{"id":49331,"date":"2018-12-11T19:32:55","date_gmt":"2018-12-11T17:32:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=49331"},"modified":"2018-12-11T19:32:55","modified_gmt":"2018-12-11T17:32:55","slug":"steuerliche-zinsen-den-ueberblick-behalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/steuerliche-zinsen-den-ueberblick-behalten\/","title":{"rendered":"Steuerliche Zinsen: Den \u00dcberblick behalten"},"content":{"rendered":"<article>\n<h2>Die Luft f\u00fcr den 6 %-Zinssatz im Steuerrecht wird d\u00fcnn: Hier hat sich in den letzten Monaten &#8211; und insbesondere j\u00fcngst &#8211; einiges getan. Der Steuerrechtsausschuss des Deutschen Steuerberaterverbands e.V. (DStV) informiert \u00fcber die aktuellen Entwicklungen.<\/h2>\n<\/article>\n<article>\n<h3>BFH: Zinssatz bereits ab 2012 unangemessen<\/h3>\n<p>Mit Beschluss des VIII. Senats vom 03.09.2018 (Az. VIII B 15\/18) hat der Bundesfinanzhof (BFH) das zweite Mal in diesem Jahr zur H\u00f6he des steuerverfahrensrechtlichen Zinssatzes Stellung bezogen. Bereits am 25.04.2018 hatte der IX. Senat des BFH (Az. IX B 21\/18) erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken gegen die H\u00f6he des Zinssatzes ab April 2015 ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Dem hat sich der VIII. Senat des BFH angeschlossen und gew\u00e4hrte die beantragte Aussetzung der Vollziehung (AdV). Der Senat erweiterte dar\u00fcber hinaus den Zeitraum: die H\u00f6he des Zinssatzes sei schon seit (November) 2012 verfassungsrechtlich zweifelhaft.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund der anhaltenden Niedrigzinsphase bem\u00e4ngelte der BFH u. a. erneut die \u201erealit\u00e4tsferne Bemessung&#8220; des Zinssatzes, die wie ein \u201esanktionierender, rechtsgrundloser Zuschlag&#8220; wirke. Auch der Typisierung des Zinssatzes aus Gr\u00fcnden der Praktikabilit\u00e4t und Verwaltungsvereinfachung erteilten die Richter angesichts der heutigen technischen M\u00f6glichkeiten abermals eine Absage.<\/p>\n<p>Das Gericht stellte au\u00dferdem klar: Die Entscheidungsgr\u00fcnde beziehen sich auf die H\u00f6he des Zinssatzes nach \u00a7 238 AO. Sie gelten nach Auffassung des BFH daher nicht nur f\u00fcr Nachzahlungszinsen, sondern z. B. &#8211; wie im Streitfall &#8211; auch f\u00fcr Aussetzungszinsen.<\/p>\n<h3>BMF gew\u00e4hrt AdV<\/h3>\n<p>Die BFH-Entscheidung vom 25.04.2018 hat das Bundesministerium der Finanzen (BMF) in einem Schreiben vom 14.06.2018 aufgegriffen (Az. IV A 3 &#8211; S-0465 \/ 18 \/ 10005-01). Hiernach sind die Finanz\u00e4mter bis auf Weiteres angewiesen, die Vollziehung f\u00fcr alle verfahrensrechtlichen Zinsen, die ab April 2015 entstanden sind, auf Antrag auszusetzen. Ob das Schreiben auf Grundlage der j\u00fcngsten BFH-Entscheidung vom 03.09.2018 angepasst wird, bleibt abzuwarten.<\/p>\n<h3>BVerfG ebenfalls gefordert<\/h3>\n<p>Aufgrund zweier anh\u00e4ngiger Verfassungsbeschwerden wird sich auch das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) abermals mit der H\u00f6he des steuerlichen Zinssatzes befassen &#8211; und zwar f\u00fcr Zeitr\u00e4ume nach dem 31.12.2009 (Az. 1 BvR 2237\/14) bzw. nach dem 31.12.2011 (Az. 1 BvR 2422\/17). Der Zinssatz stand schon 2009 auf dem verfassungsrechtlichen Pr\u00fcfstand. Die Beschwerde wurde allerdings seinerzeit abgewiesen (Az. 1 BvR 2539\/07). Eine Entscheidung aus Karlsruhe wird in naher Zukunft erwartet.<\/p>\n<h3>Praxistipp: Unbedingt Einspruch einlegen<\/h3>\n<p>Der Steuerrechtsausschuss des DStV r\u00e4t vor diesem Hintergrund: Gegen Zinsbescheide ohne entsprechenden Vorl\u00e4ufigkeitsvermerk sollte mit Verweis auf die anh\u00e4ngigen BVerfG-Verfahren fristgerecht Einspruch eingelegt werden, um den Bescheid offenzuhalten. Dies ist besonders wichtig, da Sie bzw. die Mandanten von einer g\u00fcnstigen Entscheidung des BVerfG nur in offenen F\u00e4llen profitieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Des Weiteren bietet es sich an, Antr\u00e4ge auf AdV zu stellen. F\u00fcr Zeitr\u00e4ume ab April 2015 sollten die Finanz\u00e4mter diesen auf Grundlage des erw\u00e4hnten BMF-Schreibens stattgeben. Mit Blick auf die j\u00fcngste BFH-Entscheidung d\u00fcrften sich zudem die Erfolgschancen f\u00fcr einen AdV-Antrag bez\u00fcglich der Zeitr\u00e4ume ab November 2012 erh\u00f6ht haben &#8211; auch wenn sich die Finanzverwaltung hierzu bislang bedeckt h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Auf politischer Ebene ist zwischenzeitlich ebenfalls Bewegung in die Sache gekommen: Hessen hat im August einen Gesetzentwurf (BR-Drs. 396\/18) und einen Entschlie\u00dfungsantrag (BR-Drs. 397\/18) zur Anpassung des Zinssatzes in den Bundesrat eingebracht. Auf Bundesebene hat j\u00fcngst die Bundestagsfraktion der FDP in einem \u00c4nderungsantrag (BT-Drs. 19\/5613) zu dem gemeinhin als \u201eJStG 2018&#8243; bekannten Gesetz gleichsam eine Anpassung des Zinssatzes gefordert.<\/p>\n<p>Auch der DStV wird sich, wie schon in seinen Positionen zur Bundestagswahl 2017, weiterhin f\u00fcr eine Senkung des Zinssatzes stark machen.<\/p>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: DStV, Mitteilung vom 28.11.2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Luft f\u00fcr den 6 %-Zinssatz im Steuerrecht wird d\u00fcnn: Hier hat sich in den letzten Monaten &#8211; und insbesondere j\u00fcngst &#8211; einiges getan. Der Steuerrechtsausschuss des Deutschen Steuerberaterverbands e.V. (DStV) informiert \u00fcber die aktuellen Entwicklungen. BFH: Zinssatz bereits ab 2012 unangemessen Mit Beschluss des VIII. Senats vom 03.09.2018 (Az. 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