{"id":47827,"date":"2018-04-12T11:56:10","date_gmt":"2018-04-12T09:56:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=47827"},"modified":"2022-11-25T12:03:04","modified_gmt":"2022-11-25T10:03:04","slug":"finanzinvestoren-kauften-2016-mehr-als-200-unternehmen-in-deutschland-mehrheit-der-finanzierenden-fonds-in-steueroasen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/finanzinvestoren-kauften-2016-mehr-als-200-unternehmen-in-deutschland-mehrheit-der-finanzierenden-fonds-in-steueroasen\/","title":{"rendered":"Finanzinvestoren kauften 2016 mehr als 200 Unternehmen in Deutschland &#8211; Mehrheit der finanzierenden Fonds in &#8222;Steueroasen&#8220;"},"content":{"rendered":"<div class=\"TextEditor\">\n<p>Finanzinvestoren, die Unternehmen kaufen und mit Gewinn weiterver\u00e4u\u00dfern, sind in Deutschland weiterhin sehr aktiv: 2016 haben Private-Equity-Gesellschaften (PE) 212 und damit drei Prozent mehr Unternehmen \u00fcbernommen als im Vorjahr. Das war das h\u00f6chste Volumen seit dem Rekordjahr 2007 \u2013 unmittelbar vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Zahl der betroffenen Besch\u00e4ftigten war mit 106.000 genauso hoch wie 2015. Die Anzahl der \u201eExits\u201c, bei denen Finanzinvestoren Unternehmen weiterverkaufen, stieg sogar um mehr als ein Drittel auf 101 Unternehmen mit rund 102.000 Besch\u00e4ftigten. Das ergibt der aktuelle \u201ePrivate Equity Monitor\u201c der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung. Die j\u00e4hrliche Auswertung stellt die einzige regelm\u00e4\u00dfige wissenschaftliche Berichterstattung zu \u00dcbernahmen durch Private Equity in Deutschland dar.<\/p>\n<p>Der Bericht, den der Private-Equity-Experte Dr. Christoph Scheuplein vom Institut Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen f\u00fcr die Stiftung erstellt, durchleuchtet erstmals auch die Fonds, \u00fcber die die Firmenk\u00e4ufe meist finanziert werden. Dabei zeigt sich: Die 99 in Deutschland aktiven Fonds wickelten knapp zwei Drittel ihrer \u00dcbernahmen \u00fcber Offshore-Standorte ab. Am h\u00e4ufigsten \u00fcber \u201eSteueroasen\u201c wie Guernsey und Jersey, die Cayman-Inseln oder den US-Bundesstaat Delaware. Nur 17 Prozent der Fonds hatten ihren rechtlichen Sitz in Deutschland. Das lege nahe, dass \u201eM\u00f6glichkeiten der Steueroptimierung und die geringe Transparenz dieser Finanzpl\u00e4tze ein wesentliches Kriterium f\u00fcr die Standortwahl der Fonds darstellen\u201c, schreibt Finanzexperte Scheuplein.<\/p>\n<p>Unternehmen m\u00f6glichst g\u00fcnstig kaufen und m\u00f6glichst teuer weiterverkaufen \u2013 so sieht das Gesch\u00e4ftsmodell von Private-Equity-Investoren aus. Dabei organisieren Private-Equity-Gesellschaften den Kauf \u00fcberwiegend durch Fonds, in denen Institutionelle Investoren und verm\u00f6gende Privatpersonen Geld anlegen. Danach \u00fcbernehmen sie im Namen dieser Fonds meist die unternehmerische Leitung des gekauften Unternehmens. Da die Fonds meist auf eine Laufzeit von zehn Jahren angelegt sind, bleiben die Engagements der PE-Branche vergleichsweise kurzfristig. Wenn Finanzinvestoren 2016 ein Unternehmen aus Deutschland verkauften, geschah das im Mittel 6 Jahre und 2 Monate, nachdem sie dort eingestiegen waren, wie der Private-Equity-Monitor zeigt. Und in diesem \u00fcberschaubaren Zeitraum soll eine hohe Rendite erwirtschaftet werden.