{"id":38237,"date":"2014-01-06T18:23:40","date_gmt":"2014-01-06T16:23:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=38237"},"modified":"2014-01-06T18:23:40","modified_gmt":"2014-01-06T16:23:40","slug":"kurzung-der-abziehbaren-krankenversicherungsbeitrage-um-beitragsruckerstattungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kurzung-der-abziehbaren-krankenversicherungsbeitrage-um-beitragsruckerstattungen\/","title":{"rendered":"K\u00fcrzung der abziehbaren Krankenversicherungsbeitr\u00e4ge um Beitragsr\u00fcckerstattungen"},"content":{"rendered":"<h3>Finanzgericht D\u00fcsseldorf, 13 K 3456\/12 E<\/h3>\n<div>\n<div>Datum:<\/div>\n<div>19.11.2013<\/div>\n<div>Gericht:<\/div>\n<div>Finanzgericht D\u00fcsseldorf<\/div>\n<div>Spruchk\u00f6rper:<\/div>\n<div>13. Senat<\/div>\n<div>Entscheidungsart:<\/div>\n<div>Urteil<\/div>\n<div>Aktenzeichen:<\/div>\n<div>13 K 3456\/12 E<\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<div>Tenor:<\/div>\n<div>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4ger tragen die Kosten des Verfahrens.<\/p>\n<p>Die Revision wird zugelassen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>1T a t b e s t a n d<\/p>\n<p>2Die Kl\u00e4ger sind zusammen zur Einkommensteuer veranlagte Eheleute. Die Kl\u00e4gerin erzielte im Streitjahr 2010 Eink\u00fcnfte aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit und war gesetzlich krankenversichert. Der Kl\u00e4ger war sowohl im Streitjahr 2010 als auch im vorangegangenen Jahr 2009 privat krankenversichert. Die gemeinsame Tochter der Kl\u00e4ger war im Streitjahr ebenfalls privat krankenversichert.<\/p>\n<p>3Im Jahr 2010 erstattete die private Krankenversicherung dem Kl\u00e4ger f\u00fcr 2009 Krankenversicherungsbeitr\u00e4ge in H\u00f6he von 608,98 \u20ac. Dar\u00fcber hinaus schrieb sie dem Kl\u00e4ger einen \u201eGesundheitsbonus\u201c f\u00fcr 2009 in H\u00f6he von 550 \u20ac gut. Die H\u00f6he des Bonus richtete sich nach der Anzahl der leistungsfreien Jahre. Des Weiteren erhielt der Kl\u00e4ger eine Erstattung von Beitr\u00e4gen zur Pflegeversicherung in H\u00f6he von 75 \u20ac. Von den zur\u00fcck gezahlten Betr\u00e4gen entfielen \u2013 was zwischen den Beteiligten unstreitig ist \u2013 1.119,64 \u20ac auf unbegrenzt abziehbare Beitr\u00e4ge zur Kranken- und Pflegeversicherung im Sinne des \u00a7\u00a010 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchstab. a und b des Einkommensteuergesetzes (EStG).<\/p>\n<p>4In ihrer Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Streitjahr machten die Kl\u00e4ger folgende Beitr\u00e4ge zur Kranken- und Pflegeversicherung bei den Vorsorgeaufwendungen gem. \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3 und 3a EStG geltend (in \u20ac):<\/p>\n<p>5<\/p>\n<table cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Beitr\u00e4ge zur privaten Krankenversicherung (Basisversicherung) des Kl\u00e4gers<\/td>\n<td>2.789<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Beitr\u00e4ge zur privaten Krankenversicherung (ohne Basisabsicherung) des Kl\u00e4gers<\/td>\n<td>716<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Beitr\u00e4ge zur privaten Pflegeversicherung des Kl\u00e4gers<\/td>\n<td>273<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Arbeitnehmerbeitr\u00e4ge zur Krankenversicherung der Kl\u00e4gerin<\/td>\n<td>838<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Arbeitnehmerbeitr\u00e4ge