarbeitnehmer"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 13px; line-height: 19px;\">BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.5.2013, III R 8\/11<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 13px; line-height: 19px;\">Leits\u00e4tze<\/span><\/p>\n<div>\n<p>1. Ein sich aus \u00a7 62 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. b EStG ergebender Anspruch auf Kindergeld entf\u00e4llt nicht dadurch, dass der Anspruchsberechtigte gem\u00e4\u00df Art. 13 ff. der VO Nr. 1408\/71 nicht den deutschen Rechtsvorschriften, sondern nur den Vorschriften eines anderen Mitgliedstaats der Europ\u00e4ischen Union unterliegt. F\u00fcr die Anwendbarkeit der deutschen Rechtsvorschriften bedarf es keines zus\u00e4tzlichen nationalen Anwendungsbefehls.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2. Ist Deutschland nach den Bestimmungen der Art. 13 ff. der VO Nr. 1408\/71 der nicht zust\u00e4ndige Mitgliedstaat und auch nicht der Wohnmitgliedstaat des betreffenden Kindes, dann ist die Konkurrenz zu Anspr\u00fcchen, die im zust\u00e4ndigen Mitgliedstaat bestehen, nach nationalem Recht zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3. Bei der Auslegung der deutschen Konkurrenzvorschrift des \u00a7 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG sind die Anforderungen des Prim\u00e4rrechts der Union auf dem Gebiet der Freiz\u00fcgigkeit der Arbeitnehmer zu beachten.<\/p>\n<\/div>\n<p>Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>1<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>I. Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger), ein polnischer Staatsangeh\u00f6riger, ist der Vater der 1995 und 2000 geborenen Kinder A und S. Er lebt mit seiner Familie in Polen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>2<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Vom 30.\u00a0Mai bis 6.\u00a0Juli und vom 16.\u00a0August bis 12.\u00a0Oktober 2007 war der Kl\u00e4ger bei einem deutschen Unternehmen im Inland nichtselbst\u00e4ndig besch\u00e4ftigt. In seinem Heimatland Polen war er als Selbst\u00e4ndiger sozialversicherungspflichtig. In der von ihm eingereichten Einkommensteuererkl\u00e4rung 2007 beantragte er, als unbeschr\u00e4nkt einkommensteuerpflichtig behandelt zu werden. Ausweislich der beigef\u00fcgten Bescheinigung &#8222;EU\/EWR&#8220; hatte er im Jahr 2007 in Polen keine steuerpflichtigen Eink\u00fcnfte erzielt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>3<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Er beantragte im M\u00e4rz 2008 die Bewilligung von Kindergeld und gab hierbei unter anderem an, dass seine Ehefrau f\u00fcr den Zeitraum September 2006 bis August 2007 polnische Familienleistungen bezogen habe. Au\u00dferdem legte er eine Lohnsteuerbescheinigung vor. Danach hatte er w\u00e4hrend seines Aufenthalts in Deutschland insgesamt 4.236,69\u00a0EUR brutto verdient.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>4<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) lehnte den Antrag ab. Einspruch und Klage blieben erfolglos. Das Finanzgericht (FG) gab zur Begr\u00fcndung an, dass ein Kindergeldanspruch aufgrund der Regelungen der Verordnung (EWG) Nr.\u00a01408\/71 des Rates vom 14.\u00a0Juni 1971 \u00fcber die Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbst\u00e4ndige sowie deren Familienangeh\u00f6rige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (VO Nr.\u00a01408\/71), nur nach polnischem, nicht aber nach deutschem Recht bestehe. Der Kl\u00e4ger unterliege wegen seiner selbst\u00e4ndigen T\u00e4tigkeit in Polen und seiner nur vor\u00fcbergehenden unselbst\u00e4ndigen T\u00e4tigkeit in Deutschland gem\u00e4\u00df Art.