{"id":54784,"date":"2019-10-11T18:57:09","date_gmt":"2019-10-11T16:57:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=54784"},"modified":"2019-10-11T18:57:09","modified_gmt":"2019-10-11T16:57:09","slug":"bfh-abzinsung-von-verbindlichkeiten-im-jahr-2010-noch-verfassungsgemaess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/bfh-abzinsung-von-verbindlichkeiten-im-jahr-2010-noch-verfassungsgemaess\/","title":{"rendered":"BFH: Abzinsung von Verbindlichkeiten im Jahr 2010 noch verfassungsgem\u00e4\u00df"},"content":{"rendered":"<article>\n<h1><\/h1>\n<\/article>\n<article>Der Bundesfinanzhof (BFH) sieht die Verpflichtung, unverzinsliche Betriebsschulden mit 5,5 % abzuzinsen, f\u00fcr Wirtschaftsjahre bis einschlie\u00dflich 2010 als verfassungsgem\u00e4\u00df an. Mit Urteil vom 22.05.2019 &#8211; X R 19\/17 hat er zudem einer nachtr\u00e4glich vereinbarten Verzinsung die steuerliche Anerkennung versagt.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin erhielt im Jahr 2010 f\u00fcr ihren Gewerbebetrieb von einem Bekannten ein langfristiges und zun\u00e4chst nicht zu verzinsendes Darlehen \u00fcber ca. 250.000 Euro. W\u00e4hrend einer Au\u00dfenpr\u00fcfung, in der es um eine bilanzielle Gewinnerh\u00f6hung aufgrund der fehlenden Verzinsung ging, legten die Vertragspartner eine ab dem 01.01.2012 beginnende Verzinsung von j\u00e4hrlich 2 % fest. Sp\u00e4ter hoben sie den urspr\u00fcnglichen Darlehensvertrag auf und vereinbarten r\u00fcckwirkend ab 2010 eine Darlehensgew\u00e4hrung zu 1 % Zins. Das Finanzgericht (FG), das das Darlehen steuerlich dem Grunde nach anerkannte, lie\u00df die nachtr\u00e4glich getroffenen Verzinsungsabreden bilanziell unber\u00fccksichtigt, so dass sich f\u00fcr das Streitjahr ein einkommen- und gewerbesteuerpflichtiger Abzinsungsgewinn ergab.<\/p>\n<p>Der BFH best\u00e4tigte im Revisionsverfahren insoweit die Entscheidung der Vorinstanz. Durch das Abzinsungsgebot f\u00fcr unverzinsliche Verbindlichkeiten gem\u00e4\u00df \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) werde steuerlich ber\u00fccksichtigt, dass eine erst in Zukunft zu erf\u00fcllende Verpflichtung weniger belaste als eine sofortige Leistungspflicht und mangels Gegenleistung f\u00fcr den Zahlungsaufschub nicht mit dem Nenn-, sondern dem geringeren Barwert zu passivieren sei. Zeitlich nach dem jeweiligen Bilanzstichtag getroffene Zinsabreden k\u00f6nnten &#8211; selbst wenn sie zivilrechtlich r\u00fcckwirkend erfolgten &#8211; wegen des bilanzsteuerrechtlichen Stichtagsprinzips sowie des allgemeinen steuerlichen R\u00fcckwirkungsverbots erst f\u00fcr k\u00fcnftige Wirtschaftsjahre ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Die von den Kl\u00e4gern ger\u00fcgte Verfassungswidrigkeit des \u00a7 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG teilte der BFH f\u00fcr das Streitjahr nicht. Jedenfalls im Jahr 2010 habe sich das niedrigere Marktzinsniveau noch nicht derart strukturell verfestigt, dass es dem Gesetzgeber nicht noch zuzubilligen gewesen w\u00e4re, aus Vereinfachungsgr\u00fcnden an dem statischen Abzinsungssatz von 5,5 % festzuhalten. Der vergleichsweise heranzuziehende Zins am Fremdkapitalmarkt habe Ende des Jahres 2010 noch knapp unter 4 % gelegen.<\/p>\n<p>Der BFH konnte in der Sache nicht abschlie\u00dfend selbst entscheiden und hat daher den Rechtsstreit an die Vorinstanz zur\u00fcckverwiesen. Zu einem weiteren, von einem Schwager der Kl\u00e4gerin gew\u00e4hrten Darlehen hat das FG im zweiten Rechtsgang festzustellen, ob dieses im Hinblick auf die Anforderungen an Angeh\u00f6rigenvertr\u00e4ge \u00fcberhaupt dem Betriebsverm\u00f6gen zuzuordnen ist.<\/p>\n<div class=\"clearfix\"><\/div>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: BFH, Pressemitteilung Nr. 65\/19 vom 10.10.2019 zum Urteil X R 19\/17 vom 22.05.2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) sieht die Verpflichtung, unverzinsliche Betriebsschulden mit 5,5 % abzuzinsen, f\u00fcr Wirtschaftsjahre bis einschlie\u00dflich 2010 als verfassungsgem\u00e4\u00df an. 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