{"id":49511,"date":"2019-01-17T20:33:17","date_gmt":"2019-01-17T18:33:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=49511"},"modified":"2019-01-17T20:33:35","modified_gmt":"2019-01-17T18:33:35","slug":"sozialwidriges-verhalten-wer-die-bierbaenke-klaut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/sozialwidriges-verhalten-wer-die-bierbaenke-klaut\/","title":{"rendered":"Grundsicherung: Sozialwidriges Verhalten &#8211; Wer die Bierb\u00e4nke klaut"},"content":{"rendered":"<article>\n<h2>Wer seine Hilfebed\u00fcrftigkeit in missbilligenswerter Weise zulasten der Solidargemeinschaft selbst herbeif\u00fchrt, darf Grundsicherungsleistungen des Jobcenters nicht behalten. Wo genau sozialwidriges Verhalten anf\u00e4ngt, hat das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (LSG) in drei Urteilen aufgezeigt.<\/h2>\n<\/article>\n<article>Das zweite Verfahren wurde von einem 49-j\u00e4hrigen Taxifahrer aus Ostfriesland gef\u00fchrt. Der Mann war w\u00e4hrend der Arbeitszeit mit seinem Taxi zu einem Biergarten gefahren und hatte dort mithilfe des Autos Mobiliar entwendet. Sein Arbeitgeber sprach daraufhin die fristlose K\u00fcndigung aus. F\u00fcr ca. ein Jahr lebte der Mann erneut von Hartz-IV. Das Jobcenter nahm eine R\u00fcckforderung von rd. 7.800 Euro wegen sozialwidrigen Verhaltens vor. Der Mann habe seine berufliche Existenzgrundlage durch sein Verhalten unmittelbar gef\u00e4hrdet und habe seine Hilfebed\u00fcrftigkeit grob fahrl\u00e4ssig herbeigef\u00fchrt. Demgegen\u00fcber meinte der Mann, dass er keinen Anlass f\u00fcr die K\u00fcndigung gegeben habe. Eine Abmahnung h\u00e4tte bei dieser Sachlage ausgereicht. Allerdings habe er damals vers\u00e4umt, eine K\u00fcndigungsschutzklage zu erheben.Das LSG hat die R\u00fcckforderung des Jobcenters f\u00fcr rechtm\u00e4\u00dfig erachtet. Das Gericht hat dabei betont, dass nicht jede Straftrat, die zum Jobverlust f\u00fchrt, automatisch sozialwidrig ist. Sie muss vielmehr zugleich den Wertungen des SGB II zuwiderlaufen, die \u00e4hnlich wie die Sperrzeitregelungen bei Arbeitsaufgabe ausgestaltet sind. Das Verhalten des Kl\u00e4gers bewertete das Gericht als schwere arbeitsvertragliche Pflichtverletzung, da er das Taxi nicht nur f\u00fcr eine unerlaubte Privatfahrt, sondern auch f\u00fcr die Begehung einer Straftat genutzt habe. Dem Arbeitgeber sei eine weitere Besch\u00e4ftigung nicht zuzumuten gewesen ohne eine erhebliche Rufsch\u00e4digung des Unternehmens hinzunehmen. W\u00fcrde der Fahrer weiterhin G\u00e4ste vom Biergarten abholen, k\u00f6nnte der Eindruck einer Duldung oder gar einer Verbindung des Arbeitgebers mit der Straftat entstehen. Bei einem derart schweren Pflichtenversto\u00df habe der Mann mit einer fristlosen K\u00fcndigung rechnen m\u00fcssen.<\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: LSG Niedersachsen-Bremen, Pressemitteilung vom 14.01.2019 zum Urteil L 13 AS 137\/17 vom 12.12.2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer seine Hilfebed\u00fcrftigkeit in missbilligenswerter Weise zulasten der Solidargemeinschaft selbst herbeif\u00fchrt, darf Grundsicherungsleistungen des Jobcenters nicht behalten. Wo genau sozialwidriges Verhalten anf\u00e4ngt, hat das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (LSG) in drei Urteilen aufgezeigt. Das zweite Verfahren wurde von einem 49-j\u00e4hrigen Taxifahrer aus Ostfriesland gef\u00fchrt. 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