{"id":44460,"date":"2015-10-23T16:46:34","date_gmt":"2015-10-23T14:46:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=44460"},"modified":"2026-07-10T11:38:04","modified_gmt":"2026-07-10T09:38:04","slug":"inflationserwartung-kann-ausgabebereitschaft-der-verbraucher-erhoehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/inflationserwartung-kann-ausgabebereitschaft-der-verbraucher-erhoehen\/","title":{"rendered":"Inflationserwartung kann Ausgabebereitschaft der Verbraucher erh\u00f6hen"},"content":{"rendered":"<h2>Studie zeigt Zusammenhang zwischen Mehrwertsteuererh\u00f6hung als Inflationstreiber und Anschaffungsneigung<\/h2>\n<h3 id=\"ueberschrift4\" class=\"keinUmfluss\">Wenn Verbraucher eine steigende Inflation erwarten, sind sie eher bereit, aktuell mehr Geld f\u00fcr langlebige G\u00fcter auszugeben. Das belegt eine Studie, die Wissenschaftler vom Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT), der University of Chicago und der University of Maryland gemeinsam mit GfK durchgef\u00fchrt haben. Die Ergebnisse der Studie zeigen krisengeplagten L\u00e4ndern wie Italien, Spanien oder Griechenland eine weitere Option auf, um den privaten Konsum und somit das Wirtschaftswachstum insgesamt zu steigern.<\/h3>\n<p>Inflationserwartungen haben f\u00fcr Haushalte eine besondere Bedeutung. Die erwartete Teuerungsrate flie\u00dft in die Konsum- und Sparentscheidungen von Haushalten ein. Die Studie von Dr. Daniel Hoang (KIT), Prof. Michael Weber (Chicago), Prof. D&#8217;Acunto (Maryland) und GfK belegt nun erstmals wissenschaftlich, dass h\u00f6here Inflationserwartungen bei konstanten Zinsen die Konsumneigung vor allem f\u00fcr langlebige G\u00fcter wie H\u00e4user, Autos oder Elektroger\u00e4te positiv beeinflussen.<\/p>\n<p><strong>Inflationserwartung und Ausgabebereitschaft h\u00e4ngen zusammen<\/strong><br \/>\nDie Studie nutzt ein &#8222;nat\u00fcrliches Experiment&#8220;. Im November 2005 k\u00fcndigte die damalige gro\u00dfe Koalition in Deutschland \u00fcberraschenderweise an, im Januar 2007 die Mehrwertsteuer um 3 Prozentpunkte zu erh\u00f6hen. Dieser unerwartete &#8222;Schock&#8220; erh\u00f6hte die Inflationserwartungen im Jahr 2006 und die tats\u00e4chliche Inflation im Jahr 2007. Prof. Michael Weber von der renommierten Booth School of Business der University of Chicago erkl\u00e4rt: &#8222;Eine Mehrwertsteuererh\u00f6hung erh\u00f6ht k\u00fcnftige Verbraucherpreise und Haushalte passen in Erwartung steigender Preise ihre Inflationserwartungen an. Die Tatsache, dass die Ank\u00fcndigung unerwartet war und unabh\u00e4ngig von k\u00fcnftigen Konjunkturerwartungen erfolgte, erlaubt es, einen kausalen Zusammenhang zwischen Inflationserwartungen und Ausgabebereitschaft von Verbrauchern herzustellen&#8220;. Die Studie analysiert, wie sich die Konsumneigung der deutschen Verbraucher vor und nach der \u00fcberraschenden Ank\u00fcndigung ver\u00e4ndert hat. Als Kontrollgruppe dienten Verbraucher aus Gro\u00dfbritannien, Schweden und Frankreich. Dort wurde in diesem Zeitraum keine Mehrwertsteuererh\u00f6hung diskutiert oder durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Bevor die deutsche Regierung die Mehrwertsteuererh\u00f6hung im November 2005 ank\u00fcndigte, waren die Trends von Inflationserwartungen und Konsumneigung in beiden Gruppen vergleichbar. &#8222;Man kann also annehmen, dass sich die deutschen Verbraucher ohne die angek\u00fcndigte Mehrwertsteuererh\u00f6hung \u00e4hnlich wie die Verbraucher in den Kontrolll\u00e4ndern verhalten h\u00e4tten&#8220;, erkl\u00e4rt Dr. Daniel Hoang vom KIT. &#8222;Direkt nach der Ank\u00fcndigung entkoppelten sich aber die durchschnittlichen Inflationserwartungen in Deutschland von denen der Kontrollgruppe. Und die Konsumneigung der deutschen Verbraucher stieg im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich an.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Bereits im Januar 2006, also weniger als zwei Monate nach Ank\u00fcndigung der Steuererh\u00f6hung, aber immer noch zw\u00f6lf Monate bevor die Produktpreise durch die h\u00f6here Mehrwertsteuer tats\u00e4chlich stiegen, erh\u00f6hte sich die Konsumneigung in Deutschland im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich. Dieser Effekt nahm kontinuierlich zu und erreichte seinen H\u00f6hepunkt im November 2006. Zu diesem Zeitpunkt war die Bereitschaft der Verbraucher, hochwertige Produkte zu kaufen, um mehr als 33 Prozent h\u00f6her als bei der Kontrollgruppe&#8220;, erkl\u00e4rt Rolf B\u00fcrkl, GfK-Konsumklima-Experte. Als die Mehrwertsteuer im Januar 2007 tats\u00e4chlich um die angek\u00fcndigten 3 Prozent stieg, fiel die Anschaffungsneigung nahezu auf den gleichen Wert, auf dem sie vor der Ank\u00fcndigung der Steuererh\u00f6hung lag. Hervorzuheben ist, dass die Konsumbereitschaft der deutschen Verbraucher nach der Steuererh\u00f6hung nicht unter das Niveau vor der Ank\u00fcndigung sank. Die Verbraucher gaben also nach der Steuererh\u00f6hung nicht weniger Geld f\u00fcr hochwertige Waren aus als vor ihrer Ank\u00fcndigung im Vergleich zu Haushalten in den Vergleichsl\u00e4ndern.