{"id":44695,"date":"2015-12-18T13:14:51","date_gmt":"2015-12-18T11:14:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=44695"},"modified":"2020-09-15T11:43:45","modified_gmt":"2020-09-15T09:43:45","slug":"eu-recht-empfehlungen-zur-bekaempfung-aggressiver-steuerplanung-und-steuervermeidung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/eu-recht-empfehlungen-zur-bekaempfung-aggressiver-steuerplanung-und-steuervermeidung\/","title":{"rendered":"EU-Recht: Empfehlungen zur Bek\u00e4mpfung aggressiver Steuerplanung und Steuervermeidung"},"content":{"rendered":"<article>\n<h2>Am 16.12.2015 hat das Parlament eine Entschlie\u00dfung verabschiedet, in der es Gesetzesinitiativen zur transparenteren Gestaltung, Koordinierung und Ann\u00e4herung der Politik im Bereich der K\u00f6rperschaftsteuer in der EU vorschl\u00e4gt. Dieser Vorsto\u00df des Parlaments, die EU-Mitgliedstaaten dazu zu dr\u00e4ngen, gegen aggressive Steuerplanung und -vermeidung durch internationale Unternehmen vorzugehen, wurde durch die &#8222;Luxleaks&#8220;-Enth\u00fcllungen zu Steuerabsprachen mit multinationalen Firmen ausgel\u00f6st.<\/h2>\n<\/article>\n<article>Die vom Wirtschafts- und W\u00e4hrungsausschuss des Parlaments vorbereitete Entschlie\u00dfung wurde mit 500 Stimmen angenommen, bei 122 Gegenstimmen und 81 Enthaltungen. Die EU-Kommission muss auf jede legislative Empfehlung in der Entschlie\u00dfung des Parlaments reagieren, auch, wenn sie keinen entsprechenden Legislativvorschlag vorlegt.<\/p>\n<p>&#8222;Dieser Bericht zeigt die Entschlossenheit sowohl des Europ\u00e4ischen Parlaments als auch der B\u00fcrger Europas, nun endlich wirksame Ma\u00dfnahmen einzuf\u00fchren, um Unternehmen daran zu hindern, durch Absprachen mit den Beh\u00f6rden eines anderen Landes fast alle Steuern zu vermeiden. Der &#8222;Luxleaks&#8220;-Skandal zeigt, wieviel diese Firmen eingespart haben. Diese Gelder h\u00e4tten f\u00fcr Schulen, Krankenh\u00e4user oder die Verringerung von Staatsschulden genutzt werden k\u00f6nnen&#8220;, sagte die Berichterstatterin Anneliese Dodds (S&amp;D, UK).<\/p>\n<p>&#8222;Steuerumgehung durch Unternehmen kostet die nationalen Haushalte jedes Jahr mehrere zehn Milliarden Euro. Sie f\u00fchrt zu unlauterem Wettbewerb zwischen Unternehmen und untergr\u00e4bt das Vertrauen der europ\u00e4ischen B\u00fcrger in Staaten und Regierungen&#8220;, sagte Berichterstatter Lud\u011bk Niedermayer (EVP, CZ). &#8222;Die schnelle Umsetzung der von Parlament und OECD vorgeschlagenen Ma\u00dfnahmen ist eine einzigartige Gelegenheit, nicht nur die Steuererhebung eines Mitgliedstaats zu verbessern, sondern auch, den K\u00f6rperschaftsteuerwettbewerb fairer zu gestalten und die mit der Befolgung von Vorschriften verbundenen Kosten f\u00fcr Unternehmen zu verringern&#8220;, f\u00fcgte er hinzu.<\/p>\n<p class=\"opening\">Empfohlene rechtliche Schritte<\/p>\n<p>Diese Vorschl\u00e4ge bauen auf den Ergebnissen des Sonderausschusses f\u00fcr Steuervorbescheide auf, der infolge der \u201eLuxleaks\u201c-Enth\u00fcllungen eingerichtet wurde und dessen <a title=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/news\/de\/news-room\/20151120IPR03607\/Parlament-fordert-%C3%9Cberarbeitung-der-Vorschriften-f%C3%BCr-K%C3%B6rperschaftssteuer\" href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/news\/de\/news-room\/20151120IPR03607\/Parlament-fordert-%C3%9Cberarbeitung-der-Vorschriften-f%C3%BCr-K%C3%B6rperschaftssteuer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Empfehlungen <\/a>am 26. November vom Plenum verabschiedet wurden.<\/p>\n<p>Das Europ\u00e4ische Parlament fordert die Kommission unter anderem auf,<\/p>\n<ul class=\"square\">\n<li>alle erforderlichen Schritte zu ergreifen, um sp\u00e4testens im ersten Quartal 2016 eine umfassende und \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche l\u00e4nderspezifische Berichterstattung durch multinationale Unternehmen aller Branchen einzuf\u00fchren;<\/li>\n<li>so bald wie m\u00f6glich einen Vorschlag f\u00fcr ein freiwilliges europ\u00e4isches \u201eFair Taxpayer\u201c-G\u00fctesiegel vorzulegen;<\/li>\n<li>so bald wie m\u00f6glich einen Legislativvorschlag zur Einf\u00fchrung einer gemeinsamen K\u00f6rperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage (GKB) vorzulegen. Als zweiter Schritt ist so