\u00a014a Nr.\u00a01 Buchst.\u00a0a der VO Nr.\u00a01408\/71 den polnischen Rechtsvorschriften \u00fcber Familienleistungen. Die Regelungen der VO Nr.\u00a01408\/71 seien abschlie\u00dfend, so dass das deutsche Kindergeldrecht auch nicht subsidi\u00e4r anwendbar sei. Den \u00a7\u00a7\u00a062\u00a0ff. des Einkommensteuergesetzes (EStG) sei nicht zu entnehmen, dass deutsches Kindergeldrecht auch dann anzuwenden sei, wenn nach dem Wortlaut der VO Nr.\u00a01408\/71 die Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats Anwendung f\u00e4nden. Ein Anwendungsbefehl zugunsten des nationalen Rechts w\u00e4re aber zu erwarten, weil die VO Nr.\u00a01408\/71 als \u00fcberstaatliches Recht den nationalen Rechtsvorschriften vorgehe und deren Anwendungsbereich begrenze.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>5<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision macht der Kl\u00e4ger geltend, dass Art.\u00a014a Nr.\u00a01 Buchst.\u00a0a der VO Nr.\u00a01408\/71 nicht einschl\u00e4gig sei. Nach dem Grundsatz des Art.\u00a013 Abs.\u00a02 der VO Nr.\u00a01408\/71 sei wegen der in Deutschland ausge\u00fcbten nichtselbst\u00e4ndigen Besch\u00e4ftigung daher deutsches Recht anzuwenden. Das FG habe damit bereits das Gemeinschaftsrecht fehlerhaft angewandt. Dar\u00fcber hinaus habe es dem Gemeinschaftsrecht zu Unrecht eine rechtsnormverk\u00fcrzende Wirkung beigemessen. Selbst bei Anwendbarkeit des polnischen Rechts seien die deutschen Rechtsvorschriften nicht gesperrt. Die Entscheidung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union (EuGH) vom 20.\u00a0Mai 2008 C-352\/06, Bosmann (Slg.\u00a02008, I-3827) werde in der Literatur zutreffend so bewertet, dass europ\u00e4isches koordinierendes Sozialrecht niemals rechtsverk\u00fcrzend oder gar rechtsvernichtend, sondern stets nur rechtserweiternd wirke.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>6<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger beantragt, das FG-Urteil aufzuheben und die Familienkasse unter Aufhebung des Bescheids vom 2.\u00a0Mai 2008 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 29.\u00a0Mai 2008 zu verpflichten, Kindergeld f\u00fcr die Kinder A und S f\u00fcr die Monate Mai bis einschlie\u00dflich Oktober 2007 festzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>7<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>8<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Der Kl\u00e4ger habe in keinem Versicherungspflichtverh\u00e4ltnis zur Bundesagentur f\u00fcr Arbeit gestanden, sondern der polnischen Sozialversicherung unterlegen. Da bereits die Versicherung in einem Zweig der sozialen Sicherheit zur Er\u00f6ffnung des pers\u00f6nlichen Anwendungsbereichs der VO Nr.\u00a01408\/71 f\u00fchre, m\u00fcsse auch die Frage, in welchem Mitgliedstaat die Besch\u00e4ftigung ausge\u00fcbt werde, am Versichertenstatus festgemacht werden. Das Versicherungsland habe daher als Besch\u00e4ftigungsland i.S. der Art.\u00a013\u00a0ff. der VO Nr.\u00a01408\/71 zu gelten. Es bleibe daher bei der Zuweisung des hier zu beurteilenden Sachverhalts unter die polnischen Rechtsvorschriften.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>9<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die Beteiligten haben auf die Durchf\u00fchrung einer m\u00fcndlichen Verhandlung verzichtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>10<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>II. Die Revision ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung des FG-Urteils und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG (\u00a7\u00a0126 Abs.