{"id":55227,"date":"2019-10-31T18:52:17","date_gmt":"2019-10-31T16:52:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/?p=55227"},"modified":"2019-10-31T18:52:17","modified_gmt":"2019-10-31T16:52:17","slug":"koerperschaftsteuer-bfh-eugh-soll-ueber-beihilfecharakter-der-steuerbeguenstigung-fuer-dauerdefizitaere-taetigkeiten-kommunaler-eigengesellschaften-entscheiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/blog\/koerperschaftsteuer-bfh-eugh-soll-ueber-beihilfecharakter-der-steuerbeguenstigung-fuer-dauerdefizitaere-taetigkeiten-kommunaler-eigengesellschaften-entscheiden\/","title":{"rendered":"K\u00f6rperschaftsteuer &#8211; BFH: EuGH soll \u00fcber Beihilfecharakter der Steuerbeg\u00fcnstigung f\u00fcr dauerdefizit\u00e4re T\u00e4tigkeiten kommunaler Eigengesellschaften entscheiden"},"content":{"rendered":"<article><span style=\"font-size: 16px; font-weight: 400;\">Der Bundesfinanzhof (BFH) bittet den Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union (EuGH) um Kl\u00e4rung, ob die Steuerbeg\u00fcnstigung f\u00fcr dauerdefizit\u00e4re T\u00e4tigkeiten kommunaler Eigengesellschaften gegen die Beihilferegelung des Unionsrechts verst\u00f6\u00dft. Der Vorlagebeschluss vom 13.03.2019 &#8211; I R 18\/19 &#8211; betrifft \u00a7 8 Abs. 7 Satz 1 Nr. 2 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes (KStG) in der Fassung des Jahressteuergesetzes 2009 und ist f\u00fcr St\u00e4dte und Gemeinden von gro\u00dfer Bedeutung, da sie im Bereich der Daseinsvorsorge h\u00e4ufig an Eigengesellschaften mit dauerdefizit\u00e4ren T\u00e4tigkeiten beteiligt sind.<\/span><\/p>\n<\/article>\n<article>Die Kl\u00e4gerin ist ein Energieversorgungsunternehmen in der Rechtsform einer GmbH. Da die Anteile der Kl\u00e4gerin zu 100 % von einer Stadt gehalten werden, handelt es sich um eine sog. kommunale Eigengesellschaft. Aus dem Betrieb einer Schwimmhalle erwirtschaftete die Kl\u00e4gerin in den Streitjahren 2002 und 2003 (dauerhaft) Verluste. Diese Verluste wurden vom Finanzamt nicht steuermindernd anerkannt.<\/p>\n<p>Der BFH hatte bereits in der Vergangenheit entschieden, dass die Hinnahme von Dauerverlusten im Interesse von St\u00e4dten und Gemeinden bei kommunalen Eigengesellschaften regelm\u00e4\u00dfig zu einer verdeckten Gewinnaussch\u00fcttung (vGA) f\u00fchrt (BFH-Urteil vom 22.08.2007 &#8211; I R 32\/06, BFHE 218, 523, BStBl II 2007 S. 961).<\/p>\n<p>Dementsprechend sieht der BFH auch in der Hinnahme der Dauerverluste durch die Eigengesellschaft im Streitfall eine vGA an die Stadt, mit der Folge, dass das Einkommen der Gesellschaft entsprechend zu erh\u00f6hen ist. Dieser Rechtsfolge steht jedoch die durch das Jahressteuergesetz 2009 auch mit Wirkung f\u00fcr die Vergangenheit geschaffene Regelung des \u00a7 8 Abs. 7 Satz1 Nr. 2 KStG entgegen, wonach die Rechtsfolgen einer vGA bei kommunalen Eigengesellschaften nicht zu ziehen sind, wenn sie ein sog. Dauerverlustgesch\u00e4ft, wie z. B. beim Betrieb von Schwimmb\u00e4dern aus gesundheitspolitischen Gr\u00fcnden, unterhalten.<\/p>\n<p>Fraglich ist aber, ob die Steuerbeg\u00fcnstigung nach \u00a7 8 Abs. 7 Satz 1 Nr. 2 KStG eine staatliche Beihilfe i. S. von Art. 107 Abs. 1 i. V. m. Art. 108 Abs. 3 des Vertrages \u00fcber die Arbeitsweise der Europ\u00e4ischen Union (AEUV) ist. Genehmigungspflichtig sind danach selektive Beihilfen f\u00fcr bestimmte Unternehmen oder Produktionszweige.<\/p>\n<p>Der BFH ist der Auffassung, dass \u00a7 8 Abs. 7 Satz 1 Nr. 2 KStG den kommunalen Eigengesellschaften einen selektiven Vorteil dadurch verschafft, dass die Rechtsfolgen einer vGA nicht zu ziehen sind, w\u00e4hrend bei den \u00fcbrigen Steuerpflichtigen, die ebenfalls im Interesse ihrer Gesellschafter verlustreiche T\u00e4tigkeiten durchf\u00fchren, diese Rechtsfolgen eintreten. In seinem Vorlagebeschluss geht der BFH von einem grunds\u00e4tzlichen Vorliegen einer Beihilfe nach Art. 107 Abs. 1 AEUV aus, \u00fcberantwortet aber dem EuGH die verbindliche Kl\u00e4rung der im Streitfall bestehenden Auslegungsfrage.<\/p>\n<p>Sollte der EuGH das Vorliegen einer Beihilfe nach Art. 107 Abs. 1 AEUV bejahen, w\u00e4re \u00a7 8 Abs. 7 Satz 1 Nr. 2 KStG bis zu einer Entscheidung der Europ\u00e4ischen Kommission \u00fcber die Vereinbarkeit der Steuerbeg\u00fcnstigung mit dem Binnenmarkt nicht anwendbar. Der Streitfall wie auch die weitere Anwendung dieser Vorschrift m\u00fcssten bis zu einer Entscheidung durch die Kommission ausgesetzt werden.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen ist in Bezug auf die Besteuerungszeitr\u00e4ume ab 2009 &#8211; anders als im Streitfall &#8211; auch die sog. Spartenrechnung des \u00a7 8 Abs. 9 KStG zu beachten. Diese \u00e4ndert aber nichts am Entfallen der vGA, mit dem der BFH sein Vorabentscheidungsersuchen ma\u00dfgeblich begr\u00fcndet hat. Ein vom EuGH auf dieser Grundlage bejahter Beihilfetatbestand k\u00f6nnte sich daher auch auf die heute bestehende Rechtslage auswirken.<\/p>\n<\/article>\n<p id=\"source\">Quelle: BFH, Pressemitteilung Nr. 69\/19 vom 24.10.2019 zum Vorlagebeschluss I R 18\/19 vom 13.03.2019<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Bundesfinanzhof (BFH) bittet den Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union (EuGH) um Kl\u00e4rung, ob die Steuerbeg\u00fcnstigung f\u00fcr dauerdefizit\u00e4re T\u00e4tigkeiten kommunaler Eigengesellschaften gegen die Beihilferegelung des Unionsrechts verst\u00f6\u00dft. 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