<\/p>\n<p>&#8222;Die Verbraucher sind eher bereit, Geld f\u00fcr hochwertige Produkte auszugeben, wenn sie davon ausgehen m\u00fcssen, dass diese Produkte in der Zukunft teurer werden&#8220;, erg\u00e4nzt B\u00fcrkl. Konsumenten, die eine h\u00f6here Inflation erwarten, haben demnach eine um 8 Prozent h\u00f6here Konsumneigung. Bei Verbrauchern, die in St\u00e4dten leben, ein h\u00f6heres Bildungsniveau sowie ein h\u00f6heres Einkommen besitzen, ist dieser Zusammenhang sogar noch st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Bedeutung f\u00fcr die Praxis<\/strong><br \/>\n&#8222;Zentralbanken auf der ganzen Welt versuchen derzeit, auch mit unkonventionellen Mitteln die Inflationserwartungen und somit auch die Ausgabebereitschaft der Verbraucher zu erh\u00f6hen&#8220;, so Weber von der University of Chicago. &#8222;Die ausgepr\u00e4gten Anleihek\u00e4ufe der Europ\u00e4ischen Zentralbank sind hier das aktuellste Beispiel. Allerdings hat bislang ein wissenschaftlicher Beleg f\u00fcr den Zusammenhang zwischen Inflationserwartung und Anschaffungsneigung gefehlt.&#8220;<\/p>\n<p>Die Forschungsergebnisse des Forschungsteams und von GfK sprechen f\u00fcr die Wirksamkeit solcher unkonventionellen Ma\u00dfnahmen in der Fiskalpolitik. Sie erweitern sozusagen den politischen Werkzeugkasten. Die Studie liefert wichtige neue Ansatzpunkte f\u00fcr politische Entscheidungstr\u00e4ger. Besonders L\u00e4nder wie Italien, Spanien oder Griechenland, die sich noch immer in einer wirtschaftlichen Stagnation bei gleichzeitig hoher Staatsverschuldung befinden, k\u00f6nnten von diesem Zusammenhang profitieren.<\/p>\n<p>Die deutsche Regierung setzte die Mehrwertsteuererh\u00f6hung zur Haushaltskonsolidierung, nicht aber als Ma\u00dfnahme zur Konjunkturbelebung ein. Soll mit Hilfe dieser Ma\u00dfnahme die Binnenkonjunktur w\u00e4hrend einer wirtschaftlichen Rezession oder Stagnation angekurbelt werden, m\u00fcssten die Verbraucher gleichzeitig in Lage versetzt werden, die h\u00f6heren Konsumpreise auch zahlen zu k\u00f6nnen. So legen die Studienergebnisse nahe, dass eine Reihe koordinierter und gestaffelter Erh\u00f6hungen der Konsumsteuern bei gleichzeitiger Entlastung der privaten Haushalte, indem beispielsweise die Einkommensteuern gesenkt werden, eine geeignete Ma\u00dfnahme darstellen k\u00f6nnen, um den aktuellen Konsum zu steigern. Diese Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnten es erlauben, die Volkswirtschaft als Ganzes zu stimulieren, ohne die \u00f6ffentlichen Haushalte zus\u00e4tzlich zu belasten. &#8222;Wenn die Rezession \u00fcberwunden ist, sollten diese Ma\u00dfnahmen jedoch wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden&#8220;, f\u00fcgt B\u00fcrkl hinzu. &#8222;Durch die dann wieder niedrigeren Preise lie\u00dfe sich m\u00f6glicherweise sogar noch einmal ein Schub f\u00fcr den privaten Konsum ausl\u00f6sen.&#8220;<\/p>\n<p>Die vollst\u00e4ndigen Forschungsergebnisse sind \u00fcber das Social Science Research Network abrufbar.<\/p>\n<p class=\"keinBildUmfluss\">Quelle:\u00a0GfK, Pressemitteilung vom 23.10.2015<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studie zeigt Zusammenhang zwischen Mehrwertsteuererh\u00f6hung als Inflationstreiber und Anschaffungsneigung Wenn Verbraucher eine steigende Inflation erwarten, sind sie eher bereit, aktuell mehr Geld f\u00fcr langlebige G\u00fcter auszugeben. Das belegt eine Studie, die Wissenschaftler vom Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT), der University of Chicago und der University of Maryland gemeinsam mit GfK durchgef\u00fchrt haben. Die Ergebnisse der &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/inflationserwartung-kann-ausgabebereitschaft-der-verbraucher-erhoehen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Inflationserwartung kann Ausgabebereitschaft der Verbraucher erh\u00f6hen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1730],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44460"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44460"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44460\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}