{"id":37833,"date":"2013-12-01T12:27:26","date_gmt":"2013-12-01T10:27:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=37833"},"modified":"2013-11-27T12:30:53","modified_gmt":"2013-11-27T10:30:53","slug":"bei-zimmervermietung-an-prostituierte-gilt-der-regelsteuersatz-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bei-zimmervermietung-an-prostituierte-gilt-der-regelsteuersatz-19\/","title":{"rendered":"Bei Zimmervermietung an Prostituierte gilt der Regelsteuersatz (19 %)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bei Zimmervermietung an Prostituierte gilt der Regelsteuersatz (19 %)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kernaussage<\/strong><\/p>\n<p>Wer in einem Eroscenter Zimmer an Prostituierte entgeltlich \u00fcberl\u00e4sst, vermietet keine &#8222;Wohn- und Schlafr\u00e4ume zur kurzfristigen Beherbergung&#8220; (sog. Hotelsteuer) und muss seine Leistungen deshalb dem Regelsteuersatz (19 %) unterwerfen.<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt<\/strong><\/p>\n<p>Ein Bordellbesitzer vermietete Zimmer an Prostituierte. Diese sog. Erotikzimmer waren mit Doppelbett, Waschbecken, WC, Bidet, Whirlpool und Spiegeln ausgestattet. Der Tagespreis (je nach Ausstattung 110 bis 170 EUR) umfasste volle Verpflegung; Bettw\u00e4sche und Handt\u00fccher wurden gestellt. Die Flure zu den Zimmern waren video\u00fcberwacht. Der Bordellbetreiber verzichtete auf die Steuerfreiheit und unterwarf die Leistungen in der Umsatzsteuervoranmeldung dem erm\u00e4\u00dfigten Steuersatz (7 %). Finanzamt und Finanzgericht versteuerten die Ums\u00e4tze nach dem Regelsteuersatz.<\/p>\n<p><strong>Entscheidung<\/strong><\/p>\n<p>Das sah der Bundesfinanzhof (BFH) genauso. Vermietet ein Unternehmer Wohn- und Schlafr\u00e4ume, die er zur kurzfristen Beherbergung von Fremden bereith\u00e4lt, so ist diese Leistung anders als die auf Dauer angelegte Vermietung steuerpflichtig (\u00a7 4 Nr. 12 Satz 2 des Umsatzsteuergesetzes \u2013 UStG \u2013), unterliegt aber nach \u00a7 12 Abs. 2 Nr. 11 UStG dem erm\u00e4\u00dfigten Steuersatz. Bei einem Bordell fehlt es am Tatbestandsmerkmal der &#8222;Beherbergung&#8220;. Die Zimmer werden den Prostituierten zur Aus\u00fcbung gewerblicher T\u00e4tigkeiten \u00fcberlassen.<\/p>\n<p><strong>Konsequenz<\/strong><\/p>\n<p>Der BFH f\u00fchrte in seiner Urteilsbegr\u00fcndung noch aus, dass die von der Kl\u00e4gerin \u00fcberlassenen Zimmer gerade nicht f\u00fcr Wohn- oder Schlafzwecke, sondern f\u00fcr gewerbliche Zwecke zur Erbringung sexueller Dienstleistungen genutzt worden seien. Im Gegensatz hierzu w\u00fcrden Hotelzimmer als Wohn- und Schlafr\u00e4ume und nicht als Gewerber\u00e4ume \u00fcberlassen. Die Prostituierten h\u00e4tten zudem nicht f\u00fcr eine Beherbergungsleistung, sondern f\u00fcr die zur Aus\u00fcbung der Prostitution erforderliche Infrastruktur, wie z. B. die Video\u00fcberwachung zur Gew\u00e4hrleistung der Sicherheit gezahlt. Auch sei ein Bordellbetrieb keine einem Hotel \u00e4hnliche Einrichtung, wie dies das Unionsrecht voraussetze. Eine teilweise Anwendung des erm\u00e4\u00dfigten Steuersatzes komme nicht in Betracht, da die teilweise Nutzung zur Beherbergung hinter der Nutzung f\u00fcr gewerbliche Zwecke der Prostitution zur\u00fccktrete. Ob die Leistung als Vermietung steuerfrei sei (\u00a7 4 Nr. 12 UStG) oder eine steuerpflichtige sonstige Leistung eigener Art vorliege, k\u00f6nne offen bleiben, da die Kl\u00e4gerin zumindest auf die Steuerfreiheit verzichtet habe (\u00a7 9 Abs. 1 UStG).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Zimmervermietung an Prostituierte gilt der Regelsteuersatz (19 %) Kernaussage Wer in einem Eroscenter Zimmer an Prostituierte entgeltlich \u00fcberl\u00e4sst, vermietet keine &#8222;Wohn- und Schlafr\u00e4ume zur kurzfristigen Beherbergung&#8220; (sog. Hotelsteuer) und muss seine Leistungen deshalb dem Regelsteuersatz (19 %) unterwerfen. Sachverhalt Ein Bordellbesitzer vermietete Zimmer an Prostituierte. Diese sog. 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