{"id":42303,"date":"2014-11-18T11:49:12","date_gmt":"2014-11-18T09:49:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=42303"},"modified":"2022-11-25T11:56:55","modified_gmt":"2022-11-25T09:56:55","slug":"lohn-und-arbeitskosten-deutschland-weiter-im-europaeischen-mittelfeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/lohn-und-arbeitskosten-deutschland-weiter-im-europaeischen-mittelfeld\/","title":{"rendered":"Lohn- und Arbeitskosten: Deutschland weiter im europ\u00e4ischen Mittelfeld"},"content":{"rendered":"<h2>St\u00e4rkere Dynamik w\u00e4re \u00f6konomisch sinnvoll<\/h2>\n<p id=\"ueberschrift4\" class=\"keinUmfluss\">Die Entwicklung der Arbeits- und der Lohnst\u00fcckkosten in Deutschland hat 2013 und im ersten Halbjahr 2014 lediglich einen geringen Beitrag dazu geleistet, die wirtschaftlichen Ungleichgewichte und die Deflationsrisiken im Euroraum zu reduzieren. Weil die Arbeitskosten im Dienstleistungsbereich nur sehr schwach zunahmen, lag der Zuwachs der deutschen Arbeitskosten insgesamt mit 1,4 Prozent nahe am sehr niedrigen EU-Durchschnitt von 1,3 Prozent. Im ersten Halbjahr 2014 blieb die deutsche Arbeitskostenentwicklung mit lediglich 1,1 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr sogar unter dem EU-Mittel von 1,3 Prozent. Auch bei den f\u00fcr die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit wichtigeren Lohnst\u00fcckkosten weist Deutschland f\u00fcr den Zeitraum von 2000 bis 2014 weiterhin eine sehr moderate Entwicklung auf. Ein dynamischerer Zuwachs bei L\u00f6hnen und Arbeitskosten w\u00e4re aber \u00f6konomisch sinnvoll, um die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland und Europa zu stabilisieren. Zu diesen Ergebnissen kommt der neue Arbeitskostenreport, den das Institut f\u00fcr Makro\u00f6konomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung heute auf einer Pressekonferenz in Berlin vorstellt.<\/p>\n<p>Insgesamt liegt Deutschland bei den Arbeitskosten f\u00fcr die Privatwirtschaft weiterhin im westeurop\u00e4ischen Mittelfeld &#8211; 2013 mit 31,30 Euro pro Arbeitsstunde unver\u00e4ndert an achter Stelle unter den EU-L\u00e4ndern. H\u00f6here Arbeitskosten weisen unter anderem wichtige Handelspartner wie die Niederlande, Frankreich, Belgien, Schweden und D\u00e4nemark auf. D\u00e4nemark hatte im vergangenen Jahr mit 41,40 Euro pro Stunde die h\u00f6chsten Arbeitskosten in Europa. Geringf\u00fcgig niedriger als in Deutschland waren die Arbeitskosten 2013 in \u00d6sterreich. Da sie in der Alpenrepublik w\u00e4hrend der ersten H\u00e4lfte 2014 aber deutlich st\u00e4rker gestiegen sind als in Deutschland, ist es nach Analyse der Wissenschaftler m\u00f6glich, dass die beiden Nachbarstaaten in diesem Jahr die Pl\u00e4tze tauschen. In den Krisenl\u00e4ndern Irland, Italien, Spanien, Griechenland und Portugal reichen die Arbeitskosten von 28,20 bis 12,80 Euro pro Stunde, haben die IMK-Experten Dr. Alexander Herzog-Stein, Dr. Ulrike Stein und Dr. Rudolf Zwiener auf Basis der neuesten verf\u00fcgbaren europ\u00e4ischen Daten errechnet.<\/p>\n<p><strong>Forscher: Deutschland hat weiter Nachholbedarf bei Lohnentwicklung<\/strong><br \/>\n&#8222;Wir sehen in Europa bei den Arbeits- und den Lohnst\u00fcckkosten ein sehr pr\u00e4gnantes Muster&#8220;, sagt Prof. Dr. Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK. &#8222;In Krisenl\u00e4ndern wie Griechenland oder Portugal sind sie zuletzt unter gro\u00dfen Opfern der Bev\u00f6lkerung drastisch zur\u00fcckgegangen. In Irland und Spanien stagnieren sie. Die von manchen erhoffte wirtschaftliche Erholung ist aber ausgeblieben. Denn als Kehrseite dieser Senkung waren die Einkommensverluste in diesen L\u00e4ndern so gro\u00df, dass die Binnennachfrage extrem gelitten hat. Grunds\u00e4tzlich \u00e4hnlich, wenn zum Gl\u00fcck nicht so dramatisch, waren die Zusammenh\u00e4nge in Deutschland w\u00e4hrend der 2000er Jahre: L\u00f6hne und Arbeitskosten hatten sich gesamtwirtschaftlich nur sehr langsam entwickelt, gleichzeitig waren Wirtschaftswachstum und Besch\u00e4ftigung schwach. Besser gelaufen ist es erst, als nach der \u00dcberwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise die Lohnentwicklung st\u00e4rker wurde und die Binnennachfrage die Konjunktur st\u00fctzen konnte. Das unterstreicht einmal mehr, wie falsch es ist, sich einseitig auf m\u00f6glichst niedrige Arbeitskosten zu fixieren.&#8220;<\/p>\n<p>Dass die Arbeitskosten in der deutschen Privatwirtschaft in den Jahren 2011 und 2012 st\u00e4rker stiegen als im Durchschnitt von EU und Euroraum, werten die Forscher des IMK als positive &#8222;Normalisierung&#8220;. Dass sich die Entwicklung 2013 und in der ersten H\u00e4lfte 2014 wieder deutlich verlangsamt hat, als entt\u00e4uschend: &#8222;Die deutsche Wettbewerbsf\u00e4higkeit ist sehr hoch. Nachholbedarf hat Deutschland bei der Lohnentwicklung. Wir k\u00f6nnten und m\u00fcssten in der gegenw\u00e4rtigen Situation die Nachfragelokomotive in Europa sein &#8211; auch im eigenen Interesse&#8220;, sagt Horn. Schlie\u00dflich schade die wirtschaftliche Schw\u00e4che vieler Eurol\u00e4nder auch der deutschen Konjunktur. Die Wissenschaftler unterst\u00fctzen daher die Forderungen von Deutscher Bundesbank und Europ\u00e4ischer Zentralbank nach h\u00f6heren L\u00f6hnen. Sie empfehlen gesamtwirtschaftliche Lohnsteigerungen in Deutschland um deutlich mehr als drei Prozent. Den allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn betrachtet das IMK als wichtigen ersten Schritt, um die Lohnentwicklung, vor allem im Dienstleistungsbereich, zu unterst\u00fctzen. Dass das Gesetz zur St\u00e4rkung der Tarifautonomie es dar\u00fcber hinaus erleichtert, Tarifvertr\u00e4ge allgemeinverbindlich zu erkl\u00e4ren, sei ebenfalls vern\u00fcnftig. Jetzt gelte es, dieses Instrument in der Praxis verst\u00e4rkt zu nutzen.<\/p>\n<p><strong>Arbeitskosten 2013: 31,30 Euro pro Stunde<\/strong><br \/>\nZu den Arbeitskosten z\u00e4hlen neben dem Bruttolohn die Arbeitgeberanteile an den Sozialbeitr\u00e4gen, Aufwendungen f\u00fcr Aus- und Weiterbildung sowie als Arbeitskosten geltende Steuern. Die IMK-Forscher nutzen f\u00fcr ihre Studie die neuesten verf\u00fcgbaren Zahlen der europ\u00e4ischen Statistikbeh\u00f6rde Eurostat. Erstmalig kann dabei auf die Zahlen der letzten Arbeitskostenerhebung, die im Jahr 2012 stattfand, zur\u00fcckgegriffen werden. Dadurch ergeben sich bei der absoluten H\u00f6he der Arbeitskosten in einigen L\u00e4ndern erhebungsbedingte Unterschiede zu den Vorjahren. An den generellen Trends hat sich aber dadurch nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>2013 mussten deutsche Arbeitgeber in der Privatwirtschaft (Industrie und privater Dienstleistungsbereich) 