\u00a03 Satz\u00a01 Nr.\u00a02 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG ist rechtsfehlerhaft davon ausgegangen, dass die deutschen Kindergeldvorschriften (\u00a7\u00a7\u00a062\u00a0ff. EStG) deshalb nicht anwendbar seien, weil der Streitfall gem\u00e4\u00df Art.\u00a013 Abs.\u00a01 i.V.m. Art.\u00a014a Nr.\u00a01 Buchst.\u00a0a der VO Nr.\u00a01408\/71 &#8211;ausschlie\u00dflich&#8211; den polnischen Rechtsvorschriften unterlegen habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>11<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>1. Die Familienkasse Sachsen der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit ist aufgrund eines Organisationsaktes (Beschluss des Vorstands der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit Nr.\u00a021\/2013 vom 18.\u00a0April 2013 gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a05 Abs.\u00a01 Nr.\u00a011 des Finanzverwaltungsgesetzes, Amtliche Nachrichten der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit, Ausgabe Mai\u00a02013, S.\u00a06\u00a0ff., Nr.\u00a02.2 der Anlage\u00a02) im Wege des gesetzlichen Parteiwechsels in die Beteiligtenstellung der Agentur f\u00fcr Arbeit Wesel (Familienkasse) eingetreten (s. dazu Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 3.\u00a0M\u00e4rz 2011 V\u00a0B\u00a017\/10, BFH\/NV 2011, 1105, unter II.A.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>12<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>2. Nach \u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0b EStG hat u.a. Anspruch auf Kindergeld, wer ohne Wohnsitz oder gew\u00f6hnlichen Aufenthalt im Inland nach \u00a7\u00a01 Abs.\u00a03 EStG als unbeschr\u00e4nkt einkommensteuerpflichtig behandelt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>13<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die sich aus dieser Norm ergebende Anspruchsberechtigung entf\u00e4llt nicht dadurch, dass eine Person gem\u00e4\u00df Art.\u00a013\u00a0ff. der VO Nr.\u00a01408\/71 nicht den deutschen Rechtsvorschriften, sondern\u00a0nur\u00a0(vgl. Art.\u00a013 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 der VO Nr.\u00a01408\/71) den Vorschriften eines anderen Mitgliedstaats der Europ\u00e4ischen Union unterliegt. An der gegenteiligen Auffassung, die der vorinstanzlichen Entscheidung zugrunde liegt und die auch der BFH bisher in st\u00e4ndiger Rechtsprechung vertreten hat (z.B. BFH-Urteile vom 13.\u00a0August 2002 VIII\u00a0R\u00a061\/00, BFHE 200, 205, BStBl II 2002, 869, und VIII\u00a0R\u00a097\/01, BFHE 200, 211, BStBl II 2002, 869; Senatsurteil vom 24.\u00a0M\u00e4rz 2006 III\u00a0R\u00a041\/05, BFHE 212, 551, BStBl II 2008, 369), kann der Senat mit Blick auf die EuGH-Urteile in den Rechtssachen Bosmann in Slg.\u00a02008, I-3827 sowie vom 12.\u00a0Juni 2012 C-611\/10, C-612\/10, Hudzinski und Wawrzyniak (Zeitschrift f\u00fcr europ\u00e4isches Sozial- und Arbeits-recht &#8211;ZESAR&#8211; 2012, 475) nicht mehr festhalten. Das vom BFH durch Auslegung des Art.\u00a013 Abs.\u00a01 der VO Nr.\u00a01408\/71 gewonnene &#8222;unionsrechtliche Verbot&#8220; der Gew\u00e4hrung deutschen Kindergeldes zugunsten von Personen, die nur den Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats unterliegen, beruht nach Auffassung des EuGH auf einem fehlerhaften Verst\u00e4ndnis der verordnungsrechtlichen Vorschriften zur Bestimmung des anwendbaren Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>14<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Da somit eine europarechtlich begr\u00fcndete Sperrwirkung des Art.\u00a013 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 der VO Nr.