{"id":36243,"date":"2011-06-14T09:21:17","date_gmt":"2011-06-14T07:21:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=36243"},"modified":"2013-09-03T09:31:50","modified_gmt":"2013-09-03T07:31:50","slug":"weiterhin-keine-familienversicherung-fur-besserverdienende-bverfg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/weiterhin-keine-familienversicherung-fur-besserverdienende-bverfg\/","title":{"rendered":"Weiterhin keine Familienversicherung f\u00fcr Besserverdienende (BVerfG)"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\u00a0<span style=\"font-size: 13px; line-height: 19px;\">&#8211; 1 BvR 429\/11 &#8211;<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<div><\/div>\n<div>\n<h2>In dem Verfahren \u00fcber\u00a0die Verfassungsbeschwerde<\/h2>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"vb\"><\/a><\/div>\n<div>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">1.<\/td>\n<td>der Frau M&#8230;,<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2.<\/td>\n<td>der Frau M&#8230;,<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">3.<\/td>\n<td>der Minderj\u00e4hrigen M&#8230;,<br \/>\nvertreten durch die Eltern M&#8230;,<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">4.<\/td>\n<td>der Minderj\u00e4hrigen M&#8230;,<br \/>\nvertreten durch die Eltern M&#8230;,<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">5.<\/td>\n<td>des Minderj\u00e4hrigen M&#8230;,<br \/>\nvertreten durch die Eltern M&#8230;,<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"bvm\"><\/a><\/div>\n<div>\n<div>&#8211; Bevollm\u00e4chtigte:<\/div>\n<div>Rechtsanw\u00e4lte Ropohl &amp; Partner,<br \/>\nRoscherstra\u00dfe 13, 30161 Hannover &#8211;<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"vgt\"><\/a><\/div>\n<div>\n<table width=\"80%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td valign=\"top\">1.<\/td>\n<td valign=\"top\">unmittelbar gegen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">a)<\/td>\n<td valign=\"top\">den Beschluss des Bundessozialgerichts vom 6. Januar 2011 &#8211; B 12 KR 50\/10 B -,<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">b)<\/td>\n<td valign=\"top\">das Urteil des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen vom 26. Mai 2010 &#8211; L 1 KR 420\/09 -,<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">c)<\/td>\n<td valign=\"top\">das Urteil des Sozialgerichts Hannover vom 16. Oktober 2009 &#8211; S 10 KR 317\/07 -,<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign=\"top\">2.<\/td>\n<td valign=\"top\">mittelbar gegen<br \/>\n\u00a7\u00a010 Abs. 3 F\u00fcnftes Buch Sozialgesetzbuch &#8211; SGB V &#8211;<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"rr\"><\/a><\/div>\n<div>\n<p>hat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch<\/p>\n<p>den Vizepr\u00e4sidenten Kirchhof,<br \/>\nden Richter Schluckebier<br \/>\nund die Richterin Baer<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"bf\"><\/a><\/div>\n<div>\n<p>gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a093b in Verbindung mit \u00a7\u00a093a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 14. Juni 2011 einstimmig beschlossen:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"bs\"><\/a><\/div>\n<div>\n<p>Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"bg\"><\/a><\/div>\n<div>\n<h3>Gr\u00fcnde:<\/h3>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs1\"><\/a>1<\/div>\n<div>\n<p>Die Verfassungsbeschwerde betrifft die Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><\/div>\n<div>\n<h5>I.