zur Pflegeversicherung der Kl\u00e4gerin<\/td>\n<td>104<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Beitr\u00e4ge zur Krankenversicherung des Kindes (Basisabsicherung)<\/td>\n<td>1.179<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Beitr\u00e4ge zur Krankenversicherung des Kindes (ohne Basisabsicherung)<\/td>\n<td>302<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td>6.201<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>6Der Beklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) ber\u00fccksichtigte im Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2010 vom 2.3.2012 die Aufwendungen f\u00fcr die gesetzliche Krankenversicherung der Kl\u00e4gerin, die private (Basis-)Krankenversicherung des Kl\u00e4gers sowie des Kindes (insgesamt 4.806 \u20ac) und die Beitr\u00e4ge der Kl\u00e4gerin und des Kl\u00e4gers zur Pflegeversicherung (insgesamt 377 \u20ac) als dem Grunde nach abziehbare Sonderausgaben (Vorsorgeaufwendungen). Von der Summe beider Betr\u00e4ge zog es jedoch die auf den Basisschutz entfallende Beitragsr\u00fcckerstattung f\u00fcr Krankenversicherungsbeitr\u00e4ge aus dem Jahr 2009 in H\u00f6he von 1.119 \u20ac ab, so dass lediglich (uneingeschr\u00e4nkt) zu ber\u00fccksichtigende Aufwendungen f\u00fcr die Kranken- und Pflegeversicherung in H\u00f6he von 4.064 \u20ac verblieben. Die insgesamt zu ber\u00fccksichtigenden Vorsorgeaufwendungen ermittelte das FA wie folgt (in \u20ac):<\/p>\n<p>7<\/p>\n<table cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Summe Altersvorsorgeaufwendungen<\/td>\n<td>15.562<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Davon 70%<\/td>\n<td>10.894<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Abzgl. Arbeitgeberanteil<\/td>\n<td>-1.054<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Verbleiben<\/td>\n<td>9.840<\/td>\n<td>9.840<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Beitr\u00e4ge zur Krankenversicherung<\/td>\n<td>4.806<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Beitr\u00e4ge zur Pflegeversicherung<\/td>\n<td>377<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Abzgl. Beitragsr\u00fcckerstattung<\/td>\n<td>-1.119<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Verbleiben<\/td>\n<td>4.064<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Weitere sonstige Vorsorgeaufwendungen<\/td>\n<td>1.899<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Summe<\/td>\n<td>5.963<\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Davon abzugsf\u00e4hig<\/td>\n<td>4.700<\/td>\n<td>4.700<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Summe der abzugsf\u00e4higen Vorsorgeaufwendungen<\/td>\n<td><\/td>\n<td>14.540<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>8Dagegen legten die Kl\u00e4ger fristgem\u00e4\u00df Einspruch ein. Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrten sie aus, dass ihres Erachtens eine K\u00fcrzung der Vorsorgeaufwendungen um die Erstattung f\u00fcr 2009 nicht gerechtfertigt sei. Die Aufwendungen h\u00e4tten im Veranlagungszeitraum 2009 keine steuerliche Auswirkung gehabt. Dar\u00fcber hinaus habe der Gesetzgeber die vom Bundesverfassungsgericht (BVerfG) vorgegebenen \u00c4nderungen im Bereich der Abzugsf\u00e4higkeit von Krankenversicherungsbeitr\u00e4gen erst mit Wirkung ab dem Veranlagungszeitraum 2010 umgesetzt. Die Beitragsr\u00fcckerstattung f\u00fcr 2009 beziehe sich auf Beitr\u00e4ge vor der Gesetzes\u00e4nderung und k\u00f6nne daher nicht f\u00fcr eine K\u00fcrzung der Beitr\u00e4ge f\u00fcr 2010 herangezogen werden.