{"id":37684,"date":"2013-11-20T13:17:35","date_gmt":"2013-11-20T11:17:35","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=37684"},"modified":"2023-08-25T10:41:21","modified_gmt":"2023-08-25T08:41:21","slug":"laufende-zahlungen-eines-elternteil-auf-ruckstandige-unterhaltsanspruche-des-kindes-sind-nicht-als-unterhaltsrente-im-sinne-des-%c2%a7-64-abs-3-satz-2-estg-anzusetzen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/laufende-zahlungen-eines-elternteil-auf-ruckstandige-unterhaltsanspruche-des-kindes-sind-nicht-als-unterhaltsrente-im-sinne-des-%c2%a7-64-abs-3-satz-2-estg-anzusetzen-2\/","title":{"rendered":"Laufende Zahlungen eines Elternteil auf r\u00fcckst\u00e4ndige Unterhaltsanspr\u00fcche des Kindes sind nicht als Unterhaltsrente im Sinne des \u00a7 64 Abs. 3 Satz 2 EStG anzusetzen."},"content":{"rendered":"<h2>Rechtsprechung der nieders\u00e4chsischen Justiz<\/h2>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<div id=\"dokument\">\n<div>\n<h2>Dokumentansicht<\/h2>\n<\/div>\n<p><a name=\"focuspoint\"><\/a><\/p>\n<div id=\"bsentscheidung\">\n<div align=\"center\">\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>Bestimmung des Kindergeldberechtigten<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>Laufende Zahlungen eines Elternteil auf r\u00fcckst\u00e4ndige Unterhaltsanspr\u00fcche des Kindes sind nicht als Unterhaltsrente im Sinne des \u00a7 64 Abs. 3 Satz 2 EStG anzusetzen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<div>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>Revision eingelegt &#8211; BFH-Az.: III R 57\/13<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht 3. Senat, Urteil vom 26.09.2013, 3 K 158\/13<\/p>\n<p>\u00a7 1612 Abs 1 S 1 BGB, \u00a7 1612 Abs 3 S 1 BGB, \u00a7 64 Abs 3 S 2 EStG<\/p>\n<div>\n<h4>Tatbestand<\/h4>\n<div>\n<div>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_1\"><\/a>1<\/dt>\n<dd>Streitig ist noch, ob der Kl\u00e4gerin Kindergeld f\u00fcr den Zeitraum von August bis November 2012 zusteht.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_2\"><\/a>2<\/dt>\n<dd>Die Tochter der Kl\u00e4gerin (A) bem\u00fchte sich nach dem Erreichen der Fachhochschulreife im Sommer 2012 weiter um einen Ausbildungsplatz. Sie bezog zum August 2012 eine eigene Wohnung und erhielt laufend Leistungen nach dem SGB\u00a0II ohne Anrechnung des Kindergeldes. Die Tochter gab insoweit an, dass der Landkreis X, dort das Jobcenter X, ihr das \u201eKindergeld vorgestreckt\u201c habe. Der Landkreis X machte mit Schreiben vom 28.\u00a0August 2012 Erstattungsanspr\u00fcche nach \u00a7\u00a0102 ff. SGB\u00a0X geltend.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_3\"><\/a>3<\/dt>\n<dd>Die Familienkasse lehnte den Antrag auf Kindergeld zun\u00e4chst mangels nachgewiesener Bewerbungsbem\u00fchungen ab. Im Einspruchsverfahren erfuhr die Familienkasse, dass die Tochter der Kl\u00e4gerin mit anwaltlicher Hilfe aus einer Urkunde \u00fcber die Verpflichtung zum Unterhalt vom November 1999 und einer Urkunde zur Ab\u00e4nderung eines Unterhaltstitels vom Mai 2002 gegen ihren Vater Anspr\u00fcche auf r\u00fcckst\u00e4ndigen Unterhalt f\u00fcr die Zeit bis zu ihrer Vollj\u00e4hrigkeit in H\u00f6he von rund 16.000\u00a0\u20ac zzgl. Anwaltskosten etc. geltend gemacht hatte. Der Vater hatte daraufhin zur Vermeidung der Abnahme einer eidesstattlichen Versicherung &#8211; im Streitzeitraum &#8211; ab August 2012 monatliche Zahlungen in H\u00f6he von 200\u00a0\u20ac an die Tochter erbracht. Die Familienkasse vertrat daraufhin die Rechtsansicht, diese Zahlungen seien als Unterhaltsrente im Sinne des \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 des Einkommensteuergesetzes (EStG) anzusehen. Da die Kl\u00e4gerin ihrerseits keine Unterhaltsrente an die Tochter zahle, sei sie nicht kindergeldberechtigt. Dagegen richtet sich die Klage.