<\/p>\n<p>Unter den PE-Gesellschaften, die 2016 in Deutschland Unternehmen kauften, waren bekannte Namen wie KKR und Blackstone aus den USA oder Permira aus Gro\u00dfbritannien. Die meisten \u00dcbernahmen t\u00e4tigten nach Scheupleins Auswertung aber die franz\u00f6sische Ardian (8 Transaktionen) sowie zwei deutsche PE-Firmen: Auctus Capital Partners (7) und die Deutsche Beteiligungs-AG (6). Zwei F\u00fcnftel der \u00dcbernahmen fanden im \u201eindustriellen Kernsektor\u201c statt, zu dem Chemie, Elektrotechnik, Fahrzeugbau und Maschinenbau geh\u00f6ren. Einzelunternehmer, Erben oder Familien stellten mit 47 Prozent die gr\u00f6\u00dfte Gruppe der Inhaber, die an Finanzinvestoren verkauften. 24 Prozent entfielen auf gr\u00f6\u00dfere kapitalmarktorientierte Unternehmen, die Unternehmensteile abgaben. 20 Prozent gingen von einer PE-Gesellschaft an eine andere.<\/p>\n<p>Der Einstieg eines Finanzinvestors stelle Belegschaft und Vertreter in Betriebs- und Aufsichtsr\u00e4ten zum Teil vor enorme Herausforderungen, beobachten Scheuplein und Wirtschaftsexperte Alexander Sekanina, der die Studie im Institut f\u00fcr Mitbestimmung und Unternehmensf\u00fchrung der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung betreut hat. Die Beteiligungsgesellschaften strebten oft in kurzer Frist hohe Renditen an. Die 99 Fonds, deren Aktivit\u00e4ten der Forscher 2016 identifizieren konnte, zahlten ihren Anlegern im Durchschnitt eine Verzinsung von 13,8 Prozent. Das laufe nicht selten auf einschneidende Strategiewechsel und Restrukturierungen hinaus. Wenn die neuen Eigent\u00fcmer sich ins operative Gesch\u00e4ft einmischen, b\u00fc\u00dften die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungen an Entscheidungskompetenz ein. Den Betriebsr\u00e4ten gehe damit ihr Ansprechpartner verloren, die Mitbestimmung werde ausgeh\u00f6hlt. \u201eWenn Unternehmen von Finanzinvestoren mehr oder weniger als blo\u00dfe Handelsware zur Geldvermehrung gesehen werden, stellt das auch mitbestimmte Aufsichtsr\u00e4te vor eine fundamentale Frage\u201c, sagt Sekanina: \u201eWie sollen sie ihrer gesetzlichen Aufgabe nachkommen, das Interesse am Bestand und an der Zukunft von Unternehmen zu wahren, wenn das f\u00fcr Private-Equity-Investoren gar kein vorrangiges Ziel ist? Die Belegschaftsvertreter im Aufsichtsrat spielen eine ganz wichtige Rolle dabei, die Aush\u00f6hlung \u00fcbernommener Unternehmen zu verhindern. Allerdings sind ihre Einflussm\u00f6glichkeiten oft begrenzt.\u201c<\/p>\n<p>Viele Finanzinvestoren h\u00e4tten keine spezifischen Branchenkenntnisse und setzten auf standardisierte Strategien wie den Verkauf von Verm\u00f6genswerten oder Gesch\u00e4ftsbereichen, Outsourcing, Arbeitsplatzabbau, Kostensenkung und Verlagerung ins Ausland. Das k\u00f6nne dazu f\u00fchren, dass die Schwelle f\u00fcr parit\u00e4tische Mitbestimmung unterschritten wird. Im ersten Quartal 2017 hatten laut Scheuplein 48 Unternehmen mit mehr als 2000 Besch\u00e4ftigten eine Private-Equity-Gesellschaft als bestimmenden Eigent\u00fcmer, davon waren 28 parit\u00e4tisch mitbestimmt.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christoph Scheuplein:<\/strong>\u00a0Private Equity Monitor 2017. Die aktuelle T\u00e4tigkeit von Finanzinvestoren in Deutschland (pdf). Mitbestimmungsreport Nr. 40, M\u00e4rz 2018.<\/p>\n<p>Infografik\u00a0zum Download: in B\u00f6ckler Impuls 6\/2018<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Finanzinvestoren, die Unternehmen kaufen und mit Gewinn weiterver\u00e4u\u00dfern, sind in Deutschland weiterhin sehr aktiv: 2016 haben Private-Equity-Gesellschaften (PE) 212 und damit drei Prozent mehr Unternehmen \u00fcbernommen als im Vorjahr. Das war das h\u00f6chste Volumen seit dem Rekordjahr 2007 \u2013 unmittelbar vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. 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