{"id":50210,"date":"2019-03-29T18:57:34","date_gmt":"2019-03-29T16:57:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=50210"},"modified":"2019-03-29T18:57:34","modified_gmt":"2019-03-29T16:57:34","slug":"verfassungsrechtliche-zweifel-an-der-abzinsung-von-verbindlichkeiten-mit-einem-zinssatz-von-55","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/verfassungsrechtliche-zweifel-an-der-abzinsung-von-verbindlichkeiten-mit-einem-zinssatz-von-55\/","title":{"rendered":"Verfassungsrechtliche Zweifel an der Abzinsung von Verbindlichkeiten mit einem Zinssatz von 5,5%"},"content":{"rendered":"<p>Das FG Hamburg hat wegen verfassungsrechtlicher Zweifel vorl\u00e4ufigen Rechtsschutz gegen die Abzinsung von Verbindlichkeiten mit einem Zinssatz von 5,5% gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Nach \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG sind unverzinsliche Verbindlichkeiten, deren Laufzeit am Bilanzstichtag mehr als zw\u00f6lf Monate betr\u00e4gt und die nicht auf einer Anzahlung oder Vorauszahlung beruhen, mit einem Zinssatz von 5,5% abzuzinsen. Das mit Wirkung vom 01.01.1999 eingef\u00fchrte Abzinsungsgebot soll dem Umstand Rechnung tragen, dass unverzinsliche Geldleistungsverpflichtungen weniger belastend sind als markt\u00fcblich verzinste Schulden; sie gebieten deshalb eine Abzinsung auf den niedrigeren Teilwert. In einer anhaltenden Niedrigzinsphase sind die in den Steuergesetzen festgelegten typisierenden Zinss\u00e4tze von 6% (\u00a7 238 AO und \u00a7 6a Abs. 3 Satz 3 EStG) bzw. von 5,5% (\u00a7 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG) zunehmend in die Kritik geraten, weil sie durch ihre &#8222;realit\u00e4tsferne Bemessung&#8220; den Bezug zum langfristigen Marktzinsniveau verloren haben. Beim BVerfG sind verschiedene Verfahren zur Frage der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit der Zinss\u00e4tze anh\u00e4ngig (2 BvR 2706\/17, 2 BvL 22\/17, 1 BvR 2237\/14 und 1 BvR 2422\/17). Der BFH hat mit Beschl\u00fcssen vom 25.4.2018 (IX B 21\/18 &#8211; BStBl II 2018, 415) und vom 3.9.2018 (VIII B 15\/18 &#8211; BFH\/NV 2018, 1279) bezogen auf \u00a7 233a AO Aussetzung der Vollziehung gew\u00e4hrt wegen &#8222;schwerwiegender verfassungsrechtlicher Zweifel&#8220; an der Zinsh\u00f6he von 6% nach \u00a7 233a AO i.V.m. \u00a7 238 Abs. 1 Satz 1 AO. Auch die Verwaltung setzt deswegen seit Ende 2018 auf Antrag die Vollziehung von Zinsbescheiden f\u00fcr Verzinsungszeitr\u00e4ume ab dem 1.4.2012 aus.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund hat das FG Hamburg auch ernstliche Zweifel an der Verfassungsm\u00e4\u00dfigkeit des Abzinsungszinssatzes von 5,5% gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG und hat Aussetzung der Vollziehung gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Nach Auffassung des Finanzgerichts war dem Interesse des Steuerpflichtigen an der Gew\u00e4hrung vorl\u00e4ufigen Rechtsschutzes der Vorrang vor dem \u00f6ffentlichen Interesse am Vollzug des Gesetzes zu gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Die Beschwerde an den BFH wurde zugelassen.<br \/>\nBeschluss vom 31. Januar 2019, (2 V 112\/18), rechtskr\u00e4ftig.<\/p>\n<p>Quelle: Newsletter FG Hambrug<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das FG Hamburg hat wegen verfassungsrechtlicher Zweifel vorl\u00e4ufigen Rechtsschutz gegen die Abzinsung von Verbindlichkeiten mit einem Zinssatz von 5,5% gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG gew\u00e4hrt. 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