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_4\"><\/a>4<\/dt>\n<dd>Die Kl\u00e4gerin ist der Ansicht, Zahlungen auf r\u00fcckst\u00e4ndigen Unterhalt seien nicht als Unterhaltsrente zu ber\u00fccksichtigen. Sodann stehe ihr gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 Satz\u00a03 EStG das Kindergeld zu, da sie von den Berechtigten dazu bestimmt worden sei, das Kindergeld zu erhalten.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_5\"><\/a>5<\/dt>\n<dd>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_6\"><\/a>6<\/dt>\n<dd>den Bescheid \u00fcber die Ablehnung des Kindergeldes f\u00fcr die Tochter A ab August 2012 vom 31.\u00a0Oktober 2012 in Gestalt des Einspruchsbescheides vom 26.\u00a0M\u00e4rz 2013 dahingehend zu \u00e4ndern, dass die Beklagte verpflichtet wird, f\u00fcr A f\u00fcr den Zeitraum von August 2012 bis April 2013 Kindergeld in gesetzlicher H\u00f6he zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_7\"><\/a>7<\/dt>\n<dd>Die Beklagte beantragt,<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_8\"><\/a>8<\/dt>\n<dd>die Klage abzuweisen<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_9\"><\/a>9<\/dt>\n<dd>und h\u00e4lt daran fest, dass als Barunterhalt jede laufende und regelm\u00e4\u00dfige Zahlung zu verstehen sei, wenn es sich wiederkehrend um in etwa in gleichen zeitlichen Abst\u00e4nden geleistete Geldbetr\u00e4ge handele. Im Streitfall seien vom Vater unstreitig, wenn auch nachtr\u00e4glich, laufend Unterhaltszahlungen erbracht worden. Die Kl\u00e4gerin habe selbst keinen Barunterhalt geleistet. Dies schlie\u00dfe die Kl\u00e4gerin gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 EStG als Kindergeldberechtigte aus, auch wenn im \u00dcbrigen \u2013 ebenfalls unstreitig \u2013 f\u00fcr die Tochter ein Kindergeldanspruch f\u00fcr den Zeitraum von August bis November 2012 bestehe. Auch der BFH stelle lediglich auf laufende Zahlungen ab und halte es f\u00fcr unerheblich, f\u00fcr welchen Zeitraum Unterhalt gezahlt werde.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><\/dt>\n<dd>&nbsp;<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<\/div>\n<h4>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h4>\n<div>\n<div>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_10\"><\/a>10<\/dt>\n<dd>Die Klage ist hinsichtlich des Kindergeldes f\u00fcr den Zeitraum von August 2012 bis November 2012 begr\u00fcndet und im \u00dcbrigen unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_11\"><\/a>11<\/dt>\n<dd>1. Kindergeld f\u00fcr August 2012 bis November 2012:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_12\"><\/a>12<\/dt>\n<dd>Die Kl\u00e4gerin hat gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 Satz\u00a03 EStG f\u00fcr den vorgenannten Zeitraum Anspruch auf Kindergeld f\u00fcr A, da keiner der Eltern die Tochter in ihren Haushalt aufgenommen hatte, keiner der Eltern dem Kind eine Unterhaltsrente zahlte und die Eltern die Kl\u00e4gerin zur Kindergeldberechtigten bestimmt hatten.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_13\"><\/a>13<\/dt>\n<dd>Entgegen der Ansicht der Beklagten sind die laufenden Zahlungen des Kindesvaters in H\u00f6he von 200\u00a0\u20ac monatlich nicht als Unterhaltsrente im Sinne des \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 Satz\u00a02 EStG anzusetzen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_14\"><\/a>14<\/dt>\n<dd>Unter dem in \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 EStG verwendeten Begriff der Unterhaltsrente fallen nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung auch des BFH Unterhaltsleistungen im Sinne des \u00a7\u00a01612 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuches (BGB) (vgl. BFH-Urteil vom 16.\u00a0Dezember 2003 VIII\u00a0R 67\/00, BFH\/NV 2004, 934 m.w.N.). Dazu bestimmt das BGB:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_15\"><\/a>15<\/dt>\n<dd><em>\u201e\u00a7\u00a01612\u00a0BGB\u00a0\u00a0Art der Unterhaltsgew\u00e4hrung<\/em><\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_16\"><\/a>16<\/dt>\n<dd><em>(1)\u00a0<\/em><sup><em>1<\/em><\/sup><em>Der Unterhalt ist durch Entrichtung einer Geldrente zu gew\u00e4hren.