{"id":46311,"date":"2017-12-14T12:24:52","date_gmt":"2017-12-14T10:24:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=46311"},"modified":"2017-12-14T12:24:52","modified_gmt":"2017-12-14T10:24:52","slug":"anrufungsauskunft-nach-%c2%a7-42e-estg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/anrufungsauskunft-nach-%c2%a7-42e-estg\/","title":{"rendered":"Anrufungsauskunft nach \u00a7 42e EStG"},"content":{"rendered":"<article>\n<h4>Im Einvernehmen mit den obersten Finanzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder gilt zur Anrufungsauskunft Folgendes:<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/article>\n<article>\n<h3><b>1. Berechtigte Personen<\/b><b><\/b><\/h3>\n<p><b>1<\/b>\u00a0M\u00f6gliche Antragsteller einer Anrufungsauskunft (Beteiligte im Sinne von \u00a7 42e Satz 1 Einkommensteuergesetz &#8211; EStG) sind der Arbeitgeber, der die Pflichten des Arbeitgebers erf\u00fcllende Dritte im Sinne von \u00a7 38 Abs. 3a EStG und der Arbeitnehmer. Eine Anrufungsauskunft k\u00f6nnen auch Personen beantragen, die nach Vorschriften au\u00dferhalb des EStG f\u00fcr Lohnsteuer haften, z. B. gesetzliche Vertreter, Verm\u00f6gensverwalter und Verf\u00fcgungsberechtigte i. S. d. \u00a7\u00a7 34 und 35 Abgabenordnung (AO). Die Anrufungsauskunft ist stets geb\u00fchrenfrei. Im Auskunftsantrag sind konkrete Rechtsfragen darzulegen, die f\u00fcr den Einzelfall von Bedeutung sind.<\/p>\n<h3><b>2. Zust\u00e4ndigkeit<\/b><b><\/b><\/h3>\n<p><b>2<\/b>\u00a0Das Betriebsst\u00e4ttenfinanzamt, \u00a7 41 Abs. 2 EStG, ist f\u00fcr die Erteilung der Anrufungsauskunft zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p><b>3<\/b>\u00a0Hat ein Arbeitgeber mehrere Betriebsst\u00e4tten, so hat das zust\u00e4ndige Finanzamt seine Auskunft mit den anderen Betriebsst\u00e4ttenfinanz\u00e4mtern abzustimmen, soweit es sich um einen Fall von einigem Gewicht handelt und die Auskunft auch f\u00fcr die anderen Betriebsst\u00e4tten von Bedeutung ist. Bei Anrufungsausk\u00fcnften grunds\u00e4tzlicher Art informiert das zust\u00e4ndige Finanzamt die \u00fcbrigen betroffenen Finanz\u00e4mter.<\/p>\n<p><b>4<\/b>\u00a0Sind mehrere Arbeitgeber unter einer einheitlichen Leitung zusammengefasst (Konzernunternehmen), bleiben f\u00fcr den einzelnen Arbeitgeber entsprechend der Regelung des \u00a7 42e S\u00e4tze 1 und 2 EStG das Betriebsst\u00e4ttenfinanzamt bzw. das Finanzamt der Gesch\u00e4ftsleitung f\u00fcr die Erteilung der Anrufungsauskunft zust\u00e4ndig. Sofern es sich bei einer Anrufungsauskunft um einen Fall von einigem Gewicht handelt und erkennbar ist, dass die Auskunft auch f\u00fcr andere Arbeitgeber des Konzerns von Bedeutung ist oder bereits Entscheidungen anderer Finanz\u00e4mter vorliegen, ist insbesondere auf Antrag des Auskunftsersuchenden die zu erteilende Auskunft mit den \u00fcbrigen betroffenen Finanz\u00e4mtern abzustimmen. Dazu informiert das f\u00fcr die Auskunftserteilung zust\u00e4ndige Finanzamt das Finanzamt der Konzernzentrale. Dieses koordiniert daraufhin die Abstimmung mit den Finanz\u00e4mtern der anderen Arbeitgeber des Konzerns, die von der zu erteilenden Auskunft betroffen sind. Befindet sich die Konzernzentrale im Ausland, koordiniert das Finanzamt die Abstimmung, dass als erstes mit der Angelegenheit betraut war.