31,30 Euro pro geleistete Arbeitsstunde aufwenden. H\u00f6her liegen die Arbeitskosten in sieben L\u00e4ndern: In D\u00e4nemark, Belgien, Schweden, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden und Finnland m\u00fcssen zwischen 41,40 und 32,40 Euro pro Stunde ausgegeben werden. Geringf\u00fcgig niedriger als in Deutschland sind die Arbeitskosten in \u00d6sterreich (30,90 Euro). Der Durchschnitt des Euroraums liegt bei 29 Euro. Etwas darunter folgt Italien, das 2013 Arbeitskosten von 27,20 Euro auswies. In den \u00fcbrigen s\u00fcdeurop\u00e4ischen EU-Staaten betragen sie zwischen 21 Euro (Spanien) und 12,80 Euro (Portugal). Die portugiesischen Arbeitskosten liegen damit unter denen im EU-Beitrittsland Slowenien, wo 15,20 Euro aufgewendet werden m\u00fcssen. In der Tschechischen Republik, Ungarn und Polen liegen die Stundenwerte zwischen 9,90 und 7,80 Euro. Schlusslichter sind Rum\u00e4nien und Bulgarien mit Arbeitskosten von 4,50 bzw. 3,70 Euro pro Stunde.<\/p>\n<p><strong>\u00dcber 20 Prozent Abstand zwischen Industrie und Dienstleistungen<\/strong><br \/>\nIm Verarbeitenden Gewerbe betrugen 2013 die Arbeitskosten in Deutschland 36,20 Euro pro geleistete Arbeitsstunde. Im EU-Vergleich steht die Bundesrepublik damit an vierter Stelle als Teil einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe von Industriel\u00e4ndern, die mit 33,40 bis 42,70 Euro pro Stunde \u00fcber dem Euroraum-Durchschnitt von 31,20 Euro liegen. Dazu z\u00e4hlen auch Belgien mit industriellen Arbeitskosten von 42,70 Euro, Schweden (42,20), D\u00e4nemark (40,90 Euro) und Frankreich, das 2012 vor Deutschland rangierte und 2013 mit 35,90 Euro knapp hinter die Bundesrepublik gerutscht ist. Au\u00dferdem Finnland, die Niederlande, und \u00d6sterreich (35,30 bis 33,40 Euro). Dabei ist nicht ber\u00fccksichtigt, dass das Verarbeitende Gewerbe in der Bundesrepublik st\u00e4rker als in jedem anderen EU-Land von g\u00fcnstigeren Vorleistungen aus dem Dienstleistungsbereich profitiert (mehr im folgenden Abschnitt). 2013 stiegen die industriellen Arbeitskosten in Deutschland um 3,3 Prozent. Im Durchschnitt von EU und Euroraum lag die Zunahme bei 2,3 Prozent. Im ersten Halbjahr 2014 verlangsamte sich das Wachstum der Arbeitskosten in der deutschen Industrie auf 2,3 Prozent. Der Anstieg ist damit nur noch wenig h\u00f6her als im Mittel von EU und Euroraum (2,2 und 1,8 Prozent).<\/p>\n<p>Im privaten Dienstleistungssektor lagen die deutschen Arbeitskosten 2013 mit 28,70 Euro weiterhin an neunter Stelle nach den Benelux-L\u00e4ndern, den nordischen EU-Staaten, Frankreich und \u00d6sterreich. Den h\u00f6chsten Wert wies auch hier D\u00e4nemark mit 42 Euro aus, der Durchschnitt im Euroraum betr\u00e4gt 28 Euro. 2013 stiegen die Arbeitskosten im deutschen Dienstleistungssektor um gerade einmal 0,3 Prozent. Damit lag der Zuwachs deutlich unter dem ohnehin geringen Durchschnitt in Euroraum (0,7 Prozent) und EU (1 Prozent). In der ersten H\u00e4lfte 2014 legten die Arbeitskosten im deutschen Dienstleistungssektor um 0,4 Prozent zu. Im Euroraum lag die durchschnittliche Steigerungsrate bei 0,8 Prozent, in der EU bei 1 Prozent.