{"id":38185,"date":"2013-12-30T17:08:00","date_gmt":"2013-12-30T15:08:00","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=38185"},"modified":"2013-12-30T17:08:00","modified_gmt":"2013-12-30T15:08:00","slug":"kostenrecht-nach-gerichtskostenerinnerung-kann-das-gericht-einen-uber-den-ansatz-des-kostenbeamten-hinausgehend-hoheren-streitwert-festsetzen-denn-die-im-fall-einer-gerichtskosten-erinnerung-anz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kostenrecht-nach-gerichtskostenerinnerung-kann-das-gericht-einen-uber-den-ansatz-des-kostenbeamten-hinausgehend-hoheren-streitwert-festsetzen-denn-die-im-fall-einer-gerichtskosten-erinnerung-anz\/","title":{"rendered":"Kostenrecht: Nach Gerichtskostenerinnerung kann das Gericht einen &#8211; \u00fcber den Ansatz des Kostenbeamten hinausgehend &#8211; h\u00f6heren Streitwert festsetzen, denn die im Fall einer Gerichtskosten-Erinnerung anzuwendenden speziellen Vorschriften des GKG gehen dem allgemeinen Verb\u00f6serungsverbot vor."},"content":{"rendered":"<p>Die Streitwertfestsetzung des mit der Klagesache befassten Spruchk\u00f6rpers bindet den Kostensenat bzw. dessen origin\u00e4ren Einzelrichter,\u00a0Beschluss des 3. Senats vom 14.8.2013, 3 KO 156\/13, rechtskr\u00e4ftig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>FINANZGERICHT HAMBURG<br \/>\nAz.: 3 KO 156\/13<br \/>\nBeschluss des Einzelrichters vom 14.08.2013<br \/>\nRechtskraft: rechtskr\u00e4ftig<br \/>\nNormen: FGO \u00a7 96 Abs. 1 Satz 2, FGO \u00a7 149, GKG \u00a7 3, GKG \u00a7 9 Abs. 2, GKG \u00a7 19 Abs. 5, GKG \u00a7 20, GKG \u00a7 63 Abs. 3, GKG \u00a7 66 Abs. 1, GKG \u00a7 66 Abs. 6, GKG \u00a7 66 Abs. 7, GKG \u00a7 68<br \/>\nLeitsatz: 1. Nach Gerichtskosten-Erinnerung kann das Gericht &#8211; \u00fcber den Ansatz des Kostenbeamten hinausgehend &#8211; einen h\u00f6heren Streitwert festsetzen.<br \/>\n2. Dem allgemeinen Verb\u00f6serungsverbot gehen die im Fall einer Gerichtskosten-Erinnerung anzuwendenden speziellen Vorschriften des GKG vor.<br \/>\n3. Die Streitwertfestsetzung des mit der Klagesache befassten Spruchk\u00f6rpers bindet den Kostensenat bzw. dessen origin\u00e4ren Einzelrichter.<br \/>\n\u00dcberschrift: Gerichtskostengesetz: Kein Verb\u00f6serungsverbot bei Festsetzung eines h\u00f6heren Streitwerts<br \/>\nGr\u00fcnde:<br \/>\nI.<br \/>\nDie Gerichtskosten-Erinnerung ist nach \u00a7 66 Abs. 1 GKG zul\u00e4ssig auf Beanstandung des in der Gerichtskostenrechnung zugrunde gelegten Streitwerts von 309.260 Euro gest\u00fctzt worden; und zwar im Zusammenhang mit dem Antrag auf gerichtliche Festsetzung des Streitwerts gem\u00e4\u00df \u00a7 63 Abs. 2 Satz 2 GKG.<br \/>\nEntsprechendes gilt f\u00fcr den Antrag auf Aussetzung der Vollziehung, der sinngem\u00e4\u00df als Antrag gem\u00e4\u00df \u00a7 66 Abs. 7 Satz 2 auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung der Gerichtskosten-Erinnerung zu verstehen ist (FG Hamburg, Beschluss vom 29.07.2011 3 KO 130\/11, Rpfleger 2012, 157, Juris Rz. 19).