<\/h5>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs2\"><\/a>2<\/div>\n<div>\n<p>Die Beschwerdef\u00fchrerin zu 1) ist in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Sie ist mit einem selbst\u00e4ndigen Rechtsanwalt, der privat krankenversichert ist, verheiratet. Die vier gemeinsamen Kinder, die Beschwerdef\u00fchrer zu 2) bis 5), sind ebenso wie der Vater privat krankenversichert.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs3\"><\/a>3<\/div>\n<div>\n<p>Die Beschwerdef\u00fchrer begehrten die Feststellung, dass die Beschwerdef\u00fchrer zu 2) bis 5) im Wege der Familienversicherung nach \u00a7\u00a010 des F\u00fcnften Buches Sozialgesetzbuch &#8211;\u00a0SGB V\u00a0&#8211; (und damit nach \u00a7\u00a03 Satz 3 SGB V beitragsfrei) in der gesetzlichen Krankenversicherung \u00fcber ihre Mutter mitversichert seien. Die Krankenkasse lehnte dies mit Bescheiden vom Juni 2007 ab. Das Begehren hatte auch im Widerspruchs- und im sozialgerichtlichen Klageverfahren keinen Erfolg.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs4\"><\/a>4<\/div>\n<div>\n<p>Die Beschwerdef\u00fchrer r\u00fcgen eine Verletzung des Sozialstaatsprinzips aus Art.\u00a020 Abs. 1 GG in Verbindung mit dem allgemeinen Gleichheitssatz aus Art.\u00a03 Abs. 1 GG sowie von Art.\u00a06 Abs. 1 GG.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><\/div>\n<div>\n<h5>II.<\/h5>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs5\"><\/a>5<\/div>\n<div>\n<p>Die Verfassungsbeschwerde ist zul\u00e4ssig, aber nicht begr\u00fcndet.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs6\"><\/a>6<\/div>\n<div>\n<p>1. Entgegen dem Vortrag der Beschwerdef\u00fchrer hat sich an der verfassungsrechtlichen Beurteilung der Frage, ob \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB V gegen Art.\u00a03 Abs. 1 GG verst\u00f6\u00dft, soweit er Ehen und ehe\u00e4hnliche Lebensgemeinschaften in Bezug auf den Ausschluss von Kindern aus der Familienversicherung unterschiedlich, n\u00e4mlich Ehen schlechter behandelt (vgl. hierzu\u00a0BVerfGE 107, 205), durch das am 1.\u00a0April 2007 in Kraft getretene Gesetz zur St\u00e4rkung des Wettbewerbs in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Wettbewerbsst\u00e4rkungsgesetz &#8211;\u00a0GKV-WSG\u00a0-) vom 26. M\u00e4rz 2007 nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs7\"><\/a>7<\/div>\n<div>\n<p>Bei \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB V handelt es sich um einen Ausschlusstatbestand von der familienpolitischen Leistung der beitragsfreien Familienversicherung von Kindern bis zu den in \u00a7\u00a010 Abs. 2 SGB V geregelten Altersgrenzen (vgl.\u00a0BVerfGE 123, 186 &lt;229&gt;). Die Regelung stellt, soweit ihre Voraussetzungen erf\u00fcllt sind, Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung, die mit dem anderen Elternteil der gemeinsamen Kinder verheiratet sind, durch Ausschluss der Kinder von der Familienversicherung bei Vorliegen der einkommensbezogenen Voraussetzungen des \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB V schlechter als unverheiratete Mitglieder, bei denen ein solcher Ausschluss nicht erfolgt. \u00dcbersteigt in einer ehe\u00e4hnlichen Lebensgemeinschaft das Gesamteinkommen des Elternteils, das nicht Mitglied der Krankenkasse ist, die Einkommensgrenze des \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB V, so steht dies &#8211;\u00a0im Unterschied zu verheirateten Eltern\u00a0&#8211; einer Mitversicherung des Kindes beim gesetzlich versicherten Elternteil nicht entgegen (vgl.