\u00a0<\/em><sup><em>2<\/em><\/sup><em>Der Verpflichtete kann verlangen, dass ihm die Gew\u00e4hrung des Unterhalts in anderer Art gestattet wird, wenn besondere Gr\u00fcnde es rechtfertigen.<\/em><\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_17\"><\/a>17<\/dt>\n<dd><em>\u00a0(2)\u00a0<\/em><sup><em>1<\/em><\/sup><em>Haben Eltern einem unverheirateten Kind Unterhalt zu gew\u00e4hren, k\u00f6nnen sie bestimmen, in welcher Art und f\u00fcr welche Zeit im Voraus der Unterhalt gew\u00e4hrt werden soll, sofern auf die Belange des Kindes die gebotene R\u00fccksicht genommen wird.\u00a0<\/em><sup><em>2<\/em><\/sup><em>Ist das Kind minderj\u00e4hrig, kann ein Elternteil, dem die Sorge f\u00fcr die Person des Kindes nicht zusteht, eine Bestimmung nur f\u00fcr die Zeit treffen, in der das Kind in seinen Haushalt aufgenommen ist.<\/em><\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_18\"><\/a>18<\/dt>\n<dd><em>\u00a0(3)\u00a0<\/em><sup><em>1<\/em><\/sup><em>Eine Geldrente ist monatlich im Voraus zu zahlen.\u00a0<\/em><sup><em>2<\/em><\/sup><em>Der Verpflichtete schuldet den vollen Monatsbetrag auch dann, wenn der Berechtigte im Laufe des Monats stirbt.\u201c<\/em><\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_19\"><\/a>19<\/dt>\n<dd>Danach handelt es sich gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a01612 Abs.\u00a01 Satz\u00a01 mit Abs.\u00a03 Satz\u00a01 BGB bei Unterhalt um eine monatlich im Voraus zu zahlende \u2013 also laufende \u2013 Geldrente, die sich dem Grunde und der H\u00f6he nach der Unterhaltsverpflichtung der Eltern einerseits und der Unterhaltsbed\u00fcrftigkeit der Tochter andererseits richtet.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_20\"><\/a>20<\/dt>\n<dd>Bei der Regelung des \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 EStG geht es um die Bestimmung des (richtigen) Kindergeldberechtigten. Die Norm dient allein der Zuweisung des Kindergeldes an einen Elternteil. Dazu soll die Verkn\u00fcpfung zwischen der festzulegenden Kindergeldberechtigung einerseits und der Unterhaltsrente andererseits nach der Vorstellung des Gesetzgebers (vgl. BT-Drs 13\/1558, S. 165 zu \u00a7\u00a03 Abs.\u00a03 BKGG n.F., der \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 EStG entspricht) im \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 EStG sicherstellen, dass derjenige das Kindergeld erh\u00e4lt, der durch den (laufenden) Kindesunterhalt am meisten belastet ist. Der Gesetzgeber stellt in einem gestuften System \u2013 soweit dies hier streiterheblich ist \u2013 auf die H\u00f6he der der gezahlten Unterhaltsrente oder in der Diktion des BFH auf die H\u00f6he des \u201elaufenden Barunterhalt\u201c (vgl. BFH-Urteil vom 16. Dezember 2003 VIII R 67\/00, BFH\/NV 2004, 934; BFH-Beschl\u00fcsse vom 28. Oktober 2004 VIII B 253\/04, BFH\/NV 2005, 346 und vom 28.\u00a0Oktober 2005 III\u00a0B 107\/05, BFH\/NV 2006, 549 unter II. 2. a aa) der Gr\u00fcnde m.w.N.) ab. Als laufender Barunterhalt wird insoweit der Teil einer laufenden Unterhaltszahlung, der quasi aus der Weiterleitung des Kindergeldes besteht, nicht einbezogen, da der Zahlende insoweit nicht belastet ist (BFH, Urteil vom 2. 6. 2005 III\u00a0R 66\/04, BStBl\u00a0II 2006, 184). Es kommt darauf an, wer durch die Unterhaltsrente (laufend) finanziell h\u00f6her belastet ist. Eine nachtr\u00e4glich erbrachte Unterhaltsleistung wirkt sich auf die Bestimmung des Unterhaltsberechtigten gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 Satz\u00a02 EStG nicht aus, da die Regelung des \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 Satz\u00a01 EStG ausschlie\u00dflich auf den \u201elaufenden Barunterhalt\u201c abstellt (BFH-Beschluss vom 28.\u00a0Oktober 2005, aaO., unter II. 2. a aa) der Gr\u00fcnde).