<\/p>\n<p>9Das FA wies den Einspruch mit Einspruchsentscheidung vom 13.8.2012 zur\u00fcck. Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrte es aus, dass als Sonderausgaben nur solche Aufwendungen Ber\u00fccksichtigung finden k\u00f6nnten, mit denen der Steuerpflichtige endg\u00fcltig wirtschaftlich belastet sei. Dies sei nicht der Fall, soweit ihm ein Teil der gezahlten Beitr\u00e4ge zur\u00fcckgezahlt werde.<\/p>\n<p>10Hiergegen richtet sich die fristgem\u00e4\u00df erhobene Klage. Die Kl\u00e4ger halten an ihrer bereits im Einspruchsverfahren vertretenen Rechtsauffassung fest und tragen erg\u00e4nzend vor: Da sich die f\u00fcr die Beitragsr\u00fcckerstattung urs\u00e4chlichen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitr\u00e4ge im Veranlagungszeitraum 2009 nicht ausgewirkt h\u00e4tten, d\u00fcrften diese nicht zur K\u00fcrzung der Vorsorgeaufwendungen der Kranken- und Pflegeversicherungsbeitr\u00e4ge f\u00fcr 2010 herangezogen werden. Es fehle an der Gleichartigkeit der Aufwendungen, wie sie der Bundesfinanzhof (BFH) im Falle einer Verrechnung verlange (Hinweis auf BFH-Urteil vom 21.7.2009 X R 32\/07, Sammlung der Entscheidungen des BFH &#8211;BFHE&#8211; 226, 67, Bundessteuerblatt &#8211;BStBl&#8211; 2010, 38).<\/p>\n<p>11Aus dem Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2009 lasse sich entnehmen, dass sich die Vorsorgeaufwendungen in H\u00f6he von 8.748 \u20ac, in denen auch die Beitr\u00e4ge zur Krankenversicherung enthalten gewesen seien, lediglich in H\u00f6he von 3.900 \u20ac steuermindernd ausgewirkt h\u00e4tten. Dies entspreche einer Quote von 44,5%. Sie w\u00e4ren daher damit einverstanden, dass die Beitragsr\u00fcckerstattung von 1.119,64 \u20ac quotal in H\u00f6he von 499,15 \u20ac (44,5% von 1.119,64 \u20ac) zur K\u00fcrzung der Krankenversicherungsbeitr\u00e4ge herangezogen werde. Die K\u00fcrzung w\u00fcrde dann dem Verh\u00e4ltnis der steuerlich abzugsf\u00e4higen Sonderausgaben im Sinne des \u00a7 10 Abs. 4 EStG zu den \u00fcbrigen Sonderausgaben entsprechen. Insoweit sei anzumerken, dass in 2009 selbst ohne die Krankenversicherungsbeitr\u00e4ge der Abzug der \u00fcbrigen Sonderausgaben in H\u00f6he von 3.900 \u20ac m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Ein nahezu vollst\u00e4ndiger Abzug der Beitragsr\u00fcckerstattung im Jahr 2010 mit den voll abzugsf\u00e4higen Krankenversicherungsbeitr\u00e4gen sei dagegen aufgrund des Systemwechsels bei der Abzugsf\u00e4higkeit der Krankenversicherungsbeitr\u00e4ge rechtlich nicht zul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>12Die Kl\u00e4ger beantragen sinngem\u00e4\u00df,<\/p>\n<p>13den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2010 vom 2.3.2012 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 13.8.2012 dahingehend abzu\u00e4ndern, dass bei der Berechnung der als Sonderausgaben abzugsf\u00e4higen Beitr\u00e4ge zur Kranken- und Pflegeversicherung die Erstattung von Beitr\u00e4gen aus 2009 in H\u00f6he von 1.119 \u20ac unber\u00fccksichtigt bleibt, hilfsweise f\u00fcr den Fall des Unterliegens die Revision zuzulassen.<\/p>\n<p>14Das FA beantragt,<\/p>\n<p>15\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 die Klage abzuweisen.