{"id":49020,"date":"2018-09-09T11:44:10","date_gmt":"2018-09-09T09:44:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=49020"},"modified":"2018-09-09T11:44:10","modified_gmt":"2018-09-09T09:44:10","slug":"kfz-versicherungsschutz-fuer-verbissschaeden-durch-maeusebefall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kfz-versicherungsschutz-fuer-verbissschaeden-durch-maeusebefall\/","title":{"rendered":"Kfz-Versicherungsschutz f\u00fcr Verbisssch\u00e4den durch M\u00e4usebefall"},"content":{"rendered":"<article>\n<h2>Nimmt ein Versicherer Bisssch\u00e4den im Fahrzeuginnenraum vom Versicherungsschutz aus, bezieht sich dies allein auf die Fahrgastzelle und den Kofferraum, entschied das Oberlandgericht Frankfurt am Main (OLG) mit am 07.09.2018 ver\u00f6ffentlichtem Urteil. F\u00fcr Bisssch\u00e4den im Bereich zwischen der Au\u00dfenhaut und der Innenraumverkleidung hafte der Versicherer dagegen.<\/h2>\n<\/article>\n<article>Das kl\u00e4gerische Fahrzeug ist bei der Beklagten teilkaskoversichert. In den Allgemeinen Gesch\u00e4ftsbedingungen der beklagten Versicherung hei\u00dft es in Ziff. A.2.2.7: \u201eVersichert sind Sch\u00e4den, die unmittelbar durch Tierbiss am Fahrzeug verursacht wurden. Sch\u00e4den am Fahrzeuginnenraum sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen&#8230;&#8220;.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 2014 lie\u00df der Kl\u00e4ger das versicherte Fahrzeug in einer Werkstatt \u00fcberpr\u00fcfen. Es wurde festgestellt, dass \u201edie Wasserabl\u00e4ufe des Panoramadaches zerbissen, der Kopfairbag auf der Beifahrerseite angefressen und hinter dem Armaturenbrett starke Bisssch\u00e4den an der D\u00e4mmung und an der Isolierung der Verkabelung vorhanden waren&#8220;. Ein Sachverst\u00e4ndiger best\u00e4tigte weitere Sch\u00e4den hinter diversen seitlichen Verkleidungsteilen, oberhalb des Dachhimmels und unterhalb des Bodenbelags. Er f\u00fchrte sie eindeutig auf Nagetiere &#8211; wahrscheinlich M\u00e4use &#8211; zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Beklagte lehnte eine Leistungspflicht ab. Sie meinte, dass es sich um Sch\u00e4den im Fahrzeuginnenraum handele, die vom Versicherungsschutz ausgeschlossen seien. Der Kl\u00e4ger begehrt deshalb festzustellen, dass die Beklagte f\u00fcr die \u201eVerbisssch\u00e4den durch M\u00e4usebefall&#8220; eintrittspflichtig sei. Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Die hiergegen gerichtete Berufung hatte vor dem OLG Erfolg.<\/p>\n<p>Es liege ein versicherter Schaden durch Tierbiss am Fahrzeug im Sinne der Ziff. A.2.2.7 S. 1 der Versicherungsbedingungen vor, stellte das OLG fest. Die Sch\u00e4den im Bereich zwischen der Au\u00dfenhaut des Autos und der Innenraumverkleidung seien \u201eam Fahrzeug&#8220; im Sinne von S. 1 der Klausel entstanden. Damit sei nicht nur die Au\u00dfenh\u00fclle des Autos gemeint, sondern das Fahrzeug als Ganzes. Von dieser Gesamtheit des Fahrzeugs nehme S. 2 der Klausel zwar den Fahrzeuginnenraum aus. Die hier zu beurteilenden Sch\u00e4den bef\u00e4nden sich indes nicht im Fahrzeuginnenraum.<\/p>\n<p>Der Begriff des Fahrzeuginnenraums sei dabei aus Sicht eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers auszulegen. Dieser w\u00fcrde davon ausgehen, dass der \u201eInnenraum durch Fahrgastzelle und Kofferraum definiert wird&#8220;, d. h. die durch Menschen \u201ebenutzbaren und zug\u00e4nglichen&#8220; Bereiche. \u201eAls Innenraumschaden wird er all diejenigen Sch\u00e4den werten, die er ohne Demontage des Fahrzeugs als Bisspuren qualifizieren kann&#8220;, res\u00fcmiert das OLG. Nicht zum Innenraum geh\u00f6re jedoch der Zwischenraum hinter der Verkleidung mit L\u00fcftungselementen, Klimaanlage, Sicherheitseinrichtungen, Bordelektronik etc. und den entsprechenden Verkabelungen. F\u00fcr dieses Verst\u00e4ndnis spreche auch, dass der in S. 2 der Klausel enthaltene Risikoausschluss f\u00fcr Innenraumsch\u00e4den grunds\u00e4tzlich eng auszulegen sei. Ein Risikoausschluss d\u00fcrfe grunds\u00e4tzlich nicht weiter ausgedehnt werden, als es sein Sinn unter Beachtung des wirtschaftlichen Zwecks erfordere. Zu ber\u00fccksichtigen sei schlie\u00dflich auch, dass der Versicherungsschutz bei einem anderen Verst\u00e4ndnis \u201ein Anbetracht der in der mitteleurop\u00e4ischen Fauna vertretenen potenziellen Schadtiere und ihrer Bissgewohnheiten&#8220; praktisch \u201eleer liefe&#8220;. Tierbisssch\u00e4den tr\u00e4ten \u201evor allem im Motorraum an durchbissenen Kabeln auf&#8220;.<\/p>\n<p>Das Urteil ist rechtskr\u00e4ftig.<\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: OLG Frankfurt, Pressemitteilung vom 07.09.2018 zum Urteil 7 U 25\/16 vom 05.09.2018 (rkr)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nimmt ein Versicherer Bisssch\u00e4den im Fahrzeuginnenraum vom Versicherungsschutz aus, bezieht sich dies allein auf die Fahrgastzelle und den Kofferraum, entschied das Oberlandgericht Frankfurt am Main (OLG) mit am 07.09.2018 ver\u00f6ffentlichtem Urteil. F\u00fcr Bisssch\u00e4den im Bereich zwischen der Au\u00dfenhaut und der Innenraumverkleidung hafte der Versicherer dagegen. Das kl\u00e4gerische Fahrzeug ist bei der Beklagten teilkaskoversichert. 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