{"id":53103,"date":"2019-08-05T10:48:14","date_gmt":"2019-08-05T08:48:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=53103"},"modified":"2019-08-05T10:48:14","modified_gmt":"2019-08-05T08:48:14","slug":"kein-vorliegen-einer-erwerbsunfaehigkeit-zur-negativen-entscheidung-des-rentenversicherungstraegers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/kein-vorliegen-einer-erwerbsunfaehigkeit-zur-negativen-entscheidung-des-rentenversicherungstraegers\/","title":{"rendered":"Kein Vorliegen einer Erwerbsunf\u00e4higkeit: Zur negativen Entscheidung des Rentenversicherungstr\u00e4gers"},"content":{"rendered":"<article>\n<h2>Reichweite der Nahtlosigkeitsregelung des \u00a7 145 Abs. 1 Satz 1 SGB III<\/h2>\n<div id=\"vorspann\">\n<p>Anders als die positive Entscheidung des Rentenversicherungstr\u00e4gers \u00fcber das Vorliegen von Erwerbsunf\u00e4higkeit (EU), l\u00e4sst die negative Entscheidung des Rentenversicherungstr\u00e4gers, dass keine EU vorliegt, die Fiktionswirkung des \u00a7 145 Abs. 1 Satz 1 SGB III (sog. Nahtlosigkeitsregelung) nicht entfallen (Anschluss an Bundessozialgericht, Urteil B 11 AL 13\/99 R vom 09.09.1999 und Landessozialgericht Baden-W\u00fcrttemberg, Urteil L 8 AL 4897\/02 vom 12.12.2003).<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n<article>Der 1957 geborene Kl\u00e4ger meldete sich zum 08.08.2017 bei der Beklagten arbeitslos und beantragte die Gew\u00e4hrung von Arbeitslosengeld (Alg). Hierbei gab er an, seit \u00fcber einem Jahr arbeitsunf\u00e4hig erkrankt zu sein und aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden in seiner Leistungsf\u00e4higkeit eingeschr\u00e4nkt zu sein. Die Beklagte lie\u00df den Kl\u00e4ger nach Aktenlage begutachten und stelle hierbei fest, er sei nur unter drei Stunden t\u00e4glich bzw. unter 15 Stunden w\u00f6chentlich f\u00fcr eine voraussichtliche Dauer von mehr als sechs Monaten leistungsf\u00e4hig. Am 10.10.2017 teilte der f\u00fcr den Kl\u00e4ger zust\u00e4ndige Tr\u00e4ger der gesetzlichen Rentenversicherung der Beklagten mit, ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente sei mit Bescheid vom 05.10.2017 abgelehnt worden; der Kl\u00e4ger sei nicht erwerbsgemindert. Im Folgenden bewilligte die Beklagte dem Kl\u00e4ger Alg f\u00fcr die Zeit vom 08.08.2017 bis 09.10.2017; die befristete Bewilligung von Alg erfolge wegen des Wegfalls der Verf\u00fcgbarkeit. Hiergegen richtete sich die zum Sozialgericht Stuttgart erhobene Klage.Das Gericht hat der Klage stattgegeben und die Beklagte zur Gew\u00e4hrung von Alg auch \u00fcber den 09.10.2017 hinaus verurteilt. Die Wirkung des \u00a7 145 Abs. 1 Satz1 SGB III bestehe darin, ein gesundheitliches Leistungsverm\u00f6gen des Arbeitslosen bis zum Eintritt des in der Rentenversicherung versicherten Risikos der Erwerbsunf\u00e4higkeit (EU) zu fingieren. Diese Fiktion hindere die Arbeitsverwaltung daran, einen Anspruch auf Arbeitslosengeld mit der Begr\u00fcndung zu verneinen, der Arbeitslose sei wegen nicht nur vor\u00fcbergehenden Einschr\u00e4nkungen der gesundheitlichen Leistungsf\u00e4higkeit objektiv nicht verf\u00fcgbar. Diese positive Feststellung von EU durch den zust\u00e4ndigen Rentenversicherungstr\u00e4ger binde die Arbeitsverwaltung jedoch nicht, sondern er\u00f6ffne ihr die M\u00f6glichkeit, nunmehr ohne Beschr\u00e4nkungen des \u00a7 145 SGB III die objektive Verf\u00fcgbarkeit aufgrund eigener Feststellungen zu verneinen. Eine weitergehende Bindung an tats\u00e4chliche oder rechtliche Feststellungen des Rentenversicherungstr\u00e4gers im Sinne einer Erweiterung des Anwendungsbereiches der Nahtlosigkeitsregelung bestehe nicht. Dies gelte auch f\u00fcr Ablehnungsbescheide des Rentenversicherungstr\u00e4gers, die dieser auf einen Rentenantrag des Versicherten hin erteile. Ein derartiger Ablehnungsbescheid schr\u00e4nke den Anwendungsbereich der Nahtlosigkeitsregelung nicht ein und beende die Sperrwirkung nicht. Vorliegend habe der Kl\u00e4ger auch \u00fcber den 09.10.2017 hinaus einen Anspruch auf Alg. Die objektive Verf\u00fcgbarkeit werde \u00fcber die Vorschrift des \u00a7 145 SGB III fingiert, da bei dem Kl\u00e4ger eine mehr als sechsmonatige Minderung der Leistungsf\u00e4higkeit vorliege. Die Fiktionswirkung sei auch nicht durch die Feststellung des Rentenversicherungstr\u00e4gers entfallen; der Rentenversicherungstr\u00e4ger habe das Vorliegen von EU verneint.<\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: SG Stuttgart, Pressemitteilung vom 02.08.2019 zum Urteil S 21 AL 1622\/18 vom 06.05.2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reichweite der Nahtlosigkeitsregelung des \u00a7 145 Abs. 1 Satz 1 SGB III Anders als die positive Entscheidung des Rentenversicherungstr\u00e4gers \u00fcber das Vorliegen von Erwerbsunf\u00e4higkeit (EU), l\u00e4sst die negative Entscheidung des Rentenversicherungstr\u00e4gers, dass keine EU vorliegt, die Fiktionswirkung des \u00a7 145 Abs. 1 Satz 1 SGB III (sog. 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