<\/p>\n<p>16Aufwendungen im Sinne des \u00a7 10 Abs. 1 Satz 1 EStG seien nach der st\u00e4ndigen Rechtsprechung des BFH lediglich dann im Rahmen des Sonderausgabenabzugs zu ber\u00fccksichtigen, wenn der Steuerpflichtige tats\u00e4chlich und endg\u00fcltig wirtschaftlich belastet sei. An einer solchen Belastung fehle es, soweit Sonderausgaben erstattet w\u00fcrden. Dies treffe auch auf den Streitfall zu. Das Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 13.9.2010 (BStBl I 2010, 681 Rz. 56) sehe f\u00fcr den Fall der Beitragsr\u00fcckerstattung von Basisleistungen vor, dass diese im Jahr des Zuflusses die abziehbaren Beitr\u00e4ge mindern w\u00fcrden. Allgemein gelte f\u00fcr Beitragsr\u00fcckerstattungen das Zu- und Abflussprinzip des \u00a7 11 EStG. W\u00fcrden Versicherungsbeitr\u00e4ge im Folgejahr erstattet, komme es daher zu einer Minderung der Sonderausgaben des Erstattungsjahres um die Beitragsr\u00fcckerstattung.<\/p>\n<p>17Die im Jahr 2010 gezahlte Beitragsr\u00fcckerstattung sei in Basis- und Wahlleistungen aufzuteilen. Systemgerecht w\u00fcrden aber lediglich die Basisleistungen von der Versicherung \u00fcbermittelt, so dass der gemeldete Betrag in voller H\u00f6he zur Minderung der Basisbeitr\u00e4ge des laufenden Jahres heranzuziehen sei. Es seien daher \u2013 entgegen der Auffassung der Kl\u00e4ger \u2013 auch gleichartige Sonderausgaben miteinander verrechnet worden.<\/p>\n<p>18Sowohl die Kl\u00e4ger als auch das FA haben auf m\u00fcndliche Verhandlung verzichtet.<\/p>\n<p>19E n t s c h e i d u n g s g r \u00fc n d e<\/p>\n<p>20I. Der Senat durfte gem. \u00a7 90 Abs. 2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) ohne m\u00fcndliche Verhandlung entscheiden, da sich die Beteiligten hiermit einverstanden erkl\u00e4rt haben.<\/p>\n<p>21II. Die Klage ist unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>22Der Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2010 vom 2.3.2012 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 13.8.2012 ist rechtm\u00e4\u00dfig und verletzt die Kl\u00e4ger nicht in ihren Rechten.<\/p>\n<p>23Entgegen der Auffassung der Kl\u00e4ger durfte das FA die Beitr\u00e4ge zur Kranken und Pflegeversicherung im Sinne des \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchstab. a und b i.V.m. Satz 2 EStG um die angesetzte Beitragsr\u00fcckerstattung f\u00fcr 2009 k\u00fcrzen. Das FA geht zutreffend davon aus, dass die Kl\u00e4ger in H\u00f6he des erstatteten Betrags von 1.119 \u20ac nicht wirtschaftlich belastet sind.<\/p>\n<p>241. Vorsorgeaufwendungen, zu denen auch die Beitr\u00e4ge zur Kranken- und Pflegeversicherung geh\u00f6ren, sind grds. in dem Veranlagungszeitraum abzugsf\u00e4hig, in dem sie gem. \u00a7 11 Abs. 2 Satz 1 EStG abgeflossen sind (vgl. Heinicke in Schmidt, EStG, 32. Aufl., \u00a7 10 Rn. 3 m.w.N.). Nach der st\u00e4ndigen Rechtsprechung des BFH k\u00f6nnen aber nur solche Aufwendungen als Sonderausgaben ber\u00fccksichtigt werden, durch die der Steuerpflichtige tats\u00e4chlich und endg\u00fcltig wirtschaftlich belastet ist (vgl. etwa BFH-Urteile vom 27.2.1970 VI R 314\/67, BFHE 98, 412, BStBl II 1970, 422; vom 26.6.1996 X R 73\/94, BFHE 181, 144, BStBl II 1996, 646; vom 21.7.2009 X R 32\/07, BFHE 226, 67, BStBl II 2010, 38). An einer solchen endg\u00fcltigen Belastung kann es u.a. im Fall einer Erstattung von