<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_21\"><\/a>21<\/dt>\n<dd>Im Streitfall haben die Eltern beide \u2013 unstreitig \u2013 tats\u00e4chlich keinen laufenden Barunterhalt an die Tochter im Sinne des \u00a7\u00a01612 BGB gezahlt, ohne dass es durch die \u00c4nderung der Vorschrift im Jahre 2000 noch darauf ank\u00e4me, ob sie dazu verpflichtet gewesen w\u00e4ren. Es hat aber auch kein Beteiligter geltend gemacht, dass die Tochter noch Anspr\u00fcche auf laufenden Unterhalt gegen ihre Eltern gehabt habe. Die Zahlungen hatten ihren Rechtsgrund allein in der Verpflichtung des Vaters zur Nachzahlung des Unterhalts f\u00fcr fr\u00fchere Jahre (r\u00fcckst\u00e4ndiger Unterhalt). Dies hat die Kl\u00e4gerin im Einzelnen nachgewiesen. Diese Verbindlichkeit belastete den Vater bereits laufend in der Vergangenheit in den Monaten, in denen er diese Leistungen bereits zu erbringen gehabt h\u00e4tte. Im Sinne der BFH war er durch diese Zahlungen zwar wirtschaftlich im Streitzeitraum belastet; diese Belastung r\u00fchrte aber gerade nicht von einer Verpflichtung zur Zahlung eines \u201elaufenden Barunterhalts\u201c her. Dies w\u00e4re aber Voraussetzung f\u00fcr die Ber\u00fccksichtigung solcher Zahlungen bei der Bestimmung der Kindergeldberechtigung f\u00fcr den Streitzeitraum.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_22\"><\/a>22<\/dt>\n<dd>Die Rechtsansicht der Beklagten, aus dem BFH-Beschluss im Umkehrschluss folgern zu wollen, dass Zahlungen auf r\u00fcckst\u00e4ndigen Unterhalt zwar nicht im (zur\u00fcckliegenden) Monat des Rechtsgrundes f\u00fcr die Zahlung aber im Monat der tats\u00e4chlichen Zahlung zu ber\u00fccksichtigen seien, findet weder in der zitierten Entscheidung noch in der gesetzlichen Regelung eine St\u00fctze.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_23\"><\/a>23<\/dt>\n<dd>Es widerspr\u00e4che auch dem Wortlaut und Sinne und Zweck des \u00a7\u00a064 EStG, wenn man jedwede laufende Zahlung eines Elternteils erfassen wollte. Das Gesetz erfasst n\u00e4mlich nur eine \u201eUnterhaltsrente\u201c und hat damit eindeutig eine Beschr\u00e4nkung auf den Rechtsgrund der (laufenden) Zahlung in den Wortlaut der Regelung aufgenommen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_24\"><\/a>24<\/dt>\n<dd>Ein erweiterndes Verst\u00e4ndnis der Norm w\u00e4re geeignet, zu widerspr\u00fcchlichen Ergebnissen zu f\u00fchren: Die Unterhaltsverpflichtung des Vaters, auf der die Zahlungen beruhen, betreffen Zeitr\u00e4ume, in denen die Tochter in den Haushalt der Mutter aufgenommen war. F\u00fcr diese Zeitr\u00e4ume konnte der Vater kein Kindergeld beanspruchen. Wollte man \u2013 wie die Beklagte \u2013 nunmehr Zahlungen auf r\u00fcckst\u00e4ndigen Unterhalt im Rahmen des \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 EStG ber\u00fccksichtigen, w\u00fcrde der vormals widerrechtlich keinen Unterhalt leistende Elternteil dadurch beg\u00fcnstigt, dass ihm seine sp\u00e4teren Zahlungen eine Kindergeldberechtigung vermitteln w\u00fcrden.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_25\"><\/a>25<\/dt>\n<dd>Die laufenden Zahlungen des Vaters auf den r\u00fcckst\u00e4ndigen Unterhalt zur Vermeidung der Zwangsvollstreckung sind danach nicht auf den Streitzeitraum zu beziehen. Danach leisteten beide Elternteile f\u00fcr den Zeitraum August bis November 2012 keine Unterhaltsrenten, so dass ihre untereinander einvernehmlich vorgenommene Berechtigtenbestimmung zugunsten der Kl\u00e4gerin durchgreift.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_26\"><\/a>26<\/dt>\n<dd>Letztlich ist im Streitfall die aufgeworfene Rechtsfrage \u2013 wirtschaftlich betrachtet \u2013 letztlich eher theoretischer Natur. In den F\u00e4llen, dass beide Eltern keinen Unterhalt zahlen oder zahlen k\u00f6nnen und ein Sozialleistungstr\u00e4ger f\u00fcr die Eltern einspringen muss, wird die Familienkasse auf Antrag stets eine Abzweigung gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a074 Abs.