{"id":39402,"date":"2014-06-01T12:12:25","date_gmt":"2014-06-01T10:12:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.steuer.org\/?p=39402"},"modified":"2014-05-30T09:25:36","modified_gmt":"2014-05-30T07:25:36","slug":"pferdezucht-und-liebhaberei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/pferdezucht-und-liebhaberei\/","title":{"rendered":"Pferdezucht und Liebhaberei"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pferdezucht und Liebhaberei<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kernaussage<\/strong><br \/>\nEine nur mit 2 \u2013 3 Zuchtstuten gef\u00fchrte Pferdezucht kann nicht mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben werden.<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt<\/strong><br \/>\nDer Kl\u00e4ger war in den Streitjahren nichtselbstst\u00e4ndig t\u00e4tig. Er erkl\u00e4rte erstmals im Jahr 2004 gegen\u00fcber dem Finanzamt (FA) Eink\u00fcnfte aus Land- und Forstwirtschaft (Pferdezucht im Nebenerwerb). Der Kl\u00e4ger hielt zwischen 1 bis 3 Zuchtstuten und ver\u00e4u\u00dferte in einzelnen Jahren jeweils ein Fohlen. Teilweise wurden Fohlen aber auch tot geboren und es verendete auch mal eine Zuchtstute. In den Jahren 2004 bis 2010 erkl\u00e4rte der Kl\u00e4ger pro Jahr jeweils Verluste zwischen ca. 9.000 EUR und 16.500 EUR. F\u00fcr 2004 bis 2009 ber\u00fccksichtigte das FA die Verluste nach\u00a0\u00a7 165 Abs. 1 AO. Der Kl\u00e4ger teilte auf eine Anfrage zur Gewinnerzielungsabsicht mit, dass er vor Aufnahme der T\u00e4tigkeit zwar keine Marktuntersuchung vorgenommen habe und er noch 2 Jahre lang mit Verlusten rechne, danach aber Gewinne erwarte. Werbema\u00dfnahmen seien nicht durchgef\u00fchrt worden. Der T\u00e4tigkeit widme er sich ca. 60 Stunden monatlich. Er gab am 21.9.2009 an, dass geplant sei, die Zucht auf 4 Zuchtstuten zu erweitern. Die 6 vorhandenen St\u00e4lle w\u00fcrden dann f\u00fcr Pensionspferde genutzt. Im Jahr 2004 sei eine Baugenehmigung f\u00fcr einen neuen Stall beantragt worden. F\u00fcr das Wirtschaftsjahr 2009\/2010 werde ein Gewinn von ca. 12.000 EUR erwartet. Nach dem Bau des Stalles sei mit einem Gewinn von 18.000 EUR bis 20.000 EUR zu rechnen. Dass der Bauantrag abgelehnt worden war, teilte der Kl\u00e4ger am 10.2.2012 mit. Daher fielen die Zusatzeinnahmen f\u00fcr Pensionspferde weg. Au\u00dferdem seien 2 tragende Zuchtstuten seien verendet, eine habe verfohlt. Die Pferdezucht werde zum 31.12.2010 aufgegeben. Durch Einkommensteuerbescheide aus 2012 erkannte das FA die Verluste 2004 &#8211; 2010 nicht mehr an. Im dagegen eingelegten Einspruch trug der Kl\u00e4ger vor, er habe die Land- und Forstwirtschaft beendet, als klar geworden sei, dass ein \u00dcberschuss nicht erzielt werde. Den Einspr\u00fcchen f\u00fcr 2004 bis 2006 gab das FA statt, die Einspr\u00fcche f\u00fcr 2007 bis 2010 wies es dagegen zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Entscheidung<\/strong><br \/>\nDas Finanzgericht D\u00fcsseldorf (FG) gab dem FA Recht. Es liege wegen fehlender Gewinnerzielungsabsicht eine steuerlich nicht relevante Liebhaberei vor. Obwohl die Verluste sogar noch stiegen, f\u00fchrte der Kl\u00e4ger den Betrieb unver\u00e4ndert fort. Nach Ansicht Richter konnte die Pferdezucht des Kl\u00e4gers von vornherein keinen Totalgewinn abwerfen. Mangels einer objektiven Gewinnerzielungsm\u00f6glichkeit hatte der Kl\u00e4ger auch keine Gewinnerzielungsabsicht. Zur Annahme einer Gewinnerzielungsabsicht gen\u00fcge nicht, dass theoretisch eine Gewinnchance bestand. Die in den Jahren 2004 bis 2010 unterhaltene Pferdezucht f\u00fchrte insgesamt zu Verlusten von rund 70.000 EUR, ohne dass diese durch m\u00f6gliche stille Reserven ausgeglichen gewesen waren. Hinzu k\u00e4me, dass die Pferdezucht auch nicht nach betriebswirtschaftlichen Grunds\u00e4tzen betrieben wurde. Die Verk\u00e4ufe der Fohlen erfolgten