{"id":41944,"date":"2014-10-02T19:00:21","date_gmt":"2014-10-02T17:00:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=41944"},"modified":"2018-03-22T11:22:52","modified_gmt":"2018-03-22T09:22:52","slug":"ostwest-noch-immer-unterschiede-bei-den-tarifvertraegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/ostwest-noch-immer-unterschiede-bei-den-tarifvertraegen\/","title":{"rendered":"Ost\/West: Noch immer Unterschiede bei den Tarifvertr\u00e4gen"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"color: #298783;\">Tarifl\u00f6hne Ost im Schnitt bei 97 Prozent<\/h2>\n<p id=\"ueberschrift4\" class=\"keinUmfluss\" style=\"color: #298783;\">24 Jahre nach der deutschen Vereinigung haben sich die durchschnittlichen Tarifl\u00f6hne- und -geh\u00e4lter in Ostdeutschland stark an die im Westen angen\u00e4hert. Die tariflichen Grundverg\u00fctungen in den neuen L\u00e4ndern erreichen nach den aktuellsten vorliegenden Daten von Mitte 2014 im Schnitt rund 97 Prozent des West-Niveaus. Dabei zeigen sich allerdings teilweise deutliche Unterschiede nach Branchen: Im \u00f6ffentlichen Dienst, bei Banken und Versicherungen, in der Eisen- und Stahlindustrie, in der Druckindustrie sowie im Einzelhandel (Brandenburg) liegt das Tarifniveau bereits bei 100 Prozent, im Bauhauptgewerbe erreicht es 92 Prozent, im Kfz-Gewerbe (Th\u00fcringen) betr\u00e4gt es knapp 88 Prozent. Im Hotel- und Gastst\u00e4ttengewerbe (Sachsen) liegt das Tarifniveau erst bei rund 77 Prozent und in der Landwirtschaft (Mecklenburg-Vorpommern) bei 73 Prozent. Darauf weist Dr. Reinhard Bispinck, der Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung, hin.<\/p>\n<p style=\"color: #333333;\">\nWeitaus gr\u00f6\u00dfer ist der Einkommensr\u00fcckstand bei ostdeutschen Besch\u00e4ftigten, die nicht nach Tarif bezahlt werden. Insgesamt fallen die effektiven Bruttoverdienste daher im Osten um 17 Prozent niedriger aus als im Westen. Der Angleichungsprozess stagniert allerdings seit Jahren.<\/p>\n<p>Unterschiede bei den tariflichen Arbeitsbedingungen gibt es vor allem noch bei den tariflichen Arbeitszeiten und bei Sonderzahlungen wie dem Weihnachtsgeld. Ein Blick auf die Entwicklung der wichtigsten Tarifregelungen und -leistungen zeigt:<\/p>\n<p><strong style=\"color: inherit;\">Das Tarifniveau Ost\/West<\/strong>, also das Verh\u00e4ltnis der tariflichen Grundverg\u00fctungen, betrug 1991 rund 60 Prozent und Mitte 2014 rund 97 Prozent.<\/p>\n<p><strong style=\"color: inherit;\">Die tarifliche Wochenarbeitszeit<\/strong>\u00a0lag im Osten 1991 mit 40,2 gut 2 Stunden h\u00f6her als im Westen mit 38,1 Stunden. Ende 2013 belief sich die Wochenarbeitszeit auf 38,6 Stunden im Osten und 37,5 Stunden im Westen.<\/p>\n<p><strong style=\"color: inherit;\">Der tarifliche Grundurlaub<\/strong>\u00a0betr\u00e4gt zurzeit im Osten 27,4 Arbeitstage (West: 28,7), der Endurlaub, also die maximal erreichbare Zahl von Urlaubstagen, erreicht 29,5 Arbeitstage (West: 30,0).<\/p>\n<p><strong style=\"color: inherit;\">Das tarifliche Urlaubsgeld<\/strong>, festgelegt als Prozentsatz des Monats- bzw. Urlaubsentgeltes, hat in vielen Tarifbereichen Westniveau erreicht. Dort, wo es als fester Euro-Betrag vereinbart ist, ist es teilweise noch deutlich niedriger.<\/p>\n<p><strong style=\"color: inherit;\">Die tarifliche Jahressonderzahlung<\/strong>\u00a0(Weihnachtsgeld) hat in etlichen Bereichen ebenfalls Westniveau erreicht, aber auch in gr\u00f6\u00dferen Branchen (Metall, Chemie, Einzelhandel, \u00f6ffentlicher Dienst) bestehen noch Unterschiede.<\/p>\n<p>Dass sich der erreichte tarifliche Angleichungsstand in der Realit\u00e4t nicht 1:1 niederschl\u00e4gt, h\u00e4ngt nach Analyse des WSI-Tarifexperten Reinhard Bispinck damit zusammen, dass die Pr\u00e4gekraft der Tarifvertr\u00e4ge in Ostdeutschland zu schwach ist und im Laufe der Jahre noch abgenommen hat.<\/p>\n<p>&#8222;Das ist eine Folge der deutlich geringeren Tarifbindung, aber in Ostdeutschland fehlt auch die im Westen \u00fcber Jahrzehnte gewachsene Tarifkultur&#8220; so der Experte. Die gro\u00dfe Kluft zwischen h\u00f6heren tariflichen und niedrigeren effektiven Standards von L\u00f6hnen, Geh\u00e4ltern und Arbeitszeiten untergrabe die Verbindlichkeit der Tarifnormen. Weniger Bindekraft, mehr unverbindliche Orientierungsfunktion &#8211; so lasse sich der Funktionswandel der Tarifvertr\u00e4ge in den neuen L\u00e4ndern umschreiben.<\/p>\n<p>Die weitere Angleichung der ostdeutschen tariflichen Arbeits- und Einkommensbedingungen an das West-Niveau und ihre praktische Umsetzung setzen nach Auffassung des WSI zwingend eine Revitalisierung des Tarifvertrages und des gesamten Tarifsystems voraus. &#8222;Die Einf\u00fchrung des gesetzlichen Mindestlohnes von 8,50 Euro pro Stunde und die Erleichterung der Allgemeinverbindlicherkl\u00e4rung von Tarifvertr\u00e4gen durch das neue Tarifautonomiest\u00e4rkungsgesetz sind dabei eine wichtige Hilfe&#8220;, sagt WSI-Tarifexperte Bispinck.<\/p>\n<p>Weitere Informationen\u00a0finden Sie auf der Homepage der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung.<\/p>\n<p class=\"keinBildUmfluss\" style=\"color: #999999;\">Quelle:\u00a0Hans-B\u00f6ckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 01.10.2014<\/p>\n<p style=\"color: #333333;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tarifl\u00f6hne Ost im Schnitt bei 97 Prozent 24 Jahre nach der deutschen Vereinigung haben sich die durchschnittlichen Tarifl\u00f6hne- und -geh\u00e4lter in Ostdeutschland stark an die im Westen angen\u00e4hert. 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