Aufwendungen fehlen. In den F\u00e4llen einer Erstattung von Kirchensteuer oder von Beitr\u00e4gen zu einer Krankentagegeldversicherung hat sich der BFH daher f\u00fcr eine Verrechnung erstatteter Sonderausgaben mit den im Erstattungsjahr gezahlten gleichartigen Sonderausgaben ausgesprochen (vgl. BFH-Urteil vom 26.11.2008 X R 24\/08, BFH\/NV 2009, 568 zur Kirchensteuer und BFH-Urteil vom 21.7.2009 X R 32\/07, BFHE 226, 67, BStBl II 2010, 38 zur Krankentagegeldversicherung). F\u00fcr die Bestimmung der Gleichartigkeit hat der BFH auf die \u00c4hnlichkeit bzw. Unterschiedlichkeit des Sinn und Zwecks sowie der wirtschaftlichen Bedeutung und Auswirkung der Sonderausgabe f\u00fcr den Steuerpflichtigen abgestellt (eingehend BFH-Urteil vom 21.7.2009 X R 32\/07, BFHE 226, 67, BStBl II 2010, 38). Eine Erstattung ist danach nicht mit beliebigen Aufwendungen zu verrechnen, die im Rahmen der Abzugstatbest\u00e4nde des \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 1 bis 9 EStG normiert sind. Bei verschiedenen Versicherungsbeitr\u00e4gen ist vielmehr danach zu unterscheiden, welche Funktion die jeweilige Versicherung f\u00fcr den Steuerpflichtigen hat und welches Risiko sie absichert (BFH-Urteil vom 21.7.2009 X R 32\/07, BFHE 226, 67, BStBl II 2010, 38; vgl. ferner Urteil des FG Baden-W\u00fcrttemberg vom 16.8.2012 3 K 1651\/10, abrufbar in juris).<\/p>\n<p>252. Im Streitfall sieht der Senat eine \u201eGleichartigkeit\u201c zwischen der R\u00fcckerstattung\u00a0 von Kranken- und Pflegeversicherungsbeitr\u00e4gen des Kl\u00e4gers f\u00fcr 2009 und den Beitr\u00e4gen zur Basisabsicherung in der Krankenversicherungen bzw. den Beitr\u00e4gen zur Pflegeversicherung f\u00fcr 2010 als gegeben an.<\/p>\n<p>26a) Die Aufwendungen f\u00fcr die Kranken- und Pflegeversicherung in 2009 und 2010 sind als gleichartig zu qualifizieren. Es handelt sich um gleichartige Aufwendungen zur Absicherung derselben Risiken, die lediglich unterschiedliche Versicherungszeitr\u00e4ume betreffen. Erstattungen von Beitr\u00e4gen zur Kranken- und Pflegeversicherung m\u00fcssen daher im Jahr des Zuflusses die abziehbaren Beitr\u00e4ge mindern (so auch die Auffassung der Finanzverwaltung, vgl. BMF-Schreiben vom 19.8.2013 IV C 3-S 2221\/12\/10010:004, IV C 5-S 2345\/08\/0001, BStBl I 2013, 1087 Rz. 56).<\/p>\n<p>27b) Die \u201eGleichartigkeit\u201c ist vorliegend auch nicht dadurch entfallen, dass der Gesetzgeber die gesetzliche Regelung zum Abzug von Aufwendungen f\u00fcr die Kranken- und Pflegeversicherung mit Wirkung ab dem Veranlagungszeitraum 2010 umgestaltet hat.<\/p>\n<p>28aa) Nach der bis zum Veranlagungszeitraum 2009 geltenden Rechtslage waren Beitr\u00e4ge zur Kranken- und Pflegeversicherung gem. \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3 Buchstab. a EStG zusammen mit anderen Vorsorgeaufwendungen (mit Ausnahme der Vorsorgeaufwendungen f\u00fcr die Basisaltersversorgung der sog. 1. Schicht) wie Beitr\u00e4ge zur Arbeitslosenversicherung, Berufsunf\u00e4higkeitsversicherung oder auch Lebensversicherung im Rahmen der H\u00f6chstbetragsregelung des \u00a7 10 Abs. 4 EStG abziehbar. Der abzugsf\u00e4hige H\u00f6chstbetrag belief sich im Veranlagungszeitraum 2009 grds. auf 2.400 \u20ac, erm\u00e4\u00dfigte sich jedoch auf 1.500 \u20ac, wenn der Steuerpflichtige einen Anspruch auf vollst\u00e4ndige oder teilweise Erstattung oder \u00dcbernahme von Krankheitskosten hatte oder f\u00fcr die Krankenversicherung des Steuerpflichtigen bestimmte Zusch\u00fcsse geleistet wurden.