\u00a0BVerfGE 107, 205, &lt;214, 216&gt;).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs8\"><\/a>8<\/div>\n<div>\n<p>Nach Auffassung der Beschwerdef\u00fchrer verst\u00f6\u00dft die in \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB\u00a0V geregelte Differenzierung zwischen den in der gesetzlichen Krankenversicherung und der privaten Krankenversicherung versicherten Kindern gegen den allgemeinen Gleichheitssatz des Art.\u00a03 Abs. 1 GG in Verbindung mit dem Sozialstaatsprinzip, weil sich aus der Gesetzesbegr\u00fcndung des GKV-WSG ergebe, dass die Mittel des Bundes zur anteiligen Finanzierung der nach \u00a7\u00a010 SGB V beitragsfreien Mitversicherung von Kindern verwandt werden sollten. Der Bundeszuschuss decke die Kosten der Familienversicherung nunmehr fast vollst\u00e4ndig ab.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs9\"><\/a>9<\/div>\n<div>\n<p>\u00a7\u00a0221 Abs. 1 und 2 SGB V in der Fassung des GKV-WSG, g\u00fcltig vom 1. April 2007 bis 30. Juni 2008, lautet:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs10\"><\/a>10<\/div>\n<div>\n<p>Beteiligung des Bundes an Aufwendungen<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs11\"><\/a>11<\/div>\n<div>\n<p>(1) Der Bund leistet zur pauschalen Abgeltung der Aufwendungen der Krankenkassen f\u00fcr versicherungsfremde Leistungen f\u00fcr das Jahr 2007 und das Jahr 2008 jeweils 2,5 Milliarden Euro in halbj\u00e4hrlich zum 1. Mai und zum 1. November zu \u00fcberweisenden Teilbetr\u00e4gen \u00fcber das Bundesversicherungsamt an die Krankenkassen. Die Leistungen des Bundes erh\u00f6hen sich in den Folgejahren um j\u00e4hrlich 1,5 Milliarden Euro bis zu einer j\u00e4hrlichen Gesamtsumme von 14 Milliarden Euro. Die Spitzenverb\u00e4nde der Krankenkassen bestimmen gemeinsam und einheitlich eine Krankenkasse oder einen Verband als zentrale Stelle f\u00fcr die Abrechnung mit dem Bundesversicherungsamt. Das Bundesversicherungsamt zahlt die Beteiligung des Bundes an die zentrale Stelle zur Weiterleitung an die berechtigten Krankenkassen. Ab dem Jahr 2009 erfolgen die Leistungen des Bundes in monatlich zum ersten Bankarbeitstag zu \u00fcberweisenden Teilbetr\u00e4gen an den Gesundheitsfonds.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs12\"><\/a>12<\/div>\n<div>\n<p>(2) Das Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit wird erm\u00e4chtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates das N\u00e4here \u00fcber die Verteilung nach Absatz 1 zu bestimmen. Ma\u00dfstab f\u00fcr die Verteilung sind die Ausgaben f\u00fcr versicherungsfremde Leistungen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs13\"><\/a>13<\/div>\n<div>\n<p>Durch \u00a7\u00a0221 Abs. 1 SGB V wird der Bund verpflichtet, den gesetzlichen Krankenkassen als Abgeltung f\u00fcr versicherungsfremde Leistungen die im Gesetz genannten Geldleistungen zur Verf\u00fcgung zu stellen. Eine Verwendung des Geldes f\u00fcr spezielle Personengruppen oder besondere Zwecke sieht das Gesetz nicht vor; es flie\u00dft in den allgemeinen Haushalt der Krankenkassen. Die Geldleistungen des Bundes f\u00fchren deshalb &#8211;\u00a0ungeachtet einer Gesetzesbegr\u00fcndung, die von \u201edem Einstieg in eine teilweise Finanzierung von gesamtgesellschaftlichen Aufgaben (beitragsfreie Mitversicherung von Kindern) aus dem Bundeshaushalt\u201c spricht (vgl. BTDrucks 16\/3100, S. 212), im Ergebnis zu einer alle Beitragszahler der gesetzlichen Krankenkassen gleichm\u00e4\u00dfig beg\u00fcnstigenden Erm\u00e4\u00dfigung der Beitragss\u00e4tze (\u00a7\u00a7\u00a0241\u00a0ff. SGB V; vgl.