{"id":53757,"date":"2019-09-03T18:24:48","date_gmt":"2019-09-03T16:24:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=53757"},"modified":"2019-09-03T18:24:48","modified_gmt":"2019-09-03T16:24:48","slug":"elterngeld-und-elterngeld-plus-gleichmaessige-aufteilung-zwischen-muettern-und-vaetern-nach-wie-vor-in-weiter-ferne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/elterngeld-und-elterngeld-plus-gleichmaessige-aufteilung-zwischen-muettern-und-vaetern-nach-wie-vor-in-weiter-ferne\/","title":{"rendered":"Elterngeld und Elterngeld Plus: Gleichm\u00e4\u00dfige Aufteilung zwischen M\u00fcttern und V\u00e4tern nach wie vor in weiter Ferne"},"content":{"rendered":"<article>\n<h1><\/h1>\n<\/article>\n<article>Immer mehr V\u00e4ter in Deutschland pausieren vom Job und beziehen Elterngeld, allerdings sind sie nach wie vor deutlich in der Minderheit. Der Anteil der M\u00e4nner, die Elternzeit nehmen, ist seit Einf\u00fchrung des Elterngeldes im Jahr 2007 von zuvor etwa drei Prozent auf 37 Prozent im Jahr 2016 &#8211; dem aktuellsten, f\u00fcr das entsprechende Daten vorliegen &#8211; gestiegen. Im Vergleich dazu nehmen mehr als neun von zehn M\u00fcttern Elternzeit, zudem in sehr viel h\u00f6herem Umfang als die V\u00e4ter. Auch die Einf\u00fchrung des Elterngeld Plus im Jahr 2015, das den Elterngeldbezug mit einer Teilzeiterwerbst\u00e4tigkeit kombiniert, hat daran nicht grundlegend etwas ge\u00e4ndert. V\u00e4ter halten sich in Sachen Elternzeit vor allem aus finanziellen Gr\u00fcnden zur\u00fcck, zudem bef\u00fcrchten viele negative berufliche Konsequenzen.<\/p>\n<p>Das sind zentrale Ergebnisse einer Studie des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), f\u00fcr die Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics am DIW Berlin, gemeinsam mit Claire Samtleben und Clara Sch\u00e4per Daten der Elterngeldstatistik und des Beziehungs- und Familienpanels pairfam ausgewertet hat. \u201eVon einer gleichm\u00e4\u00dfigen Aufteilung der Elternzeit zwischen M\u00fcttern und V\u00e4tern kann nach wie vor keine Rede sein &#8211; zwar nehmen seit 2007 mehr und mehr V\u00e4ter Elternzeit, doch insgesamt geht es relativ langsam voran&#8220;, sagt Katharina Wrohlich.<\/p>\n<h3>Elterngeld Plus hat in erster Linie bei M\u00fcttern Bewegung in Nutzungsmuster gebracht<\/h3>\n<p>Nicht nur die Inanspruchnahme des Elterngeldes von M\u00fcttern und V\u00e4tern an sich ist sehr ungleich, sondern auch die Nutzungsdauer. Von den M\u00e4nnern, die im Jahr 2018 Elterngeld bezogen, taten dies fast 72 Prozent nur in H\u00f6he des Minimums von zwei Partnermonaten. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es gut 76 Prozent. \u201eDer Fortschritt hin zu einer gleichm\u00e4\u00dfigeren Aufteilung der Elternzeit vollzieht sich also eher in kleinen Schritten&#8220;, sagt Studienautorin Claire Samtleben. \u201eEs verwundert daher kaum, dass die \u201aPartnermonate\u2018 im allt\u00e4glichen Sprachgebrauch zu \u201aV\u00e4termonaten\u2018 wurden, denn das typische Nutzungsmuster beim Elterngeld ist, dass der Vater zwei Monate nimmt und die Mutter die \u00fcbrigen zw\u00f6lf.