\u00a01408\/71 gerade nicht besteht, richtet sich die Anspruchsberechtigung auch bei Personen und bei Leistungen, die dem pers\u00f6nlichen und sachlichen Anwendungsbereich der VO Nr.\u00a01408\/71 unterliegen, allein nach den Bestimmungen des deutschen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>15<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Es bedarf nach Auffassung des Senats auch keines zus\u00e4tzlichen nationalen Anwendungsbefehls. Ungeachtet der schwierigen Frage, wie ein solcher Anwendungsbefehl zu formulieren w\u00e4re, basiert diese Forderung auf der Rechtsauffassung, dass Art.\u00a013 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 der VO Nr.\u00a01408\/71 eine Sperrwirkung (Verbot) f\u00fcr die Anwendung der Rechtsvorschriften des nicht zust\u00e4ndigen Mitgliedstaats begr\u00fcndet. Sollen die an sich nicht anwendbaren Vorschriften des unzust\u00e4ndigen Mitgliedstaats dennoch angewendet werden, so bedarf es einer ausdr\u00fccklichen Willens\u00e4u\u00dferung des Gesetzgebers dieses Staates. Dieser in der Rechtsprechung der FG vertretenen Auffassung (vgl. z.B. Urteile des FG D\u00fcsseldorf vom 17.\u00a0Februar 2009\u00a0\u00a010\u00a0K\u00a0501\/08\u00a0Kg, Entscheidungen der Finanzgerichte 2009, 761; vom 24.\u00a0September 2010\u00a0\u00a016\u00a0K\u00a03718\/08\u00a0Kg, juris) wurde sp\u00e4testens durch das EuGH-Urteil Hudzinski und Wawrzyniak in ZESAR 2012, 475 die Grundlage entzogen. Denn die angenommene europarechtliche Sperrwirkung besteht gerade nicht. Richtet sich die Kindergeldberechtigung einer Person demnach allein nach den nationalen Vorschriften des an sich unzust\u00e4ndigen Mitgliedstaats, dann ist f\u00fcr das geltende deutsche Recht festzustellen, dass diesem keine Einschr\u00e4nkung zu entnehmen ist, dass Kindergeld im Falle grenz\u00fcberschreitender Sachverhalte nur unter dem Vorbehalt der Zust\u00e4ndigkeit Deutschlands i.S. der Art.\u00a013\u00a0ff. der VO Nr.\u00a01408\/71 zu gew\u00e4hren ist. Selbst wenn ein solcher &#8211;still-schweigender&#8211; Vorbehalt dem Willen des Gesetzgebers entsprochen haben sollte, so fehlt es jedenfalls an der tatbestandlichen Ausformulierung dieser Absicht. Aus der Gesetzgebungsgeschichte geht hervor, dass der Gesetzgeber die mit dem Jahressteuergesetz 1996 vollzogene Neukonzeption des Kindergeldrechts durchaus mit der VO Nr.\u00a01408\/71 abgestimmt hat. So hat er den sozialrechtlichen Kindergeldanspruch insbesondere f\u00fcr solche Wanderarbeitnehmer vorgesehen, die nach der VO Nr.\u00a01408\/71 den deutschen Bestimmungen \u00fcber soziale Sicherheit unterliegen (vgl. BTDrucks\u00a013\/1558, S.\u00a0163) und (nur) deshalb in einem Versicherungspflichtverh\u00e4ltnis zur Bundesagentur f\u00fcr Arbeit (vgl. \u00a7\u00a01 Abs.\u00a01 Nr.\u00a01 des Bundeskindergeldgesetzes &#8211;BKGG&#8211;) stehen (k\u00f6nnen). Das Abstellen auf ein bestehendes Versicherungspflichtverh\u00e4ltnis in der deutschen Sozialversicherung, das wiederum von der Anwendbarkeit des deutschen Sozialrechts gem\u00e4\u00df Art.\u00a013\u00a0ff. der VO Nr.\u00a01408\/71 abh\u00e4ngt, stellt gewisserma\u00dfen den deutschen Anwendungsbefehl f\u00fcr den sozialrechtlichen Kindergeldanspruch dar. Ein vergleichbarer Vorbehalt bzw. &#8211;positiv gewendet&#8211; Anwendungsbefehl hinsichtlich der Anwendbarkeit der deutschen Bestimmungen gem\u00e4\u00df der VO Nr.\u00a01408\/71 fehlt dagegen im Anwendungsbereich des steuerrechtlichen Kindergeldes. Dieses hat der Gesetzgeber ohne weitere einschr\u00e4nkende Voraussetzungen (nur) vom Wohnsitz oder gew\u00f6hnlichen Aufenthalt im Inland, also der unbeschr\u00e4nkten Einkommensteuerpflicht (\u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 Nr.