{"id":46001,"date":"2017-10-07T18:22:25","date_gmt":"2017-10-07T16:22:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=46001"},"modified":"2017-10-07T18:22:25","modified_gmt":"2017-10-07T16:22:25","slug":"kein-differenzkindergeld-fuer-in-grossbritannien-lebendes-kind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kein-differenzkindergeld-fuer-in-grossbritannien-lebendes-kind\/","title":{"rendered":"Kein Differenzkindergeld f\u00fcr in Gro\u00dfbritannien lebendes Kind"},"content":{"rendered":"<article>\n<h2><b>Kein Anspruch auf (Differenz-) Kindergeld eines in Deutschland wohnhaften Kindesvaters, der ALG-II Leistungen erh\u00e4lt, f\u00fcr seine in Gro\u00dfbritannien bei der nicht erwerbst\u00e4tigen Kindesmutter wohnenden Tochter.<\/b><\/h2>\n<\/article>\n<article>Der 5. Senat des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts hat mit Urteil vom 21. Juni 2017 (Az. 5 K 179\/16) entschieden, dass einem in Deutschland wohnhaften Kindesvater, der ALG-II Leistungen bezieht, unter Ber\u00fccksichtigung der Regelungen der VO (EG) Nr. 883\/2004 i. V. m. DVO (EG) Nr. 987\/2009 kein Anspruch auf (Differenz-) Kindergeld f\u00fcr seine in Gro\u00dfbritannien bei der nicht erwerbst\u00e4tigen Mutter wohnende Tochter zusteht.<\/p>\n<p>Der verheiratete Kl\u00e4ger war seit M\u00e4rz 2013 in Deutschland wohnhaft. Im Zeitraum von April 2013 bis Mai 2014 bezog er Leistungen nach dem SGB II (ALG-II Leistungen). Seine minderj\u00e4hrige Tochter wohnte w\u00e4hrend dieser Zeit bei der in diesem Zeitraum nicht erwerbst\u00e4tigen Mutter in Gro\u00dfbritannien. Die Mutter erhielt f\u00fcr die Tochter im Streitzeitraum in Gro\u00dfbritannien Familienleistungen, die geringer ausfielen als das deutsche Kindergeld. Nach erfolglosem Einspruchsverfahren begehrte der Kl\u00e4ger mit seiner Klage die Festsetzung von Differenzkindergeld f\u00fcr seine Tochter f\u00fcr den Zeitraum von M\u00e4rz 2013 bis Mai 2014.<\/p>\n<p>Nach Auffassung des 5. Senats steht dem Kl\u00e4ger der geltend gemachte Anspruch jedoch nicht zu. Zwar sei der Kl\u00e4ger grunds\u00e4tzlich nach den deutschen Rechtsvorschriften kindergeldberechtigt. Nach den Priorit\u00e4tsregeln in Art. 68 der VO (EG) Nr. 883\/2204 sei aber vorranging Gro\u00dfbritannien f\u00fcr die Leistung des Kindergeldes an die Tochter zust\u00e4ndig. Die Kindergeldleistungen w\u00fcrden im Streitfall sowohl bei dem Kl\u00e4ger als auch bei seiner Ehefrau allein durch den jeweiligen Wohnort im Sinne des Art. 11 Abs. 3 Buchst. e) VO (EG) 883\/2004 ausgel\u00f6st, so dass die Kindergeldleistungen aus \u201edenselben Gr\u00fcnden\u201c im Sinne des Art. 68 Abs. 1 Buchst. b Ziff. iii) der VO (EG) Nr. 883\/2004 zu gew\u00e4hren seien. Nach dem in diesem Fall ma\u00dfgeblichen Wohnort der Kinder gelte eine Vorrangigkeit der Kindergeldleistungen in Gro\u00dfbritannien. Im Hinblick auf Art. 68 Abs. 2 Satz 3 der VO (EG) Nr. 883\/2004 sei in diesem Fall aber kein Differenzkindergeld zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Eine Gew\u00e4hrung des Kindergeldes aus anderen Gr\u00fcnden als dem Wohnort erg\u00e4be sich im Streitfall insbesondere nicht aus Art. 11 Abs. 2 Satz 1 VO (EG) Nr. 883\/2004 oder Art. 11 Abs. 3 Buchst. c) VO (EG) 883\/2004. Die Situation des Kl\u00e4gers sei nicht im Hinblick auf den Bezug von ALG-II Leistungen einer Besch\u00e4ftigung gleichgestellt. Nur bei den Personen, die aufgrund oder infolge ihrer Besch\u00e4ftigung oder selbst\u00e4ndigen Erwerbst\u00e4tigkeit eine Geldleistung bez\u00f6gen, komme die Gleichstellung mit einer Besch\u00e4ftigung in Betracht. Die Zahlung von ALG-II begr\u00fcnde aber keine derartige Gleichstellung, da diese an die Hilfebed\u00fcrftigkeit des Leistungsempf\u00e4ngers und nicht an eine vorherige Besch\u00e4ftigung oder selbst\u00e4ndige Erwerbst\u00e4tigkeit ankn\u00fcpfe. Art. 11 Abs. 3 Buchst c) der VO (EG) Nr. 883\/2004 sei schlie\u00dflich auch nicht einschl\u00e4gig. Die ALG-II Leistungen stellten keine Leistungen bei Arbeitslosigkeit im Sinne dieser Vorschrift dar. Art. 11 Abs. 3 Buchst. c) der VO nehme Bezug auf den Sonderfall der Leistungen bei Arbeitslosigkeit nach Art. 65 der VO (EG) Nr. 883\/2004. Dieser sei im Streitfall aber nicht einschl\u00e4gig. Zudem weise das ALG-II mehr Parallelen zur Sozialhilfe als zur Arbeitslosenversicherung auf, so dass es als besondere beitragsunabh\u00e4ngige Geldleistung im Sinne des Art. 3 Abs. 3 i. V. m. Art. 70 der VO (EG) Nr. 883\/2004 und nicht als Leistung bei Arbeitslosigkeit im Sinne des Art. 65 der VO (EG) Nr. 883\/2004 einzustufen sei.<\/p>\n<p>Der Senat hatte im Hinblick auf die von verschiedenen Finanzgerichten unterschiedlich beurteilte Frage, ob ALG-II Leistungen \u201eLeistungen bei Arbeitslosigkeit\u201c im Sinne des Art. 11 Abs. 3 Buchst. c der VO (EG) Nr. 883\/2004 darstellen, die Revision zugelassen. Da keine Revision eingelegt wurde, ist das Urteil ist jedoch rechtskr\u00e4ftig geworden. Zu der umstrittenen Rechtsfrage ist jedoch ein weiteres Revisionsverfahren beim BFH anh\u00e4ngig (Az. III R 18\/16).<\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n<\/article>\n<p>Quelle:\u00a0FG Schleswig-Holstein, Mitteilung vom 02.10.2017 zum Urteil 5 K 179\/16 vom 21.06.2017 (rkr)<\/p>\n<article>&nbsp;<\/p>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kein Anspruch auf (Differenz-) Kindergeld eines in Deutschland wohnhaften Kindesvaters, der ALG-II Leistungen erh\u00e4lt, f\u00fcr seine in Gro\u00dfbritannien bei der nicht erwerbst\u00e4tigen Kindesmutter wohnenden Tochter. Der 5. Senat des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts hat mit Urteil vom 21. 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