\u00a0BVerfGE 123, 186 &lt;229&gt;; BVerfG, Beschluss der 3.\u00a0Kammer des Ersten Senats vom 7. April 2010 &#8211;\u00a01 BvR 810\/08\u00a0-, juris). Es trifft also nicht zu, dass der Bundeszuschuss gezielt zur Finanzierung der Familienversicherung verwendet w\u00fcrde. Richtig ist nur, dass \u00fcber der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdienende Personen wie der Ehemann der Beschwerdef\u00fchrerin zu 1) als Steuerzahler zur Finanzierung dieses Bundeszuschusses beitragen, obwohl sie als Privatversicherte selbst keine Vorteile aus der gesetzlichen Krankenversicherung haben. Aus dem eigenen Steuerbeitrag folgt aber grunds\u00e4tzlich kein Anspruch auf Teilhabe an vom Gesetzgeber gew\u00e4hrten familienpolitischen Leistungen wie der Familienversicherung der Kinder nach \u00a7\u00a010 SGB\u00a0V.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs14\"><\/a>14<\/div>\n<div>\n<p>2. Eine \u00c4nderung der Rechtslage gegen\u00fcber der Senatsentscheidung vom 12.\u00a0Februar 2003 (vgl.\u00a0BVerfGE 107, 205) ergibt sich auch nicht aus der von den Beschwerdef\u00fchrern herangezogenen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur einkommensteuerrechtlichen Ber\u00fccksichtigung von Krankenversicherungsbeitr\u00e4gen der Kinder (vgl.\u00a0BVerfGE 120, 125). Dort wird festgestellt, dass es dem Gesetzgeber verwehrt sei, die von ihm durch das sozialhilferechtlich garantierte Versorgungsniveau selbst statuierte Sachgesetzlichkeit dadurch zu durchbrechen, dass er bei der Ber\u00fccksichtigung entsprechender Versicherungsbeitr\u00e4ge der Steuerpflichtigen Grenzen ziehe, die durch vern\u00fcnftige Typisierungserw\u00e4gungen nicht mehr zu begr\u00fcnden seien. Dabei sei zu beachten, dass typisierende Regelungen im Bereich des Existenzminimums in m\u00f6glichst allen F\u00e4llen den entsprechenden Bedarf abdeckten (vgl.\u00a0BVerfGE 82, 60 &lt;91&gt;;\u00a087, 153 &lt;172&gt;). Diese Grenzen seien hinsichtlich der Beitr\u00e4ge zur privaten Krankenversicherung der Kinder offensichtlich \u00fcberschritten, wenn unter Berufung auf die Beitragsfreiheit von ca. 90\u00a0% aller Kinder aufgrund der Familienversicherung nach \u00a7\u00a010 SGB V alle privat krankenversicherten Kinder vollst\u00e4ndig \u201ehinwegtypisiert\u201c werden (vgl.\u00a0BVerfGE 120, 125 &lt;166&gt;).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs15\"><\/a>15<\/div>\n<div>\n<p>Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts verlangt daher die einkommensteuerrechtliche Ber\u00fccksichtigung der Krankenversicherungsbeitr\u00e4ge f\u00fcr die ca. 10\u00a0% privat versicherten Kinder, trifft aber keine Aussage dazu, ob Kinder auch dann im System der gesetzlichen Krankenversicherung beitragsfrei versichert werden m\u00fcssen, wenn ein Elternteil mit einem Verdienst oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze, der das Einkommen des pflichtversicherten Ehegatten \u00fcberschreitet, nicht pflichtversichert ist. Im Gegenteil setzt die Entscheidung gerade voraus, dass es Kinder gibt, die privat und damit f\u00fcr die Eltern nicht beitragsfrei versichert sind.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs16\"><\/a>16<\/div>\n<div>\n<p>3. Das Bundesverfassungsgericht h\u00e4lt an seiner Rechtsprechung fest, dass verheiratete Elternteile durch Ausschluss der Kinder von der Familienversicherung bei Vorliegen der einkommensbezogenen Voraussetzungen des \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB\u00a0V gegen\u00fcber unverheirateten Elternteilen zwar schlechter gestellt werden, diese Ungleichbehandlung aber nicht gegen Art.