\u00a01 EStG) und &#8211;f\u00fcr bestimmte grenz\u00fcberschreitende Sachverhalte&#8211; von der fiktiven unbeschr\u00e4nkten Einkommensteuerpflicht gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a01 Abs.\u00a03 EStG (\u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0b EStG) abh\u00e4ngig gemacht. Eine Differenzierung der sich aus \u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 EStG ergebenden Anspruchsberechtigung nach der Anwendbarkeit der deutschen Bestimmungen findet sich dort nicht. Nur wenn die Regelung in Buchst.\u00a0b des \u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 EStG in dieser Form nicht existierte, w\u00fcrde der Kindergeldanspruch einer Person, die auf Antrag als unbeschr\u00e4nkt einkommensteuerpflichtig gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a01 Abs.\u00a03 EStG behandelt wird, von der Anwendbarkeit der deutschen Rechtsvorschriften gem\u00e4\u00df Art.\u00a013\u00a0ff. der VO Nr.\u00a01408\/71 abh\u00e4ngen. Denn in einem solchen Fall w\u00fcrde die steuerliche Freistellung des Kinderexistenzminimums allein durch den auch im Falle des \u00a7\u00a01 Abs.\u00a03 EStG bestehenden Anspruch auf einen Kinderfreibetrag (vgl. Schmidt\/Loschelder, EStG, 32.\u00a0Aufl., \u00a7\u00a032 Rz\u00a02) bewirkt werden. Kindergeld als Sozialleistung k\u00f6nnte von der als unbeschr\u00e4nkt steuerpflichtig behandelten Person aber nur dann beansprucht werden, wenn sie nach Art.\u00a013\u00a0ff. der VO Nr.\u00a01408\/71 den deutschen Bestimmungen \u00fcber soziale Sicherheit unterliegen w\u00fcrde. Denn nur bei Anwendbarkeit des deutschen Sozialrechts kann \u00fcberhaupt ein Versicherungspflichtverh\u00e4ltnis zur Bundesagentur f\u00fcr Arbeit i.S. des \u00a7\u00a01 Abs.\u00a01 Nr.\u00a01 BKGG begr\u00fcndet werden. Dies zeigt, dass nach geltender Rechtslage der nach \u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0b EStG begr\u00fcndete Anspruch eines Saisonarbeitnehmers, der gem\u00e4\u00df Art.\u00a013\u00a0ff. der VO Nr.\u00a01408\/71 den deutschen Bestimmungen \u00fcber soziale Sicherheit\u00a0nicht\u00a0unterliegt, nicht ausgeschlossen werden kann. Die Versagung des Kindergeldes kann nicht mit dem Hinweis auf den fehlenden positiven Anwendungsbefehl des Gesetzgebers begr\u00fcndet werden, sondern kann allenfalls durch \u00c4nderung bzw. Streichung des Buchst.\u00a0b in \u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 EStG erreicht werden. Somit obliegt die Entscheidung, den Kindergeldanspruch solcher als unbeschr\u00e4nkt einkommensteuerpflichtig behandelter Personen, die gem\u00e4\u00df Art.\u00a013\u00a0ff. der VO Nr.\u00a01408\/71 den deutschen Bestimmungen \u00fcber soziale Sicherheit\u00a0nicht\u00a0unterliegen, durch \u00c4nderung oder Aufhebung des \u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0b EStG zu versagen, allein dem Gesetzgeber.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>16<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>3. Gemessen an diesen Ma\u00dfst\u00e4ben kann die Entscheidung der Vor-instanz keinen Bestand haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>17<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Nach den nicht angegriffenen und damit bindenden Feststellungen des FG war der Kl\u00e4ger in Polen selbst\u00e4ndig t\u00e4tig und nur vor\u00fcbergehend in Deutschland als Arbeitnehmer besch\u00e4ftigt. Das FG hat danach gem\u00e4\u00df Art.\u00a013 Abs.\u00a01 i.V.m. Art.\u00a014a Nr.\u00a01 Buchst.\u00a0a der VO Nr.