<\/p>\n<p>29Entsprechend dieser Regelung wurde im Einkommensteuerbescheid der Kl\u00e4ger f\u00fcr 2009 vom 15.8.2011 ein Abzugsbetrag von 3.900 \u20ac in Abzug gebracht, der sich aus einem H\u00f6chstbetrag f\u00fcr den Kl\u00e4ger in H\u00f6he von 2.400 \u20ac und einem H\u00f6chstbetrag der Kl\u00e4gerin in H\u00f6he von 1.500 \u20ac zusammen setzte. Die alternativ durchzuf\u00fchrende \u201eG\u00fcnstigerpr\u00fcfung\u201c gem. \u00a7 10 Abs. 4a EStG a. F., wonach anstelle der H\u00f6chstbetr\u00e4ge des \u00a7 10 Abs. 4 EStG der Betrag f\u00fcr den Abzug der Kranken- und Pflegeversicherungsbeitr\u00e4ge anzusetzen ist, der sich nach der f\u00fcr das Kalenderjahr 2004 geltenden Fassung des \u00a7 10 Abs. 3 EStG ergibt, hat im Streitfall nicht zu einem h\u00f6heren Abzug von Vorsorgeaufwendungen gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>30bb) Mit Beschluss vom 13.2.2008 2 BvL 1\/06 (Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfGE&#8211; 120, 125) hat das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) entschieden, dass die Regelung des \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3a i.V.m. \u00a7 10 Abs. 4 EStG a. F. (ab dem Veranlagungszeitraum 1997) mit Artikel 1 Abs. 1 i.V.m. Artikel 20 Abs. 1, Artikel 3 Abs. 1 und Artikel 6 Abs. 1 des Grundgesetzes (GG) unvereinbar sind, soweit der Sonderausgabenabzug die Beitr\u00e4ge zu einer privaten Krankheitskostenversicherung (Vollversicherung) und einer privaten Pflegepflichtversicherung nicht ausreichend erfasst, die dem Umfang nach erforderlich sind, um dem Steuerpflichtigen und seiner Familie eine sozialhilfegleiche Kranken- und Pflegeversorgung zu gew\u00e4hrleisten. Das Prinzip der Steuerfreiheit des Existenzminimums sch\u00fctze nicht nur das sogenannte s\u00e4chliche Existenzminimum. Auch Beitr\u00e4ge zu privaten Versicherungen f\u00fcr den Krankheits- und Pflegefall k\u00f6nnten Teil des einkommensteuerrechtlich zu verschonenden Existenzminimums sein. Das BVerfG hat die betreffenden Normen allerdings nicht f\u00fcr nichtig, sondern gem. \u00a7\u00a7 31 Abs. 2, 79 Abs. 1 des Bundesverfassungsgerichtsgesetzes f\u00fcr mit dem GG unvereinbar erkl\u00e4rt und den Gesetzgeber aufgefordert, eine gesetzliche Neuregelung zu schaffen.<\/p>\n<p>31cc) Dieser Verpflichtung ist der Gesetzgeber mit dem Gesetz zur verbesserten steuerlichen Ber\u00fccksichtigung von Vorsorgeaufwendungen (B\u00fcrgerentlastungsgesetz Krankenversicherung vom 16.7.2009, BGBl. I 2009, 1959) mit Wirkung zum 1.1.2010 nachgekommen. Die Neuregelung der Ber\u00fccksichtigung von Kranken- und Pflegeversicherungsbeitr\u00e4gen f\u00fchrt dazu, dass die vom Steuerpflichtigen tats\u00e4chlich geleisteten Beitr\u00e4ge f\u00fcr eine Absicherung auf sozialhilfegleichem Versorgungsniveau (Basisabsicherung) zur privaten und gesetzlichen Krankenversicherung und zur gesetzlichen Pflegeversicherung in vollem Umfang steuerlich ber\u00fccksichtigt werden. Innerhalb der sonstigen Vorsorgeaufwendungen ist daher nunmehr zu differenzieren zwischen den Beitr\u00e4gen zur Basisabsicherung in der Krankenversicherung und den Beitr\u00e4gen zur (sozialen und privaten) Pflege(pflicht)versicherung im Sinne des \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchstab. a und b EStG auf der einen Seite sowie den weiteren sonstigen Vorsorgeaufwendungen gem. \u00a7 10 Absatz 1 Nummer 3a EStG auf der anderen Seite (etwa Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, Erwerbs- und Berufsunf\u00e4higkeitsversicherung etc.). Zu den letztgenannten Aufwendungen geh\u00f6ren auch Beitr\u00e4ge zu einer Krankenversicherung, die auf Leistungen der Versicherung entfallen, die \u00fcber die Basisabsicherung hinaus gehen (z.B. Wahlleistungen wie Chefarztbehandlung).