\u00a03 Abs. 1 in Verbindung mit Art.\u00a06 Abs. 1 GG verst\u00f6\u00dft.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs17\"><\/a>17<\/div>\n<div>\n<p>Verfassungsrechtlicher Ma\u00dfstab f\u00fcr die Ungleichbehandlung von Ehen und ehe\u00e4hnlichen Lebensgemeinschaften durch die Regelung des \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB\u00a0V ist Art.\u00a03 Abs. 1 in Verbindung mit Art.\u00a06 Abs. 1 GG (vgl.\u00a0BVerfGE 67, 186 &lt;195&gt;). Es geht um die Frage einer Benachteiligung der Ehe gegen\u00fcber ehe\u00e4hnlichen Lebensgemeinschaften im Hinblick auf die Familienversicherung der Kinder in der gesetzlichen Krankenversicherung, f\u00fcr deren Leistungen die Versichertengemeinschaft aufzukommen hat. Bei dieser Gleichheitspr\u00fcfung ist zu ber\u00fccksichtigen, dass Art.\u00a06 Abs. 1 GG der Freiheit des Gesetzgebers, welche Sachverhalte er gleich und welche er ungleich behandelt, Grenzen setzt (vgl.\u00a0BVerfGE 103, 242 &lt;258&gt;). Es ist dem Gesetzgeber untersagt, die Ehe gegen\u00fcber anderen Lebensgemeinschaften zu diskriminieren (vgl.\u00a0BVerfGE 69, 188 &lt;205\u00a0f.&gt;;\u00a075, 382 &lt;393&gt;), insbesondere Verheiratete gegen\u00fcber Nichtverheirateten bei der Gew\u00e4hrung rechtlicher Vorteile zu benachteiligen (vgl.\u00a0BVerfGE 67, 186 &lt;195\u00a0f.&gt;;\u00a075, 382 &lt;393&gt;). Eine punktuelle gesetzliche Benachteiligung ist allerdings hinzunehmen, wenn die allgemeine Tendenz des Gesetzes auf Ausgleich famili\u00e4rer Belastungen abzielt, dabei Eheleute teilweise beg\u00fcnstigt und teilweise benachteiligt, die gesetzliche Regelung im Ganzen betrachtet aber keine Schlechterstellung von Eheleuten bewirkt (vgl.\u00a0BVerfGE 107, 205 &lt;215\u00a0f.&gt;).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs18\"><\/a>18<\/div>\n<div>\n<p>Die Kammer l\u00e4sst es dahin gestellt, ob die \u00dcberlegungen des Senats zur unterhaltsrechtlichen Situation ehe\u00e4hnlicher Familien eine Schlechterstellung der Kinder verheirateter Eltern noch in gleicher Weise tragen, nachdem der Betreuungsunterhaltsanspruch nach \u00a7\u00a01615l BGB f\u00fcr den Elternteil eines nichtehelich geborenen Kindes in Umsetzung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 28.\u00a0Februar 2007 (vgl.\u00a0BVerfGE\u00a0118, 45) dem Anspruch nach \u00a7\u00a01570 BGB f\u00fcr den geschiedenen Ehegatten angepasst wurde.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs19\"><\/a>19<\/div>\n<div>\n<p>Die Ungleichbehandlung von Ehen mit Kind und ehe\u00e4hnlichen Gemeinschaften mit Kind in \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB V findet ihre Rechtfertigung jedenfalls weiterhin in der Typisierungsbefugnis des Gesetzgebers. Der Gesetzgeber ist grunds\u00e4tzlich befugt, generalisierende, typisierende und pauschalierende und auch pauschaliert quantifizierende Regelungen zu treffen (stRspr; vgl.\u00a0BVerfGE 99, 280 &lt;290&gt;;\u00a0100, 138 &lt;174&gt;;\u00a0103, 392 &lt;397&gt;;\u00a0105, 73 &lt;127&gt;;\u00a0113, 167 &lt;236&gt;).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs20\"><\/a>20<\/div>\n<div>\n<p>Eine Ausschlussregelung in \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB V, die auch dann greift, wenn in einer ehe\u00e4hnlichen Lebensgemeinschaft ein Partner nicht gesetzlich versichert ist, mehr verdient als der gesetzlich versicherte Partner und ein Einkommen oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze erzielt, w\u00e4re f\u00fcr die Krankenkasse nicht handhabbar.