\u00a01408\/71 zutreffend das polnische Recht als anwendbar bestimmt (zum anwendbaren Recht bei einem Saisonarbeitnehmer vgl. BFH-Beschluss vom 21.\u00a0Oktober 2010 III\u00a0R\u00a035\/10, BFHE 231, 194; EuGH-Urteil Hudzinski und Wawrzyniak in ZESAR 2012, 475).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>18<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Entgegen der Auffassung der Vorinstanz entfalten die Art.\u00a013\u00a0ff. der VO Nr.\u00a01408\/71 aber keine Sperrwirkung hinsichtlich der Anwendung der deutschen Rechtsvorschriften. Die grunds\u00e4tzliche Anspruchsberechtigung des Kl\u00e4gers folgt damit aus \u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 EStG. Eines zus\u00e4tzlichen Anwendungsbefehls bedarf es nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>19<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>4. Die Sache ist nicht spruchreif.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>20<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Das FG hat &#8211;von seinem Standpunkt aus folgerichtig&#8211; keine Tatsachen zur Anspruchsberechtigung des Kl\u00e4gers nach deutschem Recht festgestellt. Diese Feststellungen, insbesondere zum Vorliegen der fiktiven unbeschr\u00e4nkten Steuerpflicht (\u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0b EStG), wird das FG im zweiten Rechtsgang nachzuholen haben. F\u00fcr die weitere Pr\u00fcfung weist der Senat auf Folgendes hin:<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>21<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>a) Ausgangspunkt der Pr\u00fcfung ist die Frage, ob der Kl\u00e4ger im Streitzeitraum die Anspruchsvoraussetzungen der \u00a7\u00a7\u00a062\u00a0ff. EStG erf\u00fcllt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>22<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aa) F\u00fcr Kinder i.S. des \u00a7\u00a063 EStG hat nach \u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0b EStG Anspruch auf Kindergeld, wer ohne Wohnsitz oder gew\u00f6hnlichen Aufenthalt im Inland nach \u00a7\u00a01 Abs.\u00a03 EStG als unbeschr\u00e4nkt einkommensteuerpflichtig behandelt wird. Hierzu hat der erkennende Senat entschieden, dass eine Kindergeldberechtigung nach \u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0b EStG voraussetzt, dass der Anspruchsteller aufgrund eines entsprechenden Antrags vom zust\u00e4ndigen Finanzamt (FA) nach \u00a7\u00a01 Abs.\u00a03 EStG als unbeschr\u00e4nkt einkommensteuerpflichtig behandelt wird (Senatsurteil vom 24.\u00a0Mai 2012 III\u00a0R\u00a014\/10, BFHE 237, 239, BStBl II 2012, 897). Die Tatsache allein, dass beispielsweise bei einem ausl\u00e4ndischen Saisonarbeitnehmer im Einkommensteuerbescheid von einer unbeschr\u00e4nkten Steuerpflicht ausgegangen wurde, besagt nicht notwendigerweise, dass es sich um eine Behandlung nach \u00a7\u00a01 Abs.\u00a03 EStG gehandelt hat. Vielmehr kann einem solchen Bescheid z.B. auch eine &#8211;f\u00fcr die Familienkasse und das FG nicht bindende&#8211; unzutreffende Bejahung der Voraussetzungen des \u00a7\u00a01 Abs.\u00a01 EStG zugrunde liegen. Soweit sich daher eine Behandlung nach \u00a7\u00a01 Abs.\u00a03 EStG nicht unmittelbar aus dem Wortlaut oder Inhalt des Steuerbescheids selbst ergibt, ist zu pr\u00fcfen, ob der Anspruchsteller sein Antragswahlrecht gegen\u00fcber dem FA entsprechend ausge\u00fcbt hat (insbesondere durch entsprechende Erkl\u00e4rung im Antragsformular) und welchen Erkl\u00e4rungsgehalt der Anspruchsteller dem Bescheid nach den ihm im Laufe des Veranlagungsverfahrens bekannt gewordenen Umst\u00e4nden beimessen konnte (\u00a7\u00a0124 Abs.