bald wie m\u00f6glich und sp\u00e4testens bis Ende 2017 eine verbindliche gemeinsame konsolidierte K\u00f6rperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage (GKKB) einzuf\u00fchren;<\/li>\n<li>einen Vorschlag f\u00fcr eine europ\u00e4ische Steueridentifikationsnummer (TIN) vorzulegen;<\/li>\n<li>einen Legislativvorschlag vorzulegen, um Hinweisgeber (Whistleblower) rechtlich zu sch\u00fctzen;<\/li>\n<li>bis zum Sommer 2016 einen Vorschlag vorzulegen, um die derzeitigen Mechanismen zur Beilegung grenz\u00fcberschreitender Steuerstreitigkeiten in der EU zu verbessern;<\/li>\n<li>so bald wie m\u00f6glich einen Vorschlag f\u00fcr einen neuen Mechanismus vorzulegen, durch den die Mitgliedstaaten verpflichtet werden, andere Mitgliedstaaten und die Kommission unverz\u00fcglich zu informieren, wenn sie beabsichtigen, neue Freibetr\u00e4ge, Erm\u00e4\u00dfigungen, Ausnahmen, Verg\u00fcnstigungen oder \u00e4hnliche Ma\u00dfnahmen einzuf\u00fchren, die wesentliche Auswirkungen auf den effektiven Steuersatz in dem Mitgliedstaat oder auf die Besteuerungsgrundlagen in einem anderen Mitgliedstaat haben k\u00f6nnten;<\/li>\n<li>ein Verfahren zu entwickeln, mit dem die Mitgliedstaaten das Ausma\u00df der direkten und indirekten Ausf\u00e4lle der K\u00f6rperschaftsteuer &#8211; also der Unterschied zwischen der geschuldeten und der entrichteten K\u00f6rperschaftsteuer &#8211; in allen Mitgliedstaaten ermitteln k\u00f6nnen;<\/li>\n<li>das Mandat der Gruppe \u201eVerhaltenskodex f\u00fcr die Unternehmensbesteuerung\u201c des Rates zu st\u00e4rken und deren Transparenz zu erh\u00f6hen;<\/li>\n<li>den Mitgliedstaaten auch k\u00fcnftig Leitlinien zur Umsetzung von Patentbox-Regelungen an die Hand zu geben, um sicherzustellen, dass diese keine sch\u00e4dlichen Auswirkungen haben;<\/li>\n<li>die Begriffe \u201eBetriebsst\u00e4tte\u201c und \u201ewirtschaftliche Substanz\u201c EU-weit zu definieren, damit sichergestellt werden kann, dass Unternehmensgewinne auch dort besteuert werden, wo die Unternehmen wertsch\u00f6pfend t\u00e4tig sind;<\/li>\n<li>den Begriff \u201eSteueroase\u201c EU-weit zu definieren und Ma\u00dfnahmen gegen Unternehmen vorzuschlagen, die Steueroasen nutzen.<\/li>\n<li>den EU-Rahmen f\u00fcr Verrechnungspreise zu verbessern.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"opening\">Die n\u00e4chsten Schritte<\/p>\n<p>Die Kommission muss binnen einer Frist von drei Monaten auf die Empfehlungen des Parlaments reagieren, entweder mit entsprechenden Legislativvorschl\u00e4gen oder Erkl\u00e4rungen bei jenen Punkten, zu denen sie keine Gesetzesvorschl\u00e4ge vorlegen will.<\/p>\n<p>Indessen hat das Parlament sich auf ein <a title=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/news\/de\/news-room\/20151201IPR05538\/Steuerabsprachen-Sonderausschuss-des-Parlaments-wird-verl%C3%A4ngert\" href=\"http:\/\/www.europarl.europa.eu\/news\/de\/news-room\/20151201IPR05538\/Steuerabsprachen-Sonderausschuss-des-Parlaments-wird-verl%C3%A4ngert\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">erneuertes sechsmonatiges Mandat f\u00fcr den Sonderausschuss zu Steuervorbescheiden <\/a>geeinigt.<\/p>\n<p>Unter anderem wird der Sonderausschuss die Arbeit der EU-Kommission in den Bereichen staatliche Beihilfen und Steuern verfolgen sowie untersuchen, ob die Mitgliedstaaten die Steuergesetzgebung beachten. Sie werden auch ein besonderes Augenmerk auf die aggressive Steuerplanung von Unternehmen richten.<\/p>\n<p>Der Ausschuss wird ebenfalls genau darauf achten, welche Folgema\u00dfnahmen die EU-Mitgliedstaaten und EU-Institutionen auf der Grundlage der bisherigen Empfehlungen seiner Mitglieder ergriffen haben. Er wird zudem die laufende Arbeit internationaler Institutionen wie der OECD und der G20 verfolgen.<\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n<\/article>\n<article><i>Quelle:\u00a0<\/i>EU-Parlament, Pressemitteilung vom 16.12.2015<\/p>\n<\/article>\n<article>\n<p class=\"opening\">\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 16.12.2015 hat das Parlament eine Entschlie\u00dfung verabschiedet, in der es Gesetzesinitiativen zur transparenteren Gestaltung, Koordinierung und Ann\u00e4herung der Politik im Bereich der K\u00f6rperschaftsteuer in der EU vorschl\u00e4gt. 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