{"id":46013,"date":"2017-10-07T18:26:28","date_gmt":"2017-10-07T16:26:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=46013"},"modified":"2017-10-07T18:26:28","modified_gmt":"2017-10-07T16:26:28","slug":"einkuenfte-aus-kapitalvermoegen-bei-der-berechnung-der-schwelleneinkuenfte-von-500-000-euro-zu-beruecksichtigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/einkuenfte-aus-kapitalvermoegen-bei-der-berechnung-der-schwelleneinkuenfte-von-500-000-euro-zu-beruecksichtigen\/","title":{"rendered":"Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen bei der Berechnung der Schwelleneink\u00fcnfte von 500.000 Euro zu ber\u00fccksichtigen"},"content":{"rendered":"<article>\n<h2>Die aufgrund der G\u00fcnstigerpr\u00fcfung erfassten Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 5 EStG sind bei der Berechnung der Schwelleneink\u00fcnfte von 500.000 Euro (\u00a7\u00a7 193 Abs. 1, 147a Satz 1 AO) zu ber\u00fccksichtigen. Durch Beschluss vom 22. Mai 2017 (Az. 2 V 22\/17) hat der 2. Senat Vorgenanntes entschieden.<\/h2>\n<\/article>\n<article>Der Antragsteller wandte sich im Eilverfahren gegen Pr\u00fcfungsanordnungen gem\u00e4\u00df \u00a7 193 Abs. 1 i. V. m. \u00a7 147a AO. In der ESt-Erkl\u00e4rung 2011 erkl\u00e4rte er Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen in H\u00f6he von 1.099.306 Euro als dem inl\u00e4ndischen Steuerabzug unterliegend und in H\u00f6he von 84.237 Euro als nicht dem inl\u00e4ndischen Steuerabzug unterliegend. Darin enthalten waren Gewinne aus Kapitalertr\u00e4gen im Sinne des \u00a7 20 Abs. 2 EStG in H\u00f6he von 679.694 Euro. Der Antragsteller stellte in der Steuererkl\u00e4rung u. a. einen Antrag auf G\u00fcnstigerpr\u00fcfung f\u00fcr die Kapitalertr\u00e4ge gem\u00e4\u00df \u00a7 32d Abs. 6 EStG. Er beantragte die Verrechnung von Verlusten gem. \u00a7 23 EStG nach der bis zum 31.12.2008 geltenden Rechtslage. Au\u00dferdem erkl\u00e4rte er u. a. Einnahmen aus Renten in H\u00f6he von 22.255 Euro und privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ften in H\u00f6he von 4.559 Euro. Im zuletzt ge\u00e4nderten ESt-Bescheid f\u00fcr 2011 erfolgte antragsgem\u00e4\u00df bei den Eink\u00fcnften gem\u00e4\u00df \u00a7 20 EStG die Verrechnung mit Verlustvortr\u00e4gen aus privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ften in H\u00f6he von 679.694 Euro und bei den Eink\u00fcnften aus privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ften nach \u00a7 23 EStG die Verrechnung mit Verlustvortr\u00e4gen in H\u00f6he von 4.559 Euro. Das FA setzte die Einkommensteuer auf 0 Euro fest. Die Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen besteuerte es aufgrund des Antrags auf G\u00fcnstigerpr\u00fcfung mit der tariflichen Besteuerung gem\u00e4\u00df \u00a7 32a EStG.<\/p>\n<p>Der AdV-Antrag wurde abgewiesen. Nach summarischer Pr\u00fcfung konnte das FA die Pr\u00fcfungsanordnungen gem\u00e4\u00df \u00a7 193 Abs. 1 AO erlassen. Sie seien rechtm\u00e4\u00dfig, Ermessensfehler seien nicht ersichtlich. Eine Au\u00dfenpr\u00fcfung sei bei Stpfl., die \u00dcberschusseink\u00fcnfte gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 4 bis 7 EStG von mehr als 500.000 Euro im Kalenderjahr erzielen, zul\u00e4ssig. Die H\u00f6he der \u00dcberschusseink\u00fcnfte ermittle sich nach ertragsteuerlichen Grunds\u00e4tzen (Dr\u00fcen in Tipke\/Kruse, 147. Lfg. 1.2017, \u00a7 147a AO Rz. 10; M\u00e4rtens in Beermann\/Gosch, AO\/FGO, 130. Lfg., \u00a7 147a AO Rz. 12). Eine Saldierung mit negativen Eink\u00fcnften finde nicht statt (BT-Drs. 16\/13106 S. 12; C\u00f6ster in Koenig, AO, 3. Aufl., \u00a7 147a Rz. 7). Verlustvor- oder -r\u00fccktr\u00e4ge aus anderen Jahren seien nicht zu ber\u00fccksichtigen (M\u00e4rtens in Beermann\/Gosch, AO\/FGO, 130. Lfg., \u00a7 147a AO Rz. 14; Frotscher, AO, 158 Lfg. 4\/2014, \u00a7 193 Rz. 31h). Bei der Ermittlung der Eink\u00fcnfte blieben Kapitalertr\u00e4ge, die der Abgeltungssteuer gem\u00e4\u00df \u00a7 32d Abs. 1, 43 Abs. 5 EStG unterlegen h\u00e4tten, au\u00dfer Ansatz (AEAO zu \u00a7 147a AO vom 31. Januar 2014, BStBl I 2014, 290; R\u00e4tke in Klein, AO, 13. Aufl., \u00a7 147a Rz. 6). Der Wortlaut der Bestimmung spreche sogar daf\u00fcr, auch die Kapitalertr\u00e4ge, die der Abgeltungssteuer unterlegen haben, zu erfassen (so Di\u00dfars in Schwarz\/Pahlke, AO, \u00a7 147a Rz. 4; C\u00f6ster in Koenig, AO, 3. Aufl., \u00a7 147a Rz. 6\/7; M\u00e4rtens in Beermann\/Gosch, a. a. O., Rz. 13; Dr\u00fcen in Tipke\/Kruse, 147. Lfg. 1.2017, \u00a7 147a AO Rz. 10; von Wedelst\u00e4dt, Die \u00c4nderungen der AO durch das Steuerhinterziehungsbek\u00e4mpfungsgesetz, Der Betrieb 2009, 1731).