<br \/>\nII.<br \/>\n1. Die Gerichtskosten-Erinnerung und der Antrag auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung sind als unbegr\u00fcndet gem\u00e4\u00df \u00a7 66 Abs. 1, 6, 7 GKG zur\u00fcckzuweisen, nachdem der Streitwert durch gestrigen Beschluss des mit der Klagesache befassten Spruchk\u00f6rpers mit bindender Wirkung nach \u00a7 3 GKG f\u00fcr das vorliegende Erinnerungsverfahren beim Kostensenat auf 317.142 Euro festgesetzt worden ist (\u00a7 79a Abs. 1 Nr. 5, Abs. 4 FGO; \u00a7\u00a7 3, 52, 63 Abs. 2 Satz 2 GKG); kein Streit besteht \u00fcber den nach Klager\u00fccknahme erm\u00e4\u00dfigten 2,0 Geb\u00fchrenansatz als solchen (\u00a7 3, \u00a7 9 Abs. 2 Nr. 2, \u00a7 34 GKG i. V. m. GKG-KV Nr. 6111).<br \/>\n2. Der h\u00f6heren Streitwertfestsetzung aufgrund der Gerichtskosten-Erinnerung steht kein Verbot der Verb\u00f6serung (reformatio in peius) aus den zu \u00a7 96 Abs. 1 Satz 2 FGO entwickelten Rechtsgrunds\u00e4tzen entgegen.<br \/>\na) Eine Verschlechterung scheidet hier schon deswegen aus, weil der h\u00f6here Streitwert in der aus \u00a7 34 GKG entwickelten Gerichtskostentabelle keinen<br \/>\nGeb\u00fchrensprung ausl\u00f6st, insbesondere nicht in der gem\u00e4\u00df \u00a7 71 GKG anzuwendenden bisherigen Fassung f\u00fcr die vor Ende Juli 2013 erhobene Klage.<br \/>\nb) Davon abgesehen gehen dem allgemeinen Verb\u00f6serungsverbot die im Fall einer Gerichtskosten-Erinnerung anzuwendenden speziellen Vorschriften \u00a7 19 Abs. 5, \u00a7 20, \u00a7 63 Abs. 3 GKG vor (vgl. Hartmann, Kostengesetze, 42. A., GKG \u00a7 19 Rz. 5 f., \u00a7 20 Rz. 9 f., \u00a7 63 Rz. 15, \u00a7 66 Rz. 29, \u00a7 68 Rz. 19 m. w. N.; Beschl\u00fcsse FG Rheinland-Pfalz vom 22.07.2011 3 Ko 1137\/11, EFG 2012, 551, Juris Rz. 19; FG Sachsen-Anhalt vom 05.08.2009 4 K 503\/08, EFG 2010, 74 m. w. N.; FG M\u00fcnster vom 11.11.1969 VII 255\/69 Ko, EFG 1970, 85; entgegen BFH-Beschl\u00fcssen unten d; vom 22.03.1989 VI E 4\/88, BFH\/NV 1989, 656; FG Saarland, Beschluss vom 19.11.1974 100\/74, EFG 1975, 77).<br \/>\nInsoweit kann nichts anderes gelten als bei einer &#8211; in anderen Gerichtsbarkeiten &#8211; er\u00f6ffneten Streitwertbeschwerde gem\u00e4\u00df \u00a7 68 GKG (vgl. Beschl\u00fcsse OVG L\u00fcneburg vom 14.10.2011 13 OA 196\/11, Juris Rz. 9; vom 04.02.2008 5 OA 185\/07. NVwZ-RR 2008, 431; LSG Nordrhein-Westfalen vom 24.03.2011 L 8 R 1107\/10 B, Juris; OLG Brandenburg vom 26.05.2010 13 WF 20\/10, FamRZ 2011, 755; st\u00e4nd. Rspr.) oder nach der Vorg\u00e4ngervorschrift \u00a7 25 GKG a. F. (Th\u00fcringer LAG vom 14.11.2000 8 Ta 134\/2000, MDR 2001, 538; OLG Brandenburg vom 18.06.1996 10 WF 49\/96, FamRZ 1997, 689).