<\/p>\n<p>32Zwar gilt f\u00fcr beide Arten von Vorsorgeaufwendungen zun\u00e4chst ein gemeinsamer H\u00f6chstbetrag, denn gem. \u00a7 10 Abs. 4 Satz 1 EStG k\u00f6nnen die Vorsorgeaufwendungen im Sinne der Nummern 3 und 3a des \u00a7 10 Abs. 1 EStG je Kalenderjahr bis zu einem H\u00f6chstbetrag von 2.800 \u20ac als Sonderausgaben ber\u00fccksichtigt werden. Dieser H\u00f6chstbetrag vermindert sich bei Steuerpflichtigen, die ganz oder zum Teil ohne eigene Aufwendungen einen Anspruch auf vollst\u00e4ndige Erstattung oder \u00dcbernahme von Krankheitskosten haben, auf einen Betrag von 1.900 \u20ac (\u00a7 10 Abs. 4 Satz 2 EStG). Die Aufwendungen f\u00fcr die Basisabsicherung in der Krankenversicherung und Beitr\u00e4ge zur Pflegeversicherung im Sinne des \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchstab. a und b EStG sind aber dann, wenn sie den entsprechenden H\u00f6chstbetrag \u00fcbersteigen, gem. \u00a7 10 Abs. 4 Satz 4 EStG stets in vollem Umfang abzugsf\u00e4hig.<\/p>\n<p>33Eine weitere Neuerung besteht zudem darin, dass der Steuerpflichtige neben eigenen Beitr\u00e4gen auch die Beitr\u00e4ge absetzen kann, die er im Rahmen seiner Unterhaltspflicht f\u00fcr ein Kind, f\u00fcr das Anspruch auf ein Kinderfreibetrag oder Kindergeld besteht, getragen hat (\u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 EStG).<\/p>\n<p>34dd) Die gesetzliche Neuregelung hat im Ergebnis zu einer Verbesserung der steuerlichen Abzugsm\u00f6glichkeiten von Kranken- und Pflegeversicherungsbeitr\u00e4gen gegen\u00fcber der zuvor geltenden Rechtslage gef\u00fchrt. Eine grundlegende \u00c4nderung in der Systematik des Abzugs von Vorsorgeaufwendungen, die zu einer Neubewertung des Kriteriums der \u201eGleichartigkeit\u201c f\u00fchren k\u00f6nnte, liegt hierin jedoch nicht. Der blo\u00dfe Umstand, dass sich die Beitr\u00e4ge zur Kranken- und Pflegeversicherung in dem dem Streitjahr vorangegangenen Veranlagungszeitraum 2009 nur anteilig steuerlich ausgewirkt haben, w\u00e4hrend die Erstattung aufgrund der verbesserten Abzugsm\u00f6glichkeit nunmehr eine vollst\u00e4ndige steuerliche Auswirkung der in 2010 gezahlten Beitr\u00e4ge verhindert, f\u00fchrt nach Ansicht des Senats nicht dazu, dass die \u201eGleichartigkeit\u201c der Aufwendungen entf\u00e4llt. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Beurteilung der Gleichartigkeit bleibt in erster Linie das versicherte Risiko, das sich in der hier zu entscheidenden Konstellation nicht ge\u00e4ndert hat, w\u00e4hrend es auf die Art und den Umfang der steuerlichen Abziehbarkeit in den einzelnen Veranlagungszeitr\u00e4umen f\u00fcr die Bestimmung der Gleichartigkeit nicht ankommt.