{"id":38915,"date":"2014-04-01T11:28:37","date_gmt":"2014-04-01T09:28:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=38915"},"modified":"2014-03-27T11:36:24","modified_gmt":"2014-03-27T09:36:24","slug":"sogenanntes-treaty-override-bei-auslandischen-mitunternehmern-verstos-gegen-verfassungsrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/sogenanntes-treaty-override-bei-auslandischen-mitunternehmern-verstos-gegen-verfassungsrecht\/","title":{"rendered":"Sogenanntes &#8222;Treaty override&#8220; bei ausl\u00e4ndischen Mitunternehmern &#8211; Versto\u00df gegen Verfassungsrecht?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sogenanntes &#8222;Treaty override&#8220; bei ausl\u00e4ndischen Mitunternehmern &#8211; Versto\u00df gegen Verfassungsrecht?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kernaussage<\/strong><br \/>\nDer Bundesfinanzhof (BFH) ist der Auffassung, dass die Regelungen in\u00a0\u00a7 50d Abs. 10 EStG\u00a0gegen V\u00f6lkerrecht versto\u00dfen und deshalb wegen der V\u00f6lkerrechtsfreundlichkeit des\u00a0Grundgesetzes\u00a0auch gegen Verfassungsrecht. Er legt dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) daher die Frage vor, ob der Gesetzgeber durch ein sogenanntes Treaty override gegen Verfassungsrecht verst\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt<\/strong><br \/>\nStrittig war die Besteuerung von Zinseink\u00fcnften eines italienischen Staatsb\u00fcrgers, der atypisch still an einer deutschen GmbH &amp; Co. KG beteiligt war. W\u00e4hrend der Kl\u00e4ger\u00a0Art. 11 des DBA Italien\u00a0&#8211; und damit eine alleinige Besteuerung der Zinseink\u00fcnfte im Ans\u00e4ssigkeitsstaat &#8211; durchsetzten wollte, ging das Finanzamt davon aus, dass die Zinsen \u00fcber\u00a0\u00a7 50d Abs. 10 EStG\u00a0als gewerbliche Eink\u00fcnfte in Deutschland zu versteuern waren.<\/p>\n<p><strong>Ansicht des BFH<\/strong><br \/>\nDer BFH f\u00fchrt zun\u00e4chst aus, dass die Zinsen nach\u00a0\u00a7 49 Abs. 1 Nr. 2a) EStG\u00a0grunds\u00e4tzlich in Deutschland zu besteuern sind. Die Darlehensforderung sei in diesem Zusammenhang der Betriebsst\u00e4tte der deutschen GmbH &amp; Co. KG zuzurechnen. Betriebsst\u00e4ttenlose Eink\u00fcnfte aus Gewerbebetrieb kann es nach Ansicht des BFH nicht geben. Er verweist hierbei auf die Neuregelung durch das Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz (AmtshilfeRUmsG), wonach die Zuordnung bei der Betriebsst\u00e4tte erfolge, bei der die Verg\u00fctungen f\u00fcr den Gesellschafter in Abzug gebracht worden sind. Gleichwohl h\u00e4lt der I. Senat die Regelung in\u00a0\u00a7 50d Abs. 10 EStG\u00a0f\u00fcr verfassungswidrig. Er begr\u00fcndet dies mit einem Versto\u00df gegen V\u00f6lkerrecht, welcher ohne tragf\u00e4hige Gr\u00fcnde erfolge und den Kl\u00e4ger damit in seinem subjektiven Grundrecht auf die Einhaltung der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung verletzte. Kritisch gesehen wird dabei insbesondere Folgendes: Durch die einseitige Umqualifizierung kommt es gegebenenfalls zu einer Doppelbesteuerung, weil der ausl\u00e4ndische Staat die betreffenden Einkunftsquellen in vollem Umfang besteuert, ohne dass es zu einer Anrechnung der deutschen Steuer kommt. Durch die r\u00fcckwirkende Anwendung der mit dem AmtshilfeRUmsG ge\u00e4nderten Regelungen kommt es zu einem Versto\u00df gegen das R\u00fcckwirkungsprinzip.<\/p>\n<p><strong>Konsequenzen<\/strong><br \/>\nDer seit Jahren schwelende Streit zwischen Rechtsprechung und Finanzverwaltung beziehungsweise Gesetzgeber wird nun auch f\u00fcr gewerbliche Eink\u00fcnfte vor dem BVerfG ausgetragen. Steuerpflichtige sollten entsprechende Steuerbescheide offenhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sogenanntes &#8222;Treaty override&#8220; bei ausl\u00e4ndischen Mitunternehmern &#8211; Versto\u00df gegen Verfassungsrecht? 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