{"id":43694,"date":"2015-07-02T17:17:20","date_gmt":"2015-07-02T15:17:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=43694"},"modified":"2020-09-18T19:28:10","modified_gmt":"2020-09-18T17:28:10","slug":"erheblicher-spielraum-fuer-hoehere-besteuerung-von-hohen-einkommen-und-gewinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/erheblicher-spielraum-fuer-hoehere-besteuerung-von-hohen-einkommen-und-gewinnen\/","title":{"rendered":"Erheblicher Spielraum f\u00fcr h\u00f6here Besteuerung von hohen Einkommen und Gewinnen"},"content":{"rendered":"<h2>Steuers\u00e4tze \u00fcber viele Jahre stark gesunken, Ungleichheit gestiegen<\/h2>\n<h3 id=\"ueberschrift4\" class=\"keinUmfluss\">Die Steuers\u00e4tze f\u00fcr Unternehmen und die Spitzens\u00e4tze der Einkommensteuer sind in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland und vielen anderen Industriel\u00e4ndern sehr stark gesenkt worden. Der Spielraum f\u00fcr eine h\u00f6here Besteuerung von Besserverdienenden und Unternehmen ist gr\u00f6\u00dfer als vielfach behauptet. Wenn die Steuer- und Finanzpolitik k\u00fcnftig wieder st\u00e4rker zugunsten einkommensschwacher Haushalte umverteilen w\u00fcrde, kann davon die gesamte Volkswirtschaft profitieren. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle, von der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung gef\u00f6rderte, Untersuchung.<\/h3>\n<p>Bei der Besteuerung von Unternehmensgewinnen habe es in den vergangenen drei Jahrzehnten einen &#8222;internationalen Wettlauf nach unten&#8220; gegeben, schreiben die Forscher Sarah Godar, Christoph Paetz und Prof. Dr. Achim Truger von der Hochschule f\u00fcr Wirtschaft und Recht Berlin. In den L\u00e4ndern, f\u00fcr die OECD-Daten verf\u00fcgbar sind, sei der Durchschnitt der Steuers\u00e4tze seit 1981 um mehr als 20 Prozentpunkte gesunken &#8211; von 47,5 Prozent auf 27,3 Prozent. In Deutschland betrug der R\u00fcckgang sogar gut 30 Prozentpunkte &#8211; von 60 auf 30,2 Prozent.<\/p>\n<p>Auch die pers\u00f6nlichen Einkommensteuern seien stark zur\u00fcckgegangen. So lag der Spitzensteuersatz im Jahr 1981 in den OECD-L\u00e4ndern bei durchschnittlich 65,7 Prozent, im Jahr 2010 nur noch bei 45,8 Prozent. In Deutschland sank er im selben Zeitraum um immerhin 8,5 Punkte von 56 auf 47,5 Prozent (inkl. Solidarit\u00e4tszuschlag). Zudem seien viele Regierungen dazu \u00fcbergegangen, Kapitaleinkommen geringer zu besteuern als Arbeitseinkommen &#8211; in Deutschland etwa durch die umstrittene Abgeltungsteuer. Dadurch sei die Steuergerechtigkeit &#8222;zunehmend in Frage gestellt&#8220; worden, schreiben die Forscher.<\/p>\n<p>Angesichts der wachsenden Ungleichheit und der angespannten Lage der \u00f6ffentlichen Haushalte gebe es zwar Anzeichen f\u00fcr ein Umdenken in der Steuerpolitik, so die Forscher. In den vergangenen Wochen haben etwa sowohl die Industriel\u00e4nderorganisation OECD als auch der Internationale W\u00e4hrungsfonds Studien vorgelegt, die vor negativen wirtschaftlichen Folgen zu gro\u00dfer Ungleichheit warnen und zu mehr Umverteilung im Steuersystem raten.<\/p>\n<p>Dennoch schreckten die meisten L\u00e4nder vor h\u00f6heren Spitzensteuers\u00e4tzen zur\u00fcck, weil diese als sch\u00e4dlich f\u00fcr Besch\u00e4ftigung und Wachstum gelten. Empirisch lasse sich ein negativer Effekt jedoch nicht belegen, konstatieren Godar, Paetz und Truger auf Grundlage eines umfangreichen \u00dcberblicks \u00fcber den Forschungsstand. Gerade die j\u00fcngere Literatur komme zur Einsch\u00e4tzung, dass &#8222;die \u00f6konomischen Argumente gegen eine progressive Besteuerung wesentlich schw\u00e4cher sind als zumeist behauptet&#8220;. Am Beispiel Deutschland zeigen die Wissenschaftler, dass eine regressive Steuerpolitik mehr Schaden anrichten kann: Steuersenkungen und damit verbundene Einnahmeausf\u00e4lle seien ein wesentlicher Grund f\u00fcr die Stagnation der Wirtschaft am Beginn der 2000er-Jahre gewesen und f\u00fcr die hartn\u00e4ckige Investitionsschw\u00e4che der \u00f6ffentlichen Hand.<\/p>\n<p>Ein h\u00f6herer Grad an Progression &#8211; also ein Steuersystem, das hohe Einkommen und Gewinne st\u00e4rker belastet als bisher &#8211; k\u00f6nne sogar vorteilhaft f\u00fcr die Volkswirtschaft sein. Der Grund: Der Staat k\u00f6nne h\u00f6here Einnahmen f\u00fcr mehr \u00f6ffentliche Investitionen nutzen, was sich positiv auf das Wachstum auswirke. Au\u00dferdem steigere eine st\u00e4rkere Umverteilung zugunsten einkommensschwacher Haushalte den privaten Konsum und damit die Nachfrage. Es gebe aktuell &#8222;erheblichen Spielraum&#8220; zur Erh\u00f6hung des Spitzensteuersatzes auf Einkommen, der Unternehmenssteuers\u00e4tze und der Steuern auf Kapital und Verm\u00f6gen. Die Regierungen sollten diese M\u00f6glichkeiten nutzen, empfehlen die Wissenschaftler. Auf europ\u00e4ischer Ebene halten sie eine Harmonisierung der Unternehmensbesteuerung f\u00fcr sinnvoll. Diese sollte auch eine allgemeine Mindestbesteuerung vorsehen, um Steuerdumping zu verhindern.<\/p>\n<p>Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung<\/p>\n<p class=\"keinBildUmfluss\">Quelle:\u00a0Hans-B\u00f6ckler-Stiftung, Pressemitteilung vom 02.07.2015<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steuers\u00e4tze \u00fcber viele Jahre stark gesunken, Ungleichheit gestiegen Die Steuers\u00e4tze f\u00fcr Unternehmen und die Spitzens\u00e4tze der Einkommensteuer sind in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland und vielen anderen Industriel\u00e4ndern sehr stark gesenkt worden. Der Spielraum f\u00fcr eine h\u00f6here Besteuerung von Besserverdienenden und Unternehmen ist gr\u00f6\u00dfer als vielfach behauptet. 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