<\/p>\n<p><b>5<\/b>\u00a0In F\u00e4llen der Lohnzahlung durch Dritte, in denen der Dritte die Pflichten des Arbeitgebers tr\u00e4gt, ist die Anrufungsauskunft bei dem Betriebsst\u00e4ttenfinanzamt des Dritten zu stellen. Fasst dieser die dem Arbeitnehmer in demselben Lohnzahlungszeitraum aus mehreren Dienstverh\u00e4ltnissen zuflie\u00dfenden Arbeitsl\u00f6hne zusammen, ist die Anrufungsauskunft bei dem Betriebsst\u00e4ttenfinanzamt des Dritten zu stellen. Dabei hat das Betriebsst\u00e4ttenfinanzamt seine Auskunft in F\u00e4llen von einigem Gewicht mit den anderen Betriebsst\u00e4ttenfinanz\u00e4mtern abzustimmen.<\/p>\n<p><b>6<\/b>\u00a0Ist eine \u00f6ffentliche Kasse einer juristischen Person des \u00f6ffentlichen Rechts berechtigt eine Anrufungsauskunft zu beantragen, hat das Betriebsst\u00e4ttenfinanzamt eine Auskunft zu erteilen, in dessen Bezirk die lohnsteuerliche Betriebsst\u00e4tte des Arbeitgebers liegt. Die Zust\u00e4ndigkeit richtet sich sinngem\u00e4\u00df nach \u00a7 42e S\u00e4tze 2 bis 4 EStG.<\/p>\n<h3><b>3. Form<\/b><b><\/b><\/h3>\n<p><b>7<\/b>\u00a0F\u00fcr den Antrag nach \u00a7 42e EStG ist eine bestimmte Form nicht vorgeschrieben.<\/p>\n<p><b>8<\/b>\u00a0Das Betriebsst\u00e4ttenfinanzamt soll die Anrufungsauskunft unter ausdr\u00fccklichem Hinweis auf \u00a7 42e EStG schriftlich erteilen. Dies gilt auch, wenn der Beteiligte die Auskunft nur formlos erbeten hat. Wird eine Anrufungsauskunft abgelehnt oder abweichend vom Antrag erteilt, hat die Auskunft oder die Ablehnung der Erteilung schriftlich zu erfolgen.<\/p>\n<p><b>9<\/b>\u00a0Das Betriebsst\u00e4ttenfinanzamt kann die Auskunft befristen.<\/p>\n<h3><b>4. Anwendbare Rechtsvorschriften<\/b><\/h3>\n<p><b>10<\/b>\u00a0F\u00fcr die Anrufungsauskunft nach \u00a7 42e EStG gelten die Regelungen in \u00a7\u00a7 118 ff. AO unmittelbar, und zwar insbesondere:<\/p>\n<ul class=\"square\">\n<li>die Anforderungen an Bestimmtheit und Form gem\u00e4\u00df \u00a7 119 AO,<\/li>\n<li>die Regelungen \u00fcber m\u00f6gliche Nebenbestimmungen gem\u00e4\u00df \u00a7 120 AO,<\/li>\n<li>die Regelungen \u00fcber die Bekanntgabe gem\u00e4\u00df \u00a7 122 AO,<\/li>\n<li>die Regelungen \u00fcber die Berichtigung offenbarer Unrichtigkeiten gem\u00e4\u00df \u00a7 129 AO.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>11<\/b>\u00a0Die Anrufungsauskunft kann mit Wirkung f\u00fcr die Zukunft aufgehoben oder ge\u00e4ndert werden; \u00a7 207 Abs. 2 AO ist sinngem\u00e4\u00df anzuwenden. Hierbei handelt es sich um eine Ermessensentscheidung, die zu begr\u00fcnden ist (vgl. BFH vom 2. September 2010, BStBl II 2011 Seite 233).<\/p>\n<p><b>12<\/b>\u00a0Im Falle einer zeitlichen Befristung der Anrufungsauskunft endet die Wirksamkeit des Verwaltungsaktes durch Zeitablauf (\u00a7 124 Abs. 2 AO).<\/p>\n<p><b>13<\/b>\u00a0Au\u00dferdem tritt eine Anrufungsauskunft au\u00dfer Kraft, wenn die Rechtsvorschriften, auf denen die Entscheidung beruht, ge\u00e4ndert werden (analoge Anwendung des \u00a7 207 Abs. 1 AO). Die Anweisungen im Anwendungserlass zu \u00a7 207 AO sind sinngem\u00e4\u00df anzuwenden.<\/p>\n<p><b>14<\/b>\u00a0Die Regelungen \u00fcber das au\u00dfergerichtlicheRechtsbehelfsverfahren (\u00a7\u00a7 347 ff. AO) sind anzuwenden. Im Falle der Ablehnung, Aufhebung (R\u00fccknahme, Widerruf) oder \u00c4nderung einer Anrufungsauskunft nach \u00a7 42e EStG kommt eine Aussetzung der Vollziehung allerdings nicht in Betracht, da es sich nicht um einen vollziehbaren Verwaltungsakt handelt (BFH vom 15. Januar 2015, BStBl II Seite 447).