\u00a01 EStG zu beachten haben. Die Bestimmung des Kindergeldberechtigten nach \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 Satz\u00a02 und 3 EStG hat dann zwar gleichwohl zu erfolgen, diese Entscheidung kann letztlich wirtschaftlich \u00fcberlagert werden durch eine Anordnung der Familienkasse, das Kindergeld an das Kind oder eine andere Person, die das Kind unterh\u00e4lt, auszuzahlen (vgl. Bl\u00fcmich-Treiber, EStG, \u00a7\u00a064 Rz. 54). Im Streitfall hat die Tochter bereits angegeben, vom Landkreis X Sozialleistungen ohne Anrechnung von Kindergeld erhalten zu haben. Der Landkreis X hat auch bereits die Erstattung eine festzusetzen Kindergeldes an sich beantragt. Danach wird die Kl\u00e4gerin voraussichtlich trotz ihres Teilerfolges kein Kindergeld ausgezahlt bekommen.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_27\"><\/a>27<\/dt>\n<dd>2. Kindergeld f\u00fcr Dezember 2012 bis April 2013:<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_28\"><\/a>28<\/dt>\n<dd>F\u00fcr den \u00fcbrigen Zeitraum besteht kein Anspruch auf Kindergeld. Die Tochter nahm \u2013 nach einer erstmals abgeschlossenen Ausbildung als Assistentin f\u00fcr Wirtschaftsinformatik im Jahre 2010 \u2013 zum 15.\u00a0November 2012 eine Besch\u00e4ftigung mit 30 Stunden regelm\u00e4\u00dfiger w\u00f6chentlicher Arbeitszeit auf. Dies schlie\u00dft nach der ab dem Jahre 2012 geltenden Fassung des \u00a7\u00a032 Abs.\u00a04 S\u00e4tze\u00a02 und 3 EStG den Anspruch auf Kindergeld aus.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<dl>\n<dt><a name=\"rd_29\"><\/a>29<\/dt>\n<dd>3. Die Revision wird gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a0115 Abs.\u00a02 Nr.\u00a02 FGO zugelassen, da eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs wegen der als Unterhaltsrente zu ber\u00fccksichtigenden Zahlungen von Elternteilen zur Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erforderlich ist. Das Finanzgericht M\u00fcnster hat im Urteil vom 23.\u00a0M\u00e4rz 2007 (4 K 1807\/05 Kg, EFG 2007, 372) auch r\u00fcckst\u00e4ndigen Unterhalt als Unterhaltsrente im Sinne des \u00a7\u00a064 Abs.\u00a03 Satz\u00a03 EStG angesehen, w\u00e4hrend das FG Hamburg im Urteil vom 16. Februar 2001 (I\u00a0289\/99, juris) \u2013 wie der erkennende Senat \u2013 entschieden hat, dass die Zahlung r\u00fcckst\u00e4ndigen Unterhalts nicht bei der Bestimmung des Kindergeldberechtigten einzubeziehen ist.<\/p>\n<\/dd>\n<\/dl>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rechtsprechung der nieders\u00e4chsischen Justiz Dokumentansicht Bestimmung des Kindergeldberechtigten Laufende Zahlungen eines Elternteil auf r\u00fcckst\u00e4ndige Unterhaltsanspr\u00fcche des Kindes sind nicht als Unterhaltsrente im Sinne des \u00a7 64 Abs. 3 Satz 2 EStG anzusetzen. Revision eingelegt &#8211; BFH-Az.: III R 57\/13 Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht 3. Senat, Urteil vom 26.09.2013, 3 K 158\/13 \u00a7 1612 Abs 1 S 1 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/laufende-zahlungen-eines-elternteil-auf-ruckstandige-unterhaltsanspruche-des-kindes-sind-nicht-als-unterhaltsrente-im-sinne-des-%c2%a7-64-abs-3-satz-2-estg-anzusetzen-2\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Laufende Zahlungen eines Elternteil auf r\u00fcckst\u00e4ndige Unterhaltsanspr\u00fcche des Kindes sind nicht als Unterhaltsrente im Sinne des \u00a7 64 Abs. 3 Satz 2 EStG anzusetzen.<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1730],"tags":[],"class_list":["post-37684","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-steuern-recht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37684","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=37684"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/37684\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=37684"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=37684"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=37684"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}