\u00a01 Satz\u00a02 der Abgabenordnung). Gegebenen-falls kann insoweit auch eine Beiziehung der Veranlagungsakten notwendig werden. Wurde dem Anspruchsteller im Laufe des jeweiligen Veranlagungszeitraums eine Bescheinigung nach \u00a7\u00a039c Abs.\u00a04 EStG in der bis zum Veranlagungszeitraum 2011 geltenden Fassung erteilt, ist gleichwohl zu pr\u00fcfen, ob in der in diesem Fall von Amts wegen durchzuf\u00fchrenden Veranlagung (\u00a7\u00a046 Abs.\u00a02 Nr.\u00a07 Buchst.\u00a0b EStG in der bis zum Veranlagungszeitraum 2011 geltenden Fassung) die Behandlung des Anspruchstellers als nach \u00a7\u00a01 Abs.\u00a03 EStG unbeschr\u00e4nkt Steuerpflichtiger vom FA beibehalten wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>23<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bb) Wurde dem Antrag des Anspruchstellers auf Behandlung nach \u00a7\u00a01 Abs.\u00a03 EStG entsprochen, l\u00e4sst sich daraus nicht ableiten, dass deshalb in jedem Fall eine Kindergeldberechtigung nach \u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0b EStG f\u00fcr das gesamte Kalenderjahr gegeben ist. Insoweit ist vielmehr zu beachten, dass nach dem BFH-Urteil vom 24.\u00a0Oktober 2012 V\u00a0R\u00a043\/11 (BFHE 239, 327), dem sich der Senat anschlie\u00dft, eine solche Kindergeldberechtigung nur in den Monaten des betreffenden Kalenderjahres besteht, in denen der Anspruchsteller Eink\u00fcnfte i.S. des \u00a7\u00a049 EStG erzielt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>24<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>cc) Die Gr\u00fcnde der angegriffenen Entscheidung enthalten keine hinreichenden Feststellungen dazu, ob der Kl\u00e4ger vom FA nach \u00a7\u00a01 Abs.\u00a03 EStG als unbeschr\u00e4nkt steuerpflichtig behandelt wurde. Das FG hat lediglich festgestellt, dass der Kl\u00e4ger einen entsprechenden Antrag gestellt hat. Es wird daher noch zu pr\u00fcfen sein, ob das FA den Kl\u00e4ger entsprechend seinem Antrag nach \u00a7\u00a01 Abs.\u00a03 EStG behandelt hat und in welchem Teil des Streitzeitraums der Kl\u00e4ger nach \u00a7\u00a049 Abs.\u00a01 Nr.\u00a04 i.V.m. \u00a7\u00a011 EStG inl\u00e4ndische Eink\u00fcnfte erzielt hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>25<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>b) Soweit sich danach das Vorliegen der Anspruchsvoraussetzungen nach \u00a7\u00a062 Abs.\u00a01 Nr.\u00a02 Buchst.\u00a0b EStG ergibt, ist weiter zu pr\u00fcfen, wie eine Konkurrenz zu etwaigen von der Ehefrau des Kl\u00e4gers in Polen bezogenen Familienleistungen aufzul\u00f6sen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>26<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>aa) Ist der pers\u00f6nliche Anwendungsbereich der VO Nr.\u00a01408\/71 er\u00f6ffnet (s. zu dieser Frage im Einzelnen Senatsurteil vom 4.\u00a0August 2011 III\u00a0R\u00a055\/08, BFHE 234, 316, unter II.2.c), muss gepr\u00fcft werden, ob Deutschland nach den Art.\u00a013\u00a0ff. der VO Nr.\u00a01408\/71 der zust\u00e4ndige oder der unzust\u00e4ndige Mitgliedstaat ist (s. zu dieser Frage im Einzelnen Senatsurteile in BFHE 234, 316, unter II.3.; vom 15.\u00a0M\u00e4rz 2012 III\u00a0R\u00a052\/08, BFHE 237, 412, unter II.3., und vom 5.\u00a0Juli 2012 III\u00a0R\u00a076\/10, BFHE 238, 87, unter II.3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>27<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>bb) Ist Deutschland der zust\u00e4ndige Mitgliedstaat, kommen hinsichtlich konkurrierender Anspr\u00fcche der Kindsmutter in Polen grunds\u00e4tzlich die Antikumulierungsvorschriften des Art.\u00a010 der Verordnung (EWG) Nr.\u00a0574\/72 des Rates vom 21.