{"id":49442,"date":"2019-01-03T09:22:31","date_gmt":"2019-01-03T07:22:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=49442"},"modified":"2019-01-03T09:22:31","modified_gmt":"2019-01-03T07:22:31","slug":"arbeitslosengeld-ii-nach-ausbildungsabbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/arbeitslosengeld-ii-nach-ausbildungsabbruch\/","title":{"rendered":"Arbeitslosengeld II nach Ausbildungsabbruch"},"content":{"rendered":"<article>\n<h2>Das LSG Nordrhein-Westfalen hat durch Urteil vom 11.10.2018 (Az. L 7 AS 1331\/17) zwei die Ersatzpflicht feststellende Bescheide sowie ein klageabweisendes Urteil des SG Gelsenkirchen aufgehoben.<\/h2>\n<\/article>\n<article>Der Kl\u00e4ger hatte eine au\u00dferbetriebliche Berufsausbildung aufgenommen. Er fehlte wiederholt unentschuldigt, was zur au\u00dferordentlichen K\u00fcndigung f\u00fchrte. Daraufhin bewilligte ihm das beklagte Jobcenter ein vor\u00fcbergehend um 30 % verringertes Arbeitslosengeld II. Sp\u00e4ter verlangte es die komplette Erstattung seiner Leistungen mit der Begr\u00fcndung, dass der Kl\u00e4ger seine Hilfebed\u00fcrftigkeit vors\u00e4tzlich oder grob fahrl\u00e4ssig herbeigef\u00fchrt habe.<\/p>\n<p>Das LSG hat nun festgestellt, dass ein solcher Anspruch i. S. v. \u00a7 34 SGB II nicht bestand. Dieser setze aufgrund der gebotenen Abgrenzung zu den Sanktionsvorschriften (\u00a7\u00a7 31 ff. SGB II) ein sozialwidriges Verhalten des Leistungsempf\u00e4ngers voraus, das \u00fcber die in diesen geregelten Pflichtverletzungen hinausgehe und nur unter Ber\u00fccksichtigung strenger Ma\u00dfst\u00e4be anzunehmen sei. Denn der Anspruch auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts sei ein verfassungsrechtlich garantierter Anspruch zur Wahrung des menschenw\u00fcrdigen Existenzminimums. Das verbiete es, Leistungen, die auf einem einfachen Eigenverschulden beruhten, im Ergebnis nur vorl\u00e4ufig, quasi als Darlehen zur \u00dcberbr\u00fcckung einer akuten Notlage, zu bewilligen, um sie anschlie\u00dfend im vollen Umfang zur\u00fcckzufordern.<\/p>\n<p>An einem unentschuldbaren Verhalten des Kl\u00e4gers mit einem spezifischen Bezug zur Herbeif\u00fchrung der Hilfebed\u00fcrftigkeit fehle es. Denn er habe glaubhaft erkl\u00e4rt, w\u00e4hrend seiner Ausbildung erkannt zu haben, dass ihm diese nicht liege. Bei der Wertung dieses Vorbringens sei zu ber\u00fccksichtigen, dass die Wahl des Berufs und der Ausbildungsst\u00e4tte durch Art. 12 GG besonders gesch\u00fctzt sei. Zwar begr\u00fcnde dies allein keinen wichtigen Grund des Kl\u00e4gers f\u00fcr ein blo\u00dfes Fernbleiben von der Ausbildung. Diesem Verhalten habe das Jobcenter jedoch mit einer Leistungsk\u00fcrzung um 30 % hinreichend begegnen k\u00f6nnen. Ein dar\u00fcberhinausgehender Vorwurf i. S. eines unentschuldbaren Verhaltens treffe den Kl\u00e4ger hingegen nicht.<\/p>\n<p>Das LSG hat die Revision zugelassen.<\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: LSG Nordrhein-Westfalen, Pressemitteilung vom 20.12.2018 zum Urteil L 7 AS 1331\/17 vom 11.10.2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das LSG Nordrhein-Westfalen hat durch Urteil vom 11.10.2018 (Az. L 7 AS 1331\/17) zwei die Ersatzpflicht feststellende Bescheide sowie ein klageabweisendes Urteil des SG Gelsenkirchen aufgehoben. Der Kl\u00e4ger hatte eine au\u00dferbetriebliche Berufsausbildung aufgenommen. Er fehlte wiederholt unentschuldigt, was zur au\u00dferordentlichen K\u00fcndigung f\u00fchrte. 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