{"id":49722,"date":"2019-03-02T17:22:28","date_gmt":"2019-03-02T15:22:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=49722"},"modified":"2019-03-02T17:22:28","modified_gmt":"2019-03-02T15:22:28","slug":"fiktiveinstufung-berufsferne-rechtfertigt-geringeres-arbeitslosengeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/fiktiveinstufung-berufsferne-rechtfertigt-geringeres-arbeitslosengeld\/","title":{"rendered":"Fiktiveinstufung: Berufsferne rechtfertigt geringeres Arbeitslosengeld"},"content":{"rendered":"<article>\n<h2>Liegen zwischen der Aufgabe der T\u00e4tigkeit im Ausbildungsberuf und der Arbeitslosigkeit neun Jahre, richten sich die Vermittlungsbem\u00fchungen der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit in erster Linie auf ungelernte T\u00e4tigkeiten.<\/h2>\n<\/article>\n<article>Das Landessozialgericht (LSG) NRW hat am 17.01.2019 (Az. L 9 AL 50\/18) ein Urteil des Sozialgerichtes Gelsenkirchen zur sog. Fiktiveinstufung nach \u00a7 152 SGB III korrigiert.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger absolvierte eine Ausbildung zum Informatikkaufmann und arbeitete anschlie\u00dfend bis Mitte 2006 etwa zwei Jahre in diesem Beruf. In der Folgezeit war er krankheitsbedingt nicht mehr berufst\u00e4tig und bezog abwechselnd Erwerbsminderungsrente, Arbeitslosengeld und Krankengeld. Auf seinen Mitte 2015 gestellten Antrag hin gew\u00e4hrte ihm die Beklagte Arbeitslosengeld und ermittelte dessen H\u00f6he anhand eines fiktiven Arbeitsentgeltes, da der Kl\u00e4ger in den letzten zwei Jahren vor der erneuten Arbeitslosigkeit nicht mindestens 150 Tage versicherungspflichtig besch\u00e4ftigt gewesen war. In der Annahme fehlender aktueller Berufserfahrung legte sie dabei Qualifikationsgruppe 4 (ungelernte Besch\u00e4ftigung) zugrunde.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger machte geltend, dass sich die Vermittlungsbem\u00fchungen der Beklagten hingegen an seinem Ausbildungsberuf zu orientieren h\u00e4tten. Das Sozialgericht sprach ihm dementsprechend h\u00f6heres Arbeitslosengeld nach Qualifikationsgruppe 3 zu.<\/p>\n<p>Dem schloss sich das LSG nicht an. Zwar sei grunds\u00e4tzlich im Rahmen der Fiktiveinstufung von der h\u00f6chsten erlangten Qualifikation auszugehen. Eine Einstufung in die Qualifikationsgruppe 4 sei aber jedenfalls dann gerechtfertigt, wenn &#8211; wie im Fall des Kl\u00e4gers &#8211; zwischen Aufgabe der T\u00e4tigkeit im Ausbildungsberuf infolge des Bezugs von Entgeltersatzleistungen und dem Beginn der Arbeitslosigkeit ein Zeitraum von gut neun Jahren liege. Dies gelte umso mehr angesichts der sich massiv ver\u00e4ndernden Arbeitsbedingungen im IT-Sektor in den letzten zehn Jahren, die einen Vermittlungserfolg im Ausbildungsberuf nahezu undenkbar erscheinen lie\u00dfen. Die Beklagte habe ihre Vermittlungsaktivit\u00e4ten daher zu Recht auf T\u00e4tigkeiten erstreckt, die keinen Berufsabschluss erforderten.<\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: LSG Nordrhein-Westfalen, Pressemitteilung vom 01.03.2019 zum Urteil L 9 AL 50\/18 vom 17.01.2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liegen zwischen der Aufgabe der T\u00e4tigkeit im Ausbildungsberuf und der Arbeitslosigkeit neun Jahre, richten sich die Vermittlungsbem\u00fchungen der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit in erster Linie auf ungelernte T\u00e4tigkeiten. Das Landessozialgericht (LSG) NRW hat am 17.01.2019 (Az. L 9 AL 50\/18) ein Urteil des Sozialgerichtes Gelsenkirchen zur sog. Fiktiveinstufung nach \u00a7 152 SGB III korrigiert. 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