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs21\"><\/a>21<\/div>\n<div>\n<p>Zwar kn\u00fcpft das Sozialrecht in Einzelf\u00e4llen durchaus Folgen an das Bestehen einer ehe\u00e4hnlichen Gemeinschaft an. W\u00e4hrend es aber in der Regelung im Opferentsch\u00e4digungsgesetz, die Gegenstand der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 9.\u00a0November 2004 (BVerfGE\u00a0112, 50) war, um den Einzelfall ging, dass der eine Partner einer ehe\u00e4hnlichen Gemeinschaft an den Sch\u00e4digungsfolgen einer Gewalttat verstorben ist und der andere unter Verzicht auf eine Erwerbst\u00e4tigkeit die Betreuung eines gemeinschaftlichen Kindes aus\u00fcbt, ist der Familienversicherungstatbestand des \u00a7\u00a010 SGB V ein Problem der Massenverwaltung. Kinder sind bis zu 25 Jahre familienversichert. Wollte man die Ausnahmeregelung des \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB V jedoch auch beim Vorliegen einer ehe\u00e4hnlichen Lebensgemeinschaft greifen lassen, h\u00e4tte das einen langen Beobachtungszeitraum f\u00fcr die Verwaltung zur Folge. Da die ehe\u00e4hnliche Lebensgemeinschaft ohne formale H\u00fcrden und Dokumentation jederzeit aufgel\u00f6st werden kann, w\u00fcrde es eine f\u00fcr die Krankenkassen faktisch nicht zu leistende Aufgabe darstellen, kontinuierlich zu pr\u00fcfen, ob eine solche Lebensgemeinschaft besteht, immer noch besteht oder wieder besteht. Das Versicherungsrecht des SGB V, in das die Familienleistung der beitragsfreien Versicherung der Kinder integriert ist, ist darauf angewiesen, dass die Versicherungstatbest\u00e4nde und die Ausschlusstatbest\u00e4nde klar rechtlich definiert sind. Die Ehe ist ein solcher rechtlich klar definierter und leicht nachweisbarer Tatbestand, das Bestehen einer ehe\u00e4hnlichen Gemeinschaft ist es nicht. Die Krankenkassen w\u00e4ren \u00fcberfordert, m\u00fcssten sie Ermittlungen zum Verfestigungsgrad tats\u00e4chlich bestehender, wie auch immer rechtlich zu fassender ehe\u00e4hnlicher Lebensgemeinschaften anstellen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs22\"><\/a>22<\/div>\n<div>\n<p>4. Eine punktuelle gesetzliche Benachteiligung, wie sie verheiratete Elternteile durch Ausschluss der Kinder von der Familienversicherung bei Vorliegen der einkommensbezogenen Voraussetzungen des \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB V gegen\u00fcber unverheirateten Elternteilen trifft, ist hinzunehmen, wenn die allgemeine Tendenz des Gesetzes auf den Ausgleich famili\u00e4rer Belastungen abzielt, dabei Eheleute teilweise beg\u00fcnstigt und teilweise benachteiligt, die gesetzliche Regelung im Ganzen betrachtet aber keine Schlechterstellung von Eheleuten bewirkt (vgl.\u00a0BVerfGE 107, 205 &lt;215\u00a0f.&gt;).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs23\"><\/a>23<\/div>\n<div>\n<p>Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Entscheidung vom 12. Februar 2003 ausdr\u00fccklich festgestellt, dass durch die unterschiedliche Behandlung bei einer Gesamtbetrachtung Eheleute nicht schlechter gestellt seien (vgl.