<\/p>\n<h3><b>5. Bindungswirkung und gerichtliche \u00dcberpr\u00fcfung<\/b><\/h3>\n<p><b>15<\/b>\u00a0Die Erteilung und die Aufhebung (R\u00fccknahme und Widerruf) einer Anrufungsauskunft stellt nicht nur eine Wissenserkl\u00e4rung (unverbindliche Rechtsauskunft) des Betriebsst\u00e4ttenfinanzamts dar, sondern ist ein feststellender, aber nicht vollziehbarer Verwaltungsakt im Sinne des \u00a7 118 Satz 1 AO, mit dem sich das Finanzamt selbst bindet. Der Arbeitgeber hat ein Recht auf f\u00f6rmliche Bescheidung seines Antrags und kann eine ihm erteilte Anrufungsauskunft im Rechtsbehelfsverfahren inhaltlich \u00fcberpr\u00fcfen lassen (BFH vom 30. April 2009, BStBl 2010 II Seite 996 und vom 2. September 2010, BStBl II 2011 Seite 233).<\/p>\n<p><b>16<\/b>\u00a0Die Anrufungsauskunft trifft eine Regelung dahin, wie die Finanzbeh\u00f6rde den vom Antragsteller dargestellten Sachverhalt gegenw\u00e4rtig beurteilt (BFH vom 30. April 2009, BStBl 2010 II Seite 996 und vom 27. Februar 2014, BStBl II Seite 894).<\/p>\n<p><b>17<\/b>\u00a0Das Finanzgericht \u00fcberpr\u00fcft die Auskunft sachlich nur daraufhin, ob der von dem Antragsteller dargestellte Sachverhalt zutreffend erfasst und die rechtliche Beurteilung nicht evident fehlerhaft ist (BFH vom 27. Februar 2014, BStBl II Seite 894).<\/p>\n<p><b>18<\/b>\u00a0Erteilt das Betriebsst\u00e4ttenfinanzamt eine Anrufungsauskunft, sind die Finanzbeh\u00f6rden im Rahmen des Lohnsteuerabzugsverfahrens an diese gegen\u00fcber allen Beteiligten gebunden (BFH vom 17. Oktober 2013, BStBl II 2014 Seite 892). Das Betriebsst\u00e4ttenfinanzamt kann daher die vom Arbeitgeber aufgrund einer (unrichtigen) Anrufungsauskunft nicht einbehaltene und abgef\u00fchrte Lohnsteuer vom Arbeitnehmer nicht nach \u00a7 42d Abs. 3 Satz 4 Nr. 1 EStG nachfordern.<\/p>\n<p><b>19<\/b>\u00a0Hat der Arbeitgeber eine Anrufungsauskunft eingeholt und ist er danach verfahren, ist eine Nacherhebung der Lohnsteuer auch dann nicht zul\u00e4ssig, wenn der Arbeitgeber nach einer Lohnsteuer-Au\u00dfenpr\u00fcfung einer Pauschalierung nach \u00a7 40 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG zugestimmt hat (BFH vom 16. November 2005, BStBl II 2006 Seite 210).<\/p>\n<p><b>20\u00a0<\/b>Die Bindungswirkung einer Anrufungsauskunft erstreckt sich &#8211; unabh\u00e4ngig davon, ob sie dem Arbeitgeber oder dem Arbeitnehmer erteilt wurde &#8211; nicht auf das Veranlagungsverfahren. Das Wohnsitzfinanzamt kann daher bei der Einkommensteuerveranlagung des Arbeitnehmers einen anderen Rechtsstandpunkt als das Betriebsst\u00e4ttenfinanzamt einnehmen (BFH vom 17. Oktober 2013, BStBl II 2014 Seite 892).<\/p>\n<h3><b>6. Zeitliche Anwendung<\/b><b><\/b><\/h3>\n<p><b>21<\/b>\u00a0Dieses Schreiben ersetzt das BMF-Schreiben vom 18. Februar 2011, BStBl I Seite 213.<\/p>\n<p>Dieses Schreiben wird im Bundessteuerblatt Teil I ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n<\/article>\n<p>Quelle:\u00a0BMF, Schreiben (koordinierter L\u00e4ndererlass) IV C 5 &#8211; S-2388 \/ 14 \/ 10001 vom 12.12.2017<\/p>\n<article>&nbsp;<\/p>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Einvernehmen mit den obersten Finanzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder gilt zur Anrufungsauskunft Folgendes: &nbsp; 1. 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