nicht auf Auktionen, sondern \u00fcber Bekannte bzw. Inserate in Pferdezeitschriften. Die erhofften hohen Preise f\u00fcr Fohlen entsprachen nicht einer realistischen Einsch\u00e4tzung der Marktsituation. So k\u00f6nnten auf Fohlen-Auktionen erzielte Preise nicht als Vergleichspreise herangezogen werden. Um wirtschaftlich mit Gewinn z\u00fcchten zu k\u00f6nnen, werde die Pferdezucht auf einer zu schmalen Basis betrieben. Bei der Pferdezucht komme die Qualit\u00e4t im Ganzen aus der Quantit\u00e4t. Hohe Verkaufspreise seien regelm\u00e4\u00dfig nur zu erzielen, wenn aus einer gen\u00fcgend gro\u00dfen Zahl von Fohlen die Besten ausgew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen. Nur dann sei ein entsprechender Gewinn zu erwarten. Dieser m\u00fcsse nicht nur\u00a0die betr\u00e4chtlichen Aufzucht- und Ausbildungskosten der verkauften Tiere decken, sondern z\u00fcchterische Fehlschl\u00e4ge bei nicht abgesetzten Pferden ausgleichen. Bereits vor 2004 wurden Pferde aus privaten Gr\u00fcnden gehalten. Der Plan, Pferde zu z\u00fcchten, beruhe darauf, dass die Tochter krankheitsbedingt nicht mehr Turniere reiten konnte, so dass \u2013 teilweise mit dem vorhandenen Pferdebestand \u2013 eine Zucht aufgebaut werden sollte. Im vorliegenden Fall konnte nach Ansicht des Gerichts auch nicht angenommen werden, dass der Kl\u00e4ger die fehlende Gewinnerzielungsm\u00f6glichkeit verkannt hat. Sp\u00e4testens ab dem Jahr 2007 sei ihm bewusst gewesen, dass auf der bisherigen Basis ein Totalgewinn nicht zu erzielen sei. Soweit er urspr\u00fcnglich geplant habe, Pensionspferde in neu zu errichtenden Boxen aufzunehmen und damit die Verluste auszugleichen, war dieser Plan jedenfalls mit der abschl\u00e4gigen Bescheidung ihres Bauantrags gescheitert. Bei einem Pferdezuchtbetrieb m\u00fcsse mit R\u00fcckschl\u00e4gen wie genetisch bedingten Fehlz\u00fcchtungen oder Verletzungen bei der Fohlenaufzucht gerechnet werden. Au\u00dferdem m\u00fcssten erhebliche Tierarztkosten ber\u00fccksichtigt werden. Es gelte auch hier, dass die Folgen einzelner z\u00fcchterischer Fehlschl\u00e4ge nur durch Quantit\u00e4t ausgeglichen werden k\u00f6nnen. Es sei nicht ersichtlich, dass Ma\u00dfnahmen ergriffen worden seien, um den Betrieb wirtschaftlicher zu f\u00fchren. Vielmehr sei in einigen Jahren sogar g\u00e4nzlich darauf verzichtet worden, die Stuten decken zu lassen, um Kosten zu sparen. Dadurch seien Einnahmen aus zu erwartenden Fohlen aber gerade nicht mehr zu erzielen.<\/p>\n<p><strong>Konsequenz<\/strong><br \/>\nDie Entscheidung zeigt auf, welche Voraussetzungen zu erf\u00fcllen sind, um eine Pferdezucht nicht als Liebhaberei, sondern mit Gewinnerzielungsabsicht zu betreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pferdezucht und Liebhaberei Kernaussage Eine nur mit 2 \u2013 3 Zuchtstuten gef\u00fchrte Pferdezucht kann nicht mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben werden. Sachverhalt Der Kl\u00e4ger war in den Streitjahren nichtselbstst\u00e4ndig t\u00e4tig. Er erkl\u00e4rte erstmals im Jahr 2004 gegen\u00fcber dem Finanzamt (FA) Eink\u00fcnfte aus Land- und Forstwirtschaft (Pferdezucht im Nebenerwerb). Der Kl\u00e4ger hielt zwischen 1 bis 3 Zuchtstuten und &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/pferdezucht-und-liebhaberei\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Pferdezucht und Liebhaberei<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[4],"tags":[366,3327],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39402"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=39402"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/39402\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=39402"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=39402"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=39402"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}