\u00a0M\u00e4rz 1972 \u00fcber die Durchf\u00fchrung der Verordnung (EWG) Nr.\u00a01408\/71 \u00fcber die Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbst\u00e4ndige sowie deren Familienangeh\u00f6rige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (VO Nr.\u00a0574\/72) zur Anwendung. Zwar kann dessen Anwendbarkeit aufgrund der f\u00fcr Deutschland geltenden Einschr\u00e4nkungen des Anhangs\u00a0I Teil\u00a0I Buchst.\u00a0D in der im Streitjahr geltenden Fassung der VO Nr.\u00a01408\/71 ausgeschlossen sein (s. hierzu Senatsurteil in BFHE 234, 316, unter II.3.b). Jedoch hat der Senat unter Bezugnahme auf das Urteil des EuGH in der Rechtssache vom 14.\u00a0Oktober 2010 C-16\/09, Schwemmer (ZESAR 2011, 235 Rdnr.\u00a038) bereits darauf hingewiesen, dass auch in einem Fall, in dem der nach deutschem Recht Kindergeldberechtigte die Voraussetzungen des Anhangs\u00a0I Teil\u00a0I Buchst.\u00a0D der VO Nr.\u00a01408\/71 nicht erf\u00fcllt, die europarechtlichen Antikumulierungsvorschriften wie des Art.\u00a076 der VO Nr.\u00a01408\/71 und des Art.\u00a010 der VO Nr.\u00a0574\/72 gleichwohl zur Anwendung kommen k\u00f6nnen (Senatsurteil in BFHE 238, 87, unter II.4.a). Dies kann sich vor allem daraus ergeben, dass die Kinder des Anspruchstellers als Familienangeh\u00f6rige des anderen Elternteils in den pers\u00f6nlichen Anwendungsbereich der VO Nr.\u00a01408\/71 fallen und parallele Anspr\u00fcche auf Familienleistungen f\u00fcr denselben Zeitraum bestehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>28<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>cc) Ist Deutschland nach den Bestimmungen der Art.\u00a013\u00a0ff. der VO Nr.\u00a01408\/71 der nicht zust\u00e4ndige Mitgliedstaat, was die Vorinstanz im Streitfall rechtsfehlerfrei angenommen hat, und ist Deutschland auch nicht der Wohnmitgliedstaat des betreffenden Kindes (vgl. EuGH-Urteil Hudzinski und Wawrzyniak in ZESAR 2012, 475 Rdnrn.\u00a074 bis 76), dann ist die Konkurrenz zu Anspr\u00fcchen im anderen Mitgliedstaat Polen nach nationalem Recht zu l\u00f6sen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><em>29<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Die nationalen Vorschriften sehen in \u00a7\u00a065 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 Nr.\u00a02 EStG zwar vor, dass Kindergeld nicht f\u00fcr ein Kind gezahlt wird, f\u00fcr das Leistungen f\u00fcr Kinder, die im Ausland gew\u00e4hrt werden und dem Kindergeld oder einer der unter \u00a7\u00a065 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 Nr.\u00a01 EStG genannten Leistungen vergleichbar sind, zu zahlen ist oder bei entsprechender Antragstellung zu zahlen w\u00e4re. Die Auslegung dieser Vorschrift hat jedoch unter Beachtung der Anforderungen des Prim\u00e4rrechts der Union auf dem Gebiet der Freiz\u00fcgigkeit der Arbeitnehmer zu erfolgen (EuGH-Urteil Hudzinski und Wawrzyniak in ZESAR 2012, 475). Danach darf in einem Fall, in dem in einem anderen Mitgliedstaat dem Kindergeld vergleichbare Leistungen gew\u00e4hrt werden, der Anspruch auf Kindergeld nach dem EStG gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a065 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 Nr.\u00a02 EStG nur in entsprechender H\u00f6he gek\u00fcrzt, jedoch nicht v\u00f6llig ausgeschlossen werden, wenn anderenfalls das Freiz\u00fcgigkeitsrecht des Wanderarbeitnehmers beeintr\u00e4chtigt w\u00e4re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>Zur\u00fcck zur Trefferliste\u00a0<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 16.5.2013, III R 8\/11 Leits\u00e4tze 1. 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