\u00a0BVerfGE 107, 205 &lt;216&gt;). So s\u00e4hen die Regelungen \u00fcber die Familienversicherung in \u00a7\u00a010 SGB V rechtliche Vorteile vor, die nur zur Geltung k\u00e4men, wenn eine Ehe vorliege. So k\u00f6nne nach \u00a7\u00a010 Abs. 1 SGB V der Ehepartner, der Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung sei, dem anderen Ehepartner, der nicht selbst Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung sei, beitragsfreien Versicherungsschutz in der gesetzlichen Krankenversicherung vermitteln. Eine solche M\u00f6glichkeit sei Partnern einer ehe\u00e4hnlichen Lebensgemeinschaft nicht er\u00f6ffnet.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs24\"><\/a>24<\/div>\n<div>\n<p>Zwar kommt der Vorteil der beitragsfreien Mitversicherung des Ehegatten nach \u00a7\u00a010 Abs.\u00a01 Nr. 5 SGB V den oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze gutverdienenden Ehegatten nie zugute. Die beitragsfreie Mitversicherung des Ehegatten ist nach dieser Bestimmung sogar schon ausgeschlossen, wenn dieser ein Siebtel der Bezugsgr\u00f6\u00dfe nach \u00a7\u00a018 SGB IV verdient. Die \u00fcber den Ausschluss der beitragsfreien Mitversicherung der Kinder nach \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB V schlechter gestellte Gruppe (Ehegatten mit einem Einkommen oberhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze) kommt somit niemals selbst in den Genuss der beitragsfreien Mitversicherung. Sie geh\u00f6rt zu der Gruppe grunds\u00e4tzlich von der beitragsfreien Mitversicherung ausgeschlossener Ehegatten mit einem Gesamteinkommen oberhalb der Grenze des \u00a7\u00a010 Abs.\u00a01 Nr.\u00a05 SGB V. Ein Ausgleich der Schlechterstellung hinsichtlich der Kinderversicherung findet f\u00fcr die von \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB V erfasste Gruppe somit nicht im Krankenversicherungsrecht statt. Jedoch wird der Ausschluss der Familienversicherung der Kinder nach \u00a7\u00a010 Abs. 3 SGB V \u00fcber die einkommensteuerrechtliche Ber\u00fccksichtigung von Krankenversicherungsbeitr\u00e4gen der Kinder jedenfalls teilweise ausgeglichen (vgl.\u00a0BVerfGE 120, 125 &lt;142&gt;). Diese Kompensation gen\u00fcgt, um die Ungleichbehandlung zu rechtfertigen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs25\"><\/a>25<\/div>\n<div>\n<p>Von einer weiteren Begr\u00fcndung wird nach \u00a7\u00a093d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div><a title=\"Absatz\" name=\"abs26\"><\/a>26<\/div>\n<div>\n<p>Diese Entscheidung ist unanfechtbar.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESVERFASSUNGSGERICHT\u00a0&#8211; 1 BvR 429\/11 &#8211; In dem Verfahren \u00fcber\u00a0die Verfassungsbeschwerde 1. der Frau M&#8230;, 2. der Frau M&#8230;, 3. der Minderj\u00e4hrigen M&#8230;, vertreten durch die Eltern M&#8230;, 4. der Minderj\u00e4hrigen M&#8230;, vertreten durch die Eltern M&#8230;, 5. des Minderj\u00e4hrigen M&#8230;, vertreten durch die Eltern M&#8230;, &#8211; Bevollm\u00e4chtigte: Rechtsanw\u00e4lte Ropohl &amp; Partner, Roscherstra\u00dfe 13, 30161 Hannover &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/weiterhin-keine-familienversicherung-fur-besserverdienende-bverfg\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Weiterhin keine Familienversicherung f\u00fcr Besserverdienende (BVerfG)<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1730],"tags":[863],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36243"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36243"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36243\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36243"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36243"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36243"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}