<\/p>\n<p>Die nach \u00a7 147a Satz 1 AO ma\u00dfgebenden positiven Eink\u00fcnfte gem. \u00a7 2 Abs. 2 Nr. 4 bis 7 EStG betr\u00fcgen danach im Kalenderjahr 2011 insgesamt 1.202.723 Euro, und zwar im Einzelnen Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen von 1.185.237,00 Euro (1.186.038,00 Euro &#8211; Sparerfreibetrag 801,00 Euro), steuerpflichtige Anteile der Renten von 12.927,00 Euro und Eink\u00fcnfte aus privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ften von 4.559,00 Euro.<\/p>\n<p>Bei der Ermittlung der Eink\u00fcnfte seien die Kapitalertr\u00e4ge, die aufgrund der G\u00fcnstigerpr\u00fcfung nicht der Abgeltungssteuer gem\u00e4\u00df \u00a7 32d Abs. 1, 43 Abs. 5 EStG unterl\u00e4gen, zu ber\u00fccksichtigen. Der Wortlaut des \u00a7 147a Satz 1 AO spreche daf\u00fcr. Im Streitfall wurden die Kapitalertr\u00e4ge im ESt-Bescheid f\u00fcr 2011 bei den Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen und damit bei den \u00dcberschusseink\u00fcnften nach \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 5 EStG erfasst. Danach komme es nicht darauf an, ob es sich \u00fcberwiegend um inl\u00e4ndische Eink\u00fcnfte gehandelt habe und damit urspr\u00fcnglich die Abgeltungssteuer einbehalten worden sei. Unstreitig seien die Kapitaleink\u00fcnfte aufgrund der G\u00fcnstigerpr\u00fcfung als \u00dcberschusseink\u00fcnfte nach \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 5 EStG ber\u00fccksichtigt und nach dem Tarif gem\u00e4\u00df \u00a7 32a EStG besteuert worden. Der Antragsteller k\u00f6nne sich nicht auf den Anwendungserlass zur AO vom 31. Januar 2014 (BStBl I 2014, 290) berufen, da dieser nur f\u00fcr den Fall der Anwendung des \u00a7 32d Abs. 1 EStG gelte (vgl. BFH-Urteil vom 15. Juni 2016 III R 8\/15, BFHE 254, 203, BStBl II 2017, 25). F\u00fcr die Finanzverwaltung bestehe folglich nur insoweit eine Bindung. Ob diese Ausnahme sachgerecht ist, kann dahinstehen, da sich der Ast. darauf nicht berufen kann. Im \u00dcbrigen werde in der Literatur teilweise vertreten, dass auch die der Abgeltung nach \u00a7 32d EStG unterliegenden Eink\u00fcnfte bei der Berechnung des Schwellenwertes zu ber\u00fccksichtigen seien (C\u00f6ster in Koenig, AO, 3. Aufl., \u00a7 147a Rz. 6; Dr\u00fcen in Tipke\/Kruse, 147. Lfg. 1.2017, \u00a7 147a AO Rz. 11; M\u00e4rtens in Beermann\/Gosch, AO\/FGO, 130. Lfg., \u00a7 147a AO Rz. 4; von Wedelst\u00e4dt, Die \u00c4nderungen der AO durch das Steuerhinterziehungsbek\u00e4mpfungsgesetz, Der Betrieb 2009, 1731).<\/p>\n<p>Des Weiteren liege ein anderer Sachverhalt vor, da die einbehaltene Kapitalertragsteuer erstattet worden und damit gerade keine Abgeltung der betroffenen Eink\u00fcnfte erfolgt sei. Das sei ein sachlich rechtfertigender Grund.<\/p>\n<p>Gegen den Beschluss wurde Beschwerde beim BFH eingelegt. Dort ist das Verfahren unter dem Aktenzeichen VIII B 67\/17 anh\u00e4ngig.<\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n<\/article>\n<p>Quelle:\u00a0FG Schleswig-Holstein, Mitteilung vom 02.10.2017 zum Beschluss 2 V 22\/17 vom 22.05.2017 (nrkr &#8211; BFH-Az.: VIII B 67\/17)<\/p>\n<article>&nbsp;<\/p>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aufgrund der G\u00fcnstigerpr\u00fcfung erfassten Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen gem\u00e4\u00df \u00a7 2 Abs. 1 Nr. 5 EStG sind bei der Berechnung der Schwelleneink\u00fcnfte von 500.000 Euro (\u00a7\u00a7 193 Abs. 1, 147a Satz 1 AO) zu ber\u00fccksichtigen. Durch Beschluss vom 22. Mai 2017 (Az. 2 V 22\/17) hat der 2. Senat Vorgenanntes entschieden. 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