&#8220;<\/p>\n<p>Daran hat sich auch nur bedingt etwas ge\u00e4ndert, als mit dem Elterngeld Plus ab 2015 die M\u00f6glichkeiten, Elterngeldbezug und Teilzeitjob zu kombinieren, verbessert wurden. Mit dieser Regelung stehen insgesamt bis zu 28 Monate bezahlte Elternzeit zur Verf\u00fcgung. Bei den M\u00fcttern ist der Anteil derer, die mehr als ein Jahr bezahlte Elternzeit nehmen, auf gut 30 Prozent gestiegen. Bei den V\u00e4tern tat sich mit Blick auf die Nutzungsdauer des Elterngeldes hingegen kaum etwas. Auch ist der Anteil derer, die \u00fcberhaupt Elterngeld beziehen, durch die Einf\u00fchrung des Elterngeld Plus bislang nicht nennenswert gestiegen.<\/p>\n<p>\u201eVon einer gleichm\u00e4\u00dfigen Aufteilung der Elternzeit zwischen M\u00fcttern und V\u00e4tern kann nach wie vor keine Rede sein &#8211; zwar nehmen seit 2007 mehr und mehr V\u00e4ter Elternzeit, doch insgesamt geht es relativ langsam voran.&#8220; Katharina Wrohlich<\/p>\n<h3>Finanzielle Gr\u00fcnde sind f\u00fcr V\u00e4ter wichtigstes Motiv gegen (l\u00e4ngere) Elternzeit<\/h3>\n<p>Die Mehrheit der V\u00e4ter nennt &#8211; wie sich aus Befragungsdaten des pairfam-Panels ergibt &#8211; finanzielle Gr\u00fcnde als Motiv, nicht oder nicht l\u00e4nger Elternzeit zu nehmen. In Ostdeutschland trifft das unter den V\u00e4tern, die nicht l\u00e4nger als zwei Monate Elterngeld bezogen, auf zwei Drittel zu und damit auf deutlich mehr als in Westdeutschland (49 Prozent). Das k\u00f6nnte darauf hindeuten, dass nicht so sehr die ungleiche Aufteilung der Erwerbseinkommen zwischen M\u00fcttern und V\u00e4tern vor der Geburt des Kindes (die im Westen st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt ist als im Osten) eine Rolle spielt, als vielmehr die absolute H\u00f6he des Haushaltseinkommens. Dieses ist in den ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern im Durchschnitt deutlich geringer. \u201eOffensichtlich sehen viele Familien in Ostdeutschland keinen Spielraum, zwei Monate oder l\u00e4nger auf bis zu 35 Prozent des Einkommens des Vaters zu verzichten&#8220;, so Wrohlich. \u201eEine Erh\u00f6hung der Lohnersatzrate k\u00f6nnte vor allem im unteren Einkommensbereich daf\u00fcr sorgen, dass die Elternzeit f\u00fcr V\u00e4ter attraktiver wird.&#8220;<\/p>\n<p>Ein weiterer oft genannter Grund, der gegen eine Elternzeit beziehungsweise eine umfangreichere Elternzeit spricht, ist f\u00fcr V\u00e4ter eine m\u00f6gliche Benachteiligung im Beruf. Daf\u00fcr gibt es bisher zwar keine wissenschaftlichen Belege, allerdings steht die Forschung zu diesem Aspekt auch noch am Anfang, da Elternzeitv\u00e4ter ein eher neues Ph\u00e4nomen sind. Wenn entsprechende Erkenntnisse vorliegen, sollten M\u00fctter und V\u00e4ter transparent \u00fcber die Folgen einer Elternzeit auf L\u00f6hne und berufliche Aufstiegschancen informiert werden.<\/p>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: DIW Berlin, Pressemitteilung vom 28.08.2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr V\u00e4ter in Deutschland pausieren vom Job und beziehen Elterngeld, allerdings sind sie nach wie vor deutlich in der Minderheit. 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