<br \/>\nDas beruht darauf, dass das Streitwertfestsetzungsverfahren im \u00fcberwiegenden \u00f6ffentlichen Interesse an einer jederzeit objektiv richtigen Bewertung der Verfahrensgegenst\u00e4nde gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7 63 ff. GKG als amtliches Verfahren ausgestaltet ist und insoweit die unterschiedlichen Interessen der Prozessbeteiligten, die Rechtsverfolgung f\u00fcr sich m\u00f6glichst kosteng\u00fcnstig oder f\u00fcr den Gegner m\u00f6glichst kostspielig zu gestalten, nicht schutzw\u00fcrdig sind und vollst\u00e4ndig zur\u00fccktreten (Beschl\u00fcsse LG Hamburg vom 26.06.2012 318 T 36\/12, Juris; OLG D\u00fcsseldorf vom 19. Mai 2009 I-24 W 13\/09, MDR 2009, 1187).<br \/>\nc) Dabei kommt es hier nicht darauf an, inwieweit sonst die Bindung entsprechend \u00a7 96 Abs. 1 Satz 2 FGO bzw. das Verschlechterungsverbot im Kostenrecht gilt, sei es in Verfahren nach \u00a7 33 RVG oder sei es bei Erinnerungen gegen &#8211; f\u00f6rmliche &#8211; Kostenfestsetzungsbeschl\u00fcsse betreffend die zu erstattenden au\u00dfergerichtlichen Kosten gem\u00e4\u00df \u00a7 149 FGO (vgl. Beschl\u00fcsse FG Hamburg vom 11.07.2012 3 KO 49\/12, EFG 2012, 2157; vom 07.12.1967 IVa 683\/64 S-H, EFG 1968, 138; FG K\u00f6ln vom 16.11.2001 10 Ko 6021\/01, EFG 2002, 224; Bay. VGH vom 27.07.1998 23 C 98.981, Juris Rz. 44; BFH vom 16.12.1969 VII B 45\/68, BFHE 98, 12, BStBl II 1970, 251).<br \/>\nd) F\u00fcr Gerichtskosten-Erinnerungen sind insoweit Verweisungen auf Rechtsquellen betreffend Erinnerungen gegen Kostenfestsetzungsbeschl\u00fcsse nicht einschl\u00e4gig (entgegen Beschl\u00fcssen BFH vom 28.02.2001 VIII E 6\/00, Juris Rz. 4; FG Bremen vom 15.07.1997 2 97 103 Ko 2, EFG 1997, 1330). Ebenso wenig \u00fcberzeugt die auf derartig verweisende Entscheidungen undifferenziert Bezug nehmende st\u00e4ndige BFH-Rechtsprechung (entgegen BFH-Beschl\u00fcssen vom 31.12.2006 XI E 5\/06, Juris Rz. 10; vom 18.06.1999 I E 1\/99, BFH\/NV 1999, 1505, Juris Rz. 14; vom 06.06.1989 X E 3\/88, Juris Rz. 8; vom 23.01.1989 IV E 1\/85, BFH\/NV 1989, 718; vom 18.11.1986 VII E 9\/86, BFH\/NV 1987, 597).<br \/>\nIII.<br \/>\nDie Gerichtskostenfreiheit des Erinnerungsverfahrens und die Nichterstattung au\u00dfergerichtlicher Kosten folgen aus \u00a7 66 Abs. 8 GKG.<br \/>\nDie Entscheidung ergeht durch den der origin\u00e4ren Einzelrichter des Kostensenats des FG gem\u00e4\u00df \u00a7 66 Abs. 6 GKG (FG Hamburg, Beschluss vom 29.07.2011 3 KO 130\/11, Rpfleger 2012, 157, Juris Rz. 35 f. m. w. N.; a. A. BFH vom 01. September 2005 III 1\/05, BFH\/NV 2006, 92 zur dortigen Besetzung).<br \/>\nDie Unanfechtbarkeit ergibt sich aus \u00a7 66 Abs. 3 Satz 3 GKG, \u00a7 128 Abs. 4 FGO.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Streitwertfestsetzung des mit der Klagesache befassten Spruchk\u00f6rpers bindet den Kostensenat bzw. dessen origin\u00e4ren Einzelrichter,\u00a0Beschluss des 3. 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