<\/p>\n<p><strong>Industrie kann Vorleistungen g\u00fcnstiger einkaufen<\/strong><br \/>\nDer R\u00fcckstand der Arbeitskosten im Dienstleistungssektor hinter denen im Verarbeitenden Gewerbe ist in Deutschland nach wie vor gr\u00f6\u00dfer als in jedem anderen EU-Land. Er betr\u00e4gt gut 20 Prozent oder 7,5 Euro pro Stunde. Vom vergleichsweise niedrigen Arbeitskostenniveau in den deutschen Dienstleistungsbranchen profitiert auch die Industrie, die dort Vorleistungen nachfragt. Dadurch entsteht eine Kosteneinsparung f\u00fcr die Industrie von acht bis zehn Prozent oder rund drei Euro je Arbeitsstunde. W\u00e4hrend der Dienstleistungssektor die Industrie hierzulande bei den Arbeitskosten entlaste, sei es insbesondere in den mittel- und osteurop\u00e4ischen EU-L\u00e4ndern umgekehrt, betonen die Forscher.<\/p>\n<p><strong>\u00d6ffentliche Dienstleistungen: Spuren der Austerit\u00e4t<\/strong><br \/>\nZu den Arbeitskosten im \u00f6ffentlichen Dienst liegen f\u00fcr 16 Euroraum-L\u00e4nder Daten vor. Deutschland liegt mit einem Wert von 31 Euro pro Stunde auf Rang acht. Im europ\u00e4ischen Vergleich zeigten sich die drastischen Auswirkungen der Austerit\u00e4tspolitik in den Krisenl\u00e4ndern, betonen die Forscher. In den meisten L\u00e4ndern h\u00e4tten sich die Arbeitskosten bei den \u00f6ffentlichen Dienstleistungen zwischen 2008 und 2013 wesentlich schw\u00e4cher entwickelt als in der privaten Wirtschaft. In Griechenland sanken sie gar um 7,7 Prozent im Jahresdurchschnitt, in Portugal betrug der j\u00e4hrliche R\u00fcckgang 2,5 und in Irland 0,5 Prozent. In Deutschland war die j\u00e4hrliche Zuwachsrate mit 2,6 Prozent in diesem Zeitraum etwas dynamischer als im Privatsektor. Allerdings hatte der durchschnittliche j\u00e4hrliche Zuwachs zwischen 2000 und 2008 bei nur 0,9 Prozent gelegen.<\/p>\n<p><strong>Lohnst\u00fcckkosten: J\u00e4hrlich 0,9 Prozent Zunahme von 2000 bis 2013<\/strong><br \/>\nDie Lohnst\u00fcckkosten, welche die Arbeitskosten in Relation zur Produktivit\u00e4tsentwicklung setzen, sind in Deutschland zwischen 2000 und 2013 um lediglich 0,9 Prozent im Jahresmittel gestiegen &#8211; und damit deutlich langsamer als im Euroraum insgesamt (+1,7 Prozent). Zwischen 2000 und 2008 stagnierten sie sogar.<\/p>\n<p>F\u00fcr 2013 beobachten die Forscher bei den Lohnst\u00fcckkosten der deutschen Privatwirtschaft einen Anstieg um 2,3 Prozent, im Euroraum-Durchschnitt 1,2 Prozent. Im ersten Halbjahr 2014 sind die Lohnst\u00fcckkosten in Deutschland gegen\u00fcber dem Vorjahreszeitraum um 1,7 Prozent gestiegen, im Mittel des Euroraums um schwache 0,7 Prozent. Auch wenn sich der \u00fcber Jahre aufgelaufene Abstand zwischen Deutschland und seinen Euro-Partnern verringere, sei &#8222;der Wettbewerbsvorteil Deutschlands bei diesen Raten f\u00fcr die Krisenl\u00e4nder immer noch zu hoch, um gegen\u00fcber Deutschland nennenswert aufholen zu k\u00f6nnen&#8220;, schreiben die Wissenschaftler.<\/p>\n<p>Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung.<\/p>\n<p class=\"keinBildUmfluss\">Quelle:\u00a0Hans-B\u00f6ckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 17.11.2014<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>St\u00e4rkere Dynamik w\u00e4re \u00f6konomisch sinnvoll Die Entwicklung der Arbeits- und der Lohnst\u00fcckkosten in Deutschland hat 2013 und im ersten Halbjahr 2014 lediglich einen geringen Beitrag dazu geleistet, die wirtschaftlichen Ungleichgewichte und die Deflationsrisiken im Euroraum zu reduzieren. 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