<\/p>\n<p>35Aus diesem Grund sieht der Senat auch keinen Anlass, die Erstattung \u2013 wie von den Kl\u00e4gern alternativ geltend gemacht \u2013 nur zu dem Prozentsatz (hier 44,5%) zu ber\u00fccksichtigen, wie sich die Beitr\u00e4ge zur Kranken- und Pflegeversicherung als Teil der gesamten in 2009 geltend gemachten Vorsorgeaufwendungen im Sinne des \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG 2009 (in Summe 8.748 \u20ac) steuerlich ausgewirkt haben, n\u00e4mlich lediglich in H\u00f6he des H\u00f6chstbetrags von 3.900 \u20ac.<\/p>\n<p>36c) Das FA hat daher f\u00fcr das Streitjahr 2010 zutreffend einen Abzugsbetrag f\u00fcr die Vorsorgeaufwendungen im Sinne der Nummern 3 und 3a des \u00a7 10 Abs. 1 EStG in H\u00f6he von 4.700 \u20ac ermittelt. Dies entspricht der Summe aus dem dem Kl\u00e4ger gem. \u00a7 10 Abs. 4 Satz 1 EStG zustehenden H\u00f6chstbetrag von 2.800 \u20ac und dem der Kl\u00e4gerin zustehenden H\u00f6chstbetrag von 1.900 \u20ac. Den gemeinsamen H\u00f6chstbetrag \u00fcbersteigende Aufwendungen zur Basisabsicherung in der Krankenversicherung und f\u00fcr die Pflegeversicherung im Sinne des \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG, die, wenn sie diese H\u00f6chstbetr\u00e4ge \u00fcbersteigen w\u00fcrden, gem. \u00a7 10 Abs. 4 Satz 4 EStG in voller H\u00f6he abziehbar w\u00e4ren, liegen nicht vor. Die insoweit ber\u00fccksichtigungsf\u00e4higen Aufwendungen in diesem Sinne summieren sich auf einen Betrag von (lediglich) 4.064 \u20ac. Wie das FA im Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2010 vom 2.3.2012 zutreffend dargestellt hat, belaufen sich die in 2010 gezahlten Beitr\u00e4ge der Kl\u00e4gerin zur gesetzlichen Krankenversicherung (\u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchstab. a EStG), die vom Kl\u00e4ger f\u00fcr sich und die Tochter geleisteten Beitr\u00e4ge zur privaten Basisabsicherung in der Krankenversicherung (\u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchstab. a Satz 3 i.V.m. \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2 EStG) sowie die insgesamt geleisteten Beitr\u00e4ge zur Pflegeversicherung (\u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Buchstab. b EStG) in Summe auf 5.183 \u20ac (4.806 \u20ac + 377 \u20ac). Dieser Betrag ist sodann um die Erstattung der Beitr\u00e4ge f\u00fcr 2009 von 1.119 \u20ac zu mindern. Der Senat geht mit den Beteiligten davon aus, dass es sich bei der anteiligen Erstattung von 1.119 \u20ac, die das FA in Abzug gebracht hat, in vollem Umfang um Beitr\u00e4ge handelt, die die Vorsorgeaufwendungen im Sinne des \u00a7 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG betreffen, also um erstattete Beitr\u00e4ge f\u00fcr die Basisabsicherung in der Krankenversicherung und um erstatte Beitr\u00e4ge zur Pflegeversicherung. Hierf\u00fcr spricht auch, dass gem. \u00a7 10 Abs. 2a Satz 4 Nr. 2 EStG nur solche Erstattungsbetr\u00e4ge elektronisch an das FA zu \u00fcbermitteln sind.<\/p>\n<p>37III. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7 135 Abs. 1 FGO.<\/p>\n<p>38IV. Die Zulassung der Revision beruht auf \u00a7 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO. Die Streitfrage hat grunds\u00e4tzliche Bedeutung.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Finanzgericht D\u00fcsseldorf, 13 K 3456\/12 E Datum: 19.11.2013 Gericht: Finanzgericht D\u00fcsseldorf Spruchk\u00f6rper: 13. Senat Entscheidungsart: Urteil Aktenzeichen: 13 K 3456\/12 E Tenor: Die Klage wird abgewiesen. Die Kl\u00e4ger tragen die Kosten des Verfahrens. 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